merkwürdige Therapieart?

Hallo www-ler,

ich hätte da mal ne Frage:

Gibt es tatsächlich Psychiater, Therapeuten o. ä., die ihren Patienten empfehlen, sich allen Frust von der Seele zu schreiben um ihn dann sehr unpersönlich an z. B. die Eltern zu senden?

Gut, sich den Frust von der Seele zu schreiben kann helfen, aber einen _wirklich_ bitterbösen, beleidigenden, gehässigen Brief zu schreiben und dann noch abzuschicken - egal, was die Empfänger denken und fühlen? Das finde ich persönlich schon ziemlich merkwürdig. An den Briefschreiber kommt man nur ganz schwer ran, es ist aber sicher daß er mit dem Brief zu tun hat. Nur einige Formulierungen lassen den Schluß zu, daß er es nicht alleine gewesen sein könnte. Daher die Frage nach Therapeuten o. ä. die diese Art der Bewältigung empfehlen.

Oder weiß jemand, ob es im Internet Seiten für therapiebedürftige Menschen gibt, die einem sowas raten?

Ich weiß nicht ob Ihr mir helfen könnt, würde mich aber über eine Antwort freuen.

Danke und schönen Gruß

Silvia

Hallo Silvia,

Gibt es tatsächlich Psychiater, Therapeuten o. ä., die ihren
Patienten empfehlen, sich allen Frust von der Seele zu
schreiben um ihn dann sehr unpersönlich an z. B. die Eltern zu
senden?

Kann ich mir nicht vorstellen, aber möglich ist ja alles. Was eher nahe liegt, ist wohl, daß der Betroffene es falsch verstanden hat. Die Technik, sich alles von der Seele zu schreiben ist mir bekannt. Sie dient der Reflektion und soll helfen, die Dinge die belasten, objektiver zu sehen.

Gut, sich den Frust von der Seele zu schreiben kann helfen,
aber einen _wirklich_ bitterbösen, beleidigenden, gehässigen
Brief zu schreiben und dann noch abzuschicken - egal, was die
Empfänger denken und fühlen?

Es gibt da ja so eine Empfehlung, *was Du nicht sagen kannst, daß schreibe!* Vielleicht ist ja hier zu suchen?

Das finde ich persönlich schon
ziemlich merkwürdig. An den Briefschreiber kommt man nur ganz
schwer ran, es ist aber sicher daß er mit dem Brief zu tun
hat.

Also anonym? Dann Vorsicht mit Verdächtigungen! Ich persönlich würde mir den Brief noch mal vor nehmen, nachdem ich mich abgekühlt habe und noch mal schauen, warum sich der Schreiber so verletzt gefühlt haben muß. Er hatte ja schließlich für sich einen Grund!

Nur einige Formulierungen lassen den Schluß zu, daß er es
nicht alleine gewesen sein könnte. Daher die Frage nach
Therapeuten o. ä. die diese Art der Bewältigung empfehlen.

Oder ein Freund? oder, oder…

Oder weiß jemand, ob es im Internet Seiten für
therapiebedürftige Menschen gibt, die einem sowas raten?

ist mir nicht bekannt, aber…

Ich hoffe, Dir zumindest Ansatzweise helfen zu können,
lieben Gruß,
Fionny

viele Möglichkeiten
Hi Silvia

ich gehe mal davon aus, daß du von der Empfängerseite des Briefes aus von dem Brief Kenntnis bekommen hast.

Gibt es tatsächlich Psychiater, Therapeuten o. ä., die ihren
Patienten empfehlen, sich allen Frust von der Seele zu
schreiben um ihn dann sehr unpersönlich an z. B. die Eltern zu
senden?

Die erste Frage wäre: Was wissen denn die Eltern darüber, ob und wenn ja, welche Art von Therapie ihr Kind macht?
Das, was da geschehen ist, ist so unspezifisch, daß man es keinem speziellen psychotherapeutischen Verfahren zuordnen kann. Innerhalb der vom geltenden Therapeutengesetz abgesegneten psychotherapeutischen Verfahren (Psychoanalyse und Verhaltenstherapie) ist es durchaus denkbar, daß bei der Therapie eines Jugentlichen, innerhalb derer u.a. die Elternbeziehung ein spezielleres Thema ist, die Möglichkeit zur Sprache kommt (als Empfehlung dürfte es nicht ausgesprochen worden sein, wenn korrekt nach den Prinzipien dieser Therapieformen gehandelt wurde), daß der Patient bestimmte Inhalte über die Elternbeziehung schriftlich niederlegt in dem Sinne, als ob er seinen Eltern dies als Brief schicken würde.

Wenn man mal davon absieht, daß der Therapeut ja keinen Einfluß darauf hat, was der Patient seinen Eltern an Post zukommen läßt, wäre die „Empfehlung“ jedenfalls, diesen Text dann auch abzuschicken, ein therapeutischer Mißgriff ersten Ranges. Es wäre ja ein direkter Eingriff in das familiäre Szenarium! Da wäre die Vermutung durchaus naheliegend, die Fionny ja auch schon schrieb, daß der Patient da etwas falsch verstanden hat: Daß er sowohl das Schreiben als auch das Abschicken als „Empfehlung“ des Therapeuten mißinterpretiert hat.

Selbst in der sog. (systemischen) Familientherapie, wo ähnliches schon eher denkbar wäre, könnte das nicht regulär passieren, denn dann wäre es im Rahmen einer Vereinbarung mit allen Betroffenen passiert - dann aber hätten die Eltern davon gewußt, auch schon vorher.

Es gibt natürlich auch noch folgende Möglichkeiten, was hier passiert sein könnte:

  1. der „Patient“ hat den Rat (den Text abzuschicken) von irgendjemandem bekommen, den er als „seinen Therapeuten“ bezeichnet, bzw. den er für einen regulären Psychotherapeuten hält. Obwohl die offizielle Verwendung der Bezeichnung „(Psycho)Therapeut“ inzwischen (im Gegensatz zur Bezeichnung „psychologische Beratung“) strengen Regeln unterliegt (abgeschlossene (Zusatz-)Ausbildung in einem anerkannten Schulungsverfahren), gibt es immer noch Schlaumeier, die sich diesen Titel gerne zulegen. Was die dann unter diesem Kompetenzetikett alles treiben, darauf hat niemand Einfluß.

  2. der „Patient“ hatte einfach Lust, seinen Eltern „mal alles vor die Füße zu werfen“, tatsächlich ohne Rücksicht auf deren Reaktion (was als „virtueller Brief“, also ohne Abschicken, ggf. durchaus therapeutisch sinnvoll sein könnte). Und eine ggf. vorhandene moralische Hemmung hätte er dann unter der unwahren Vorgabe, es sei ein Rat eines Theapeuten, für sich persönlich bewältigt.

Also zusammenfassend: Eine regelrechte „Empfehlung“ eines korrekt(!) arbeitenden Therapeuten im Rahmen einer regulären, anerkannten Psychotherapie kann es kaum sein.

Was man ohne näheres Wissen und aus der Ferne den betroffenen Eltern aber (egal, wie es zu dem Brief kam!), empfehlen könnte, wäre, diesen Brief als Ausdruck eines dringenden Bedürfnisses ihres Kindes zu nehmen, so weh es auch tun mag, und den Inhalt - so weit es möglich ist - bewertungsfrei genau zu studieren. Ganz sicher ist das Geschriebene Ausdruck einer subjektiven (und vermutlich irgendwie eskalierten) Verfassung des Kindes - selbst, wenn Details darin nach Maßgabe der Erinnerung der Eltern nicht stimmig sein sollten.

Es könnte immerhin ein Ansatz daraus gewonnen werden, den fruchtbaren Dialog mit ihrem Kind wiederzufinden, falls das ihr Wunsch ist - je nachdem, wie sie die (stimmigen oder auch unstimmigen, das ist zunächst gleichgültig) Informationen des Briefes für sich selbst verarbeiten. Ein ausschließliches Konzentrieren auf die Vermutung, es könnte hier ein therapeutischer Mißgriff vorliegen (was ja durchaus sein kann), würde vielleicht einige fruchtbare Möglichkeiten, den Dialog wiederherzustellen, verhindern.

Eine Empfehlung jedoch, wie sie auf den Brief (auf seinen Inhalt und auf die Tatsache, daß er geschrieben wurde) konkret reagieren könnten, kann man ohne Kenntnis der näheren Umstände leider nicht geben.

Dramatisch ist natürlich zweifellos, daß das Kind den Eltern (wie angedeutet) dialogisch nicht zugänglich ist. Auch hier kann ich den Eltern ohne Eindruck der näheren Umstände nichts unmittelbar vorschlagen. An Möglichkeiten, „was noch geht, wenn nichts mehr geht“, gibt es jedoch viele…

Grüße

Metapher

Hallo Metapher,

Im Grunde stimmen wir mit unseren Aussagen überein.
Nur gehe ich nicht davon aus, daß der Schreiber ein Kind ist (bitte korrigieren, wenn falsch heraus gelesen!), da dann die Eltern von der Therapie ihres Kindes wüßten. Es braucht dazu ihre Zustimmung!

lieben Gruß,
Fionny

schon erwachsen…
Hallo Fionny,

Du hast recht, der Schreiber ist Mitte 30!

Ich laß mir jetzt mal Eure Antworten durch den Kopf gehen und schreib dann nochmal.

Danke erstmal, schönen Gruß

Silvia

Hallo Fionny,

Das finde ich persönlich schon
ziemlich merkwürdig. An den Briefschreiber kommt man nur ganz
schwer ran, es ist aber sicher daß er mit dem Brief zu tun
hat.

Also anonym? Dann Vorsicht mit Verdächtigungen! Ich persönlich
würde mir den Brief noch mal vor nehmen, nachdem ich mich
abgekühlt habe und noch mal schauen, warum sich der Schreiber
so verletzt gefühlt haben muß. Er hatte ja schließlich für
sich einen Grund!

Nein, nicht anonym, aber unpersönlich alles mit Maschine geschrieben, auch die „Unterschrift“. Aber der Schreiber muß zumindest mit involviert sein, da Interna angesprochen wurden, die nur der er kennt. Ob er den Brief nun auch selbst und allein geschrieben hat? Aber er „steckt“ dahinter, irgendwie. Man kommt aber auch nicht an ihn ran, telefonisch schlecht, auch per Brief - wenn er den Brief nicht geschrieben hat, dann möchte er sich itte sofort melden -. Vielleicht eine kleine Hoffnung, daß er die Nachrichten nie bekommen hat, aber eher, daß er den Brief geschrieben hat und jetzt die Resonanz scheut… Nur, damit hat er rechnen müssen…

Warum sich der Schreiber so verletzt fühlt… er sucht - schon immer - für alles, was so nicht so gutes in seinem Leben passiert ist, die Schuld bei anderen. _Er_ ist nie nicht schuld. An gar nix. Also: wie er jetzt ist und handelt, wenn das mal irgendwie nicht so nett ist, dann ist das ja in seiner Kindheit zu suchen, aber _nur_ da. Nicht er, nicht Schule, nicht Freunde, nicht Bekannte und andere Verwandte, allein die Eltern sind schuld. Für ihn. Immer. Daß er so denkt, dachte ich mir schon, aber daß er das auch niederschreibt und den Brief auch noch abschickt ohne Rücksicht auf Verluste (fast wortwörtlich zu nehmen)…

Nur einige Formulierungen lassen den Schluß zu, daß er es
nicht alleine gewesen sein könnte. Daher die Frage nach
Therapeuten o. ä. die diese Art der Bewältigung empfehlen.

Oder ein Freund? oder, oder…

Klar, kann sein, aber er spricht mit Nichtfamilienmitgliedern nicht über seine Gefühle. Er ist schließlich ein Mann, ein richtig harter cooler Typ (so zeigt er sich, besonders vor seinen Freunden). :frowning: Und von jemandem aus der Familie hat er die Idee nicht, das weiß ich. Klar, kann auch sein Allgemeinmediziner sein, der ihn mal auf sein cholerisches Verhalten angesprochen hat, aber eher ist es wirklich leider im bereich Therapie zu suchen. Was auch immer für eine… an die „schwarzen Schafe“ denkend…

Ich hoffe, Dir zumindest Ansatzweise helfen zu können,

Auf jeden Fall Denkansätze :smile:

Schönen Gruß
Silvia

Hallo Metapher,

ich gehe mal davon aus, daß du von der Empfängerseite des
Briefes aus von dem Brief Kenntnis bekommen hast.

Gut getippt :smile:
Aber ich kenne beide Seiten recht gut.

Gibt es tatsächlich Psychiater, Therapeuten o. ä., die ihren
Patienten empfehlen, sich allen Frust von der Seele zu
schreiben um ihn dann sehr unpersönlich an z. B. die Eltern zu
senden?

Die erste Frage wäre: Was wissen denn die Eltern darüber,
ob und wenn ja, welche Art von Therapie ihr Kind
macht?
Das, was da geschehen ist, ist so unspezifisch, daß man es
keinem speziellen psychotherapeutischen Verfahren zuordnen
kann. Innerhalb der vom geltenden Therapeutengesetz
abgesegneten psychotherapeutischen Verfahren (Psychoanalyse
und Verhaltenstherapie) ist es durchaus denkbar, daß bei der
Therapie eines Jugentlichen, innerhalb derer u.a. die
Elternbeziehung ein spezielleres Thema ist, die
Möglichkeit zur Sprache kommt (als Empfehlung
dürfte es nicht ausgesprochen worden sein, wenn korrekt nach
den Prinzipien dieser Therapieformen gehandelt wurde), daß der
Patient bestimmte Inhalte über die Elternbeziehung schriftlich
niederlegt in dem Sinne, als ob er seinen Eltern dies
als Brief schicken würde.

Wenn man mal davon absieht, daß der Therapeut ja keinen
Einfluß darauf hat, was der Patient seinen Eltern an Post
zukommen läßt, wäre die „Empfehlung“ jedenfalls, diesen Text
dann auch abzuschicken, ein therapeutischer Mißgriff ersten
Ranges. Es wäre ja ein direkter Eingriff in das familiäre
Szenarium! Da wäre die Vermutung durchaus naheliegend, die
Fionny ja auch schon schrieb, daß der Patient da etwas falsch
verstanden hat: Daß er sowohl das Schreiben als auch das
Abschicken als „Empfehlung“ des Therapeuten mißinterpretiert
hat.

Die Eltern wissen nix von einer Therapie bei dem mittlerweile mitte30-Jährigen Sohn.

Es herrscht schon seit längerem eine etwas gespanntere Atmosphäre, nur daß sie sich jetzt so entladen hat, da glaub ich auch, daß er doch was völlig falsch verstanden hat bzw. eine ziemlich blöde Idee gehabt hat, wenn es tatsächlich von ihm ausgegangen ist, diesen Brief zu schreiben.

Selbst in der sog. (systemischen) Familientherapie, wo
ähnliches schon eher denkbar wäre, könnte das nicht regulär
passieren, denn dann wäre es im Rahmen einer Vereinbarung mit
allen Betroffenen passiert - dann aber hätten die Eltern davon
gewußt, auch schon vorher.

Das hört sich auch gut an, dann rechnet man damit. Aber ich denke, selbst dann würde ein Brief nicht dermaßen voller Wut (schon Hass?) sein, _so_ bösartig und gemein sein.

Es gibt natürlich auch noch folgende Möglichkeiten, was hier
passiert sein könnte:

  1. der „Patient“ hat den Rat (den Text abzuschicken) von
    irgendjemandem bekommen, den er als „seinen Therapeuten“
    bezeichnet, bzw. den er für einen regulären Psychotherapeuten
    hält. Obwohl die offizielle Verwendung der Bezeichnung
    „(Psycho)Therapeut“ inzwischen (im Gegensatz zur Bezeichnung
    „psychologische Beratung“) strengen Regeln unterliegt
    (abgeschlossene (Zusatz-)Ausbildung in einem
    anerkannten Schulungsverfahren), gibt es immer noch
    Schlaumeier, die sich diesen Titel gerne zulegen. Was die dann
    unter diesem Kompetenzetikett alles treiben, darauf hat
    niemand Einfluß.

Diese Möglichkeit kann sehr stark in Betracht gezogen werden. Da habe ich bzw. eine Freundin von mir auch schon leidvolle Erfahrungen mit gemacht - aber das ist ein anderes Thema :frowning:

  1. der „Patient“ hatte einfach Lust, seinen Eltern „mal alles
    vor die Füße zu werfen“, tatsächlich ohne Rücksicht auf
    deren Reaktion (was als „virtueller Brief“, also ohne
    Abschicken, ggf. durchaus therapeutisch sinnvoll sein könnte).
    Und eine ggf. vorhandene moralische Hemmung hätte er dann
    unter der unwahren Vorgabe, es sei ein Rat eines
    Theapeuten, für sich persönlich bewältigt.

Das war auch meine Reaktion: Einen Brief schreiben, gut, und dann entweder behalten, zerreissen oder auch verbrennen um die ganze aufgestaute Wut loszuwerden… oder so ähnlich. Aber doch nicht _abschicken_!

Man kann den Eltern nicht vorwerfen, daß sie nach diesem Brief ziemlich fertig und entsetzt sind. Theoretisch hat er sich das verbaut, daß er je wieder mit seinen Eltern im Ansatz harmonisch auskommen könnte.

Wäre er 16-17-18 Jahre alt oder so, könnt man das ja noch alles als pupertären Wutausbruch hinnehmen, aber als mitte30-jähriger …

Was man ohne näheres Wissen und aus der Ferne den betroffenen
Eltern aber (egal, wie es zu dem Brief kam!), empfehlen
könnte, wäre, diesen Brief als Ausdruck eines dringenden
Bedürfnisses ihres Kindes zu nehmen, so weh es auch tun mag,
und den Inhalt - so weit es möglich ist -
bewertungsfrei genau zu studieren. Ganz sicher ist das
Geschriebene Ausdruck einer subjektiven (und vermutlich
irgendwie eskalierten) Verfassung des Kindes - selbst, wenn
Details darin nach Maßgabe der Erinnerung der Eltern
nicht stimmig sein sollten.

Es könnte immerhin ein Ansatz daraus gewonnen werden, den
fruchtbaren Dialog mit ihrem Kind wiederzufinden, falls das
ihr Wunsch ist - je nachdem, wie sie die (stimmigen
oder auch unstimmigen, das ist zunächst gleichgültig)
Informationen des Briefes für sich selbst verarbeiten. Ein
ausschließliches Konzentrieren auf die Vermutung, es
könnte hier ein therapeutischer Mißgriff vorliegen (was ja
durchaus sein kann), würde vielleicht einige fruchtbare
Möglichkeiten, den Dialog wiederherzustellen, verhindern.

Eine Empfehlung jedoch, wie sie auf den Brief (auf seinen
Inhalt und auf die Tatsache, daß er geschrieben wurde)
konkret reagieren könnten, kann man ohne Kenntnis der
näheren Umstände leider nicht geben.

Dramatisch ist natürlich zweifellos, daß das Kind den Eltern
(wie angedeutet) dialogisch nicht zugänglich ist. Auch hier
kann ich den Eltern ohne Eindruck der näheren Umstände nichts
unmittelbar vorschlagen. An Möglichkeiten, „was noch geht,
wenn nichts mehr geht“, gibt es jedoch viele…

Hinfahren, direkt und ruhig zur Rede stellen? Dieser Brief zeigt m. E. - da er so hart geschrieben ist, - daß er nichts mehr mit den Eltern zu tun haben will. Denn mit seinen Worten hat der diese Reaktion eigentlich provoziert. Drei Seiten maschinengeschriebenen Text voller Beleidigungen - da kann man gerade als Eltern, denk ich mal, - nicht so einfach, bewertungsfrei zu studieren. Ich kenne beide Seiten und ich weiß, daß er da mit arg scharfen Geschützen geschossen hat.

Aber leider weiß ich auch, daß der Schreiber nicht konfliktfähig ist, nicht kompromissbereit, sondern einfach ein - leider - feiger Mensch ist. Anderen weh tun, ja, aber dann nicht dafür geradestehen. Er sieht sein verpfuschtes Leben (was sich manche wünschen würden zu führen, dieses Leben - Arbeit, liebe Frau, liebe Kinder, nicht vorbestraft, keine Drogensucht, körperlich gesund (geistig weiß ich nicht)) als Ergebnis der Erziehung seiner Eltern an. Wie ich Fionna schon beantwortete, alle anderen sind immer Schuld, schon immer Schuld gewesen, nie er. Nie. M. E. hat jeder, mit dem ein Mensch so im Laufe des Lebens zu tun hatte, irgendwie mit Einfluß auf das Verhalten. Seien es nun Familienmitglieder, Schule, Arbeitskollegen, Bekannte und Freunde.

Wenn sich das Ganze als ein „therapeutischen Mißgriff“ herausstellt, sollte man den Brief vielleicht wirklich nicht komplett ignorieren, aber dann hätte man wieder eine Basis, meiner Meinung nach, um darüber zu reden. Aber schwierig wird es, das ist sicher.

Danke erstmal für die Denkansätze!

Schönen Gruß

Silvia

Gibt es tatsächlich Psychiater, Therapeuten o. ä., die ihren
Patienten empfehlen, sich allen Frust von der Seele zu
schreiben um ihn dann sehr unpersönlich an z. B. die Eltern zu
senden?

Ich kenne das nur aus einem analytisch arbeitenden psychosomatischen Krankenhaus. Allerdings soll der Brief nur zu Therapiezwecken geschrieben aber NIE ABGESCHICKT WERDEN!!! Er soll nur dazu dienen, sich der eigenen Gefühle für seien Eltern bewußt zu werden.

Ich mache selbst seit einiger Zeit Therapie und ich habe mit meiner behandelnden Therapeutin darüber geredet ( als ich damals da war ). Sie meinte dazu, daß man sowas nur dann machen sollte ( als Therapeuten einen Patienten zu einem solchen Brief auffordern bzw. vorschlagen ) wenn man den Patienten SEHR GUT KENNT!!! Somit war es ein therapeutischer Fehlgriff damals bei mir, daß eine Therapeutin, die mich erst eine Woche oder so kannte, mich zu so einem Brief aufzufordern … denn er hat mich in ziemliche Kriesen gestürzt - mit der sie mich dann auch alleine gelassen hat. Denn sie meinte, daß ich das alleine durchstehen müsse …

Ich hoffe, daß hilft Dir weiter …

Gruß,

Aggie