Meine Meinung
Hallo shaggi!
Ich bin zwar Psychologie-Student, will Dir aber mal nicht als Psycho, sondern als Privatperson schreiben (kann sein, daß sich auch psychologisches Wissen im Text befindet).
Kleine Warnung vorweg: Es gibt keine Patentrezepte.
Und: Alles kann nach hinten los gehen.
Mein Partner ist ein Mann, der nicht gerne die
Handwerkermütze aufsetzt. Die kleinsten handwerklichen Arbeiten
macht er eher ungern.
Das kenne ich gut aus meiner Familie.
Viele Dinge sieht er einfach nicht. Er
arbeitet am liebsten an seinem PC sowohl HObby als Jobmäßig. Er
würde nie von alleine anfangen auf dem Grundstück, im Haus nach
dem Rechten zu sehen. Ich dagegen bin in einer Familie
aufgewachsen, in der mein Vater handwerklich alles alleine
gemacht hat. So hilft er nun auch sehr viel beim Haus und
Grundstück. Ich will damit sagen, dass ich es gewohnt bin, dass
der Mann all diese Dinge tut, alleine sieht und erledigt.
Siehst Du: Dein Mann ist ein anderer Mensch als Du. Du hast in Deiner Familie gelernt, handwerklich zu arbeiten und auf die handwerklichen Dinge zu achten. Ich lese heraus, daß das für Deinen Mann nicht zutrifft.
Und Du schreibst, daß Du es gewohnt bist (es gelernt hast), daß ein Mann all diese handwerklichen Dinge tut und bist jetzt irritiert, daß es Dein Mann nicht tut. Dies würde ich erst einmal nicht als Problem Deines Mannes ansehen, sondern als Deines: Erst einmal würde ich akzeptieren, daß Dein Mann anders ist als das Bild vom Mann, das Du aus Deiner Kindheit und Jugend mitgebracht hast. Versuche doch einmal zu verstehen, daß nicht alle Männer Deinem Bild von Mann hinsichtlich der handwerklichen Dinge entsprechen (ich z.B bin auch kein Handwerker und hocke lieber vorm PC!).
Als wir das Haus geplant haben, war es schon so, dass ich meinem
Partner ständig sagen musste was noch zu erledigen wäre. Oft
habe ich es mit meinem Vater selbst erledigt.
Dies finde ich verständlich, weil Dein Mann es wohl nicht gelernt hat, selbständig handwerklich tätig zu sein. Und wenn Menschen etwas nicht gelernt haben, dann machen sie es meistens auch nicht. Ganz natürlich, würde ich sagen. Das ist aber keine Entschuldigung, sondern erst einmal eine Akzeptierung der tatsächlichen Situation.
Irgendwie habe ich
aber gehofft, dass sich das mit meinem Partner schon ergeben
wird, dass er sich auch selbständig um die handwerklichen Dinge
kümmert.
Wie soll das gehen? Wenn es Dein Mann niemals gelernt hat, selbständig handwerkliche Dinge anzugehen und es auch nie getan hat (oder nur selten), dann kommt er allein nicht drauf. Das ist wie mit dem Kochen: Wenn ich nie koche, dann kann ich auch nicht kochen.
Aber das passiert nicht.
Siehst Du! (hoffentlich)
Wir streiten darüber, dass ich
ihm sagen muss, dass eine Lampe auszuwechseln wäre (er muss dann
noch fragen - wo die denn sind).
Klar, denke ich. Wenn jemand kaum handwerklich tätig ist, dann weiß der auch nicht, wo was ist. Außerdem ist etwas, was man selten gemacht hat, am Anfang unangenehm (ist wie mit der ersten Arbeit), aber mit der Übung kommt die Gelassenheit, weil man sich sicher wird in dem, was man tut. Das müßte Dein Mann lernen.
Im übrigen könnte es sein, daß er sich „dümmer“ anstellt, als er ist. Vielleicht hat er ja die Erfahrung gemacht, daß, wenn er sich „dumm“ anstellt, Du angelaufen kommst und ihm die Arbeit abnimmst. Du nimmst ihm für ihn Unangenehmes ab - so etwas bestärkt Deinen Mann nur darin, sich weiter „dumm“ anzustellen. Motto: Die Frau wird´s schon richten. Da muß er die Erfahrung machen: So geht´s nicht, wenn er mit Dir zusammenleben will (aber bitte nicht so verstehen, als wenn ich Dich zum Scheidungsanwalt schicken will).
In solchen Momenten reagiere ich
sehr genervt , antworte oft nicht, tue so als ob ich die Frage
überhört hätte. Es regt mich einfach auf. Ich ziehe mich in
mich zurück, mag nicht mehr seine Nähe und so weiter.
Das kann ich gut verstehen. Wenn Du es gewohnt bist, handwerklich tätig zu sein, und ein anderer „stellt sich so an“, dann wäre ich auch frustriert. Deshalb meine ich ja, daß ein Schritt wäre, damit es Dir besser geht, erst einmal zu akzeptieren, daß Dein Mann handwerklich wenig kann. Der zweite Schritt wäre, ihm langsam etwas beizubringen bzw. ihn etwas lernen zu lassen.
Dann kommt er mit dem Vorwurf, dass ich so kalt wie ein Eisblock
wäre, und wenn er nicht immer den Anfang machen würde, hätten
wir gar keinen Sex mehr. Stimmt so nicht ganz, denn auch ich
gehe auf ihn zu und wir haben guten Sex - nur nicht mehr jeden
Tag.
Ich finde, daß das eine sehr unangenehme Begleiterscheinung der eigentlichen Problematik ist, wie ich sie verstehe. Wenn Du Dich von ihm abwendest, dann wendet er sich ab. Er „bestraft“ quasi Dein Verhalten (genervt sein, sich zurückziehen) mit dem Vorwurf, den Du genannt hast, um weiterhin das eigentliche Problem (das Handwerkliche) nicht angehen zu müssen.
Ich möchte mich eigentlich viel gelassener geben und ihn nett
darum bitten können (ohne im stillen sauer zu sein), dass er
diese oder jene Dinge tun möchte. Aber genau das fällt mir
schwer. Ich möchte auch ohne Groll seine Fragen nach allen
möglichen Gegenständen (die er nie findet) beantworten können.
Derzeit bekommt er von mir dafür eine Abfuhr, keine Antwort ode
eine spitze Bemerkung zur Antwort.
Das verstehe ich. Ich denke auch, daß es besser wäre, wenn Du gelassener mit dem Problem umgehen könntest. Es ist aber schwierig - so wie Du es auch schreibst.
Wie soll ich damit umgehen, wenn ich das Gefühl habe, dass er
als Mann mehr die Handwerkermütze aufhaben sollte als ich?
Was Du tun könntest, wäre Deine Sicht eines handwerkenden Mannes nicht auf Deinen Mann zu übertragen. Versuche doch zu verstehen, daß Dein Mann zur Zeit kein Handwerker ist und daß sein Verhalten daher zur Zeit auch nicht das eines Handwerkers sein kann.
Mache ich etwas falsch, wenn ich ihm das Gefühl gebe, dass alles
auch alleine bewerkstelligen zu können?
Von „falsch“ möchte ich nicht reden. Ich denke aber, daß es angemessenere Wege gibt, Euer Problem in den Griff zu bekommen, Wege, auf denen ihr miteinander sprechen könnt, ohne unfreundlich zu werden. Zur Zeit denke ich, ist Dein Mann vielleicht nicht fähig, alles allein zu bewerkstelligen.
Muss ich wirklich die kleine naive Frau spielen, um ihn aus der
Reserve zu locken? Ich könnte nämlich wetten, dass genau das auch
nicht der richtige WEg ist, weil er mir dann nicht glaubt, dass ich
es nicht ebenso gut alleine erledigen könnte?
Ich glaube auch, daß er einen so plötzlichen Wechsel bemerken und sich dagegen wehren würde.
Ist es falsch ein gewisses Rollenspiel in der Beziehung zu spielen?
Ist ja nun auch nicht so, dass er die Hausarbeit alleine macht. Ich
gehe Vollzeit arbeiten, erziehe meine beiden Kinder (aus erster Ehe),
kümmere mich um mein Auto, um den Haushalt, um das Essen, um das
Einkaufen (nicht immer), um den Garten und um das Haus? Hier
läuft was falsch. Nur wie stelle ich es richtig an, wenn ich
mich nicht von ihm trennen möchte???
Hier wäre der zweite Schritt angezeigt: Dein Mann sollte lernen, auch Hausarbeit / Handwerkliches zu leisten. Dies müßtest Du ihm klar gemacht werden, wenn er an einem Zusammenleben mit Dir interessiert ist. Allerdings mußt Du Dir im klaren sein, daß er vielleicht niemals der Typ wird, den Du Dir vorstellst. Und: Er wird sich wahrscheinlich gegen Veränderungen wehren.
Kleine Schritte sind geeignet, um aufs große Ziel zuzusteuern. Dabei ist es wichtig, Geduld zu haben. Und nicht nur aufs Reden setzen: Sich Regen bringt Segen, nicht Reden. Vielleicht läßt Du tatsächlich einmal kleine Dinge schleifen: Wenn eine Birne kaputt ist, die für sein Leben wichtig ist (am Computertisch z.B.), warum solltest Du sie nicht einmal drin lassen? Kannst ja mal beobachten, was passiert. Vielleicht wird die Situation (kein Licht) Deinem Mann irgendwann zu „blöd“, so daß er fragt: „Schatz, wo sind denn die Birnen?“ Dann kannst Du denken: Mein Mann zeigt Initiative. Und Du kannst ihm deutlich beschreiben, wo die Birnen sind. Wenn er dann sucht und nicht findet, dann laß ihn doch mal suchen und die Gegenstände ausprobieren, die er für die passenden Birnen hält. Wirst sehen, mit der Zeit findet er was (vielleicht unter großem Stöhnen und Getue oder erst nach 2 Wochen). Hauptsache: Du rennst nicht hin und nimmst ihm die Arbeit ab. Da gibt es sicher eine Menge schöne Sachen, die Du machen kannst (shoppen, mit Freundinnen treffen), bevor die Birne in der Lampe ist.
Und wenn´s keine Birne ist, dann findet sich was anderes, was Du einmal ignorieren kannst. Es sollten bloß kleine Dinge am Anfang sein, damit Dein Mann nicht wirklich überfordert ist.
Noch mal meine Warnungen:
Es gibt keine Patentrezepte.
Und: Alles kann nach hinten los gehen.
Gruß,
Oliver