Schizophrenie?
Hi Stefan
zunächst zu deiner Frage nach den Begriffen:
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„Persönlichkeits_spaltung_“ ist nur ein Übersetzungsversuch des Ausdrucks „Schizophrenie“ (eigentlich „gespaltenes Denken“), wobei der Name „Schizophrenie“ selbst aus den Anfängen der diesbezüglichen Forschung stammt (vom Schweizer Psychologne Bleuler eingeführt) und beibehalten wurde. Dieser Name hat aber mit den Eigenarten dieser heute so genannten Störung nur wenig zu tun.
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Der von Bettina unten angegebene Link zu den „Persönlichkeits_störungen_“ führt zu einer Gruppe von Störungen, die nicht zu den psychotischen zählen und mit dem von dir beschriebenen Beispiel nichts zu tun haben
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Dir schwebte vermutlich die Bezeichnung „multiple Persönlickeit“ vor. Die „multiple Persönlichkeitsstörung“ gehört aber trotz dieser Bezeichnung nicht zu den o.g. Persönlichkeitsstörungen, sondern zu den sog. Dissoziativen Störungen (Konversionsstörungen) und diese wiederum zu den neurotischen Störungen. Die multiple Persönlichkeit hat aber ein anderes Erscheinungsbild als das von dir beschriebene. Hier treten (meist zeitlich getrennt) Persönlichkeiten auf, die entweder gar nichts voneinander wissen oder miteinander kommunizieren, die entweder völlig verschiedene Biografien, Eigenschaften, sogar Fähigkeiten haben oder charakteristische Gemeinsamkeiten in Biografien, Eigenschaften oder Fähigkeiten. Oft sind auch die Namen, die die Hauptperson ihren Nebenpersonen gibt, an deren Hauptmerkmale assoziiert usw.
Diese und andere Eigenschaften betreffen aber immer Personen, die tatsächlich so auftreten (also nicht nur so phantasieren) und in dieser „Rolle“ mit ihrer Umwelt interagieren. Das unterscheidet dieses Phänomen von dem von dir erzählten. Im Übrigen werden auch immer wieder Zweifel an der Korrektheit der Beschreibung solcher Phänomene angemeldet, vor allem auch, weil vor einigen Jahren sich ein besonders spektakulärer Fall als Erfindung einer Autorin herausstellte.
Im Grunde suche ich nach Anhaltspunkten bzw einer
idiotensicheren
Definition, anhand welcher man
festzustellen versuchen könnte, ob eine Person mehr als nur
sich selbst „hat“.
Es gibt zwar Versuche, Charakteristika psychischer Störungen in normierter Form zu beschreiben (hauptsächlich zum Zweck, eine möglichst eindeutige Kommunikation in der psychologischen und psychiatrischen Forschung und in der Therapietheorie zu ermöglichen), und es gibt daher auch diagnostische Manuale dafür, aber idiotensicher ist das keineswegs. Vor allem, weil es zur Identifizierung eines vorliegenden Krankheitsbildes in einem solchen Manual einer reichhaltigen Erfahrung und Schulung bedarf. Einfach solche Manuale durchscannen und nachschauen, ob man etwas wiedererkennt, was man meint, beobachtet zu haben, reicht da nicht und könnte katastrophale Folgen nicht nur für die Betroffenen haben.
Meines Wissens gibt es eine Liste von zehn oder elf Kriterien,
welche man zur „Feststellung“ von Schizophrenie heranziehen
kann.
Nein, bei weitem nicht. Es gibt - auch in der normierten diagnostischen Form - eine Menge von sog. Typen schizophrener Störungen, die alle eine eigene (lange) Liste haben. Zu einigen dieser Typen gehören Wahnvorstellungen (so würde das von dir Erwähnte genannt) gerade nicht. Und die diagnostische Identifizierung benötigt alle möglichen zusätzlichen Kriterien wie z.B. Randbedingungen oder Dauer des Aufretens der jeweiligen Phänomene, Vorgeschichte, Ausschlußkriterien gegen organische Ursachen (Drogen, Vergiftungen u.a.).
Nun zu deinem Beispiel:
Was du berichtest als solches genommen würde schon immerhin den Verdacht auf Schizophrenie nahelegen, da es zu einem von zahlreichen definierenden Charakteristika gehört, zumal du zusätzliche Merkmale unter „Allerdings sei angemerkt, dass die Person auch sonst im Alltagsleben …“ aufzählst.
Aber(!) - mehr als ein Verdacht auch keineswegs. Das Berichtete könnte einen beauftragten Diagnostiker bestenfalls veranlassen, in einer solchen Richtung genauer zu untersuchen, aber niemals allein auf der Basis eines niedergeschriebenen, zudem viel zu ungenauen und zu kurzen Berichtes, und erst recht nicht eines Berichtes, der auch noch von einer anderen Person geschrieben wurde, und die, wie du ja selbst sagst, Laie auf diesem Gebiet ist.
Viele viele andere Dinge müßten dazu untersucht werden. Vor allem fehlen die oben erwähnten Ausschlußkriterien, d.h. es müßte sichergestellt werden, daß bestimmte andere Merkmale nicht vorhanden sind. Ferner ist die Dauer von erheblicher Bedeutung (tritt es kontinuierlich oder episodisch auf, und wenn kontinuierlich, dann wielange, seit wann das ganze überhaupt usw. usw.) und es würden dazu auch zahlreiche andere Merkmale gehören, von denen in dem Bericht gar nicht die Rede ist.
Also, Stefan, so einfach ist es nicht. Und auch ein auf solche Erscheinungen spezialisierter Fachkundiger würde unter diesen Bedingungen eines Kurzberichtes eines Dritten nichts weiter sagen können und vor allem nicht dürfen. Die ungefähre Richtung, im Sinne eines bloßen Verdachtes - soweit darf man unter diesen Umständen sicher gehen - würde heißen: ja (siehe oben).
Und auch dies ist ganz sicher zu empfehlen, daß man den Herrn doch dringend ermutigen sollte, sich einmal einer eingehenden fachkundigen Untersuchung zu unterziehen (das wäre meines Erachtens eine psychiatrische) - je eher, desto besser.
Grüße
Metapher