Zum Verdacht auf Schizophrenie, paranoider Typus
Hallo Pedro,
ich bin wirklich überrascht, wie häufig sich das Thema „Wahn“ hier im Forum niederschlägt, wenn man bedenkt, daß das Symptom doch relativ selten ist.
Zum Inhaltlichen:
Also nach Deiner Beschreibung zu urteilen, könnte es sich tatsächlich um einen Verfolgungswahn handeln. Allerdings kann man nicht mehr sagen, weil Du „nur“ wenige Merkmale aufgezählt hast (vielleicht weißt Du auch nicht mehr). Um mehr zu sagen, müßten detailliertere Infos vorliegen (also Inhalte, Differenzierungsgrad, Beginn der Symptomatik). Natürlich müßte auch abgeklärt werden, welche möglichen Ursachen der Symptomatik zugrundeliegen:
- vielleicht berechtigte Verfolgungsangst (?)
- Nimmt der Junge Drogen? (MUSS abgeklärt werden)
- Medizinische Störungen (wie z.B. Hirntumore, Hirnentzündungen usw.).
Erst wenn das richtig geklärt ist, dann kann man auf primäre psychische Störungen untersuchen:
- Schizophrenie, inbesondere paranoid-halluzinatorischer Typus
- wahnhafte Störung (ist nicht gleich Schizophrenie)
- andere Störungen, die der Schizophrenie ähnlich sind (schizophreniforme Störung, kurze psychotische Störung, schizoaffektive Störung)
- Major Depression mit psychotischen Merkmalen
- Bipolar I Störung (manisch-depressiv) mit psychotischen Merkmalen.
Daß die Störung so aus heiterem Himmel kommt, ist bei psychischen Störungen wie Schizophrenie nicht so häufig. Meistens läuft ihr eine so genannte Prodromalphase mit sozialem Rückzug, affektiven Verstimmungen usw. voraus (weiteres zu Schizophrenie siehe mein Artikel http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…).
Im übrigen (ohne daß der Verdacht auf Schizophrenie gelenkt werden soll): Schizophrenien treten bei Männern gehäuft zwischen der Spätadoleszenz und dem jungen Erwachsenenalter auf (typischer Erkrankungsbeginn), was sich verheerend auf die weitere psychosoziale Entwicklung auswirkt (Partnerschaft, Elternschaft, Berufsfindung sind durch diesen Erkrankungsbeginn extrem gefähredet und Verzögerungen später schwierig nachzuholen). Bei Frauen gibt es neben dem Erkrankungsgipfel wie bei den Männern noch einen um die Menopause herum, was, da bei den Frauen bereits die psychosoziale Entwicklung sehr weit fortgeschritten ist, zu besserer psychosozialer Prognose führt.
Das Beste wird sein, wenn der Junge dazu gebracht wird, einen Arzt zu konsultieren, der die weiteren diagnostischen Schritte unternimmt. Ohne Diagnostik - keine Therapie!
Wünsche dem Jungen alles Gute,
Oliver
PS: Falls Selbst- (Suizidgefahr) oder Fremdgefährdung (schwere tätliche Angriffe auf andere Personen) vorkommen, kann ein Arzt, der den Jungen vorher gesehen und einen sehr gut begründeten Verdacht auf eine psychische Störung hat (schließt auch Drogenkonsum und Hirnstörungen ein), eine Zwangseinweisung vornehmen. Dann wird´s aber kompliziert, weil das Gericht eingeschaltet wird, daß die Maßnahme bestätigen muß.
Therapeutisch sind bei psychotischen Störungen Neuroleptika die Mittel der Wahl. Hier werden heute bei psychotischen Symptomen meistens atypische Neuroleptika wie z.B. Risperidon oder die hochpotenten klassischen Neuroleptika wie z.B. Haloperidol (Markenname: Haldol) verabreicht.