Hallo!
Hallo Michaela,
wie sagte meine Mutter früher als ich noch ein Teenager war, manchmal zu mir: „Du denkst zuviel!“ Mmmh, sie mag recht gehabt haben, aber geholfen hat mir dieser Kommmentar so gar nicht.
Gedanken und Grübeleien können Karussel fahren und lassen sich dann erstmal nicht abstellen. Ich kenne das, oder besser: ich kenne meine eigene Variante davon. Das ist es, was ich mit diesen einführenden Worten erst einmal sagen wollte.
Ich grüble u. grüble u. grüble … und komme irgendwie nicht
zur Ruhe, vielleicht könntet ihr mir durch die eine oder
andere Antwort weiterhelfen in meiner „Entwicklung“ und in
meinem Denken.
Dein Denken ist ein Ding, wie ist es mit deinem Fühlen? Was fühlst du, wie fühlst du dich, wenn du grübelst? Meine Erfahrung ist, daß ich oft Gedanken gewälzt hatte, weil ich fühlte. Ich dachte, um meine (negativen) Gefühle zu beruhigen. Hat natürlich nicht funktioniert … leider.
Es gibt Tage, da geht es einem einfach nicht so gut. Man ist
zB empfindlicher u. nimmt eine normale Bemerkung eines anderen
als „Angriff“ wahr, die es meist nicht war.
Bei mir verhält es sich dann so, daß ich mich am liebsten auf
der Stelle (ja ganz genau in diesem Moment) mit jemandem
zusammensetzen würde und mich mitteilen würde.
Auch davon kenne ich meine eigene Variante. Dieses „sofort mit jemandem reden wollen“ hatte (und hat manchmal noch heute) für mich die Funktion, mich zu beruhigen, mich irgendwie aus dem Karussell der Gedanken, das eigentlich nur ein Widerhall des eigentlichen Dings, nämlich des Karussells der Gefühle, war, herauszubringen. In meinem Fall hatten viele meiner Gedanken mit Schuldgefühlen zu tun (ich fühlte mich wirklich für jeden Scheiß schuldig - ganz tolle Geschichte … nicht!). Wenn ich dann mit jemandem reden konnte, beruhigte es diese Gefühle. Ich konnte sie durchs Reden und durch das Zuhören und die Kommentare des anderen relativieren.
(Es dürfte nicht das, das Problem sein, daß ich nicht auch
gleich sagen würde, was ich mir denke, wenn ich zB anderer
Meinung bin. Das tue ich schon! Es dürfte nicht daran liegen).
Ich gebe zu, ich bin ein Mittelpunktsmensch u. egoistisch,
vielleicht ist einfach das die Erklärung, daß ich am liebsten
gleich mit jemandem über das Vorgefallene sprechen muß. Wäre
traurig, diese Erklärung …
Was wäre daran traurig? Was ist für dich ein „Mittelpunktmensch“? Was definierst du als egoistisch? Manchmal ist das, was wir selbst als egoistisch bezeichnen, gar nicht egoistisch, sondern „nur“ eine vollkommen berechtigte Äußerung der eigenen Bedürfnisse. Nur gibt es irgendeine Stimme in uns, die wider jede gesunde Regung behauptet, die eigenen Bedürfnisse zu äußern, wäre Egoismus. Blödsinn! Diese Stimme ist dann meist die Stimme irgendeines anderen Menschen, der in unserem Leben von Bedeutung war, und der eben dies geäußert hat. Irgendwann … . Diese Stimme kann man dann internalisiert haben, so daß man gar nicht mehr merkt, daß es eigentlich etwas ist, was irgendjemand anderes einem „eingeredet“ hat.
Ja, oder vielleicht, daß ich extrovertiert bin, ok. Es scheint
eben so zu sein, daß ich ein Problem nicht „ruhen“ lassen kann
oder es läßt mich nicht ruhen oder „ich lasse mich nicht
ruhen“, bevor ich nicht mit jmd. darüber sprechen konnte.
Hey! Gute Erkenntnis! 
Der Tipp, „nimm das Problem wie ein rohes Ei und laß es
einfach fallen“ ist gut, jedoch habe ich es noch nicht
geschafft, ihn zu automatisieren.
Wenn ihr euch jetzt denkt, nun, hat sie niemandem mit dem sie
drüber reden kann? Dann kann ich nur sagen, ja,
- mein Mann, wenn grade verfügbar (nur er tut mir auch schon
leid),
Warum?
- meine Eltern (aber das ist ein spezielles Kapitel, ich kann
mit ihnen nicht über alles so reden, weil es nicht immer
sinnvoll ist, weil mir die Antworten nichts geben/bringen, es
sind eben typ. „Eltern-Antworten“.
- unsere Bekannten sind ja recht nett, aber in die tiefe gehen
die Gespräche meist nicht so - leider -
Bekannte halt, nicht Freunde…
- andere Verwandte sind meis selbst mit sich so beschäftigt
- Freundinnen, nunja, da gibt es 2
- die eine ist selbst mit einem nicht so leichten Los belegt
u. ich möchte sie nicht dauernd behelligen, im Notfall tue
ichs dann aber schon
Frag sie doch mal, ob sie sich überhaupt behelligt fühlt. Vielleicht ist das ja etwas, was du befürchtest, sie aber gar nicht so empfindet.
- die zweite hat selbst auch gerade schwere Zeiten hinter sich
u. ich habe versucht ihr zu helfen. nun war fast 1/2 jahr
sendepause, sie hat ihr neues leben geordnet u. quatscht mich
immer nur voll, wenn wir mal reden. an mir scheint sie nicht
im geringsten wirklich interessiert zu sein. sie lebt „ihr
kleines leben“, tauscht sich mit partner u. ihrer mutter aus
u. hat auch die kinder des neuen partners am hals. also genug
zu tun, damit einem die freundin nicht so wichtig ist.
Ist sie für dich noch eine Freundin?
Das ist auch wieder ein anderes Thema bei mir. Ich würde mir
total eine supergute Freundin wünschen, die „immer Zeit hat
für mich“, aber wenn ich grade was mit meinem Mann zu tun
habe, dann hätte ich für sie auch keine Zeit, gebe ich ehrlich
zu.
Wirklich? Oder möchtest du sie nur gerne entschuldigen?
Eine Lektion, die ich auf dem harten Weg gelernt habe: Eine Freundin ist eine Freundin ist eine Freundin … und wenn sie ein Problem hat, bin ich für sie da, denn ich liebe sie. Egal, ob der Mann in meinem Leben gerne den Abend mit mir verbracht hätte oder nicht. Wenn sie wirklich ein Problem hat, ist das wichtiger. Und meine Männer haben das bisher auch immer verstanden, denn ihnen ging es mit ihren Freunden und Freundinnen genauso. (Gilt nicht für Freundinnen, die viermal in der Woche ein Problem haben - die haben ein ganz anderes Problem, das sie vielleicht mal anschauen sollten. Da reißt mir dann auch irgendwann der Geduldsfaden.)
Nunja, mein Mann ist scheinbar der einzige, der mich wirklich
versteht.
Was bedeutet „wirklich verstehen“?
Bei meinen Eltern zB bin ich schon am Punkt angelangt, daß ich
mir denke, mein Vater hat so viel mitgemacht im Krieg, ist so
verschlossen, er möchte nicht auch noch meine Probleme hören.
Meine Mutter hat kein leichtes Los mit meinem Vater der oft
krank ist u. hat selbst kaum was vom Leben, sie will ich auch
nicht mehr belästigen. Es gab Zeiten, da dachte ich, es wäre
mein Geburtsrecht, mit meinen Eltern sprechen zu können, nur
scheinbar bin ich mit jedem kleinen Problemchen zu ihnen
hingelaufen u. habe mich mitgeteilt. Sie haben mir einmal
signalisiert, daß ihnen das zuviel ist. Wenn es auch nur mein
Vater direkt getan hat.
Als Kind IST es dein Geburtsrecht, mit jedem kleinen Problemchen zu deinen Eltern zu laufen! Und wer sagt hier überhaupt, was „ein kleines Problemchen“ ist? Natürlich ist für Kinder vieles ein Problem, was für Erwachsene schon keines mehr ist, aber das ja auch nur, weil sie Erwachsene sind! Kinder sind Kinder und haben ihre kindgemäßen Probleme und die sollten auch ernst genommen werden! Natürlich können Eltern dem nicht immer gerecht werden, sie sind ja auch nur Menschen, aber leider bringen es dann auch nur die wenigsten Eltern fertig, dies ihrem Kind auf eine Weise klarzumachen, die das Kind gleichzeitig ernst nimmt. Viel öfter laufen dann subtile Mechanismen (meist mehr unbewußt als bewußt und meist auch ohne böse Absicht, aber doch doch in der Konsequenz für das Kind tiefgreifend), die in der Konsequenz
dem Kind indirekt sagen: "Du bist nicht wichtig. Was du fühlst hat keine Bedeutung/ist unwichtig/ist anmaßend etc. pp.)
Ich bin sozusagen in der „Abnabelungsphase“ u. irgendwie fehlt
mir was.
Es ist jetzt leider sehr lang geworden und ich danke euch fürs
„Durchkämpfen“.
Kein Problem. 
Meine Frage ist, „wißt ihr, was mit mir los ist“?
Puuuh … eine Menge Möglichkeiten. So einfach, finde ich, läßt sich das nicht beantworten. Dazu habe ich nicht genug Infos und auch keine direkten, umfassenderen Eindruck von dir. Aber vielleicht kann dir das, was ich geschrieben haben, ja ein paar Gedankenanstösse geben. Hoffe ich! 
Habt ihr
eine Interpretation/einen Tipp für mich? Bin ich einfach nur
ein schwieriger Mensch?
Zeig mir einen Menschen, der nicht irgendwie schwierig ist!
Nee, im Ernst: Mein erster Tipp wäre: Versuche festzustellen, welche Gefühle dich beschäftigen, wenn du soviel grübelst. Fühlst du dich verantwortlich, vernachlässigt, schuldig? Vielleicht bist du auch erst einmal nur unruhig, wenn du keine Erklärung gefunden hast.
Worüber grübelst du eigentlich? Kannst du das für dich irgendwie eingrenzen und genauer bestimmen? Gibt es spezielle Situationen oder Konstellationen, die die Grübelei besonders in Gang bringen? Falls ja, was ist ihr gemeinsamer emotionaler Nenner? Irgendetwas ist da und du bist auf jeden Fall auf dem richtigen Weg, wenn du diese Frage ernst nimmst!
Diese Antwort würde mir zwar nicht so
viel bringen fürchte ich, aber immerhin müßte ich dann nicht
mehr darüber nachgrübeln. Ihr seht, ich sinniere leider
dauernd. Ich kann mich nicht stoppen u. komme manchmal nicht
mal zu Hause zur Ruhe.
Kleiner, auf den Moment bezogener Tipp: Gibt es irgendetwas, was dich am ehesten zur Ruhe bringen kann? Gartenarbeit, Musik, Meditation, Kochen oder was auch immer? Etwas, auf das du dich für eine Weile mit Freuden ganz konzentrieren kannst und das dir Spaß macht und das die anderen Dinge zeitweilig „ausschaltet“? Falls ja, kannst du vielleicht versuchen, diese Beschäftigung bewußt zu suchen, wenn du ganz besonders grübelig drauf bist. Entspannung ist sehr wichtig und wenn man auf die Dauer nicht entspannen kann, kann es auch somatisch (also körperlich) krank machen.
Ich habe das Gefühl, es wohnen zwei Seelen/Typen, … in mir.
Die Seele, die Ruhe braucht und gerne stressfreie Zeiten hat
und die Seele, die offenbar so wie ich das jetzt interpretiere
Action braucht, aber gar nicht weiß, welche Action sie will
…
Meine Fantasie ist, daß es irgendetwas gibt, was so gravierend ist, daß es dich nicht losläßt. Es ist irgendwo vergraben, aber es will auch, daß du ihm auf den Grund kommst.
Daneben steht natürlich auch ein ganz gesundes Bedürfnis, einfach mal „Ruhe zu haben“. In meinen Augen kein Widerspruch. Vielleicht sogar etwas, was sich psycho-logisch ergänzt?
Liebe Grüße
Michaela
Liebe Grüße zurück,
Christiane