Paranoia

Ich hab grad was ganz interessantes gelesen:

Paranoia ist eine primitivere Art von Verteidigung.

Regt zum Nachdenken an. Irgendwie stimmt das sogar.
Wenn man wirklich glaubt, z.B. jemand beobachtet einen, ist
man im weitesten Sinne nicht alleine. Man könnte damit einiges
kompensieren. Einsamkeit, Wut, Haß…
Oder seh ich dass jetzt zu komplex oder zu eng?
Interessanter Satz jedenfalls.
Was halten Psychologen wohl davon…:smile:

Grüße
hd *manchmal wohl auch paranoid* …:smile:

Hallo!

Paranoia ist eine primitivere Art von Verteidigung.
Was halten Psychologen wohl davon…:smile:

Ich halte gar nichts davon. Paranoide Wahnvorstellungen sind ein Symptom der Schizophrenie. Bei der Schizophrenie handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Neurotransmitterstörung im Gehirn. Irgendetwas mit Abwehrmechanismen daraus machen zu wollen, zeigt eine mangelnde Kenntnis der Störung.

Gruß,

Oliver

Hallo!

Paranoia ist eine primitivere Art von Verteidigung.
Was halten Psychologen wohl davon…:smile:

Ich halte gar nichts davon.

Stimmt, ich weiss auch nicht viel davon, der Satz ging mir nur nicht aus dem Kopf.
Danke für die Antwort, ich glaube dennoch, daß jeder irgendwann im Leben eine Art Paranoia entwickelt, ohne schizophren zu sein.
Z.B. bei aussergewöhnlichen Belastungen, mangelndem Schlaf etc.

Gruß
hd

Hallo!

[…] ich glaube dennoch, daß jeder
irgendwann im Leben eine Art Paranoia entwickelt, ohne
schizophren zu sein.
Z.B. bei aussergewöhnlichen Belastungen, mangelndem Schlaf
etc.

Ja, das kann sein. Aber ich denke, daß man es besser nicht als Paranoia bezeichnen sollte, weil der Begriff eine bestimmte Bedeutung hat. Das kurz andauernde wahnähnliche Phänomene auch bei „Normalen“ uauftreten können, ist schon richtig.

Gruß,

Oliver

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Du schreibst , es liegt eine Neurotransmitterstörung vor. Das man die feststellen kann, glaube ich auch , aber wieso setzt du den somatischen Teil automatisch als Ursache fest? Ebensogut kann der Körper die Neurotransmitterstörung als Folge eines anderen Prozesses, sei es die hier versuchte Theorie, sei es etwas anderes, erst produzieren. Wie steht es mit der Kausalität? Kann etwas die grundlegende Ursache sein , das nach Absetzen der Medikation immer wieder aufkeimt?

Hallo Fellow!

Du schreibst, es liegt eine Neurotransmitterstörung vor. Das man die feststellen kann, :glaube ich auch , aber wieso setzt du den somatischen Teil automatisch als Ursache fest? :Ebensogut kann der Körper die Neurotransmitterstörung als Folge eines anderen Prozesses, :sei es die hier versuchte Theorie, sei es etwas anderes, erst produzieren. Wie steht es mit :der Kausalität? Kann etwas die grundlegende Ursache sein , das nach Absetzen der Medikation :immer wieder aufkeimt?

Zum einen setze ich gar nicht „automatisch“ den somatischen Teil der Störung Schizophrenie als Ursache fest, sondern ich habe für mich die Erkenntnisse zur Schizophrenie-Entstehung verglichen. Das Ergebnis des Vergleichs besteht in der Meinung, daß die psychodynamischen Erklärungsansätze für Schizophrenie, die Ähnlichkeiten zu dem, was Dilarah schrieb, haben, sehr viel unwahrscheinlicher zutreffen, als die neurobiologischen Theorien, unter denen die Neurotransmitterstörungshypothesen (sei es Dopamin-, sei es NDMA-Rezeptortheorie) die bisher abgesichersten scheinen. Mangelnde Kenntnis der Störung besteht insofern genau dann, wenn jemand (nicht Dilarah, sondern der Urheber dieser Hypothese) heute noch solche psychodynamischen Hypothesen aufstellt, obwohl vieles gegen diese Hypothesen spricht.

Zum anderen: Eine Neurotransmitterstörung kann - wie Du schreibst - natürlich Folge eines anderen Prozesses sein. Eine Frage in diesem Zusammenhang ist, was man als Prozeß vermutet: Wenn z.B. die Virushypothese der Schizophrenie-Genese herangezogen wird, dann bleibt die Erklärung immer noch auf einer Ebene, der somatischen. Wenn dagegen mit dem Prozeß solche Vorgänge wie Abwehrmechanismen gemeint sind, dann ergeben sich sofort eine Reihe von Problemen: von der mangelnden wissenschaftlichen Überprüfbarkeit der psychodynamischen Aussagen bis hin zum Leib-Seele-Problem.

Ich bin zwar der Meinung, daß „psychische“ Faktoren eine Wirkung auf physische Prozesse haben können. Dies meine ich aber in dem Sinne, daß keine Faktoren existieren, die einerseits „psychisch“ genannt werden, die andererseits aber nicht auf irgendeine Art „physisch“ sind. An rein Psychisches glaube ich also nicht, weil sonst das Leib-Seele-Problem entsteht, von dem ich annehme, daß es nicht lösbar ist. Psychisches ist meiner Meinung nach immer auch Physisches, so daß der von Dir erhobene Einwand („wieso setzt du den somatischen Teil automatisch als Ursache fest?“) ins Leere geht, weil es keine rein psychischen Ursachen geben kann (Wie sollen die hypothetischen rein psychischen Entitäten auf den Körper wirken? Wie sollen sie entstanden sein?). Körper und Seele sind für mich eine Einheit, so daß Psychisches, das immer auch Physisches ist, auf Physisches wirken kann.

Zum Thema „Kausalität“: Die Neurotransmitterstörung ist - wie Du wohl zugeben wirst - höchstwahrscheinlich die proximate Ursache der Störung. Diese Meinung schließt jedoch nicht aus, daß es Ursachen für die Neurotransmitterstörung gibt. Diese Ursachen könnten z.B. in weiteren „somatischen“ Ursachen liegen (Genetik, Viruserkrankung, Sauerstoffmangel bei der Geburt usw.) oder aber auch in „ungünstigen“ Kontakten des Körpers mit seiner Umwelt, die zu einer „Deformation“ / „Degeneration“ von Körperbestandteilen führen, so daß eine Neurotransmitterstörung resultiert. Nun magst Du einwenden, daß die „eigentliche“ Ursache der Schizophrenie ja nicht die Neurotransmitterstörung sein kann, wenn die Neurotransmitterstörung wieder von etwas anderem verursacht wird. Da würde ich Dir zustimmen. Und wenn man etwas gefunden hat, was die Neurotransmitterstörung verursacht, dann findet man vielleicht etwas, das die Ursache der Neurotransmitterstörung verursacht, und wieder etwas, das die Ursache der Ursache der Neurotransmitterstörung ist, usw. Die Frage auf diesem Weg ins Unendliche ist: Wo will man haltmachen und sagen „Das ist die Ursache der Schizophrenie“?

Gruß,

Oliver

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