Hallo Winkel,
Ich finde es beschämend, wie leichtfertig hier mit
Krankheitsbezeichnungen umgesprungen wird. es darf nicht
geschrieben werden, welcher Nation ein Verbrecher angehfört,
aber pschychisch Kranke dürfen mit Rundumschlägen diffamiert
werden.
Weißt Du, ich finde es erstaunlich und beängstigend, daß Reporter Diagnosen stellen dürfen, scheinbar ohne Konsequenzen davon tragen zu müssen. Meines Wissens ist nach wie vor überhaupt nicht erwiesen, ob bei dem Jungen eine psychische/psychiartrische Erkrankung vorlag. Er war intelligent (sonst wäre er in der Schule nicht soweit gekommen), er war nach Aussage von Schülern liebenswert, nett. Er hatte da so einen Tick, er wollte etwas ganz *Großes* werden, die Welt sollte ihn kennen. Traum, Wünsch eines Kindes, daß die nötige Reife noch nicht entwickelt hat? Schluß, sind dann all unsere Kinder krank? Bei wie vielen kann das Schwärmen dieses Zieles vernommen werden? *Wenn ich einmal groß bin, verändere ich die Welt, ich werde sie regieren!* Ich denke, hier wird ganz schön was aufgebauscht.
Ich finde ganz schlimm, was da passiert ist. Für mich zeigt es, wie weit wir mit unserer Gesellschaft (und dessen Moral) gekommen sind, wie sehr wir unsere Kinder und Jugendlichen vernachlässigen. Wir lassen sie allein, sie sind sich völlig sich selbst überlassen. Nein, wir helfen ihnen nicht, wir schicken sie völlig unvorbereitet raus in die kalte Welt und setzen voraus, daß sie funktionieren. Ihr Rüstzeug ist das Geld, das Material, was wir ihnen mitgeben. Im Glauben ihnen alles gegeben zu haben, was in unserer Kraft (Macht) steht, wundern wir uns, daß so etwas passieren kann. Oder, was sehr viel häufiger ist, daß sie sich aufgeben, völlig mutlos sind. Sie zu Alkohol oder Drogen greifen, gar die kriminelle Laufbahn einschlagen oder schon sehr früh sehr depressiv (hier meine ich wirklich Krank) werden.
Ich sehe diesen Jungen nicht als Täter, für mich ist er genauso Opfer, wie die Menschen, denen er Leid zugefügt hat. Und er war in meinen Augen genauso viel oder wenig krank, wie wir alle. Sein Ventil war der Amoklauf, ein anderer reagiert mit Flucht (Alkohol, Drogen), ein weiterer zieht sich in sich zurück, wird krank. Ist es nicht egal, welches Ausmaß wir betrachten? Ist die Ursache nicht immer die gleiche? Die Gesellschaft, mit ihren Sparmaßnahemen auf der einen Seite und ihrer Verschwendung auf der anderen Seite! Und wer ist die Gesellschaft (die Schuldigen)? Du, ich, wir alle, die daran teilnehmen. Und doch sind wir gleichzeitig auch Opfer, oder nicht?
Ich fühle mich traurig, um die Lehrer, die Schüler (der Junge einbezogen), die Angehörigen (auch die des Jungen)! Wenn aber diese Aktion das erreicht, was dieser Junge möglicherweise zum Ziel hatte, wir alle wach werden und etwas ändern, damit es unseren Kindern besser gehen kann, sie von diesem Druck entlastet werden können, dann hatte ihr Sterben zumindest einen Sinn.
Lieben Gruß,
Fionny
Ps: Ich sehe in einer Depression nicht eine Geisteskrankheit, sondern eher Rückzug und Aufgabe. So in Richtung Kapitullation vor der Gesellschaft.