Wie suche ich in unerkannten Tiefen?
Hi Madelone
eine Weile leben „ohne nach vorn zu sehen“ sollte eigentlich jeder einmal gemacht haben: Gerade das (und wohl auch nur das) sind Zeiten, in denen eine komplette Neuorientierung möglich ist.
Vom Blauen und Roten sagst du, daß du es bisher im Griff hast: Wenn du damit andeutest, daß du eine leise Befürchtung hegst, daß dies nicht immer so bleiben könnte, dann wäre ein Gesprächspartner nicht das schlechteste, mit dem du gemeinsam und sachte Licht in das (Pseudo)Vergessene bringst, um damit wacher, distanzierter und kontrollierter umgehen zu lernen.
Du sprichst zu Recht von „Untiefen“, vielleicht ungewollt, denn „Untiefe“ ist ja gerade Mangel an Tiefe: D.h. das dir Vertraute, aber Unerkannte, liegt - sozusagen als Un-Vergangenes - dicht unter der Oberfläche des bewußt erlebten Alltags und dringt daher bei günstiger Gelegenheit ins Alltagsleben ein - diffus, „merkwürdig“, eher als Gefühl als Gedanke. Und weil es (vielleicht noch nie) mit offenen Augen betrachtet wurde, hat das (vielleicht) einmal Erlebte noch keine Gelegenheit bekommen, das zu werden, was es eigentlich ist: Vergangenes, und somit Gegenstand bloßer Erinnerung. Daher tut es bisher seine Wirkung nur als „ungutes Gefühl“ und beeinflußt dich in Weisen, die du nicht eigentlich willst und animiert dich zu Handlungen, die den falschen „Gegner“ treffen (du sprichst ja von "auto"aggressiven Handlungen).
Wie komme ich an diese Zeit heran? Ist es sinnvoll die Vergangenheit durchleuchten zu wollen?
Daß du sie durchleuchten willst, ist dir ja längst keine Frage mehr… und ob es sinnvoll ist, ist auch außer Frage. Denn wenn dich etwas eh im Alltag „beeinflußt“, ist es schon besser, es zu kennen, es also bewußt reflektieren zu können. Denn erst dann unterliegt es deiner freien Entscheidung, wie und wie weit und ob es dich beeinflußt. Und erst dann kannst du den Einfluß auch ausschalten und das Erlebte in die Tiefe der Vergangenheit sinken lassen…
Wäre eine Therapie das richtige und welche?
Eine Psychotherapie ist insofern das richtige, als sie genau dieses Ziel hat: Über diffuse und ungewollt wirksame Erinnerungen ein waches, deutliches Bewußtsein zu erlangen und dadurch die volle Handlungsautonomie (wieder) zu gewinnen. Es sollte aber schon eine seriöse, bewährte, und auf gerade solche Inhalte zugeschnittene Therapie sein. Und nach deinen Andeutungen kommt dafür meiner Meinung nach nur die Psychoanalyse in die engere Wahl. Aber das sollte sich - falls du den Schritt zu einer Psychotherapie machen willst - durch ein (eh immer empfohlenes) Vorgespräch mit einem („psychologischen“!) Psychotherapeuten deutlicher entscheiden lassen.
Welchen Ausweg seht Ihr?
Ein Weg ist besser als ein Ausweg. Und einen Weg gibt es. Ein Weg ist jedenfalls - in solchen Situationen bzw. Lebensphasen - eine seriöse Psychotherapie. Pychotherapie heißt ja nichts anderes, als die volle Handlungsautonomie zu gewinnen.
Gruß
Metapher