vor einer woche ist ein mir sehr wichtiger mensch gestorben. ich habe ein schlechtes gewissen, wenn ich mit anderen menschen zusammen bin, mit ihnen über andere themen spreche und dann lache und fröhlich bin. ich habe das gefühl, „von oben“ schaut jemand zu und denkt sich: aha, ich fehl dir garnicht. du lachst, obwohl ich gestorben bin.
ich weiß genau, daß er das nie sagen würde, weil er mir immer sagte: wenn sowas passiert, dann muß man sein leben weiter leben. aber trotzdem werde ich dieses gefühl nicht los.
war von euch jemand schonmal in einer ähnlichen situation?
wie geht man am besten damit um?
ich kann mir das immer alles logisch erklären, daß es normal ist, trotzdem manchmal entspannt zu sein. und auch, daß es typisch in diesen situationen ist, ein schlechtes gewissen zu haben. aber ich werde damit nicht fertig.
warum versuchst Du mit der Situation „fertig zu werden“?
Der Verstorbene war jemand den Du immer in Deinem Herzen tragen wirst. Jemand der Dir wertvoll und wichtig war. Das musst Du akzeptieren und relativieren. Akzeptieren in dem Sinn dass Du niemals vergessen wirst. Relativieren indem Du akzeptierst.
Hm, schwierig nicht?
Trauer ist für mich nur Wehleidigkeit. Du trauerst darüber dass Du einen Menschen nicht mehr beanspruchen kannst.
Wie kannst Du diese Trauer bewältigen? Indem Du das Leben des Verstorbenen als Ansprorn nimmst. Als Vorbild, als Motivation diejenigen Dinge nachzuleben die Dir derjenige als Vorbild hinterlassen hat.
Pfingsten ist mein Vater gestorben, unerwartet, plötzlich, wie aus heiterem Himmel…
Ich war (bin) fix und fertig, habe geweint und die Welt zusammenbrechen sehen. Aber nur, wenn ich mich alleine glaubte. Nach außen hin habe ich alle Formalitäten mit meiner Mutter erledigt, mich da förmlich hineingestürzt. Nach einer Woche war ich wieder auf Arbeit, und eine Kollegin meinte, man merke mir absolut nicht an, dass ich trauere.
Das hat mich sehr verletzt…
Worauf ich hinaus will: Du brauchst Dir keine Gedanken machen, was wohl Deine Umwelt von Dir denken könnte und ähnliches. Denn wäre es nicht viel verabscheuungswürdiger, für diese Leute Theater zu spielen? Nur das wäre doch ein Betrug am Verstorbenen, der Dir wichtig war!!!
Jeder Mensch ist anders, geht vor allem mit Trauer anders um. Der Dir Wichtige weiß viel besser, was Du wirklich denkst und fühlst!
Wenn es Dir hilft, Dich abzulenken, auch zu lachen und im wahrsten Sinne des Wortes zu leben, dann tue genau das. Denn das eben Deine Trauerbewältigung. Tod gehört zum Leben dazu wie Geburt. Es gibt Kulturen, da wird der Tod eines Menschen gefeiert!
Ich wünsche Dir Mut und Trost und Selbstbewusstsein!
Viele Grüße
Jana
versetze dich doch mal an die Stelle dieses Menschen, der gestorben ist. Wie wäre für ihn die Vorstellung, dich in einem Zustand zurückzulassen, in dem du nie mehr zum Fröhlichsein zurückfinden könntest?
Ich habe ein Kind - falls du selbst eins hast, kannst du es vielleicht nachfühlen: Für mich ist die Vorstellung, zu sterben und dieses Kind in Traurigkeit und Verzweiflung zurückzulassen, einfach schrecklich. Es wäre erleichternd für mich, zu wissen, dass es wieder Boden unter die Füße bekommt und mit seinem Leben auch ohne mich zurechtkommt - und auch wieder lachen kann.
Und wenn der Mensch für dich sehr wichtig war, warst du doch innerlich mit ihm so verbunden, dass er weiß, was er für dich bedeutet - das musst du ihm doch nicht mehr beweisen.