gilt denn …
dein Motto in deiner ViKa nur für dich selbst?
Hi linde
Die Ehe meiner Eltern hätte meiner Meinung nach vor ca. 30 Jahren geschieden werden sollen, dem war aber nicht so.
dann geht es dir wohl eher um eine Veränderung in deiner Beziehung zu deinem Vater (vielleicht eine schon lange überfällige?), weniger um eine zwischen deinen Eltern, oder?
Meine Mutter ist in dem Glauben, dass die beiden eine wunderbare Freundschaft führen.
Damit hat sie ja möglicherweise recht?
Er war für mich der mächtige, ewig schlaue, über alles erhabene Mann. Der immer mit dem moralischen Zeigefinger gedroht hat.
Das ist schwer nachvollziehbar: Ist ein Mann, der immer mit dem moralischen Zeigefinger droht, mächtig? schlau? Und ist „über alles erhaben sein“ nicht eher ein Zeichen einer trotz Alter völlig unausgereiften Beziehung zur eigenen Vitalität?
Er war über alle Zweifel erhaben. Für mich als seine Tochter
jedenfalls. Und dann das.
Gerade hier fällt der erstaunliche Widerspruch zu deinem ViKa-Motto auf! Ihn „über alle Zweifel erhaben“ sehen heißt, daß du ihn wahrhaftig zu einer leblosen Statue gemacht hast, wie du ja selbst sagst:
„Sowas tut man nicht“.
Der große alte Mann vom Sockel gestoßen.
Wenn nämlich das ein Sockel ist, auf dem ein als leblos vorgestellter Mann zeigefingerartig erstarrt gesehen wird, dann ist es sicher höchste Zeit, ihn da herunterzustoßen (d.h. es ist ja deine Beziehung zu ihm, die dringend neues Leben eingehaucht braucht).
Und wenn es so sein sollte, daß du ihn nicht nur so siehst, sondern daß es bei ihm tatsächlich so ist, daß er nämlich die längst überfälligen radikalen Lebenskrisen durchackern sollte, in denen man einmal alles bisherige einer gründlichen Befragung aussetzt, dann wäre es doch genau jetzt die rechte Zeit, daß auch du deine Beziehung zu ihm erneuerst: Und ihm vielleicht gerade jetzt eine kluge Gesprächspartnerin bist, die ihn dabei begleitet, vielleicht wie der Phönix aus der Asche hervorzugehen. Und wenn er den Phönix nicht schaffen sollte: Gerade dann wird er bei diesem Prozess vielleicht, was du ihm ja längst möchtest, daß er lebendig, vital wird oder bleibt.
Von deiner Mutter sagst du „sie kann nicht mehr, wie sie will“. Auch wenn sich das auf eine Krankheit bezieht: Könnte es sein, daß ihr alle in euerer Familie (durch Sockelstellerei, Zeigefingerheberei, Geheimniskrämerei und „sowas tut man nicht“-Mentalität) nicht mehr könnt, wie ihr wollt?
Das kleine Stück meiner Kindheit, das ich so geliebt habe, ist weg.
Linda, das kleine Stück deiner Kindheit ist bereits seit ca 35 Jahren weg! Genau wie deine Kinderschuhe! Erst, wenn die Kindheit (und die Kindheitsperspektiven auf die Eltern) da sind, wo sie hingehören, nämlich in die Erinnerung, kommt man zum erwachsenen Leben.
Ich habe das ganze tiefe Bedürfnis, ihm weh zu tun.
Ich bin wütend auf ihn.
Ein wichtiges Gefühl! Niemand verzeiht es seinen Eltern kampflos, daß sie irgendwann aufhören, die Eltern der Kindheit zu sein. Das Gefühl ist ebenso lebensnotwendig, wie die von manchen erlebte Trauer oder Wut, die eigene Kindheit verloren zu haben (erst recht bei Menschen, deren Kindheit unglücklich war).
Ich würde ihn gerne zur Rede stellen.
Worüber? Um ihm zu sagen daß er tut, was er tut?
Versuchst du dich, mit seinem Zeigefinger zu identifizieren? Tu das doch nicht, dann dann mußt du dich selbst auch irgendwann vom Sockel stoßen. Leben ist komplexer, paradoxer, widersprüchlicher, schmerzlicher und tragischer, als unsere Schulweisheit sich träumen läßt. Dies einzusehen kostet manchmal alles, was man zu haben glaubte, aber nur, wer das _durch_lebt, verhindert die frühzeitge geistige Erstarrung.
Aber ich weiß die Antworten. Es ist es nicht wert, darauf einzugehen.
Sei da nicht so sicher! Du könntest dabei etwas lernen, was du nicht kennst! Und sowas ist immer von unermeßlichem Wert.
Danke, dass ich ein wenig Müll hier abladen durfte.
Daß du es für Müll hältst, ist sicher nicht sehr klug.
Alt genug sollte ich eigentlich sein, das wegzustecken.
vielleicht auch zu alt, um es nicht wegzustecken?
Gru0
Metapher