Nervtötende Zeitgenossen

Hallo, ich habe eine etwas allgemeine Frage. Wie begegnet man am besten, am „erwachsensten“ solchen Zeitgenossen? : Sie sind still, phlegmatisch, reden nicht, sind völlig in sich zurückgezogen. Bekommen von ihrer Umwelt nichts mit und interessieren sich für nichts. Sie nehmen an nichts Anteil und wollen weder von anderen einen Gefallen bekommen, noch ihn anderen erweisen. Sie lamentieren und jammern bei jeder Gelegenheit über die Ungerechtigkeit in der Welt, besonders gegen sie. Sie jammern über zuwenig Lohn, obwohl ihnen mehr zusteht. Über fehlende Chancen, über Perspektivlosigkeit. Sie leben in der Vergangenheit und wissen immer ganz genau das die ganze Welt schlecht ist und können endlos darüber debattieren. Sie engagieren sich nicht, haben keine Initiative, kennen Gesetzetexte auswendig und wissen alles über Recht und Unrecht. Sie machen nie mehr, als exakt von ihnen verlangt wird und auch dann, wenn sie wissen, daß es ein Fehler ist. Zu allem sagen sie ja und jammern hinterher. Sie lachen über die, die ihr Leben in die Hand nehmen, über die, die sich engagieren. Sie lachen, weil die sich „tot machen“, obwohl es ihnen niemand danken wird. Sie fordern und verlangen (unterschwellig natürlich), danken nicht und fressen alles in sich rein. Versucht man ein vernünftiges Gespräch nach dem Motto „wir sollten mal über unsere Probleme reden“, rasten sie aus. Werfen dir vor, daß DU das Problem bist, schieben dir alles in die Schuhe inklusive der Schuld an ihrem verpfuschten Leben. Sie steigern sich in Hass und Aggressionen hinein, äußern das natürlich nur versteckt, nie offen. Wissen immer, das sie benachteiligt werden und sich niemals was ändern wird. Ignorierst du sie, und lebst dein Leben und irgendwann unterläuft dir ein Fehler, sind sie da und lachen dir verächtlich ins Gesicht: sie hätten das schon vorher gewußt.
Sie sind die perfekten tickenden Zeitbomben, die beinahe Amokläufer über die man dann sagen wird: also der war immer so still, das hätte ich nieeee von dem gedacht!
Wie lebt man mit solchen Leuten? wie begegnet man ihnen? Was muß man vermeiden ihnen gegenüber? Oder wie kann man das ausdrücken was ich meine… Ich habe Kollegen die so sind, und mein Exmann ist auch so. Ich kann also nicht weg! Ich muß neben ihnen arbeiten aber sie saugen dir einfach die Energie aus und treten dich dann aus wie eine Zigarettenkippe. Hat jemand eine Idee? Wozu um alles in der Welt sind solche Menschen gut!
Wohlbemerkt - ich will nicht mit ihnen gut Freund sein, oder sie mögen, oder sie gar ändern. Sie bringen mich einfach auf die Palme, ich fühle sie als Bremsklötzer an meinem Bein. Sie machen mich wahnsinnig und leider bin ich gezwungen mit ihnen auszukommen!
Danke Kerstin

Hallo Kerstin,

wer zwingt Dich, mit so einem Menschen oder sind es gar mehrere? auszukommen? Du bist doch ein freier Mensch und wenn das Auskommen oder Zusammenleben mit diesen Zeitgenossen so schwierig ist, dann solltest Du schnellstens den Weg in der anderen Richtung beschreiten.

Jetzt kannst Du natürlich sagen - leichter gesagt als getan - aber wenn es Dich wirklich so belastet, dann solltest Du handeln, der andere wird es sicher nicht und ignorieren, das hast Du ja schon gemerkt, ändert eben auch nichts.

Oft ist es aber auch etwas am anderen, das einen selbst stört, weil man es bei sich selbst ebensogut kennt - und auch dann kannst nur Du etwas ändern. Also, nur Mut, nimm selbst die Zügel in die Hand…

Grüße Gerda

Hallo Kerstin,

solche Sorte Mensch habe ich auch schon einmal in meinem Umfeld gehabt. Dabei machte ich die Erfahrung, dass je nach Stimmung ich von deren Phlegma angesteckt wurde, oder ich sie gar nicht bemerkte.
So vermute ich auch, dass Du aus irgendeinem Grund für deren „nervtötende“ Art empfänglich bist. Überlege einmal wieviele Menschentypen und Marotten es gibt, die Du vielleicht gar nicht wahrnimmst oder mit denen Du recht gut zurechtkommst: die Schüchternen, die Lebhaften, die Plappermäuler usw…

Im Grunde genommen ist man doch nur für sich selbst verantwortlich - im Guten wie im Schlechten, also niemals für andere. Egal wie nahe Dir ein notorischer Trauerkloß steht, muß er allein für die Folgen seiner Verhaltensweisen Verantwortung übernehmen. Und es ist Deine (bewußte oder unbewußte) Entscheidung, wie sehr Du Dich von seinen Stimmungen anstecken läßt.

Wenn Dir so ein Zeitgenosse mit seinem Gebahren ziemlich den Nerv tötet, und Du möchtest das nicht mehr ertragen, dann bleibt Dir nur noch zu überlegen, wie Du Distanz gewinnen kannst.
Wenn es ein Kollege ist, der jeden Tag seine 8 Stunden neben dir sitzt, dann ist das natürlich schwierig. Wahrscheinlich funktionieren schon bestimmte Mechanismen zwischen ihm und Dir. Er fängt zu jammern an, Du erwiderst etwas (ein Gegenvorschlag, ein paar Worte der Anteilnahme), und er merkt, dass sein Samen der Unzufriedenheit fruchtbaren Boden gefunden hat, und der Samen kann gesprächsweise zu einer pieksigen Miese-Stimmungs-Pflanze wuchern.
Darum würde ich jenen anlächeln, und entweder gar nicht antworten oder Thema wechseln oder absolut Nichtssagendes von mir geben. Nach einigen Malen gibt er vielleicht auf. Oder ist enttäuscht, und fragt durch die Blume nach, ob Du gar kein Interesse mehr an ihm hast. Dann sag ehrlich die Meinung: „nein, kein Interesse“ - falls es wirklich so ist :wink:))
Wenn er von Dir wahrgenommen werden möchte, und merkt, dass es auf seine heissgeliebte Tour nicht geht, muss er sich eine Alternative einfallen lassen, am besten eine, mit der bei Dir Aufmerksamkeit findet. Darum besinne Dich auf Dich selbst, und nicht auf andere mit ihren Endlos-Downs.

liebe Grüße
Claudia

Hi,
mit Kollegen und meinem Ehemann habe und hatte ich ähnliche Probleme.
Ich beschäftige mich schon lange damit, wie man reagieren soll und experimentiere mit verschiedenen Verhaltensweisen.
„Ändere deine Einstellung zu den anderen und die anderen verändern ihre Einstellung zu dir.“
„Die anderen haben ein Recht, sich so zu verhalten, wie sie möchten. Sie können meine Gefühle nicht kontrollieren =beeinflussen.“
Diese Gedanken habe ich in Büchern von Doris Wolf und Rolf Merkle gefunden.
Beide klingen provokativ, aber probier sie mal aus. Ich hatte erstaunliche Ergebnisse. Wichtig bist du, dass du dich achtest, dich magst, die anderen können dich nicht beeinflussen. Nur soweit du das zulässt. Meine Beziehung zu den nervenden Kollegen hat sich zumindest normalisiert, auch wenn wir keine herzliche Freundschaft haben.
Schnelle Erfolge kann ich aber auch damit nicht versprechen. Es ist ein langsamer Prozess.
Viele Grüße
Cirwalda