Ursachen für veränderte Hormonproduktion

Hallo liebe Wissenden!

Ist es bekannt, ob eine veränderte Hormonproduktion eine psychische Ursache haben kann?
In meinem Fall geht geht es um einen relativ stark erhöhten DHEAS-Wert.

Ich habe jetzt die Pille (Diane 35) verschrieben bekommen, möchte aber nicht nur Symptombekämfung machen…

Danke !

Gruss, Franka

Hallo liebe Wissenden!

Hi Franka,

wer den Menschen ganzheitlich sieht, zieht auch immer eine Wechselwirkungen der verschiedenen Ebenen mit ein. Ob nun Henne oder Ei als erstes da war, sprich ob etwas auf der mentalen, pschischen oder physischen Ebene seine Ursachen hat und wie sich etwas auswirkt, gilt es sicherlich immer im Einzelfall abzuklären.

Sicherlich gibt es hierfür auch Beispiele, z.B. durch ein Schockerlebnis. Angst, Ärger und Stressgefühle können den Hormonhaushalt durcheinander bringen. Das ist Dir sicherlich bekannt, wenn Du daran denkst, daß bei einigen Paaren „organisch“ alles okay ist und dennoch will sich der langersehnte, teils krampfhaft erwartetet, Kinderwunsch nicht einstellen.

Mal eine Hypothese… wenn Du so frägst… kann es sein, daß Du schon weißt, daß es bei Dir auch auf der psychischen Ebene etwas gibt, das Du Dir mal näher anschauen könntest?

Ciao,
Romana

Ist es bekannt, ob eine veränderte Hormonproduktion eine
psychische Ursache haben kann?
In meinem Fall geht geht es um einen relativ stark erhöhten
DHEAS-Wert.

Ich habe jetzt die Pille (Diane 35) verschrieben bekommen,
möchte aber nicht nur Symptombekämfung machen…

Danke !

Gruss, Franka

Hallo liebe Wissenden!

Hallo liebe Fragende!

Ist es bekannt, ob eine veränderte Hormonproduktion eine
psychische Ursache haben kann?

Ja, das ist möglich. Du brauchst gar nicht so weit zu denken, um Dir einfache Fälle von Beziehungen zwischen „Psyche“ und Hormonsystem vorzustellen:

  • Die Streßreaktion (Streß ist psychisch!) hat ein Äquivalent in der Veränderung der Hormonproduktion: Es werden z.B. mehr Katecholamine (Adrenalin und Noradrenalin) aus dem Nebennierenmark ausgeschüttet sowie mehr Glukocorticoide (u.a. Cortisol) aus der Nebennierenrinde. Dazu kommt es, weil unter Streß eine Hirnregion namens Hypothalamus mit "Vorläufer"hormonen sowohl das Hormonsystem als auch das vegetative Nervensystem „hochfährt“.
  • Chronischer Streß führt zu einer chronischen Veränderung der Aktivität des Hormonsystems: also dauerhaft erhöhter Spiegel von Glukocorticoiden, was gesundheitsschädlich ist, u.a. weil die Glukocorticoide die Anzahl und die Aktivität der Immunzellen senken. Hier besteht also ein Risiko für psychosomatische Störungen.
  • Angst ist auf physiologischer Ebene dem Streß sehr ähnlich. Daher besteht z.B. für Personen mit Panikstörung ein erhöhtes Risiko für psychosomatische Störungen.
  • Bei 40-90% der Personen mit einer schweren depressiven Episode zeigt sich ein erhöhter Cortisolspiegel.

Das sind ein paar Beispiele für den engen Zusammenhang zwischen „Psyche“, Nervensystem und Hormonsystem. Weil es so enge Zusammenhänge gibt, beschäftigt sich mit ihnen ein interdisziplinäres Fach: die Psychoneuroendokrinologie.

In meinem Fall geht geht es um einen relativ stark erhöhten
DHEAS-Wert.
Ich habe jetzt die Pille (Diane 35) verschrieben bekommen,
möchte aber nicht nur Symptombekämfung machen…

DHEAS ist doch ein Androgenvorläufer? Hm. Ein stark erhöhter Wert sollte zu einer Suche nach einem Tumor in der Nebennierenrinde Anlaß geben. Sicherlich wurde es schon abgeklärt. Allerdings kommt es bei Frauen manchmal aus bisher ungeklärten Gründen zu einer erhöhten DHEAS-Produktion. Über eine psychologische Behandlung in diesem Fall ist mir leider nichts bekannt.

Gruß,

Oliver

Hi Oliver,

wir sprechen zwar allgemeinhin gerne von Streß, doch gälte es hier nicht auch zu unterscheiden zwischen Disstreß und Eustreß?

Mag sein, daß Du ebenso wie ich auch automatisch den negativen Streß gemeint hast. Daß es auch positiven Streß gibt, kommt mir langsam aber sicher in unserer Streßgesellschaft zu kurz.

Ciao,
Romana

Liebe Romana,

wir sprechen zwar allgemeinhin gerne von Streß, doch gälte es
hier nicht auch zu unterscheiden zwischen Disstreß und
Eustreß?

Die Unterscheidung zwischen Disstreß und Eustreß stammt - wie Dir sicherlich bekannt ist - von Hans Selye, dem Pionier der medizinischen Streßforschung. Allerdings hat sich in der Psychologie mehr und mehr der Streßbegriff von Arnold Lazarus („Transaktionales Streßmodell“) durchgesetzt, der Streß als einen „unangenehm erlebten Spannungszustand; … ausgelöst durch eine negative Einschätzung der Situation und ihrer Entwicklungsmöglichkeiten“ (Semmer & Udris, 1995, S. 146), ansieht.

Mag sein, daß Du ebenso wie ich auch automatisch den negativen
Streß gemeint hast. Daß es auch positiven Streß gibt, kommt
mir langsam aber sicher in unserer Streßgesellschaft zu kurz.

Ich habe automatisch den in der Psychologie geläufigeren Streßbegriff benutzt, weil dieser mir „in Fleisch und Blut“ übergegangen ist. Natürlich hat auch Selyes Konzeption ihre Vor-, aber auch Nachteile. Im Kontext des Ursprungspostings, in dem nach Zusammenhängen zwischen Streß und Hormonveränderungen gefragt wurde, schien es mir erst einmal unerheblich, welche Art von Streßbegriff genutzt wird - ob von Selye oder von Lazarus.

Freundlichen Gruß,

Oliver

Lit.:

Semmer, N. & Udris, I. (1995). Bedeutung und Wirkung von Arbeit. In H. Schuler (Hrsg.), Organisationspsychologie. Bern: Huber.