Eigene Schrift 1x nachziehen

Hallo!

Ich habe beobachtet, dass ein Besprechungsteilnehmer beim Schreiben seines Protokolls (seitenweise) sämtliche geschriebenen Worte fein säuberlich 1 x nachgezogen hat. Weiß von euch vielleicht jemand, ob dies irgendeinen psychologischen Hintergrund hat, bzw. wo ich mich darüber informieren kann?

Danke,
JJLehto

interessant…
Hi JJ,

Leider weiss ich keine Antwort, aber:

Ich habe beobachtet, dass ein Besprechungsteilnehmer beim
Schreiben seines Protokolls (seitenweise) sämtliche
geschriebenen Worte fein säuberlich 1 x nachgezogen hat.

Witzig das, denn mein Chef macht das auch. Allerdings nicht fein säuberlich, sondern er zieht alle Linien mehrfach grob nach. Malt also quasi die Schrift immer wieder nach.

Weiß
von euch vielleicht jemand, ob dies irgendeinen
psychologischen Hintergrund hat, bzw. wo ich mich darüber
informieren kann?

Irgend ein merkwürdiger Manierismus? Ich hab leider keine Ahnung, aber das würd mich jetzt auch interessieren…

Liebe Grüsse,
Nike

Hallo,

ich mache das auch manchmal aus folgenden Gründen:

->mir ist langweilig

->das augenblickliche Thema interessiert mich nicht oder hat nix mit der Sache zu tun

->ganz banal: ein Strich gefällt mir nicht, ich zeichne ihn nach und dann habe ich den innerlichen Zwang, das ganze Wort nochmal drüber zu schreiben

Tschüß,
Thomas

Fragen gibt’s :-?
Hallo JJLETHO,

bitte versuch mir zu erklären warum es für dich so spannend
ist gerade diese Frage zu stellen.

Was vermutest denn DU dahinter?

Die Angst vor zuviel Tintenverbrauch ist es wahrscheinlich nicht.

Ich selbst finde das ziemlich nebensächlich.

sl

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Geschäftspartner
Hallo Stefan!

Du hast recht, der Tintenverbrauch ist mir herzlich egal…

Es mag sich bei der Angewohnheit auch um eine Nebensächlichkeit handeln (zu deiner Frage, was ICH dahinter vermute: eigentlich gar nichts - ich wollte mich lediglich informieren), da wir (auch) mit der angesprochenen Person in laufenden Verhandlungen stehen würde ich nur gerne wissen, ob sich aus einem derartigen Verhalten irgendetwas ablesen lassen kann, um ggf. darauf Rücksicht zu nehmen bzw. darauf einzugehen.

Wie gesagt, es mag sich um eine Nebensächlichkeit bzw. um irgendeine Marotte handeln - ich wollte mich lediglich informieren, da ich mich in diesem Metier wenig bis gar nicht auskenne.

Hallo Stefan!

Du hast recht, der Tintenverbrauch ist mir herzlich egal…

Es mag sich bei der Angewohnheit auch um eine Nebensächlichkeit handeln (zu deiner Frage, was ICH dahinter vermute: eigentlich gar nichts - ich wollte mich lediglich informieren), da wir (auch) mit der angesprochenen Person in laufenden Verhandlungen stehen würde ich nur gerne wissen, ob sich aus einem derartigen Verhalten irgendetwas ablesen lassen kann, um ggf. darauf Rücksicht zu nehmen bzw. darauf einzugehen.

Wie gesagt, es mag sich um eine Nebensächlichkeit bzw. um irgendeine Marotte handeln - ich wollte mich lediglich informieren, da ich mich in diesem Metier wenig bis gar nicht auskenne.

Ich danke dir, Stefan, und allen anderen
für eure Stellungnahmen!

JJLehto

JJLehto

Vielleicht einfach eine Art Perfektionismus? Ist das erste, was mir dazu einfällt.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

und was läßt sich DARAUS nun ableiten?
will der verfasser seine aussage durch wiederholung bekräftigen? oder ist er einfach nur schusselig? lol

gruß
ann

Hi Nike,

stimmt, das ist in der Tat interessant. Ich mache das nämlich auch. Genau wie Dein Chef: grobes Nachziehen der Linien, sodass letztendlich ein anderes Schriftbild entsteht.
Das hilft mir, mich zu konzentrieren. Ich tue das nämlich nur, wenn ich irgendwelche Besprechungen protokollieren muss - entweder dieses Stricheln, oder ich zeichne. Zufällig hab ich gerade vorhin alte Notizen wiedergefunden, und darin waren (neben dem protokollrelevanten Text selbstverständlich :smile:) ein Schwein, eine Schlange, ein vom Blitz erschlagener Kollege, diverse Vögel und Bäume und eben diese grob nachgezogenen Buchstaben.
Langer Rede kurzer Sinn: Eine verallgemeinernde Theorie kann ich auch nicht bieten, aber bei mir dient es entweder der Konzentrationsunterstützung, oder es ist ein Zeichen äußerster Langeweile.

Lieben Gruß
Susanne

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écriture automatique
Hi JJLehto

das ist eine Unterart des Phänomens, das man sonst als sog. Telefongrafitti (wie es ja schon erwähnt wurde) kennt und zumindest psychonalytisch gut erklärbar. Es ist aber - vorab gesagt - schlicht eine Eigenart (so wie etwa die Stirn in die Hand zu stützen beim „nachdenken“) und hat keineswegs etwas pathologisches an sich, wie du vielleicht vermutetest.

Wie sonst die geometrisch-symmetrischen (oder gerade nicht symmetrischen) und oft identisch sich wiederholenden Figuren, die sich quasi automatisch „wie von selbst“ auf ein Blatt zeichnen - daher die Bezeichnung écriture automatique - lagern einen Teil der Aufmersamkeits-„Energie“ aus und machen - trotz Konzentration auf auf das externe Thema - eine Selbstreflexion auf das eigene „Selbstgefühl“ möglich: Soll heißen, es wird halb-bewußt die eigene Befindlichkeit und auch das Selbstbild, das man als Gesprächspartner aktuell hegt, reflektiert.

Das Nach zeichen (egal ob die eben gestaltete Figur oder die eigene Handschrift) hat dabei noch eine spezielle Nuance: es wird sozusagen die „eigene Kontur“ nachgezeichnet - man versucht sich selbst zu spüren und zu erkennen als sähe man sich von außen.

Es ist also schlicht ein Zeichen, daß jemand - ganz ungeachtet seiner Konzentration auf das objektive Geschehen!! - mit einem Anteil an Aufmerksamkeit damit beschäftigt ist, wie er selbst als Teilnehmer des Geschehens sich „fühlt“ und teilweise auch, wie er - im Kontrast dazu - von den anderen wahrgenommen wird.

Die jeweils aktuelle individuelle (Be-)Deutung dieser Handlung kann nur in einem (speziell dafür geeigneten) Dialog gefunden werden - ähnlich wie in der (nur dialogiasch möglichen) Traumdeutung.

Übrigens hat dieses Phänomen der „écriture automatique“ auch in der Kunstgeschichte des „informel“ (Michel Tapié) eine bedeutende Rolle gespielt: Henri Micheaux ist der bekanntesten Vertreter dieser Richtung.

Gruß

Metapher

schwere Fehler im dialogischen Verhalten?
nach dem, was ich dir oben schon erläuterte, hier noch ein spezifischerer Vorschlag der Deutung, natürlich „blind“, da ich das Verhandlungszenarium nicht kenne:

ich wollte mich lediglich
informieren), da wir (auch) mit der angesprochenen Person in
laufenden Verhandlungen stehen würde ich nur gerne wissen, ob
sich aus einem derartigen Verhalten irgendetwas ablesen lassen
kann, um ggf. darauf Rücksicht zu nehmen bzw. darauf
einzugehen.

Darauf eingehen ist nicht nur überflüssig, zumal du es als (wie du selbst sagst in dieser Hinsicht) Unkundiger gar nicht in adäquater Weise könntest, sondern es ist auch höchst unopportun:

Nach aller Erfahrung kannst du daraus folgendes erschließen: Daß du selbst dich als sein Dialogpartner (in einer mir natürlich unbekannten Weise) bzgl. eures Verhandlungsgegenstandes bzw. - Verhandlungsverlaufs mit schlechtem dialogischem Verhalten zeigst. Es deutet darauf hin, daß es ihm nicht möglich ist, seine eigenen Interessen zu dir hinüberzubeamen. Es fehlt ihm an feedback bzw. Kontrollmöglichkeit, ob seine Argumente von dir überhauot wahrgenommen werden. Möglich ist, daß dein Response (wenn überhaupt) in einer allzu stereotypen, formalisierten und also nicht auf ihn persönlich zugeschnittenen Weise kommt.

Je nach Verhandlungsgegenstand willst du ihm etwas aufdrücken, was ihn nicht interessiert (und er denkt darüber nach, wie er dir das deutlich machen könnte), oder er will dir etwas aufdrücken, kommt aber bei dir nicht durch, weil es dir an Zuhörvermögen fehlt - und vielleicht an Fähigkeit, feedback zu geben.

Es kann natürlich auch sein, daß er zur Zeit persönliche Probleme hat, die ihm in seine thematische Konzentration hineinfunken. Das ist bei einem normalen Arbeitstagsverhalten durchaus möglich. Bei einem geschulten Verhandlungspartner halte ich dies für ausgeschlossen.

Dies ist natürlich eine „Deutung“ at a distance. Aber die Möglichkeit, daß es ein Zeichen für dialogische Fehler deiner selbst sein könnten, sollte vorrangig in Betracht gezogen werden, selbst wenn die Deutung falsch ist. Denn dir geht es ja um deinen Verhandlungserfolg.

Gruß

Metapher

Danke
für deine qualifizierte Antwort!!

JJLehto