Profiling

Hallo Experten
Ich soll demnächst im Auftrag des Arbeitsamtes eine „Profiling“-Maßnahme mit Langzeitarbeitslosen durchführen.
Wer kann mir hierzu Literatur empfehlen oder ganz einfach den ein oder anderen Tip geben?

Gruß
franz

liest sich nach berufseinsteiger, der grad seine ersten erfahrungen sammeln darf. profiling … hm, ich bin vielleicht zu zynisch geworden im laufe der jahre. wer hat dich beauftragt, langzeitarbeitslose oder die eigene knappe kasse? hast du keinen detaillierteren arbeitsauftrag bekommen, nicht näher nachgefragt? ja, jobmachmaschine arbeitslosigkeit und hilflose helfer. in zwölf monaten ist alles vorbei; abm-stellen werden verlängert, aber nicht mehr mit denselben personen. ausnahme: erwachsenenbildung und maßnahmen aus dem bereich berufsintegrative maßnahmen mit jugendlichen. hurra, unsere professionellen arbeitslosigkeitsbekämpfer werden es richten. oh, das hilft dir nicht weiter? sorry, aber deine anfrage finde ich etwas seltsam. wie mein vorredner (im brett „sozialwissenschaften allgemein“)ausführte, du nimmst einen auftrag an und weisst nicht was du tun sollst?

gruss
voy

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Sorry - ich kann zwar die ursprüngliche Frage nicht beantworten, aber DAS ist ja wohl DIE „Anti-Antwort“ schlechthin, oder ? Und warum fragst Du eigentlich, ob das weiterhilft ? Dein Posting war m.E. nie dazu gedacht, irgendeinem zu helfen, sondern einfach nur dazu, durch aneinandergehängte Halbsätze den Eindruck von Tiefgründigkeit und Abgeklärtheit zu vermitteln und sich so selbst darzustellen.
Und nochwas : Bei jedem Beruf, der eine etwas höhere Qualifikation erfordert wird die Situation, daß man vor eine Aufgabe gestellt wird, die man so nie hatte in schönster Regelmässigkeit vorkommen. Und dann holt man sich seine Informationen über diese Aufgabe erstmal aus allen Quellen, die man finden kann, um sich einen Überblick zu verschaffen. Deshalb finde ich persönlich nichts daran absonderlich, vor einer neuen Aufgabe zu stehen, und mich orientieren zu müssen, wie der ursprüngliche Fragesteller. Aber solche Antworten wie Deine dienen dem Zweck eines Expertenforums bestimmt nicht.

Gruss,
Jürgen

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Hallo Experten
Ich soll demnächst im Auftrag des Arbeitsamtes eine
„Profiling“-Maßnahme mit Langzeitarbeitslosen durchführen.
Wer kann mir hierzu Literatur empfehlen oder ganz einfach den
ein oder anderen Tip geben?

Gruß
franz

Sorry Jürgen,
auch wenn man jemanden kritisieren will, kann man ihn wenigstens erstmal grüßen.

Hallo Jürgen,

Sorry - ich kann zwar die ursprüngliche Frage nicht
beantworten, aber DAS ist ja wohl DIE „Anti-Antwort“
schlechthin, oder ?

Und das hilft jetzt, daß du einen Poster anmachst, obwohl du selbst keine Antwort hast?

Und warum fragst Du eigentlich, ob das

weiterhilft ? Dein Posting war m.E. nie dazu gedacht,
irgendeinem zu helfen, sondern einfach nur dazu, durch
aneinandergehängte Halbsätze den Eindruck von Tiefgründigkeit
und Abgeklärtheit zu vermitteln und sich so selbst
darzustellen.

Und das kannst du alles aus den Sätzen entnehmen, wöhrend voy richtigerweise entnommen hatte, daß der Frager derart wenig "Vor-"Wissen besitzt, daß es sich fragt, ob er die Aufgabe überhaupt angehen sollte.

Und nochwas : Bei jedem Beruf, der eine etwas höhere
Qualifikation erfordert wird die Situation, daß man vor eine
Aufgabe gestellt wird, die man so nie hatte in schönster
Regelmässigkeit vorkommen. Und dann holt man sich seine
Informationen über diese Aufgabe erstmal aus allen Quellen,
die man finden kann, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Richtig, aber dann sollte man fragen, daß man antworten kriegen kann. Beispiel: ich muß was über Profiling machen, wer kann mir helfen? (Überschrift: Assesmentcenter) erstmal hat das nur bedingt miteinander zu tun und zum zweiten gibt es ungefähr 2000 Bücher darüber und im psycho-Studium mehrer Seminare: Bleibt die Frage beifm Befragten: Was will er denn nu wissen.

Kurz die Qualität der Antwort liegt in der Qualität der Frage.

Deshalb finde ich persönlich nichts daran absonderlich, vor
einer neuen Aufgabe zu stehen, und mich orientieren zu müssen,
wie der ursprüngliche Fragesteller. Aber solche Antworten wie
Deine dienen dem Zweck eines Expertenforums bestimmt nicht.

Und, nochmals, eine ungenaue Frage lockt eher Antworten, wie u.a. auch deine, als tatsächliche Informationsantworten.

gruss
winkel

Profiling - Höchstmaß an Menschenkenntnis
Hi franz

profiling ist vorzugsweise ein Verfahren aus der Kriminologie. Dabei geht es darum, aus dem Fakten- und Datenmaterial eines noch unbekannten „Täters“ die Kontur einer Persönlichkeitsstruktur (das „Profil“) zu erschließen, um daraus Abschätzungen zu gewinnen über seine möglichen zukünftigen und über seine wahrscheinlichen gegenwärtigen Handlungsstrategien.

Es handelt sich dabei also um eine extrem sensible Kunst, die keineswegs nur perfektes allgemeines psychologisches know how voraussetzt, sondern ein enormes Maß an (ggf. einschlägiger) Menschenkenntnis und Intuition und Empathie.

Daß solche Kunst ganz gewiß auch sinnvolle Anwendung finden kann, um Langzeitarbeitslosen „aufs Fahhrad“ zu helfen, bzw. das Suchprogramm für mögliche Arbeitsplätze zu optimieren, halte ich für durchaus möglich. Aber… hm… es sollte jemand machen, der in der Kunst des Profiling bereits zu haus ist, denk ich mal.

Ohne diese Voraussetzung - da es sich ja um eine weniger brisante Anwendung handelt, die auch von weniger geschulten Personen gemacht werden könnte - wäre eine Art Formalisierung z.B. in Form eines Fragebogens durchaus denkbar. Soetwas existiert nach meinem Kenntnisstand aber nicht beim AA. Etwas ähnliches gibt es jedoch bei Auswahlverfahren für Führungskräfte, aber das ist nicht öffentlich zugänglich - keine Frage, warum nicht :smile:)

Darüberhinaus haben diese Verfahren - so wie ich die Pappenheimer kenne - u.a. auch den Zweck, Arbeitslose als „unvermittelbar“ aus dem Vermittlungsverfahren auszukanzeln!

Da ich das für ein Verbrechen halte, werde ich keine „Tips“ dafür geben. Schon deshalb, weil der Ausdruck „Tip“ schon zeigt, daß die Tragweite solcher Arbeiten keineswegs erkannt ist.

Was Profiling ist und kann, das zeigen folgende Bücher eines der Großmeister dieser Kunst:

John Douglas: Die Seele des Mörders
John Douglas: Anatomie des Mörders
ISBN 3442150965 Buch anschauen

Gruß

Metapher

http://www.praxis-dialog.de

Profiling - besser ohne Menschenkenntnis
Geschätzter M!

Wie Du richtig beschreibst, stammt der Begriff des Profiling aus der forensischen Psychologie, sowie aus der Kriminologie und hat bereits (wie Dir wohl geläufig sein mag) zum Beginn des 19. Jhdts. in Frankreich erste dokumentierte Ursprünge („Vidocq“, Fink, 2000). Ich selber beschäftige mich eingehend mit psychologisch-forensischem Profiling sowohl auf nationaler, wie auch auf internationaler Ebene und möchte hier allerdings darauf hinweisen, daß meine Kollegen und auch ich vor dem Einsatz der sog. „Intuition“, „Empathie“ und „Menschenkenntnis“ aufgrund der Verfälschungen des Täterprofils dringend warnen. Die gängige Praxis bei der Profilerstellung besteht vielmehr im Sammeln von Fakten, die schließlich aufgrund theoretischer und empirischer Grundlagen nach psychologischen und kriminalistischen Erkenntnissen zusammengesetzt werden - eine durch Vorurteile, Meinungen, Einstellungen etc. belastete „Menschenkenntnis“ oder gar „Intuition“, die nur nach den interindividuellen Maßstäben vorgeht, belastet dabei die Arbeit an der Profilerstellung unnötig und kann u.U. ein völlig verzerrtes Bild entstehen lassen - mit dem Ergebnis, daß ein Täter über noch längere Zeit unerkannt bleibt.
Des weiteren ist es so, daß nach den gängigen Theorien (z.B. MacDonald, 1968, 1976; Ressler et al., 1985; Bourgoin, 1993 etc.) zumindest ein großer Teil der Täter mit Serienverbrechen durch eine Persönlichkeitsstruktur auffällt, die gerade Menschen mit „Empathie“, „Menschenkenntnis“ und „Intuition“ bei Gesprächen und auch im Handeln vollständig zu täuschen vermag: tatsächlich sind wohl viele der Täter als „antisozial persönlichkeitsgestört“ zu begreifen (auch: Psychopathie, Soziopathie etc.; siehe Wittchen et al, 1996). Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung zeigen neben anderem „Falschheit, die sich in wiederholtem Lügen, dem Gebrauch von Decknamen oder dem Betrügen anderer (…) äußert“, desweiteren sind „Täuschung und Manipulation zentrale Merkmale der Antisozialen Persönlichkeitsstörung“ (beides: Wittchen et al., 1996). Da diese Störung zu den Persönlichkeitsstörungen zählt, sind die Personen bereits seit Kindheit oder zumindest Adoleszenz durch eine solche Persönlichkeitsstruktur gekennzeichnet (tatsächlich müssen sie bestimmte Merkmale bereits mindestens dem 15. Lebensjahr aufweisen, damit die Störung diagnostiziert werden kann, siehe Wittchen et al., 1996) - und haben daher bereits eine sehr große Übung darin, Interviewer zu manipulieren, so daß „Menschenkenntnis“, „Intuition“ etc. hier eher versagt und sogar das DSM-IV (Wittchen et al., 1996) bereits die Etablierung weiterer Informationsquellen dringend empfiehlt (gutes Beispiel in Comer, 1998).

Wie Du erkennen magst, ist eine Arbeit über intuitive Techniken oder gar mit dem „Hineindenken“ in den Täter völlig kontraproduktiv.

Grüße und noch einen schönen Abend,
Der Captain

Lit.:
Bourgoin, Stephane (1993). Serial Killers. Enquete sur les tueurs en serie. Bernard Grasset, Paris

Comer, R. J. Klinische Psychologie. Spektrum, Heidelberg

Fink, Peter (2000). Immer wieder töten.Verlag Deutsche Polizeiliteratur

MacDonald, John M. (1968) Homicidal Threats; (1976) Psychiatry and the Criminal.

Ressler et al. (1985). Rape and Sexual Assault: A Research Handbook.

Wittchen et al. (1996). Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-IV. Hogrefe, Göttingen

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