Hallo,
ich wußte nicht so recht ob, aber da man sich am Nutztierbrett immer über meine Katzenrezepte aufregt, stelle ich den lieber mal hier rein.
Warum ich Katzen als Nutztiere und wertvolle Fleischlieferanten betrachte? Ich glaube, das kommt von Alf. Der Gedanke, sich so einen kleinen, niedlichen strubbeligen Stubentiger hinter die Kiemen zu schmeißen, ist sehr schön schräg. Viele fühlen sich persönlich betroffen und werfen einem Perversion vor.
Aber bin ICH pervers, wenn ich solch einen Gedanken ins Spiel werfe? Ich finde es als wesentlich perverser, soetwas pervers zu finden und vor viel schlimmeren Alltagssituationen die Augen zu verschließen.
Wie hat euch euer letztes Schnitzel geschmeckt? War es zu klein? Wir hatten letztens am Mechanikbrett (wo sonst?) erst das Thema Schlachthöfe. Das hat aber mit Tod zu tun und ist daher vor der Öffentlichkeit fernzuhalten.
Aber man kann sich drüber informieren!
Überhaupt ist das Thema Tod noch sehr tabuisiert. Kiener weiß, was da so richtig passiert und die Toten könnens einem nicht mehr sagen. Der Vorwurf, die gesellschaft würde verrohen, wenn man mehr darüber spricht, kann so nicht stimmen. Wenn man den Leuten anbietet, ihre Stubentiger zu mampfen, gehen sie ja auch in eine Abwehrstellung und fühlen sich persönlich angegriffen. Wenn man aber in der Zeitung liest, daß in diesem Jahr wieder 100.000 Kinder in Angola verstorben wären, ist das recht anonym und weit weg. „Soetwas kann uns nicht passieren“, wird man mit Sicherheit vielfach denken. Der Krieg in Afghanistan ist ja auch weit weg.
Aber es ist nicht nur das, worauf ich hinaus möchte.
Jeden Tag erlebe ich wieder aufs neue, wie Menschen sich umeinander „kümmern“.
Es ist Alltag, daß irgendjemand auf dem Parkplatz ans Auto gefahren wird. Aber das kann man ja reparieren. Das kostet ggf. etwas, noch ein freundliches „Sorry, tut mir Leid“ hinterher und das war es.
Ein anderer hat sich von jemand eine Bohrmaschine geliehen, konnte damit nicht umgehen und hat sie kaputt gemacht. Der eine braucht sie aber genau jetzt dringend „Sorry!“
Wie oft ich in der letzten Zeit feststelle, daß mir das Wort „Sorry“ begegnet, weil Leute nicht in der Lage sind, ihr Gehirn einzuschalten, bevor sie sich bewegen, finde ich gerade haarsträubend.
Und was wird letztlich aus der ganzen Gesellschaft? Hier im Osten sind von der erwerbsfähigen Bevölkerung 35% ohne Job. Das seit zehn Jahren. Was macht man mit denen? keine Ahnung. die können sich ja selbständig machen, wenn sie zu wenig haben, lautet vielfach das Echo. Das ist geradezu eine Verhohnepipelung. Jegliches Engagement kostet erstmal im Vorfeld Geld. Richtig Geld. Dazu gehört, leider, auch Bildung.
Ich weiß nicht, wann ich hier das letzte mal einen Kinderwagen gesehen habe. Auf jeden Fall wird es immer seltener. Kinder sind teurer Luxus geworden. Ist das noch normal?
Ich finde eher, die ganze Gesellschaft entwickelt sich hin zur Perversion. Man kümmert sich lieber aufopferungsvoll um seine lieben Kätzchen und Ohrenkerzen und alles andere ist egal.
Was meint ihr dazu?
fragt:
Frank, der tatsächlich noch nie wissentlich Katze aß.


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