Konflikt am Telefon

Hi,

zwar bin ich teils geneigt zu sagen, mein Leben ist ein einziger Ausnahmezustand, doch gerade die letzten Monate sind es fürwahr. Gleich was Ihr hier von Homöopathie haltet, ich erlebe mich teils in einer Art und Weise reagierend, wie ich es als Kind oder höchstens als Jugendliche tat. Umso schwerer fällt mir der Umgang mit „Erwachsenen“-Konflikten.

Folgendes trug sich nun am Samstag zu: eine Frau rief an und wollte ein Horoskop haben. Sie begann zu erzählen, daß sie Juristin sei und nun bald auch noch Ärztin. Nun, möglich ist ja vieles, dachte ich so bei mir. Dann erzählte sie mir, millionenschwer zu sein, es mit ihren 40 Jahren noch mit mancher 16jährigen aufnehmen zu können. Sie verwandte einige Fachbegriffe aus der Medizin, sprich eine gewisse Bildung konnte ich ihr keinesfalls absprechen. Das Problem, das sie eingangs schilderte, war berufliche Orientierung und das Thema Partnerschaft. Also, im Grunde Themen wie sie jeder mal hat. Sie habe sich in den Sohn ihres Gärtners verliebt. Und dies ginge doch nicht an. Ich merkte, ich fühlte mich immer unwohler und wollte das Gespräch dann auch auf einen Punkt bzw. zu Ende bringen. Ich nannte ihr meine Konditionen als sie begann mir zu erzählen, daß sie für Dienstag einen Mordauftrag habe.

Ich wußte nicht, ob diese Frau mich nur verarscht, oder ob hier eine geistige Erkrankung vorliegt. Alles Mögliche, angefangen von Schizophrenie, schoß mir in den Kopf. Doch wie damit umgehen?

Meine Meinung, daß ein Horoskop ein gutes Diagnoseinstrument sei, daß jedoch bei tiefliegenden psychischen Problemen unbedingt professionelle Hilfe anzuraten ist, tat ich ihr kund. Sie fragte, was ich darunter verstünde? Ich empfahl ihr einen Psychiater oder Psychotherapeuten aufzusuchen. Sie meinte, sie wäre bei einem Arzt im Klinikum Großhadern gewesen und dieser Arzt habe ihr gesagt, sie sei eine der gesündesten Menschen die er je getroffen hatte.

Mit der Situation fühlte ich mich überfordert, sehe ich doch hier leicht auch nicht klar, ob der Mensch hier am anderen Ende der Leitung ein Problem hat, oder nur meint, sich ein Späßchen zu machen. Momentan neige ich allerdings dazu zu glauben, daß bei der Frau eine tiefere Störung vorliegt.

Sie begann wieder von ihrem Mordauftrag zu sprechen. Ohne dies nun vertiefen zu wollen, hat es mich auf einer anderen Ebene, was mit der homöopathischen Behandlung zu tun hat, tief berührt, und durcheinander gebracht. Sie erzählte, ihre Mutter habe ihr gesagt, sie solle, wenn sie schon Leute töten müsse, nicht so eine Sauerei (Blut) in der Küche hinterlassen.

An der Stelle sagte ich ihr nochmal konkret meine Konditonen und sagte ihr, daß ein Horoskop allein ihr sicherlich nicht helfen könne, daß sie die Unterstützung, die Hilfe eines Profis bräuchte.

Wir beendeten das Telefon mit ihrer Absicht, die Geburtszeit ihres Lovers herauszusuchen und dann wollte sie sich nochmal bei mir melden.

Ob sie sich nochmal meldet, weiß ich nicht. Ich glaube es fast nicht, wenigstens liegt mir nicht sonderlich viel daran.

Die Frage ist, wie geht Ihr mit solch einer Situation um bzw. wie würdet Ihr mit solch einer Situation umgehen?

Leider hat sie ihre Telefonnummerübermittlung unterdrückt. Da nutzte mir mein ISDN-Telefon auch nichts.

Selbstbverständlich hätte ich dieser Frau nicht helfen können, da einerseits am Telefon und andererseits fehlt mir hierzu für eine derartige Störung auch eine fundierte Ausbildung. Dennoch meine ich, ich hätte mich anders / besser verhalten können. Doch wie? Ich bot ihr an, ihr eine Nummer herauszusuchen, doch sie ging nicht darauf ein. Hätte ich nachdrücklicher ihr eine Nummer geben sollen oder versuchen sollen, mir ihre Nummer geben zu lassen, um diese dann z.B. an die Polizei oder einen psychiatrischen Dienst weiter zu geben?

Und dies in der momentanen Situation, in der ich ohnedies wenig angemessen reagieren kann. Seufz.

Ciao,
Romana

Hallo Romana,

Solche „eigenartige“ Menschen hat man wohl immer, wenn man mit Klienten, Patienten oder Kunden zu tun hat. Es gibt immer mal wieder Leute, die mit einem Anliegen auf einen zukommen, und dann über ihre Linie hinausschießen, aus welchen Gründen auch immer. Das hatte in Deinem Fall nach meiner Einschätzung und meiner Erfahrung nichts mit Unterlassungsfehlern zu tun, wenn sich der Gesprächsfaden schwer in den Griff bekommen ließ und unbefriedigend endete (für Dich zumindest?).

Das gehört halt zu einem Beruf dazu, wenn man mit Menschen zu tun hat, ein wenig Chaos muss immer mit einkalkuliert werden. Man selbst kann nur seinen Routineweg gehen, sprich man erkundigt sich zu Beginn der Kontaktaufnahme nach dem Anliegen, und muss mit relativ viel Informationsdrumherum rechnen, dann gibt man dem Kunden seine Informationen (Leistungspalette, Preis, Lieferzeiten…) und geht auch mit ein paar Worten auf das Drumherum ein, weil Mensch wahrgenommen werden möchte (ich schwatze übrigens auch gerne mit Verkäuferspersonal, ein paar Worte nur, aber es tut mir gut).
Ich glaube, dass die Frau bei Dir eine willkommene Gelegenheit sah, ihren Gedankenmüll bei Dir abzuladen.
Wenn ich ein unergiebiges Gespräch abbrechen mußte, dann habe ich durch immer mehr sparsam werdende Reaktionen den Redefluß zum versiegen gebracht oder durch ein „nun haben wir ja alles besprochen“ ein Signal zum Abbruch zu geben. Das Schwierige dabei ist, dass ja die Person nicht verärgert werden sollte, also gilt es ein Gesprächs-Ende so behutsam wie möglich anzustreben - aber auf jeden Fall anstreben, um nicht komplett den Einfluß darauf zu verlieren.

Ich glaube, dass Du gar nichts verkehrt gemacht hast. Solche Chaosgespräche sind unvermeidbar, und Du kannst Dich danach wirklich nur um inneren Abstand bemühen. Denn wer als Klient (oder heißt das Patient bei Dir? ich weiss das jetzt nicht) zu Dir kommt, und will bei Dir eine Leistung kaufen, dann müßte sich dieses Gespräch streng genommen nur um dieses Thema drehen.
Ganz klar von Dir gesagt, käme sie mit den Informationen aus dem Horoskop alleine nicht zurecht, müßte sie eine Fachkraft aus dem psychologischen Bereich Zurate ziehen, was ja nicht Dein Bereich ist.
So ist es letztlich egal, ob die Person verwirrt ist oder sich einen Spass mit Dir erlauben wollte, denn Du hast ihr Deine Informationen gegeben, und sie bekam damit das Angebot, mit Dir ins Geschäft zu kommen. Sie schiebt ihre Willenserklärung (so nennt man das „Ja, ich willmit dir einen Vertrag machen“) auf, und kommt wieder auf Dich zu - oder nicht.
Darum, hake das Gespräch ab, und denke nicht darüber nach. Wer weiss, wieviele Fachleute sie schon mit ihren Problemen aufgesucht hat, die ihr alle wegen ihrer mangelnden Zielstrebigkeit nicht helfen konnten, oder mit wie vielen sie schon ihren Schabernack trieb.

viele Grüße
Claudia

Telefonhilfe
Hi Romana

sorry - war anderweitig tätig und antworte daher jetzt erst.

Solche Gesprächspartner sind tatsächlich ein Problem für den Angerufenen, weil notwendigerweise immer das Gefühl zurückbleibt, man hätte „mehr“ tun können, mehr tun sollen usw. so wie es das Anliegen deines Postings ja auch zeigt.

Anonyme Telefonhilfsdienste sind mit diesen (hier fast tag-täglichen) Erscheinungen vertraut - und wir bilden sie deshalb auch für den Umgang damit aus. Solche Anrufer sind dort auch als sog. Daueranrufer bekannt: Sie kommen in regelmäßigen Abständen immer wieder…

Nicht immer iwrd es so deutlich wie in deinem Beispiel, daß „etwas nicht stimmt“. Was nicht stimmt ist aber dabei eigentlich gleichgültig, denn Hilfe (die oft auch eine reguläre Psychotherapie nicht leisten könnte) ist in der kurzen Dauer des Gesprächs eh nicht möglich. Oft ist ja auch nichtmal ein konkretes Gesprächsanliegen erkennbar.

Bei dem Dienst, den du vermutlich telefonisch anbietest und leistest, mag das schon als Belästigung empfunden werden. Aber auch wenn das nicht der Fall ist, und man helfen möchte, bleibt die Frage nach dem Wie und Was.

In den meisten Fällen kann man aber davon ausgehen, daß das Anliegen des Anrufers ihm selbst nicht deutlich ist und daß eine momentane Unruhe einer turbilenten psychischen Verfassung nur nach dem Respons einer menschlichen Stimme verlangt. Und dieses Bedürfnis nach einer momentanen, möglich individuellen, persönlichen Zuwendung durch eine (auch anonyme) menschliche Stimme ist oft schon allein dadurch befriedigt, daß am anderen Ende der Telefonleitung jemand sich erkennbar bemüht, zu verstehen - was ist erstaunlicherweise meist egal, denn der Inhalt des zuerst erzählten Anliegens ist meist nur ein Aufhänger, der sich eh nach ein paar Minuten verändert.

Bei telefonischen Diensten, denen ich als selbstständiges Medium einen sehr großen Stellenwert einräume neben jedweglicher sonstigen psychologischen Beratung, gibt es nur wenige Kriterien dafür, ob man „es“ richtig macht. Aber in solchen Fällen bleibt immer der Eindruck übrig, „alles falsch“ gemacht zu haben: Und genau das liegt in der Natur solcher Phänomene, die man in einem weitergefaßten Sinn durchaus als „psychische Störung“ betrachten kann - welche, ist wie gesagt unwichtig, denn zu einem therapeutischen Prozess wird es in dem Gespsräch eh nicht kommen.

„Geholfen“ - ad hoc und nur momentan - hast du also in deinem Gespräch vermutlich allein dadurch, daß du dich um sie überhaupt in irgendeiner Weise bemühtest…

Vielleicht ein paar comments zu dem was du schreibst en detail:

Sie meinte, sie wäre bei einem Arzt im Klinikum Großhadern gewesen und dieser Arzt habe ihr gesagt, sie sei eine der gesündesten Menschen die er je getroffen hatte.

Das z.B. kann eine Phantasie sein. Aber es kann auch stimmen: Es könnte z.B. sein, daß der Therapeut sie als nicht-therapierbar erkannte.

Mit der Situation fühlte ich mich überfordert, sehe ich doch
hier leicht auch nicht klar, ob der Mensch hier am anderen
Ende der Leitung ein Problem hat, oder nur meint, sich ein
Späßchen zu machen. Momentan neige ich allerdings dazu zu
glauben, daß bei der Frau eine tiefere Störung vorliegt.

Es kommt sehr sehr häufig vor, daß Leute sich ein ähnliches Späßchen machen. Am „Anonymen Telefon“ gibt es dafür Hinweise, an denen man es erkennen kann. Auf der sicheren Seite bist du, wenn du dich darauf einstellst, nicht grundlegend „helfen“ zu können. Um soetwas als Späßchen durchzuziehen, braucht es eine enorme Konzentration und intellektuelle Fähigkeit des Anrufers: Ich empfehle für solche Kandidaten immer (wenn es letztlich eindeutig ist durch z.B. ein outing), das Gespräch mit einem Kompliment an den Anrufer zu beenden…

Sie begann wieder von ihrem Mordauftrag zu sprechen. Ohne dies
nun vertiefen zu wollen, hat es mich auf einer anderen Ebene,
was mit der homöopathischen Behandlung zu tun hat, tief
berührt, und durcheinander gebracht. Sie erzählte, ihre Mutter
habe ihr gesagt, sie solle, wenn sie schon Leute töten müsse,
nicht so eine Sauerei (Blut) in der Küche hinterlassen.

Auch sowas haben wir schon als „Späßchen“ erlebt. Aber hier konntest du von einer erheblichen psychischen Störung ausgehen. Zu helfen gibt es da nichts - du hilfst durch einfaches Zuhören: Möglichst ohne schockiert zu sein (das ist wichtig!), aber auch - im Gegensatz zum sonstigen aktiven Zuhören - ohne gezielteres Zurückfragen in Details…

An der Stelle sagte ich ihr nochmal konkret meine Konditonen
und sagte ihr, daß ein Horoskop allein ihr sicherlich nicht
helfen könne, daß sie die Unterstützung, die Hilfe eines
Profis bräuchte.

Das ist eine sehr gute Möglichkeit: Immer wieder auf ein sachliches Anliegen zu rekurrieren… Das ist eines der dialogischen Techniken, um jemanden aus einem vorübergehenden Wahnanfall herauszuholen und - ebenfalls nur vorübergehend - auf die Beine zu stellen.

Wir beendeten das Telefon mit ihrer Absicht, die Geburtszeit
ihres Lovers herauszusuchen und dann wollte sie sich nochmal
bei mir melden.

Nimme es ihr nicht übel, wenn sie dich liebgewonnen hat (*grins*) und dich wieder anruft. Du wirst es nicht verhindern können. Mach es dann genauso wie im ersten Gespräch. Kannst ihr dann aber durchaus freundlich zu verstehen geben, daß sie von weiteren Anrufen absehen möge… Auch solche Personen sind oft durchaus fähig, eine gewisse Verhaltenskonsequenz aufzubringen.

Leider hat sie ihre Telefonnummerübermittlung unterdrückt. Da
nutzte mir mein ISDN-Telefon auch nichts.

Ist auch gut so. Es macht keinen Sinn, dem nachzugehen. Wenn du eine Nummer erkennst und auf der anderen Seite Gefahr für Leib und Leben sich andeutet, kannst du die Polizei einschalten. Die muß dann reagieren.

Dennoch meine ich, ich hätte mich anders / besser verhalten können. Doch wie?

Wie gesagt: Es ist das Schicksal solcher Telefonerlebnisse, daß diser Zweifel zurückbleibt. Verhindern kannst du es nicht. Du mußt es einfach „aushalten“.

Ich bot ihr an …
Hätte ich nachdrücklicher … ?

Ja, mit diesen Fragen beschäftigen solche Personen einen dann nachträglich. Ein Anteil des Rätsels Lösung ist der: Genau das ist (ggf.!) unter anderem ein Anliegen des Anrufers! Er weiß, daß du dich weiter mit ihm beschäftigen wirst…

Und dies in der momentanen Situation, in der ich ohnedies
wenig angemessen reagieren kann. Seufz.

IMHO hast du sehr angemessen reagiert!

Das soetwas gezielt *ggg* in Zeiten passiert, wenn man selbst „auf dem letzten Loch pfeift“ *lach* das hab ich auch schon so oft erlebt. Meiner Meinung nach ist das eine Gemeinheit der schicksalswebenden Göttinnen …

-)

Take it as it comes

Grüße

Metapher

Hi Romana

Hi Metapher,

sorry - war anderweitig tätig und antworte daher jetzt erst.

Ehm, ich erachte Dich als sehr kompetenten doch nicht omnipotenten Menschen. :smile: Du kannst nicht immer und überall sein. Vielen Dank für Deine mir geschenkte Zeit und Aufmerksamkeit.

Solche Gesprächspartner sind tatsächlich ein Problem für den
Angerufenen, weil notwendigerweise immer das Gefühl
zurückbleibt, man hätte „mehr“ tun können, mehr tun sollen
usw. so wie es das Anliegen deines Postings ja auch zeigt.

Anonyme Telefonhilfsdienste sind mit diesen (hier fast
tag-täglichen) Erscheinungen vertraut - und wir bilden sie
deshalb auch für den Umgang damit aus. Solche Anrufer sind
dort auch als sog. Daueranrufer bekannt: Sie kommen in
regelmäßigen Abständen immer wieder…

Nicht immer iwrd es so deutlich wie in deinem Beispiel, daß
„etwas nicht stimmt“. Was nicht stimmt ist aber dabei
eigentlich gleichgültig, denn Hilfe (die oft auch eine
reguläre Psychotherapie nicht leisten könnte) ist in der
kurzen Dauer des Gesprächs eh nicht möglich. Oft ist ja auch
nichtmal ein konkretes Gesprächsanliegen erkennbar.

Bei dem Dienst, den du vermutlich telefonisch anbietest und
leistest, mag das schon als Belästigung empfunden werden. Aber
auch wenn das nicht der Fall ist, und man helfen möchte,
bleibt die Frage nach dem Wie und Was.

In den meisten Fällen kann man aber davon ausgehen, daß das
Anliegen des Anrufers ihm selbst nicht deutlich ist und daß
eine momentane Unruhe einer turbilenten psychischen Verfassung
nur nach dem Respons einer menschlichen Stimme verlangt. Und
dieses Bedürfnis nach einer momentanen, möglich individuellen,
persönlichen Zuwendung durch eine (auch anonyme) menschliche
Stimme ist oft schon allein dadurch befriedigt, daß am anderen
Ende der Telefonleitung jemand sich erkennbar bemüht,
zu verstehen - was ist erstaunlicherweise meist egal,
denn der Inhalt des zuerst erzählten Anliegens ist meist nur
ein Aufhänger, der sich eh nach ein paar Minuten verändert.

Bei telefonischen Diensten, denen ich als selbstständiges
Medium einen sehr großen Stellenwert einräume neben
jedweglicher sonstigen psychologischen Beratung, gibt es nur
wenige Kriterien dafür, ob man „es“ richtig macht. Aber in
solchen Fällen bleibt immer der Eindruck übrig, „alles falsch“
gemacht zu haben: Und genau das liegt in der Natur solcher
Phänomene, die man in einem weitergefaßten Sinn durchaus als
„psychische Störung“ betrachten kann - welche, ist wie gesagt
unwichtig, denn zu einem therapeutischen Prozess wird es in
dem Gespsräch eh nicht kommen.

„Geholfen“ - ad hoc und nur momentan - hast du also in deinem
Gespräch vermutlich allein dadurch, daß du dich um sie
überhaupt in irgendeiner Weise bemühtest…

Vielleicht ein paar comments zu dem was du schreibst en
detail:

Sie meinte, sie wäre bei einem Arzt im Klinikum Großhadern gewesen und dieser Arzt habe ihr gesagt, sie sei eine der gesündesten Menschen die er je getroffen hatte.

Das z.B. kann eine Phantasie sein. Aber es kann auch stimmen:
Es könnte z.B. sein, daß der Therapeut sie als
nicht-therapierbar erkannte.

Mit der Situation fühlte ich mich überfordert, sehe ich doch
hier leicht auch nicht klar, ob der Mensch hier am anderen
Ende der Leitung ein Problem hat, oder nur meint, sich ein
Späßchen zu machen. Momentan neige ich allerdings dazu zu
glauben, daß bei der Frau eine tiefere Störung vorliegt.

Es kommt sehr sehr häufig vor, daß Leute sich ein ähnliches
Späßchen machen. Am „Anonymen Telefon“ gibt es dafür Hinweise,
an denen man es erkennen kann. Auf der sicheren Seite bist du,
wenn du dich darauf einstellst, nicht grundlegend „helfen“ zu
können. Um soetwas als Späßchen durchzuziehen, braucht es eine
enorme Konzentration und intellektuelle Fähigkeit des
Anrufers: Ich empfehle für solche Kandidaten immer (wenn es
letztlich eindeutig ist durch z.B. ein outing), das Gespräch
mit einem Kompliment an den Anrufer zu beenden…

Sie begann wieder von ihrem Mordauftrag zu sprechen. Ohne dies
nun vertiefen zu wollen, hat es mich auf einer anderen Ebene,
was mit der homöopathischen Behandlung zu tun hat, tief
berührt, und durcheinander gebracht. Sie erzählte, ihre Mutter
habe ihr gesagt, sie solle, wenn sie schon Leute töten müsse,
nicht so eine Sauerei (Blut) in der Küche hinterlassen.

Auch sowas haben wir schon als „Späßchen“ erlebt. Aber hier
konntest du von einer erheblichen psychischen Störung
ausgehen. Zu helfen gibt es da nichts - du hilfst durch
einfaches Zuhören: Möglichst ohne schockiert zu sein (das ist
wichtig!), aber auch - im Gegensatz zum sonstigen aktiven
Zuhören - ohne gezielteres Zurückfragen in Details…

An der Stelle sagte ich ihr nochmal konkret meine Konditonen
und sagte ihr, daß ein Horoskop allein ihr sicherlich nicht
helfen könne, daß sie die Unterstützung, die Hilfe eines
Profis bräuchte.

Das ist eine sehr gute Möglichkeit: Immer wieder auf ein
sachliches Anliegen zu rekurrieren… Das ist eines der
dialogischen Techniken, um jemanden aus einem vorübergehenden
Wahnanfall herauszuholen und - ebenfalls nur vorübergehend -
auf die Beine zu stellen.

Wir beendeten das Telefon mit ihrer Absicht, die Geburtszeit
ihres Lovers herauszusuchen und dann wollte sie sich nochmal
bei mir melden.

Nimme es ihr nicht übel, wenn sie dich liebgewonnen hat
(*grins*) und dich wieder anruft. Du wirst es nicht verhindern
können. Mach es dann genauso wie im ersten Gespräch. Kannst
ihr dann aber durchaus freundlich zu verstehen geben, daß sie
von weiteren Anrufen absehen möge… Auch solche Personen
sind oft durchaus fähig, eine gewisse Verhaltenskonsequenz
aufzubringen.

Leider hat sie ihre Telefonnummerübermittlung unterdrückt. Da
nutzte mir mein ISDN-Telefon auch nichts.

Ist auch gut so. Es macht keinen Sinn, dem nachzugehen. Wenn
du eine Nummer erkennst und auf der anderen Seite Gefahr für
Leib und Leben sich andeutet, kannst du die Polizei
einschalten. Die muß dann reagieren.

Dennoch meine ich, ich hätte mich anders / besser verhalten können. Doch wie?

Wie gesagt: Es ist das Schicksal solcher Telefonerlebnisse,
daß diser Zweifel zurückbleibt. Verhindern kannst du es nicht.
Du mußt es einfach „aushalten“.

Ich bot ihr an …
Hätte ich nachdrücklicher … ?

Ja, mit diesen Fragen beschäftigen solche Personen einen dann
nachträglich. Ein Anteil des Rätsels Lösung ist der: Genau das
ist (ggf.!) unter anderem ein Anliegen des Anrufers! Er weiß,
daß du dich weiter mit ihm beschäftigen wirst…

Und dies in der momentanen Situation, in der ich ohnedies
wenig angemessen reagieren kann. Seufz.

IMHO hast du sehr angemessen reagiert!

Im ersten Moment freut mich dies zu lesen, vor allem wenn es von einem Menschen kommt, dem ich einiges abgewinnen kann. Doch im zweiten Moment, mittlerweile erst ein bis zwei Minuten später, schleichen sich Selbstzweifel ein. Mein Verstand sagt, daß ich mein mir Mögliches getan habe. Ich versuche mich dann selbst auszutricksen indem ich mir Beispiele erzähle wie, daß es eine viel zu kurze Zeit wäre um jemanden am Telefon helfen zu können. Überhaupt könne man bei solchen schwerwiegenden psychischen Störungen niemanden am Telefon helfen, und erst recht nicht in so kurzer Zeit. Da diese selbstgesagten Worte nicht helfen, baue ich das aus. Selbst wenn man auf einen Menschen trifft, mit dem man gleich auf einer gemeinsamen Wellenlänge ist oder es ist sogar Liebe auf den ersten Blick, auf das erste Hören, so kennt man den Menschen noch lange nicht. Man hat ein Bild von ihm und wieviel davon stimmt, muß man erst kennenlernen. Ich hätte also gar keine Chance dieser Frau - wie vielleicht nötig - helfen zu können. Mein Verstand sagt, daß es okay war. Doch gefühlsmäßig ist das Bedürfnis zu helfen, der Zweifel und der nagt teils ganz gut an mir. Dennoch sind diese Zweifel im Laufe des Lebens glücklicherweise geringer geworden. :smile: Dennoch schlauchen sie von Zeit zu Zeit ganz gut, vor allem wenn ich selbst gerade am Arsch bin.

Ich denke, daß ich im Laufe der Jahre durch Literatur, durch Erfahrung, durch mehr oder minder gesunden Menschenverstand, teils gelernt habe, richtig-er zu reagieren bzw. zu handeln. In der Tat habe ich in den 20ern aus meiner Unsicherheit heraus auf solche Situation mit Analysieren des Gesprächs sowie des Gesprächspartners reagiert. Daß es auch noch andere Wege gibt und daß nicht jeder Weg für jeden richtig ist, „wußte“ ich zwar, konnte es jedoch nicht ins Handeln integrieren.

Dennoch bleiben zwei Fragen: woher weiß der Anrufer, daß man sich mit ihm beschäftigt? Wieso muß dieses Gefühl, man hätte mehr tun können, „notwendigerweise“ bleiben? Woran liegt’s? Man wird einerseits auserkoren zu „helfen“ und im gleichen Atemzug bekommt man eine unlösbare Aufgabe?

Das soetwas gezielt *ggg* in Zeiten passiert, wenn man
selbst „auf dem letzten Loch pfeift“ *lach* das hab ich auch
schon so oft erlebt. Meiner Meinung nach ist das eine
Gemeinheit der schicksalswebenden Göttinnen …

Ach, würde es hier eine „Versicherung“ geben, die ginge schnell Pleite. :smile:

-)

Take it as it comes

Kurz und heftig - und wieso ist das ein Satz bzw. eine Aussage an der ich schon mein Leben lang arbeiten muß… bzw. ein Stück kann man auch dafür sorgen, daß die Dinge so kommen wie man sie nehmen möchte. :smile:

Grüße

Metapher

Ciao,
Romana

Hi Claudia,

auch Dir danke ich für Deine Worte. Deine und Metapher’s Worte helfen doch etwas meine Selbstzweifel hier zu mindern. Es bleibt leider ein Stückweit immer das Gefühl, ich hätte ihr helfen können müssen. Glücklicherweise reagiere ich heute schon viel gelassener durch wiederholte Erfahrungen. Doch da sie von „Mordauftrag“ sprach und ich selbst in der Krise meines Lebens stecke, wobei ich zu meinem eigenen Erstaunen noch nie so ruhig in einer Krise war wie jetzt, wollte ich mich bei Euch „absichern“ bzw. informieren, wie ich es beim nächsten Mal noch etwas besser machen kann.

Ciao,
Romana