Selbstmordgedanken einer Freundin - was tun?

Hallo!

Eine Freundin von mir hat mir heute anvertraut, dass sie wieder starke Selbstmordgedanken habe.
Sie leidet am Borderline-Syndrom, war schon zweimal in der Psychiatrie, das letzte Mal letzten Sommer, und nimmt seitdem immer noch Medikamente und macht eine Psychotherapie (die aber meiner Meinung nach nichts bringt).
Nun geht es ihr also immer schlechter, und sie hat diese Aussage gemacht. Den Namen ihrer Therapeutin weiß ich nicht, und mit den Eltern, bei denen sie noch wohnt, kann man nicht reden. Ich nehme ihre Ankündigung schon recht ernst. Welche Möglichkeiten habe ich, etwas zu unternehmen?

Grüße,
Altraia

Hi Altraia (

Hallo Altraia

Bei Menschen die ernsthaft an Selbstmord denken ist der Blick
oft (auch nicht immer) verengt auf IHR Problem mit dem
Leben. Sie bringen sich um und damit ist IHR Problem gelöst.

Du kannst versuchen den Blick Deiner Freundin auf
andere Menschen zu lenken. Du könntest Ihr erzählen wie Du
Dich fühlen würdest (traurig oder was auch immer) wenn sie sich umbringen würde.
Was für eine Therapie-Richtung ist es denn?

Ich persönlich halte am meisten von lösungsorientierten Ansätzen
wie systemische Familientherapie. Der Name bedeutet nicht zwangsläufig das die ganze Familie in Therapie muß. Es ist nur ein Ansatz das Umfeld in die Therapiearbeit einzubeziehen.

Ein wichtiger Punkt darin ist demn Klienten in eine Verfassung
zu verhelfen in der er Ideen bekommt wie er seine Probleme lösen
kann.

Du könntest Deine Freundin auffordern

erzähl mir wie hast Du das gemacht als Du ganz früher irgendein
Problem gelöst hast?

Wenn sie sich daran erinnert und erzählt wird sich auch ihre
Stimmung ein Stück weit hin zum Problem lösen verändern.

Grüße Stefan

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Borderlinephänomene
Hi Altraia

Ich gehe mal davon aus, da diene Freundin ja therapeutisch betreut wird, daß „Boderline“ nicht nur ihre Meinung ist, sondern ihre Diagnose.

Leider gehört die Boderline-Persönlichkeitsstörung zu den schwierigsten und komplexesten Störungen: Sie enthält Phasen bzw. Anteile von fast allen anderen Störungen. Dazu gehören eben auch depressive Erscheinungen wie auch Phasen, in denen mit dem Suizidgedanken gespielt wird.

Das ist natürlich ebenso ernst zu nehmen, wie es auch sein kann, daß sie „morgen“ soetwas weit von sich weist.

Sie … war schon zweimal in der Psychiatrie

Psychiatrie? Wenn es vielmehr eine psychosomatisch orientierte Klinik war, war das das beste, was sie tun konnte. Auch Psychoanalyse hat eine gute chance, die Erscheinungen abzufangen. Aber es gibt nur wenige Psychoanalytiker, die sich damit speziell auskennen. Und von endgültigen Behebungen der Probleme habe ich noch nicht gehört. Sehr wohl aber, daß eine Stabilisierung des Verhaltens im sozialen Umfeld erreicht wurde. Die meisten Borderliner sind eh im sozialen Umfeld „unauffällig“ - bis sie plötzlich in eine Auslöse-Situation geraten: Dann kann es passieren, daß die Fetzen fliegen…

Nun geht es ihr also immer schlechter, und sie hat diese Aussage gemacht.

Wie gesagt: Wenn es Boderline ist, könnte(!) auch dies wiederum ( daß sie empfindet, daß es ihr immer schlechter gehe) eine Phase sein, die bald in eine ganz andere wechselt. Das heißt natürlich nichts, aber man sollte nicht überrascht sein, wenn sie „morgen“ findet, daß es ihr nie so gut ging wie jetzt.

Den Namen ihrer Therapeutin weiß ich nicht…

Aber du könntest sie fragen, ob ihre Therapeutin davon weiß, daß sie Suizidgedanken hegt…

und mit den Eltern, bei denen sie noch wohnt, kann man nicht reden.

Bingo! Borderline hat sehr oft (so viel ich weiß, sogar immer) eine Quelle in Komplikationen der familiären Kommunikation.

Ich nehme ihre Ankündigung schon recht ernst.

Das ist das beste, was du tun kannst. Unterhalte dich mit ihr darüber, wenn ihr(!) danach ist. Hör ihr zu - möglichst angstfrei deinerseits und vor allem: ohne ihre Gedankengänge zu bewerten und zu beurteilen. Frag sie genauer, wie sie es sieht, wie sie es erlebt (du weißt wie ich das meine?). Leiste ihren Gedankegängen keinen Widerstand. Versuch nicht, gegen sie zu argumentieren (wenn sie wirklich Borderlinerin ist, würde dir das schlecht bekommen *smile*). Laß es dir so erklären, als ob du von ihr lernen wolltest, wie es einem in so einer Verfassung geht…

Das könnte vorübergehend ihr Stimmungslage verändern…
Ein Rezept gibt es hier nicht… nirgendwo im ganzen psychischen Geschehen…

Und darüber hinaus bleibt nur, daß du deine Verfassung, in der du Sorge um sie hast, aushältst…

Grüße

Metapher

Zustimmung
Hallo Metapher,

Ich gehe mal davon aus, da diene Freundin ja therapeutisch
betreut wird, daß „Boderline“ nicht nur ihre Meinung ist,
sondern ihre Diagnose.

Ja, das ist so.

Psychiatrie? Wenn es vielmehr eine psychosomatisch orientierte
Klinik war, war das das beste, was sie tun konnte.

Nein, leider war es nur die „Geschlossene“ eines normalen Krankenhauses, in der sie Medikamente bekam und dann irgendwann entlassen wurde, zurück zu ihrer ambulanten Psychotherapie. Übrigens eine tiefenpsychologisch fundierte Gesprächstherapie.

Wie gesagt: Wenn es Boderline ist, könnte(!) auch dies
wiederum ( daß sie empfindet, daß es ihr immer
schlechter gehe) eine Phase sein, die bald in eine ganz andere
wechselt. Das heißt natürlich nichts, aber man sollte nicht
überrascht sein, wenn sie „morgen“ findet, daß es ihr nie so
gut ging wie jetzt.

Genau. Ich habe sie abends noch einmal angerufen, da war ihre Stimmung schon deutlich besser. Beruhigt hat mich, dass sie sagte, es helfe ihr, diese Suizidgedanken auszusprechen. Dann würden ihre Gedanken nicht immer darum kreisen, und sie könne das Thema dann auch für einige Zeit abhaken. Ich habe ihr dann geraten, wenn diese Gedanken wieder kommen, sich an mich oder irgendwen Vertrauten, zur Not an eine psychologische Ambulanz zu wenden. Ich denke, ihr hat das eingeleuchtet.

Bingo! Borderline hat sehr oft (so viel ich weiß, sogar immer)
eine Quelle in Komplikationen der familiären Kommunikation.

Ja, das wäre auch der einzige sinnvolle Ansatz für sie, den ich sehe - endlich aus diesem Umfeld herauszukommen, in dem ihre Probleme doch begründet sind.

Ich nehme ihre Ankündigung schon recht ernst.

Das ist das beste, was du tun kannst. Unterhalte dich mit ihr
darüber, wenn ihr(!) danach ist. Hör ihr zu - möglichst
angstfrei deinerseits und vor allem: ohne ihre Gedankengänge
zu bewerten und zu beurteilen. Frag sie genauer,
wie sie es sieht, wie sie es erlebt (du weißt
wie ich das meine?). Leiste ihren Gedankegängen keinen
Widerstand. Versuch nicht, gegen sie zu argumentieren (wenn
sie wirklich Borderlinerin ist, würde dir das schlecht
bekommen *smile*). Laß es dir so erklären, als ob du von ihr
lernen wolltest, wie es einem in so einer Verfassung geht…

Genau das habe ich intuitiv gemacht, und es hat, zumindest vorübergehend, geholfen.

Und darüber hinaus bleibt nur, daß du deine Verfassung,
in der du Sorge um sie hast, aushältst…

Das ist in der Tat schwierig. Es zehrt sehr an meinen Nerven, und es geht nur, wenn ich das Ganze nicht komplett an mich heranlasse. Aber mit der Zeit lernt man auch, mit solchen Freunden umzugehen :smile:

Danke für die Hilfe,
Altraia

Hallo!

Ein Wort der Warnung: Wenn Deine Freundin diagnostizierte Borderlinerin ist, sollte sie besser KEINE PSYCHOANALYTISCHE Therapie machen, denn diese verlängert nicht nur die Störungsdauer, sondern kann auch zu einer Symptomverschlimmerung führen, die in den meisten Fällen mit Suizid endet. Sinnvoller ist die dialektisch-behaviorale Therapie nach Linehan, die speziell für diese Art von Persönlichkeitsstörung entwickelt wurde.
Wenn Du Deiner Freundin helfen möchtest, solltest Du Dich informieren, welche Möglichkeiten es für sie in ihrer Umgebung hinsichtlich dieser speziellen Borderline-Therapie gibt. Wenn Du möchtest, kann ich Dir gerne weitere Informationen zu dieser Thematik zur Verfügung stellen.

Der Captain