Hallo,
In letzter Zeit häufen sich immer mehr die Berichte über psychische Probleme, unter denen Menschen zu leiden haben. Von leichten Formen, wie z.B. Streßsymptomen bis hin zum Amoklauf und/oder Suizid ist alles dabei. Die Anzahl an Menschen, welche unter Angstpsychosen leiden soll lt. verschiedenen Berichten, welche ich in letzter Zeit gehört habe in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen sein.
Meine Frage ist nun : Kann es sein, daß diese Steigerung von psychischen Problemen in der Gesellschaft mit den immer strengeren Forderungen und Ansprüchen in unserer Leistungsgesellschaft zusammenhängt ?
Schon in der Kindheit werden die Menschen ständig beurteilt, vermessen und mit dem „Normsoll“ verglichen.
Weiter geht es in der Schule, wo ebenfalls alles an Leistungsvorgaben festgemacht und beurteilt wird. Zusätzlich kommt noch der Druck hinzu, ständig mit den Idealbildern aus den Medien ( z.B. „Seifenopern“ ) konkurrieren zu müssen, in denen Jeder in einem Loft, einer Villa, einem Schloss wohnt, seine/ihre Eltern Millionäre sind, und Berufe nur ab Börsenmakler oder Arzt aufwärts existieren. Keiner hat eine Ein- oder Zweizimmerwohnung, keiner arbeitet als Fließbandarbeiter in einer Fabrik, niemandes Eltern sind Hausmeister oder Putzfrau. Alle sind sportlich, toll und schön. Keiner ist dick, langweilig und häßlich. Wer 08/15-Kleidung trägt wird nicht ernstgenommen. Nur wer die richtigen Marken trägt, ist angesagt und akzeptiert.
In der schulischen Ausbildung wird selektiert, nicht gefördert. Wer nicht gut genug ist, sein Leistungssoll zu erfüllen, mit dem Lehrangebot und genau auf die Weise, wie es angeboten wird, der wird aus der Lehranstalt entfernt und in die nächstniedrigere Schulform abgeschoben. Individuelle Stärken, Schwächen und Schwerpunkte werden nicht akzeptiert.
Weiter geht es im Beruf : Optimale Selbstdarstellung ist oberstes Gebot. Fachliche Kompetenz rangiert erst an zweiter Stelle. Siebeneinhalb-Stunden-Jobs gibt es bald nicht mehr. Ungelernte Arbeitskräfte haben bald keine Chance mehr, Ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, ohne zwei Jobs gleichzeitig anzunehmen. Mit einer einfachen Berufsausbildung ist man fast schon asozial. Ein „underdog“.
Hat man das Glück, eine hochqualifizierte Berufsausbildung zu bekommen, so ist man damit auch nicht aus dem Schneider. Acht Stunden Arbeit ? Keine Chance. Hier ist das Schlüsselwort Engagement. Wer keine 12 Stunden am Tag arbeitet ist nicht engagiert. Fällt wieder durchs Raster.
Diese Beispiele könnten beinahe beliebig fortgesetzt werden, aber ich denke, es ist klar, was ich meine.
So entsteht in der Summe ein immenser Erfolgsdruck. Nicht Jeder scheint diesem Stand zu halten. Die Fälle, in denen Menschen scheitern und zu drastischen Mitteln greifen ( siehe z.B. Robert Steinhäuser ) erscheinen immer regelmässiger in den Medien. Aber es geht noch weiter : Ist es nicht wahrscheinlich, daß auch viele Krankheiten durch diesen Stress und Erfolgsdruck in der Gesellschaft bedingt sind ? Ich denke dabei an Allergien, Krebs, Angstpsychosen, Depressionen usw.
Gibt es hierzu eigentlich Untersuchungen ? Wenn ja : welche Ergebnisse sind bisher gewonnen worden ?
Was ist Eure Meinung dazu ?
Ist die Gefahr eurer Meinung nicht groß, daß die Gesellschaft als Gemeinwesen auf diese Art und durch diese Entwicklung der letzten Jahrzehnte den Mensch als Einzelwesen krank und unter Umständen kaputtmacht ? Gibt es Ansätze in der Psychologie oder Soziologie, wie man diesen Effekten entgegenwirken kann ?
Danke für alle Antworten,
Jürgen Thome