Fortsetzung vereinsamter Nachbar

Hallo @all,

zunächst mal vielen Dank für Eure Hinweise und Ratschläge!

Gestern sprach ich noch einmal mit meiner Mutter über G. und unterbreitete Ihr einige Eurer Vorschläge, vor allem, an seine Tür zu klopfen, ihn um Unterstützung bei der Gartenarbeit zu bitten etc.

Wie sie sagte, haben zwei der Nachbarn dies schon versucht, ihn angerufen, um zu fragen, wie’s ihm geht, an seine Tür geklingelt, ihn um Rat bzgl. der Kartoffelernte gefragt etc. Wie ich diese Nachbarn kennengelernt habe, sind sie dabei dezent vorgegangen.

G. beteuert, daß alles in Ordnung sei und er allein sein wolle. Auf Besucher reagiert er unwirsch, läßt auch niemanden ins Haus, Einladungen schlägt er aus. Inzwischen öffnet er die Tür allenfalls dem Gasableser oder Postboten.

Tatsächlich sieht man ihn nicht mehr außerhalb der Wohnung, die, genau wie der Garten, von außen immer verwahrloster wirkt. Da G., wie im vorigen Posting beschrieben, früher immer viel Freude am Werkeln hatte, befürchten wir, daß der Mann depressiv ist.

Wir werden wohl Kontakt mit seinem vermutlichen Hausarzt (es gibt im Dorf nur einen Arzt) bzw., wie Sue vorgeschlagen hat, mit der evangelischen Kirchengemeinde aufnehmen (wenn er eine Konfession hat, dann evangelisch, alles andere wäre an der Nordseeküste eher überraschend :wink:.

Vielen Dank noch mal an alle
Diana

Hallo Diana,

der Vorsatz ist ja ganz gut, den Hausarzt zu informieren, aber
wenn der Mann im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, wird er sich das verbitten. UND MIT RECHT.

Außerdem bringts auch nichts, er kann aufgrund der von Dir beschriebenen Tatsachen auch nicht irgendwo hin verbracht
werden. Wenn es sein Grund und Boden ist, kann er damit machen,
was er will.

Mehr als ihm Eure Hilfe anzubieten, könnt ihr einfach nicht tun.
Alles andere geht zu weit (ausgenommen er wäre verletzt oder
verwirrt).

Überlegt Euch das nochmal sehr genau. Es ist und bleibt ein
Eingriff in seine Privatsphäre und könnte alles noch viel schlimmer machen.

Liebe Grüße
hd

Hi Diana,

die, genau wie der Garten, von außen immer verwahrloster wirkt.

bei Dir weiß ich es besser, aber mag es sein, daß einige Nachbarn ihn einfach nur dazu bringen wollen, seinen Garten „in Ordnung“ zu halten?

Wie sie sagte, haben zwei der Nachbarn dies schon versucht,
ihn angerufen, um zu fragen, wie’s ihm geht, an seine Tür
geklingelt, ihn um Rat bzgl. der Kartoffelernte gefragt etc.

Wenn bei mir die Nachbarn klingeln würden, um mich um Rat bei der Kartoffelernte zu fragen oder mich nötigen wollen würden, ihnen bei der Gartenarbeit zu helfen oder mich anrufen, um sich nach mir zu erkundigen, würde ich mich auch von den (vermeintlich verrückten) Leuten zurückziehen :wink:

Wenn Ihr ihm was Nettes tun wollt, legt doch für ein Jahresabo „Readers Digest“ zusammen…

Ciao

Uwe

Hallo!

Ich hatte mal ein ähnliches Problem mit einer Nachbarin. Sie hat mich mal in Ihre Wohnung gebeten und abgesehen von dem „eigenartigen“ Verhalten, was sie sonst so an den Tag legte (hochgradig Schizophren, wir als Nachbarn mußten uns immer wieder damit auseinandersetzen) habe ich festgestellt, dass sie völlig verwahrlost war und lebte. Ich habe mich erkundigt und man hat mir geraten dem Ordnungs- bzw. Gesundheitsamt (je nach Stadt, irgendwie…) Bescheid zu geben, dass ich vermute (bzw. ab da wußte), dass meine Nachbarin verwahrslost.

Die haben ihr einen Besuch abgestattet und heute wird sie nicht nur ambulant betreut.

Vielleicht ist das, wenn ein ähnlicher Eindruck besteht, auch für Dich eine Möglichkeit…

Herzliche Grüße,
MM

Gartenpflege
Hi Uwe,

bei Dir weiß ich es besser, aber mag es sein, daß einige Nachbarn ihn einfach nur dazu bringen wollen, seinen Garten „in Ordnung“ zu halten?

Nein, ist ja ne zwei Meter hohe Hecke drum :wink:

Scherz beiseite:
Zum einen kennen und schätzen die Nachbarn diesen Mann z.T. seit fast 40 Jahren, es geht ihnen bei ihrem Bemühen kaum nur darum, daß hier einer in die (btw. keineswegs) akkurate Kleingartensiedlung paßt.

Zum anderen ist der Zustand von Haus und Garten (darf man nicht vergessen) für viele Rentner (und die Nachbarn sind zumeist mindestens in seinem Alter) nicht nur Ausdruck für „Zucht & Ordnung“, sondern auch Spiegel der seelischen Verfassung des einzelnen, anders formuliert: Wer das, was er bisher geliebt, gehegt und gepflegt hat, plötzlich links liegen läßt, wie mag es dem wohl gehen? Zumal er scheinbar nichts hat, um das er sich stattdessen kümmert.

Viele Grüße
Diana

Depressionen
Hallo Dilarah,

es geht ja nicht darum, den Mann aus seiner Wohnung rauszuholen oder gewaltsam in seine Privatsphäre einzudringen.

Die ganze Geschichte spielt sich in ländlicher Gegend ab: Der Hausarzt (ebenso wie der Pfarrer) ist keine anonyme Institution, sondern derjenige, der die Anwohner z.T. seit Jahrzehnten nicht nur medizinisch, sondern fast schon seelsorgerisch betreut.

Die Nachbarn befinden sich in einer Zwickmühle und sind sich dessen sehr bewußt: Er reagiert nicht, wenn man vorsichtig Kontakt zu ihm sucht. Was, wenn er unter Depressionen leidet? Du weißt, welche Formen das annehmen kann, Dilarah: Man ist völlig gelähmt, kann nicht handeln, nichts tun, keinen Arzt aufsuchen, nichts. Angehörige, Freunde können einem zur Seite stehen, HELFEN. Was, wenn man keine Angehörigen hat? Was, wenn man keine Freunde hat?

Die Befürchtung ist die, daß G. genau dieses Problem haben könnte. Verdammt, die Nachbarn haben schlicht Angst, daß der Mann sich was antut!

Sicher, es ist ALLEIN seine Sache, zu entscheiden, ob und wie er leben oder sterben möchte.

Diese Maxime trennt allerdings nur um Haaresbreite die Anerkennung der Selbstbestimmung des Einzelnen von der Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal des Individuums.

Viele Grüße
Diana

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Hallo Diana,
Die ganze Geschichte spielt sich in ländlicher Gegend ab: Der
Hausarzt (ebenso wie der Pfarrer) ist keine anonyme
Institution, sondern derjenige, der die Anwohner z.T. seit
Jahrzehnten nicht nur medizinisch, sondern fast schon
seelsorgerisch betreut.

Dann frag ich mich aber, wieso der Mann weder beim Arzt noch
beim Seelsorger oder Pfarrer bisher irgendwie vermißt wird.
Wenn doch alles so idyllisch jahrzehntelang geklappt hat.

Ich verstehe die Hilflosigkeit der Nachbarn gut, aber sollte
es nicht den Hausarzt bzw. Pfarrer obliegen sich zu melden.
Grade in dörfl. Gegend, wo jeder jeden kennt?

Diese Maxime trennt allerdings nur um Haaresbreite die
Anerkennung der Selbstbestimmung des Einzelnen von der
Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal des Individuums.

Stimmt aber in Eurem Fall nicht, denn er hat ja die erfolgten
Hilfsangebote abgelehnt. Eine Möglichkeit sehe ich den Arzt oder Pfarrer/Seelsorger anzusprechen. Als Nachbarn unauff. vermitteln und dafür sorgen, sich im Hintergrund zu halten. Sollte sich der
Mann sich weder dem Arzt (der ja diagnostizieren kann, ob eine
Depression oder sonstige Erkrankung vorliegt) noch dem Pfarrer/
Seels. öffnen, sind die Mittel erschöpft.
Allerdings braucht dann auch niemand Selbstvorwürfe zu erheben.

Viele Grüsse
hd

Dorfgesellschaft im Umbruch
Hallo Dilarah,

Dann frag ich mich aber, wieso der Mann weder beim Arzt noch beim Seelsorger oder Pfarrer bisher irgendwie vermißt wird.

Tja, leider haben Pfarrer und Arzt seit einiger Zeit die oft zitierte Konsumhaltung angenommen: Wer was will, darf gerne kommen. Klar haben Sie den Betreffenden in der Kartei und hätten Sie Zeit, Muße und Geduld, würde Ihnen auch auffallen, daß der Mann seit Monaten nicht mehr aufgetaucht ist. Sich AKTIV um ihre Schäfchen zu bemühen, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Vor etwa einem Jahr hatte G. z.B. eine Operation am Grauen Star. In Folge der Behandlung wurde ihm eine Brille angepaßt, ohne deren Hilfe der Mann nicht gut sehen kann. Meiner Mutter gegenüber klagte der Optiker, daß G. diese Brille niemals abgeholt habe. Angerufen hat er seinen Kunden allerdings nicht.

Eine Möglichkeit sehe ich den Arzt oder Pfarrer/Seelsorger anzusprechen. Als Nachbarn unauff. vermitteln und dafür sorgen, sich im Hintergrund zu halten.

Klar - genau das wollen die Nachbarn ja jetzt auch tun. Die Betonung liegt dabei, wie Du schon sagst, auf „unauffällig“.

Sollte sich der Mann sich weder dem Arzt (der ja diagnostizieren kann, ob eine Depression oder sonstige Erkrankung vorliegt) noch dem Pfarrer/Seels. öffnen, sind die Mittel erschöpft. Allerdings braucht dann auch niemand Selbstvorwürfe zu erheben.

Womit Du wohl völlig recht hast. Wobei die möglichen Selbstvorwürfe, nicht genug getan zu haben, vielleicht sogar zweitrangig sind. Wichtiger ist der Wunsch, einem Menschen, dem es vielleicht nicht gut geht, zu helfen. Das zu tun, ohne dessen eigenem Wunsch und Willen zuwider zu handeln, ist oft verdammt schwer.

Viele Grüße
Diana