Hi Petzi,
das Einzige was was bringt - Dir und Deinem Kollegen - ist ein persönliches Gespräch. Ich kann das „nichtig“ nicht nachvollziehen, denn ich finde keinen Anlass zu nichtig, ein Gespräch mit jemandem zu suchen, wenn ich ein Anliegen habe.
„Um-den-Brei-rum-schleichen“-Taktiken à la Kommentare loslassen oder Ignoriertechniken halte ich eher für schädlich. Erstens gärt dann das Ganze nur weiter und zweitens ist das ja Symptombekämpfung.
In meiner früheren Firma hatten wir auch Büros mit mehreren Leuten - teilweise Großraum mit 15 Leuten, teilweise kleinere Teams mit bis zu fünf Personen. In regelmäßigen Intervallen kam es zu Situationen wie Du sie beschreibst.
So hat sich einfach immer mal - besonders wenn sich jemand gestresst fühlte - eingeschlichen, dass laute Kommentare losgelassen wurden: nach jedem Telefongespräch Sachen wie „Idiot!“ oder „Was soll ich denn noch alles machen?$§$“%!§$", „Schei*dreck“ etc.
Das Ende vom Lied war meist die buchstäbliche dicke Luft.
Interessant war, dass das meistens den betroffenen Leuten im Zimmer gar nicht so richtig bewusst war. Wenn einer mit der Motzerei anfing, war der Verlauf so richtig „krankheitsmäßig“: Erst waren die anderen genervt. Sie sagten aber nichts. Als es lange genug ging, haben plötzlich nach und nach alle angefangen, ähnlich zu reagieren: Entweder ebenfalls mit Geschimpfe - oder mit Rückzug und miesem Gesicht.
Ganz abgesehen davon, dass Menschen Abstand suchen, wenn jemand immer nur negativ ist, stört und rumschimpft.
Übrigens war es häufig dem „Ausgangsschimpfer“ gar nicht so bewusst: So ein vor sich Hingemosere wird nämlich ganz schnell auch normal und läuft dann so „nebenher“ mit.
Von daher: Sprech ihn drauf an. Damit tust Du nicht nur Dir einen Gefallen, sondern ihm auch. Denn er zieht nicht nur Dich und Deine Umwelt runter (abgesehen vom Störfaktor), sondern sich selbst auch.
Sag ihm, wie Du es empfindest, warum es Dich stört - und frag ihn auch nach seinen Gründen. Vielleicht fühlt er sich mit irgendwas überfordert oder es geht um Aufmerksamkeit. Oft kommen in einem Gespräch ganz andere Dinge zum Vorschein. Das Gute: Wenn es gleich angesprochen wird, lassen sich die Dinge freundlich und in Ruhe lösen. Wer lange wartet und drum rumdoktert staut das Angenerve nur an: und dann geht’s meist in die Hose.
Übrigens: Wenn Ihr Euch gut versteht, dann macht doch allgemein in Eurem Team irgendwas gemeinsam aus, wie Ihr bei Ärger vorgehen wollt. Vielleicht wollt Ihr irgendein harmloses oder witziges Wort als Ersatz für „Schei*e!“ einführen. Dann rufen demnächst Leute „Hühnersuppe“ durch die Gegend - oder irgendeinen Schmarrn, bei dem man unweigerlich lachen muss.
Wir hatten früher in der Abteilung auch gemeinsam (!) beschlossen, einen „Schuldigen der Woche“ zu nominieren: Einer vom Team war eine bestimmte Woche lang an allem schuld. Wenn also der Kopierer Papierstau machte oder so und man war angenervt, dann hieß es „Und wer ist wieder schuld???“ - und von irgendeinem der Schreibtische klang es dann „Die Gitte!“
Sofort haben wir uns alle ausgeschüttet vor lachen (wurde irgendwie nie langweilig *lach*). Das ging soweit, dass sich Leute dann schon selbst angeboten haben: „Ich will nächste Woche schuld sein.“ - Geht, wie gesagt nur, wenn man sich gut versteht und das gemeinsam beschließt.
Soll nun aber nicht vom Gespräch mit Deinem Kollegen ablenken ;o)
Viele Grüße
Gitte