Zusammenfassung (wieder lang)
ich abstrahiere einmal und stelle noch ein mal meinen Krankheitsverlauf, damit verbundene Einsichten und empirisch erlebte Fehleinschätzungen der Außenwelt dar:
1-Aufgrund wesentlicher Erziehungsmängel habe ich in der Kindheit falsche Verhaltensweisen erlernt und Defizite vor allem in der emotionalen Kompetenz aufgebaut.
2-V.A. aufgrund dieser Emotionalen Defizite kam es in der folge bereits in der Pubertät zu einer depressiven Entwicklung sowie einer nicht ausgereiften Persönlichkeitsentwicklung.
3-Aufgrund dieser Persönlichkeitsstörung entwickelten sich in der Folge Ängste und Neurosen.
4-Nicht auch zueletzt aufgrund dieser Behinderung war ich nicht in der Lage, selbstständig und eigenverantwortlich ein „Erwachsenenleben“ zu führen bzw. mir einzurichten.
5-Über diese Defizite bin ich mir (teilweise) bereits ohne Psychotherapie klar gewesen, denn wir hatten in der Schule bereits in der Oberstufe 3 Jahre das Unterrichtsfach „Psychologie“, und in dem Krankheitsbild des „Psychopathen/Soziopathen“ habe ich mich teilweise wiederfinden können.
6-Auf der anderen Seite ist es keinem Arzt bisher (trotz meinem Wunsch) gelungen, seine Diagnose meines Krankheitsbildes mit mir zu diskutieren.
7-In der Folge wurde (vor allem) bei den Klinikaufenthalten versucht, mich wieder zu einem geregeltem Leben zu Führen.
8-Dies geschah bestimmt vor allem aufgrund der Annahme, das in geregelten Lebensumständen eine Persönlichkeit besser reifen/genesen könne.
9-Zu diesem Zweck wurde versucht, den „Widerstand“ in uns Patienten zu brechen. Wir (die Patienten) mussten einsehen (lernen), daß wir bislang „gefehlt“ hatten und z.T. auch verantwortungslos (gegen uns selbst und andere) waren.
10-In der Folge erlebte ich viele Patienten, die es so empfanden, daß dieser Schuh hervorragend passen könne. Bestärkt durch dieses „neue“ Bewusstsein sprachen sie von Heilungserfolgen und einem neuen Lebensabschnitt.
11-Mit dem gebrochenem Widerstand waren die Therapeuthen in der Lage, „Einflüsterungen“ vorzunehemen, damit diese Menschen in der Zukunft besser klar kommen sollten/könnten.
12-Wie jemand auf die Idee kommen konnte, daß das bei mir auch funktionieren könne, ist mir schleierhaft - ebenso wie so jemand eine Aprobation erhält.
13-Meine Weigerung, mich diesem Verfahren anzuschließen, wurde bestraft.
14-Mein (individueller) Wunsch, mich lieber ein bisschen als einen Teil in die Therapie einzubeziehen und mir beim Erlernen von emotionalen Kompetenzen zu helfen, wurde leider nicht entsprochen.
15-Zumindest in dieser Klinik gab es keine Behandlungsmöglichkeit für mich.
16-Um eine Therapiefähigkeit zu erreichen, ging es wie gesagt um die „Aufgabe des Widerstandes“ der Patienten. Persönlich war ich NICHT bereit, meinen „Widerstand“ aufzugeben - vielmehr halte ich es für ganz wichtig, auch weiterhin erst alles kritisch zu prüfen.
17-Ich empfinde dieses Verhalten als vernünftig und im Übrigen auch gesund - egal welchen Titel jemand hat: ich bin ein eigenständiger Mensch - was für Ihn richtig ist, muß für mich noch lange nicht stimmen.
18-Ein Beispiel (off topic): Pauschal war eines der „Unterhaltungsangebote“ für jederman auf der Station die Seidenmalerei, welcher jeder Patient in seiner Freizeit fröhnen durfte. Daß so etwas bei Psychotischen Menschen Ihre psychotische Wahrnehmung noch verstärken kann, schien nicht weiter zu interessieren. Persönlich habe ich mich u.A. aus diesem Grund lieber erst einmal INFORMIERT, ob etwas auch geeignet ist, bevor ich etwas dann auch gemacht habe.
19-In der Therapie gab es Spezialisten, welche mit Hilfe von quasitautologischen Termini die dunklen Geheimnisse aus jemandem herauszukitzeln versuchten, z.B. „Und da ist noch etwas!“. Wie kann ein Therapeuth erwarten - wenn er an einen Patienten mit der Reflektionsfähigkeit gerät - daß dieses nicht durchschaut wird? Welche Risiken geht er damit ein? Bei mir hat er erreicht, daß ich den Eindruck gewonnen hatte, daß ich nur einer allgemeinen Behandlungsmethodik unterzogen worden bin und daß es nicht darum ging, einen auf mich zu geschnittenen Therapieplan zu entwickeln. Daß der Therapeut gar nicht richtig zugehört hatte.
20-Bevor ich in die Klinik kam, hatte ich einen großen Freundeskreis, einen Beruf und eine (zugegeben: chaotische) Wohnung. Nach meinem Klinikaufenthalt war mir wenigstens noch der Freundeskreis geblieben.
Welche Erkenntnis ich damals gewonnen hatte: Daß mir die Psychatrie nicht helfen kann. Wenn ich es schaffen möchte, dann durch eigenen Einsatz.
Was ich seit dem Klinikaufenthalt geschafft hatte: Ich habe das wiederaufgebaut, was ich vorher schon gehabt habe - ein gescheites soziales Umfeld. Durch das Absetzen der Medikamente ist eine psychotisch gefärbte Qualität in meiner Wahrnehmung verschwunden.
Wie es weitergehen soll: Ich weiß heute, daß es Therapieformen gibt, wo man auf mich eingehen mag. Eine solche (kognitive) Therapie habe ich begonnen. Ich hoffe, daß ich meine emotionale Inkompetenz im Rahmen dieser Therapie lösen kann.
Fazit: Nicht für jeden Patienten ist eine psychatrische Klinik hilfreich. Bei mir war dies nicht der Fall. Die dort vorherrschenden Regeln waren nicht geeignet, bei mir einen Behandlungserfolg zu garantieren. Das Problem: Ich habe die Methodik in Frage gestellt. Ich wollte die bei mir erkannten Probleme behandelt wissen. Ich wollte, daß auf mich speziell und konkret eingegangen wird, und daß ich Teil der Therapie bin.
Der Konsenz: Nach allem, was ich von STAGE ZERO gelesen habe, sind seine Bedenken evtl. ähnlich motiviert wie meine. Der Wunsch, seine Probleme individuell und doch im eigenem sozialen Umfeld anzugehen, ist doch ein realistischer Wunsch. Wenn es nicht mehr anders geht, dann bleibt der Weg in die Klinik ja immer noch. Ich stimme insoweit zu, als daß es natürlich in einer Ausweglosen Situation als Auffangmöglichkeit bleibt. In solch einem Fall scheint es natürlich angebracht, sich sofort in eine Klinik zu begeben. Auch hier ist es aber sinnvoll, sich über die verschiedenen Kliniken zu informieren. Es gibt ja auch viele, welche modern und mit kognitiven Therapiemöglichkeiten geführt werden (auch in einer solchen bin ich einmal gewesen - hier muß ich sagen, war die Therapieform klasse - es handelte sich jedoch um eine sehr moderne Klinik, welche noch in experementellem Stadium war - weswegen der Aufenthalt krankenkassentechnisch zeitlich begrenzt worden ist).
Je mehr Alternativen man kennt, desto mehr Möglichkeiten hat man, für sich zu entscheiden.
Mache nicht den Fehler, den für Dich richtigen Weg auf andere zu projezieren, denn das ist er nicht. Auch ich will diesen Fehler nicht machen, indem ich sage: meine Erfahrungen sind allgemeingültig.
Aber: ich bin stets geneigt, jemanden auch einmal zuzuhören. Und hier komme ich eben zu jenem Schluss, daß STAGE ZERO sich eher nach einer solchen (kognitiven) Therapieform sehnt.
Wenn sowieso schon Vorbehalte gegen den stationären und medimenkatösen Weg da sind, warum dann empfehlen, es trotzdem zu versuchen? Warum nicht direkt in einen eher richtigen Weg einsteigen lassen?
Und: Wir haben hier ja auch Empfehlungen gelesen.
Der Neurologe, welcher es ablehnt, ambulant zu behandeln.
Die Telefonseelsorge, welche es empfiehlt, stationär zu behandeln.
Und was ist mit der Psychologin? Scheinbar hat sie doch eine ambulante Therapie für möglich gehalten?
Im Übrigen würde es mich freuen, über die weitere Entwicklung zu hören - gerne auch via EMail.
Ansonsten freundliche Grüße & viel Glück
Patrick