dies ist u.a. eine Antwort an grilla:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
in dem Thread „Rollenspiele“ von Diana:
…
Hi Claudia
nun verstehe ich erst, warum es einem nicht immer gelingt,
einen anderen Lebensweg, den man anvisiert und ausgewählt hat,
mit Erfolg zu begehen …
ja, das kann ich verstehen - hier will man sich eine Lebens"rolle" zulegen, die einem vielleicht in der Phantasie zusagt, aber in der Realität hat man nicht genügend Durchhaltevermögen, um die Widrigkeiten zu überwinden …
Ich gehe davon aus, die eine wird gut gespielt, die andere schlecht. Aber seine Persönlichkeit ist doch immer die selbe - die Rollenpersönlichkeiten sind vielleicht nicht immer die gleichen und damit ungleich stabil, oder?
Das ist eine spannende Frage, die ich - ehrlich gesagt mit meinem Posting oben auch im Sinn hatte: Wenn wir uns darauf einigen, die verschiedenen Funktionen, die wir im daily life ausüben, als unterschiedliche Rollen sehen (im Sinne von Tessas Posting), die wir - mit mehr oder weniger Identifizierung - spielen, dann stellt sich die Frage: Gibt es eine „eigentliche“ Persönlichkeit, die hinter allen Rollen steht? Eine absolute Zuschauerin oder eine absolute Regisseurin? Ein maskenloses Selbst (wobei ich mit Vergnügen an „Die Maske des roten Todes“ von E.A.Poe denke)?
Oder anders gesagt: Ist es sinnvoll, von einem „ich selbst“ zu sprechen, das unabhängig von allem ist, was ich tue?
Ja natürlich - zumindest in Form unseres uns selbst beobachtenden Bewußtseins. Dieses Selbst, das ein Bewußtsein davon hat, daß es jetzt diese und jetzt jene Rolle spielt.
Allerdings hat diese Annahme einen Pferdefuß: Unter welchen Umständen, in welchen Situationen ist dieses „Selbst“ tatsächlich real da? In welchem Augenblick können wir sagen „Jetzt bin ich nichts als ich selbst - ohne jede Rolle, ohne jede Maske“? Bin ich wirklich mehr „ich selbst“, wenn ich alleine unter Palmen in der Sonne liege, als wenn ich im Stress des Alltags zerfetzt bin? Ist dein Hemd mehr „dein Hemd“, wenn du es gerade trägst, als wenn es gewaschen und gebügelt im Schrank hängt oder, als wenn es schmutzig und zerknittert im Wäschekorb liegt?
Außerdem - da nun mal die Bühne die Metapher par excellence ist für diese Fragen: Wenn Herr Meier sich bewußt ist, daß er ja „eigentlich“ Herr Meier ist, während er samstagabend im Stadttheater den Hamlet spielt, ist er dann Hamlet (d.h. er spielt gut) oder tut er vielmehr nur so als ob (d.h. er spielt schlecht)?
Und außerdem - und das meinte ich aus Shakespeare herauslesen zu können - auch der Zuschauer und der Regisseur sind wiederum nur Rollen … Sozusagen Hofmannsthals „Kleines Welttheater“ - um eine Dimension erweitert 
Mit anderen Worten: Es gibt gar nicht die masken lose Persönlichkeit …
Mir ist schon klar, dass Dein Posting sich auf Dianas Rollenspiel-Anfrage bezog.
Eigentlich weniger. Denn diese Rollenspiel-Spiele - eine Mischung aus Laientheater (keineswegs negativ gemeint) und Improvisationstheater - sind ein lustvolles Spiel mit der Phantasie, es fordert von einem daher nur bedingt, die im Posting angesprochene Unterscheidung von „so tun als ob“ und „mit der Rolle indentisch sein“ während des Spielens zu machen.
Doch wenn ich an die Lebensrollen denke, die jeder von uns
spielt oder spielen muss, dann habe ich die Vorstellung, dass
die Unfähigkeit sich einmal anders darzustellen (eine neue
Rolle einzunehmen) nicht an dem Mangel an Charakterfestigkeit
liegt, sondern an der Unvollständigkeit der Kenntnis seiner
Person.
EIn Mangel an „Charakterfestigkeit“ (womit man ja ein moralisches Bewußtsein meint) war nicht gemeint mit der „stabilen Persönlichkeit“. Es war eher gemeint, daß die Persönlichkeit (Vorsicht, das Wort hat mehrere sehr verschiedene Bedeutungen) sich erst dadurch stabilisiert, daß sie imstande ist, sich in mehr als EINE Rolle vollständig identifizierend zu begeben.
Soll heißen: Wer sich nie mal „eine andere Rolle“ zu spielen traut, ist sehr unstabil - und auch gefährdet, zumindest wird es ihm recht heftig an Menschenkenntnis fehlen. Und wer nur eine einzige Rolle spielen will, sich an einer einzigen „Form“ seiner Persönlichkeit festkrallt, würde von uns wohl eher als „gestört“ oder „verwirrt“ wahrgenommen.
Und weiter: Daß der Person die jeweiligen anderen Rollen nicht gelingen, liegt dann nicht daran, daß sie sich selbst zu wenig kennt, sondern daß sie die Rollen, in die sie sich begeben will, nicht genügend kennt … Auch der Schauspieler, der dabei ist eine Rolle zu lernen, kann sich nicht damit begnügen, den Text auswendig zu lernen … er muß sich hinein leben.
mit leicht (ver)wirr(t)en Spät-Grüßen %-)
*lach* ebenso späte Grüße zurück!
Die Verwirrung ist wohl dieselbe, von der auch Shakespeares Komödien leben - und wodurch sie ja auch ihre psychologische Bedeutung haben …
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Metapher
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