RTL - IQ Test

Hallo!

Ich bezweifle das ich meine Frage hier 100%tig reinpasst, aber ich hab kein besseres Board gefunden bzw. kann die Frage auch nicht so richtig thematisch einordnen.

Ich hab sowohl letztes Jahr als auch dieses Jahr bei Herrn Jauchs IQ-Test vorm Fernseher mitgemacht. einfach so um zu sehen wie man denn im Vergleich zu den Prominenten dort vor Ort abschneidet. (ein einigermaßen reales Ergebnis kann man vermutlich eh nicht erwarten)

Was mich extrem gewundert hat: Ich fand den diesmal Test wesentlich leichter als den vor einem Jahr (ganz im Gegenteil zu allen anderen und den Inet-Ergebnissen), was sich auch im Ergebnis niedergeschlagen hat. mein „IQ“ (oder besser die Zahl die dort ermittelt wurde) betrug diesmal knapp 20 höher als letztes mal. Wieso können dort die Empfindungen so auseinander gehen?

Und was ich auch nicht verstanden habe: Wieso braucht mal als älterer Mensch weniger Fragen richtig beantworten um auf den selben „IQ“ zu kommen? Das ältere Menschen z.B. beim Kopfrechnen oder räumlichen Denken Nachteile haben können(!) sehe ich ja ein, aber bei sprachlichen Dingen (Sprichwörter, Bedeutungen) oder technischen Dingen (Hebelwirkungen etc.) braucht es doch auch eine gewisse Lebenserfahrungen, die z.B. ein 10jähriger nicht haben kann. Müssten sich dann nicht eigentlich die Vor- und Nachteile des Alters ziemlich ausgleichen?

Wie gesagt, ich hoffe dass die Fragen hier irgendwie reinpassen.

Gruß
Flo

Intelligenz und alles, was damit zusammenhängt, genuiner Untersuchungsgegenstand der Psychologie sind!

Zu dem Fernseh-IQ-Test muß ich als angehender Dipl-Psych folgende Anmerkungen machen:

Es ist so, daß ein Intelligenztest einen langen Forschungs- und Entwicklungsvorlauf braucht, bevor man ihn SINNVOLL einsetzen kann. Dazu gehört u.a., daß der Test anständig normiert wird. Das heißt: Man muß den Test an einer repräsentativen Stichprobe der Gruppe von Leuten anwenden, für die er später gelten soll. Erst nachdem das geschehen ist, können überhaupt SINNVOLLE Aussagen gemacht werden, wie ein Testergebnis zu bewerten ist. Alles andere ist so ziemlicher Schwachsinn. (Anmerkung für MOD Miller: Diese Meinung ist Mehrheitsmeinung in der Psychologie, von der ich kein Jota zurücknehmen werde!)

Bei dem Jauch-Test möchte ich bezweifeln, daß er den sogenannten Gütekriterien psychologischer Tests in einem AUSREICHENDEM Maße entspricht, weil dies zur Folge hätte, daß die Entwicklung des Tests SEHR TEUER gewesen wäre. Ob RTL sich diesen teueren Spaß hat kosten lassen?

Daher ist es auch vollkommen gerechtfertigt, wenn Du schreibst:

(ein einigermaßen reales Ergebnis kann man
vermutlich eh nicht erwarten).

Uneingeschränkte Zustimmung. Bevor ich nicht genaue Angaben darüber gesehen habe, wie der Test konstruiert und evaluiert wurde, halte ich ein Mitmachen für reine Spielerei.

Was mich extrem gewundert hat: Ich fand den diesmal Test
wesentlich leichter als den vor einem Jahr (ganz im Gegenteil
zu allen anderen und den Inet-Ergebnissen), was sich auch im
Ergebnis niedergeschlagen hat. mein „IQ“ (oder besser die Zahl
die dort ermittelt wurde) betrug diesmal knapp 20 höher als
letztes mal. Wieso können dort die Empfindungen so auseinander
gehen?

Das ist eine schwierige Frage. Es gibt mehrere Möglichkeiten, von denen ich mal einige nenne.

  • Der Test könnte sehr schlecht sein, d.h. der Test könnte einen sehr großen Meßfehler aufweisen. Dann kann es nämlich sein, daß Du von Testung zu Testung unterschiedlich viele Punkte erreichst. Bei guten Intelligenztests ist das zwar auch so, bloß sind´s da nicht 20 Punkte Unterschied. Bei 20 Punkten Unterschied zwischen 2 Testungen, die auf Meßfehler zurückgehen, würde ich den Test wegschmeißen (für mitlesende Psychos: natürlich bei einer der üblichen Standardskalen, z.B. M=100, SD=15).

  • Sogenannte Testsophistication / -übung: Wenn man den gleichen Test mehrere Male hintereinander macht, dann kennt man schon die Aufgaben und das Prozedere und schneidet daher besser ab.

  • Du warst bei den beiden Testungen vielleicht in total unterschiedlichen „Zuständen“: Wenn Du beim ersten Mal tieftraurig, beim zweiten Mal vollkommen euphorisiert warst, oder beim ersten Mal ´ne Flasche Bier getrunken hast, beim anderen Mal nicht, dann können durchaus große Unterschiede in den Testergebnissen herauskommen. Gerade bei einem Test, der übers Fernsehen verbreitet wird, sind die Testsituationen ganz und gar nicht so, wie man es sich üblicherweise wünscht (sie sind nämlich nicht standardisiert - wenn die Testsituation aber nicht standardisiert ist, dann kann man das Testergebnis strenggenommen wegschmeißen).

Und was ich auch nicht verstanden habe: Wieso braucht mal als
älterer Mensch weniger Fragen richtig beantworten um auf den
selben „IQ“ zu kommen?

Einige psychologische Befunde deuten darauf hin, daß ab einem gewissen Alter die „Intelligenz“ mit zunehmenden Alter abnimmt. Daher wäre es unfair, wenn Ältere genauso viele Punkte erzielen müßten wie Jüngere, um den gleichen IQ zu erhalten. Man normiert (s.o.) daher meistens nach Altersgruppen getrennt, um mit dem Alter zusammenhängende („korrelierende“) Intelligenzunterschiede aufzufangen.

Das ältere Menschen z.B. beim
Kopfrechnen oder räumlichen Denken Nachteile haben können(!)
sehe ich ja ein, aber bei sprachlichen Dingen (Sprichwörter,
Bedeutungen) oder technischen Dingen (Hebelwirkungen etc.)
braucht es doch auch eine gewisse Lebenserfahrungen, die z.B.
ein 10jähriger nicht haben kann. Müssten sich dann nicht
eigentlich die Vor- und Nachteile des Alters ziemlich
ausgleichen?

Ja, stimmt schon. Das, was Du schreibst, paßt ganz gut in die Intelligenz"theorie" von Raymond B. Cattell. Dieser Intelligenz- und Persönlichkeitsforscher nahm an, daß ab einem gewissen Alter die sogenannte kristallisierte Intelligenz (durch Lebenserfahrung, Erwerb von Fertigkeiten, Kenntnissen) immer noch zunimmt, die fluide Intelligenz (die eigentliche „Begabung“, wenn Du so willst) aber abnimmt. Allerdings sind die Intelligenzarten qualitativ unterschiedlich, so daß man sie nicht einfach verrechnen darf, so wie man auch nicht Äpfel und Birnen verrechnen darf, es sei denn man sagt „Obst“. *g*

Welches Intelligenzkonzept dem großen Jauch-Test zugrundeliegt (falls es eines gibt), das weiß ich nicht.

Wie gesagt, ich hoffe dass die Fragen hier irgendwie
reinpassen.

Wie gesagt, Fragen zu Intelligenz sind hier goldrichtig, denn Intelligenz ist ein Forschungsgegenstand der Psychologie, so wie sie von der Mehrheit der Dipl.-Psychologen gesehen wird.

Freundliche Grüße,

Oliver Walter

Hi Flo!

Was mich extrem gewundert hat: Ich fand den diesmal Test
wesentlich leichter als den vor einem Jahr

Du hattest diesmal ja auch schon Erfahrung mit solchen Tests :wink:

Wieso können dort die Empfindungen so auseinander gehen?

Die Leute, die ihn zum ersten Mal gemacht hatten, fanden ihn offenbar schwer. Andere, scheinbar mit schlechtem Gedächtnis, ebenfalls. Aber natürlich ist die Tagesform auch sehr entscheidend.

Der Test war sowieso nicht wirklich korrekt. Nach ihm konnte man ja höchstens 160 haben (und alle, die richtig geantwortet hatten, haben demnach „nur“ einen IQ von 160). Tatsächlich (in einem „richtigen“ Test) bekommen nicht alle Fragen eine eigene Antwortzeit, sondern jede Gruppe eine gemeinsame, in der so viele Fragen wie möglich beantwortet werden. Dadurch ist vernünftigerweise die Skala nach oben offen.

Müssten sich dann nicht eigentlich die Vor- und Nachteile des Alters ziemlich ausgleichen?

Eigentlich schon. Normalerweise werden die Ergebnisse auch immer nur mit Gleichaltrigen verglichen, sodaß es egal ist, ob man 10 oder 100 ist. Übrigens ist ein Ergebnis von unter 130 nicht wirklich sensationell, weil eben auch Geistesschwache oder sonstwie Beeinträchtigte in die Statistik einfließen und so die Anforderungen senken.

Mal sehen, wieviel Du beim nächsten Mal hast :smile:

Ciao

Uwe

:smile:
Hallo Oliver,

(Anmerkung für MOD Miller: Diese Meinung ist Mehrheitsmeinung
in der Psychologie, von der ich kein Jota zurücknehmen werde!)

ich habe keine Einwände, warum auch bei eindeutigen Dingen.
Ich finde dein Posting ausgezeichnet.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

War mehr ironisch gemeint! (owT)

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Übrigens ist ein Ergebnis von unter 130
nicht wirklich sensationell, weil eben auch Geistesschwache
oder sonstwie Beeinträchtigte in die Statistik einfließen und
so die Anforderungen senken.

das versteh ich nicht. das ein Ergebnis von 130 bei dem „Jauch-IQ“ nicht sensationell war seh ich ein. (der Durchschnitt der Ärzte mit 125 zeigt es wohl). aber wieso sollte bei einem richtig normierter IQ-Test 130 ebenfalls nicht „sensationell“ (würde eher das Wort ungewöhnlich bevorzugen) sein? Nur weil man alle „geistigen Extrema“ berücksichtigt?

Mal sehen, wieviel Du beim nächsten Mal hast :smile:

lol … na ja nochmal 20 mehr passt nicht in die Skala.

gruß
Flo

Hi Flo!

das versteh ich nicht. das ein Ergebnis von 130 bei dem
„Jauch-IQ“ nicht sensationell war seh ich ein. (der
Durchschnitt der Ärzte mit 125 zeigt es wohl). aber wieso
sollte bei einem richtig normierter IQ-Test 130 ebenfalls
nicht „sensationell“ (würde eher das Wort ungewöhnlich
bevorzugen) sein? Nur weil man alle „geistigen Extrema“
berücksichtigt?

Das Wort „sensationell“ habe ich deshalb dem „ungewöhnlich“ vorgezogen, damit man sich nicht allzusehr vor den Kopf gestoßen fühlt, wenn man überdurchschnittlich abgeschnitten hat („ungewöhnlich“ habe ich nicht ausgeschlossen, also konnte es jeder für sich noch in Anspruch nehmen :wink:)

Da 100 immer der Durchschnitt ist, senken natürlich „schlechte“ Ergebnisse (von unter 100) den Durchschnitt. Jeder, der unter gleich intelligen Menschen einen IQ von 100 hätte, hat unter solchen Bedingungen eben mehr als 100 (So wie man als Erwachsener in der ersten Schulklasse normalerweise Klassenbester sein sollte *g*) Aber alle Ergebnisse von über 120 sind schon nicht schlecht :smile:

Zu intelligent sollte man übrigens bei manchen Fragen auch nicht sein, sonst kann man auch Lösungen finden, die gar nicht vorgesehen waren. Allgemein wird dieses Phänomen damit übergangen, daß man sagt, zur Intelligenz zählt eben auch, zu erkennen, welche Antwort eigentlich erwartet wurde…

Ich würde ja gerne mal Schröder und Stoiber in einem solchen Test sehen :smile:)

Ciao

Uwe

Hi Uwe!

Da 100 immer der Durchschnitt ist, senken natürlich
„schlechte“ Ergebnisse (von unter 100) den Durchschnitt.
Jeder, der unter gleich intelligen Menschen einen IQ von 100
hätte, hat unter solchen Bedingungen eben mehr als 100 (So wie
man als Erwachsener in der ersten Schulklasse normalerweise
Klassenbester sein sollte *g*) Aber alle Ergebnisse von über
120 sind schon nicht schlecht :smile:

vermutlich würde man als Erwachsener in der ersten Klasse verzweifeln und als „auffällig“ auf einer Sonderschule landen.

irgendwie hat mich die Nomierungsgeschichte jetzt aber neugierig gemacht. Gibt es vielleicht irgendwelche Links, wo die wissenschaftliche Austarierung und Nomierung von IQ-Tests beschrieben wird? Gibts da irgendwelche „Standards“?

Ich würde ja gerne mal Schröder und Stoiber in einem solchen
Test sehen :smile:)

au ja, Stoiber würde vermutlich jede Frage wieder auf die Arbeitslosigkeit beziehen *g* oder war das jetzt zu politisch von mir?

Gruß
Flo

Hi Flo!

vermutlich würde man als Erwachsener in der ersten Klasse
verzweifeln und als „auffällig“ auf einer Sonderschule landen.

Das ist leider wahr :frowning:

irgendwie hat mich die Nomierungsgeschichte jetzt aber
neugierig gemacht. Gibt es vielleicht irgendwelche Links, wo
die wissenschaftliche Austarierung und Nomierung von IQ-Tests
beschrieben wird? Gibts da irgendwelche „Standards“?

Hier findest Du einiges zum Stöbern:

http://www.google.com/search?q=iq-test+verfahren&ie=…

au ja, Stoiber würde vermutlich jede Frage wieder auf die
Arbeitslosigkeit beziehen *g* oder war das jetzt zu politisch
von mir?

Weiß nicht, ich gucke immer nur die Gerd-Show :wink:

Ciao

Uwe

Beispielgebend: Bei einem IQ-Test der TU Dresden (über 3 Stunden) kam bei mir im Jahr 2000 ein IQ von 128 raus.
Beim 1. RTL-Test kam ich auf 146, beim 2. auf 138. Hmmm, erst schlauer und dann dümmer geworden? Alterserscheinungen?

Kurz gesagt: die Tests sind zu verschieden, um sie miteinander vergleichen zu können. Umso mehr Fragen darin vorkommen, desto genauer kann das Ergebnis ausfallen. Daher vertraue ich lieber dem Test an der TU.

Leider werden in diversen TV-Tests und (vor allem) Quizshows auch Fragen gestellt, die ein nicht-Fernsehglotzer schwerlich beantworten kann. Was interessiert mich, wer in GZSZ welche Rolle gespielt hat? Wenigstens weiß ich, wer John Malkovich ist, aber gehört das zum Grundwissen? Ich glaube, Einstein wäre bei diversen Quizshows schon bei der dritten Frage aus dem Rennen gewesen.

Mit „hüperintellentem Gruß“
Holger