Intelligenz und alles, was damit zusammenhängt, genuiner Untersuchungsgegenstand der Psychologie sind!
Zu dem Fernseh-IQ-Test muß ich als angehender Dipl-Psych folgende Anmerkungen machen:
Es ist so, daß ein Intelligenztest einen langen Forschungs- und Entwicklungsvorlauf braucht, bevor man ihn SINNVOLL einsetzen kann. Dazu gehört u.a., daß der Test anständig normiert wird. Das heißt: Man muß den Test an einer repräsentativen Stichprobe der Gruppe von Leuten anwenden, für die er später gelten soll. Erst nachdem das geschehen ist, können überhaupt SINNVOLLE Aussagen gemacht werden, wie ein Testergebnis zu bewerten ist. Alles andere ist so ziemlicher Schwachsinn. (Anmerkung für MOD Miller: Diese Meinung ist Mehrheitsmeinung in der Psychologie, von der ich kein Jota zurücknehmen werde!)
Bei dem Jauch-Test möchte ich bezweifeln, daß er den sogenannten Gütekriterien psychologischer Tests in einem AUSREICHENDEM Maße entspricht, weil dies zur Folge hätte, daß die Entwicklung des Tests SEHR TEUER gewesen wäre. Ob RTL sich diesen teueren Spaß hat kosten lassen?
Daher ist es auch vollkommen gerechtfertigt, wenn Du schreibst:
(ein einigermaßen reales Ergebnis kann man
vermutlich eh nicht erwarten).
Uneingeschränkte Zustimmung. Bevor ich nicht genaue Angaben darüber gesehen habe, wie der Test konstruiert und evaluiert wurde, halte ich ein Mitmachen für reine Spielerei.
Was mich extrem gewundert hat: Ich fand den diesmal Test
wesentlich leichter als den vor einem Jahr (ganz im Gegenteil
zu allen anderen und den Inet-Ergebnissen), was sich auch im
Ergebnis niedergeschlagen hat. mein „IQ“ (oder besser die Zahl
die dort ermittelt wurde) betrug diesmal knapp 20 höher als
letztes mal. Wieso können dort die Empfindungen so auseinander
gehen?
Das ist eine schwierige Frage. Es gibt mehrere Möglichkeiten, von denen ich mal einige nenne.
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Der Test könnte sehr schlecht sein, d.h. der Test könnte einen sehr großen Meßfehler aufweisen. Dann kann es nämlich sein, daß Du von Testung zu Testung unterschiedlich viele Punkte erreichst. Bei guten Intelligenztests ist das zwar auch so, bloß sind´s da nicht 20 Punkte Unterschied. Bei 20 Punkten Unterschied zwischen 2 Testungen, die auf Meßfehler zurückgehen, würde ich den Test wegschmeißen (für mitlesende Psychos: natürlich bei einer der üblichen Standardskalen, z.B. M=100, SD=15).
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Sogenannte Testsophistication / -übung: Wenn man den gleichen Test mehrere Male hintereinander macht, dann kennt man schon die Aufgaben und das Prozedere und schneidet daher besser ab.
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Du warst bei den beiden Testungen vielleicht in total unterschiedlichen „Zuständen“: Wenn Du beim ersten Mal tieftraurig, beim zweiten Mal vollkommen euphorisiert warst, oder beim ersten Mal ´ne Flasche Bier getrunken hast, beim anderen Mal nicht, dann können durchaus große Unterschiede in den Testergebnissen herauskommen. Gerade bei einem Test, der übers Fernsehen verbreitet wird, sind die Testsituationen ganz und gar nicht so, wie man es sich üblicherweise wünscht (sie sind nämlich nicht standardisiert - wenn die Testsituation aber nicht standardisiert ist, dann kann man das Testergebnis strenggenommen wegschmeißen).
Und was ich auch nicht verstanden habe: Wieso braucht mal als
älterer Mensch weniger Fragen richtig beantworten um auf den
selben „IQ“ zu kommen?
Einige psychologische Befunde deuten darauf hin, daß ab einem gewissen Alter die „Intelligenz“ mit zunehmenden Alter abnimmt. Daher wäre es unfair, wenn Ältere genauso viele Punkte erzielen müßten wie Jüngere, um den gleichen IQ zu erhalten. Man normiert (s.o.) daher meistens nach Altersgruppen getrennt, um mit dem Alter zusammenhängende („korrelierende“) Intelligenzunterschiede aufzufangen.
Das ältere Menschen z.B. beim
Kopfrechnen oder räumlichen Denken Nachteile haben können(!)
sehe ich ja ein, aber bei sprachlichen Dingen (Sprichwörter,
Bedeutungen) oder technischen Dingen (Hebelwirkungen etc.)
braucht es doch auch eine gewisse Lebenserfahrungen, die z.B.
ein 10jähriger nicht haben kann. Müssten sich dann nicht
eigentlich die Vor- und Nachteile des Alters ziemlich
ausgleichen?
Ja, stimmt schon. Das, was Du schreibst, paßt ganz gut in die Intelligenz"theorie" von Raymond B. Cattell. Dieser Intelligenz- und Persönlichkeitsforscher nahm an, daß ab einem gewissen Alter die sogenannte kristallisierte Intelligenz (durch Lebenserfahrung, Erwerb von Fertigkeiten, Kenntnissen) immer noch zunimmt, die fluide Intelligenz (die eigentliche „Begabung“, wenn Du so willst) aber abnimmt. Allerdings sind die Intelligenzarten qualitativ unterschiedlich, so daß man sie nicht einfach verrechnen darf, so wie man auch nicht Äpfel und Birnen verrechnen darf, es sei denn man sagt „Obst“. *g*
Welches Intelligenzkonzept dem großen Jauch-Test zugrundeliegt (falls es eines gibt), das weiß ich nicht.
Wie gesagt, ich hoffe dass die Fragen hier irgendwie
reinpassen.
Wie gesagt, Fragen zu Intelligenz sind hier goldrichtig, denn Intelligenz ist ein Forschungsgegenstand der Psychologie, so wie sie von der Mehrheit der Dipl.-Psychologen gesehen wird.
Freundliche Grüße,
Oliver Walter