Selbsttötung

Von: , Frage gestellt am Di, 10. Sep 2002

Hallo,

aus leider aktuellem Anlass, frage ich mich seit etlichen Stunden, was bringt Menschen dazu sich auf eine bestimmte Weise seiner ihm unlösbaren Probleme zu entledigen?

Es geht darum, warum springt/wirft sich ein Mensch vor einen Zug?
Es gibt doch schließlich andere "Mittel und Wege" sein "Vorhaben" umzusetzen.
Ist man von seinen Riesenproblemen so erdrückt, dass einem der Gedanke, was wirklich in dem Moment und vorallem danach geschieht, egal? Mir geht ein Gedanke nicht aus dem Kopf, der Vergleich, wie ist die Situation wenn sich jemand mit Schlaftabletten vollstopft und entschläft, dann sieht man ihn auch danach noch als Mensch, der Arzt der den Totenschein ausfüllt, wird das zur Genüge gesehen haben und damit kaum Probleme haben. Die Familie möchte ich hier mal außen vor lassen.
Aber wenn ein Zug das "Mittel" ist, dann werden Menschen mit hineingezogen, die das nicht wollen.
Der Lokführer, der es aus aller nächster Nähe zu spüren bekommt, Zugbegleiter, Feuerwehr, Ärzte, Helfer und nicht zuletzt die Fahrgäste. Ich rede jetzt nicht davon, dass man fluchen könnte, wenn man Zeit verliert, Züge oder Termine verpasst. Sondern davon, dass jemand keine 20 m von dir entfernt liegt und kaum noch als Mensch identifizierbar ist.
Und genau diese Vorstellung, dass Polizei und Feuerwehr sich auf eine Suche nach Puzzleteilen begeben, die makaberer nicht sein können.

Ich denke zu verstehen, dass man in Situationen kommen kann, wo einem die Selbsttötung als letzter Ausweg zu bleiben scheint. Aber warum auf diese Weise, hat der Mensch so völlig mit allem abgeschlossen, dass ihm egal ist, was er dadurch in anderen auslöst?
Meine Gedanken gehen in die Richtung, dass Menschen, die das Gefühl haben, keine Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen, das auf diese Weise fordern. Bisher hat mich keiner beachtet, dafür aber jetzt.
Dass eine Kurzschlussreaktion der Grund ist, kann ich mir fast nicht vorstellen, dafür muss doch allein der Blick auf einen heranrasenden Zug Abschreckung genug sein.

Ich verstehe nicht, was bringt Menschen dazu, sich gerade auf diese Weise das Leben zu nehmen?
Und wie werden Helfer damit fertig, besonders Lokführer. Fühlen sie sich nicht als Mittel zum Zweck missbraucht oder gar als "Mörder"?
Sicher so durch Unfälle entstellte Menschen gibt es bei Katastrophen wie in Eschede genügend, aber diese Menschen hatten keine Wahl. Selbstmörder haben sie. Was bringt sie dazu eine solche Wahl zu treffen?

Gedanken und Fragen, die mir keine Ruhe lassen zur Zeit.
Vielleicht kann mir jemand Antworten geben,..

Teufelchen

26 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 23 Minuten 1 hilfreich
    Re: Selbsttötung...keine eindeutige Antwort

    Hallo,
    nur hab ich oft genug die Erfahrung mit Menschen machen müssen
    (Krankenhaus). Meist hatten sie nichts mehr zu verlieren
    (Krebs/und oder alleinige Depressionen) .
    Unsere Krankenhauspsychologin hat mir dies mal im Rahmen
    eines mittleren Zusammenbruchs so versucht zu erklären:

    Es ist eine Art und Weise für diese Menschen, ein Problem zu
    lösen. Für die Hinterbliebenen/u.o. Betreuer ergibt das wenig Sinn, den Sinn versteht nur der Mensch, der Selbstmord begeht. Er löst praktisch ein Problem. Für uns ergibt es keine Logik,
    wir hätten ja versucht, andere Möglichkeiten der Problem-
    lösung aufzuzeigen. Aber letztlich muß man anerkennen, daß der
    Selbstmörder sich für diese Art der Problemlösung entschieden hat.

    Die verschiedenen Arten von Selbstmord (Zug, Sprung, Erschießen, Erhängen etc.), also warum sich wer für was entscheidet, kann
    ich Dir nicht erklären, aber bestimmt gibt es psychol. Unter-
    scheidungen.
    Die Menschen, wo ich persönlich miterlebt habe, daß sie sich
    selbst töteten, waren allesamt unheilbar krank, bzw. depressiv.

    Grüsse
    d.

    • Antwort von nach 41 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: Selbsttötung...keine eindeutige Antwort

      Schade,denn genau das: Die verschiedenen Arten von Selbstmord (Zug, Sprung,
      Erschießen, Erhängen etc.), also warum sich wer für was
      entscheidet, kann
      ich Dir nicht erklären,
      ist das was mich am meisten interessiert, warum so und nicht anders ?
      ..

      • Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
        Re^3: Selbsttötung...keine eindeutige Antwort

        Hallo,

        makaberes Thema übrigens.

        Aber sei es drum: ich versuche es einmal (als Laie und evtl. ehemals Betroffener bzw. ebenfalls Interessierter).

        Selbsttötung kommt wohl vor allem dann zum Tragen, wenn die eigene Situation als ausweglos erscheint. Wie schon zuvor beschrieben, können hier Unterschiedliche Gründe motivbildend sein - körperliche Krankheit in Verbindung mit Verfall/Schmerzen oder aber seelische Wunden schweren Ausmaßes.

        Die körperlich bedingten dürften in den meisten Fällen nach einem friedlichen Ausweg suchen.

        In fast allen Fällen des Suizid ist es so, daß es sich nicht um eine spontane Handlung, sondern um lanfristig relevante Überlegungen handelt. Die eigentliche Maßnahme kann dann im Affekt (Impulskontrollverlust) oder aber auch besser überlegt stattfinden.

        Motivationen für einen nicht "stillen" Tod könnten sein:

        - Schuldzuweisung: Unbewusst oder auch bewusst kann man für die eigene Situation auch andere mitverantwortlich machen. Hierbei kann man dann entweder Aufmerksamkeit suchen (Öffentlichkeit) oder aber sogar andere in den Selbsttötungsplan mit einbeziehen (Amok).

        - Angst: selbst in einer ausweglosen Situation können - gerade bei depressiven Menschen - immer noch Ängste relevant sein. Angst vor einem Scheitern im Suizid oder vor unnötigen Qualen oder auch einfach vor dem alleine sein beim Sterben könnten Motivbildend bei der Entscheidung für einen "öffentlichen" Tod sein.

        - Verantwortung ablegen: Den Suizid durch eigene Hand vollziehen hat eine andere Qualität als "durch andere Hand" gerichtet werden. Sich vor einen Zug stellen bzw. vor einen Zug werfen hat eben noch ein letztes Quentchen "Schicksal" mit dabei - man muss die Handlung nicht selber vollziehen. Den Abzug einer Waffe oder auch die Einnahme von einer tödlichen Dosis Gift muss man schließlich selber vollziehen. Bei dem Modell Zug nimmt einem die "Arbeit", man erlebt sich ggf. als eher unbeteiligt bzw. passiv.


        Diese Überlegungen sind privater Natur - sie sind nicht wissenschaftlich fundiert - ich habe mich aber auch einmal dafür interessiert.

        Vielleicht hilft dies schon ein wenig - vielleicht ist es aber auch Anlass für eine (hoffentlich fruchtbare) Disskusion.

        Gruß
        Patrick

        • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Selbsttötung...keine eindeutige Antwort

          Hallo Patrick,

          mit der These andere verantwortlich machen, die du nennst, würde sich meine Vermutung "mangelnde Anerkennung, jetzt aber" bestätigen.
          Was ich aber noch immer nicht so recht ausdrücken kann, ist wahrscheinlich, wo der Grund liegt, dass mich das Thema doch so beschäftigt. Du sagst makaber. Ja makaber ist es, wenn es heisst "Bitte steigen Sie nicht aus, es besteht Lebensgefahr. Wegen eines Personenschadens verzögert sich die Weiterfahrt aus unbestimmte Zeit"....Es ist ein merkwürdiges, fast ekelhaftes Gefühl zu wissen, da liegt jemand und das nicht mehr so, wie " es sich gehört in einem Stück".
          Gestern im Zug selbst fand ich nichts zu erschreckendes daran, es passiert. Darüber muss man sich klar sein, man kann nicht die Welt retten. Aber heute fing ich an mich zu fragen, wie verkraftet der Lokführer dieses Bild was er aus sich zukommen sieht? Wie verkraften Fahrgäste (junge Bundeswehrsanitäter) diesen Anblick. Und wie bekommt man ein Bild aus dem Kopf, was man sich selber macht, ....
          Fragen über Fragen, auch dazu: Bei dem Modell Zug nimmt einem die "Arbeit", man erlebt sich
          ggf. als eher unbeteiligt bzw. passiv.
          Man muss aber auch hier den letzten Schritt selbst tun. Oder Sprung. Sicher es ist ein andrer "schuld", aber passiv? nein nicht wirklich oder?

          Und hinzu kommt, ich meine von Überlebenden solcher "Versuche" gehört zu haben, es muss also auch so nicht 100% sicher sein.

          Deine Hoffnung bezüglich einer fruchtbaren Diskussion teile ich, denn ich erhoffe mir daraus ein paar Denkansätze, die mir bisher noch entwischt sind...

          Teufelchen

          • Antwort von nach 12 Stunden 1 hilfreich
            Re^5: Selbsttötung...keine eindeutige Antwort

            Hallo teufelchen,

            warum Leute sich in der Öffentlichkeit töten weiß ich auch nicht, kann es ehrlich gesagt auch nicht nachvollziehen, ich finde das irgendwie einfach egoistisch. Man bringt sich doch nicht um, ohne vorher schonmal drüber nachgedacht zu haben, und das es für unbeteiligte nicht gerade schön ist einen toten Menschen vor sich zu haben muß doch wohl selbst dem verzweifelsten Menschen klar sein?! Ich wohne in einem Hochhaus (im Erdgeschoss), letzten Sommer ist eine Frau aus dem 12. Stock direkt vor unserem Balkon gesprungen. Ich mag zwar eh etwas "empfindlich" sein in solchen Dingen, aber es war wirklich furchtbar. Ich hatte eine ganze Weile regelrechte Alpträume und bei jedem lauteren Knall hat man Angst das wieder einer vor'm Balkon liegt.

            Naja, vielleicht sind diese Menschen die sowas tun, aber wirklich in dem Moment so "leer" im Kopf das sie über andere Menschen garnicht mehr nachdenken können. Wahrscheinlich ist es auch ein wenig "einfacher" vor einem Zug oder aus dem Fenster zu springen, denn da braucht man dann "nur" die einmalige Überwindung zu springen, es gibt kein zurück mehr. Wenn man Tabletten oder ähnliches nimmt, könnte man unter Umständen immer noch rechtzeitig gefunden werden oder sogar selbst nochmal zum Arzt gehen.

            Und vielleicht ist dort auch wirklich sowas wie "Welthass" dabei, so in der Art "Wenn die Menschen mich schon in meinem Leben nie beachtet haben, dann werde ich wenigstens bei meinem Abschied "unübersehbar" sein" Aber naja, alles nur Vermutungen, wer weiß schon was in deren Köpfe vorgeht...

            Gruß
            Claudia

            • Antwort von nach 14 Stunden 2 hilfreich
              Re^6: Selbsttötung...keine eindeutige Antwort

              Hallo Claudia,

              ich verstehe durchaus, daß du aufgrund deines Erlebnisses als Abwehr eine Distanz zu solchen Menschen aufbaust.

              Aber dieser abfällige Unterton in deinem Post, ist gegenüber Menschen in allergrößter existenzieller Not nicht angebracht.

              gruss
              winkel

            • Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
              Re^7: Selbsttötung...keine eindeutige Antwort

              Hallo winkel,

              entschuldige, abfällig sollte mein Posting nun wirklich nicht rüber kommen. Ich finde aber trotzdem das man nunmal keine anderen Menschen unfreiwillig in seinem Tod mit "einbinden" sollte. Was anderes wollte ich mit meinem Posting im Grunde nicht sagen, es geht mir halt nur um die "art" des Selbstmordes.
              Ansonsten werde ich mich hüten über Selbstmörder etwas abfälliges zu denken, hatte den Gedanken daran früher selbst allzu oft. Heute würde ich allerdings am liebsten niemals sterben, naja so wandelt sich das Leben ;-)

              Gruß
              Claudia

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Re^3: Warte, Du wirst von Exp. bestimmt

        Schade,denn genau das:

        ist das was mich am meisten interessiert, warum so und nicht
        anders ?
        ..
        Antworten bekommen.

        LG
        d.

      • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Selbsttötung...keine eindeutige Antwort

        hallo!!

        war da nicht dieses jahr mal ein artikel im spiegel der das "erklärt" hat??
        da wurden mehrere arzt-selbstmorde aufgeführt:
        u.a. hat ein chirurg sich vorher das gebiet der pulsadern betäubt und sie danach erst durchtrennt.
        eine apothekerin hat sich selbst was gemixt (schmerzmittel, schlafmittel, ...).
        kurz: jeder selbstmord war "fachspezifisch".

        zu den "normalbürgern" wäre eine wilde vermutung: die kennen eben nur das ein oder andere. kopfschuss wird schliesslich in vielen filmen vorgemacht, aufhängen muss man einen richtigen knoten hinbringen, züge fahren überall rum.

        tschüss

        matthias [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]



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