Selbsttötung

Hallo,

aus leider aktuellem Anlass, frage ich mich seit etlichen Stunden, was bringt Menschen dazu sich auf eine bestimmte Weise seiner ihm unlösbaren Probleme zu entledigen?

Es geht darum, warum springt/wirft sich ein Mensch vor einen Zug?
Es gibt doch schließlich andere „Mittel und Wege“ sein „Vorhaben“ umzusetzen.
Ist man von seinen Riesenproblemen so erdrückt, dass einem der Gedanke, was wirklich in dem Moment und vorallem danach geschieht, egal? Mir geht ein Gedanke nicht aus dem Kopf, der Vergleich, wie ist die Situation wenn sich jemand mit Schlaftabletten vollstopft und entschläft, dann sieht man ihn auch danach noch als Mensch, der Arzt der den Totenschein ausfüllt, wird das zur Genüge gesehen haben und damit kaum Probleme haben. Die Familie möchte ich hier mal außen vor lassen.
Aber wenn ein Zug das „Mittel“ ist, dann werden Menschen mit hineingezogen, die das nicht wollen.
Der Lokführer, der es aus aller nächster Nähe zu spüren bekommt, Zugbegleiter, Feuerwehr, Ärzte, Helfer und nicht zuletzt die Fahrgäste. Ich rede jetzt nicht davon, dass man fluchen könnte, wenn man Zeit verliert, Züge oder Termine verpasst. Sondern davon, dass jemand keine 20 m von dir entfernt liegt und kaum noch als Mensch identifizierbar ist.
Und genau diese Vorstellung, dass Polizei und Feuerwehr sich auf eine Suche nach Puzzleteilen begeben, die makaberer nicht sein können.

Ich denke zu verstehen, dass man in Situationen kommen kann, wo einem die Selbsttötung als letzter Ausweg zu bleiben scheint. Aber warum auf diese Weise, hat der Mensch so völlig mit allem abgeschlossen, dass ihm egal ist, was er dadurch in anderen auslöst?
Meine Gedanken gehen in die Richtung, dass Menschen, die das Gefühl haben, keine Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen, das auf diese Weise fordern. Bisher hat mich keiner beachtet, dafür aber jetzt.
Dass eine Kurzschlussreaktion der Grund ist, kann ich mir fast nicht vorstellen, dafür muss doch allein der Blick auf einen heranrasenden Zug Abschreckung genug sein.

Ich verstehe nicht, was bringt Menschen dazu, sich gerade auf diese Weise das Leben zu nehmen?
Und wie werden Helfer damit fertig, besonders Lokführer. Fühlen sie sich nicht als Mittel zum Zweck missbraucht oder gar als „Mörder“?
Sicher so durch Unfälle entstellte Menschen gibt es bei Katastrophen wie in Eschede genügend, aber diese Menschen hatten keine Wahl. Selbstmörder haben sie. Was bringt sie dazu eine solche Wahl zu treffen?

Gedanken und Fragen, die mir keine Ruhe lassen zur Zeit.
Vielleicht kann mir jemand Antworten geben,…

Teufelchen

Hallo,

nur hab ich oft genug die Erfahrung mit Menschen machen müssen
(Krankenhaus). Meist hatten sie nichts mehr zu verlieren
(Krebs/und oder alleinige Depressionen) .
Unsere Krankenhauspsychologin hat mir dies mal im Rahmen
eines mittleren Zusammenbruchs so versucht zu erklären:

Es ist eine Art und Weise für diese Menschen, ein Problem zu
lösen. Für die Hinterbliebenen/u.o. Betreuer ergibt das wenig Sinn, den Sinn versteht nur der Mensch, der Selbstmord begeht. Er löst praktisch ein Problem. Für uns ergibt es keine Logik,
wir hätten ja versucht, andere Möglichkeiten der Problem-
lösung aufzuzeigen. Aber letztlich muß man anerkennen, daß der
Selbstmörder sich für diese Art der Problemlösung entschieden hat.

Die verschiedenen Arten von Selbstmord (Zug, Sprung, Erschießen, Erhängen etc.), also warum sich wer für was entscheidet, kann
ich Dir nicht erklären, aber bestimmt gibt es psychol. Unter-
scheidungen.
Die Menschen, wo ich persönlich miterlebt habe, daß sie sich
selbst töteten, waren allesamt unheilbar krank, bzw. depressiv.

Grüsse
d.

Schade,denn genau das:

Die verschiedenen Arten von Selbstmord (Zug, Sprung,
Erschießen, Erhängen etc.), also warum sich wer für was
entscheidet, kann
ich Dir nicht erklären,

ist das was mich am meisten interessiert, warum so und nicht anders ?

Hallo,

makaberes Thema übrigens.

Aber sei es drum: ich versuche es einmal (als Laie und evtl. ehemals Betroffener bzw. ebenfalls Interessierter).

Selbsttötung kommt wohl vor allem dann zum Tragen, wenn die eigene Situation als ausweglos erscheint. Wie schon zuvor beschrieben, können hier Unterschiedliche Gründe motivbildend sein - körperliche Krankheit in Verbindung mit Verfall/Schmerzen oder aber seelische Wunden schweren Ausmaßes.

Die körperlich bedingten dürften in den meisten Fällen nach einem friedlichen Ausweg suchen.

In fast allen Fällen des Suizid ist es so, daß es sich nicht um eine spontane Handlung, sondern um lanfristig relevante Überlegungen handelt. Die eigentliche Maßnahme kann dann im Affekt (Impulskontrollverlust) oder aber auch besser überlegt stattfinden.

Motivationen für einen nicht „stillen“ Tod könnten sein:

  • Schuldzuweisung: Unbewusst oder auch bewusst kann man für die eigene Situation auch andere mitverantwortlich machen. Hierbei kann man dann entweder Aufmerksamkeit suchen (Öffentlichkeit) oder aber sogar andere in den Selbsttötungsplan mit einbeziehen (Amok).

  • Angst: selbst in einer ausweglosen Situation können - gerade bei depressiven Menschen - immer noch Ängste relevant sein. Angst vor einem Scheitern im Suizid oder vor unnötigen Qualen oder auch einfach vor dem alleine sein beim Sterben könnten Motivbildend bei der Entscheidung für einen „öffentlichen“ Tod sein.

  • Verantwortung ablegen: Den Suizid durch eigene Hand vollziehen hat eine andere Qualität als „durch andere Hand“ gerichtet werden. Sich vor einen Zug stellen bzw. vor einen Zug werfen hat eben noch ein letztes Quentchen „Schicksal“ mit dabei - man muss die Handlung nicht selber vollziehen. Den Abzug einer Waffe oder auch die Einnahme von einer tödlichen Dosis Gift muss man schließlich selber vollziehen. Bei dem Modell Zug nimmt einem die „Arbeit“, man erlebt sich ggf. als eher unbeteiligt bzw. passiv.

Diese Überlegungen sind privater Natur - sie sind nicht wissenschaftlich fundiert - ich habe mich aber auch einmal dafür interessiert.

Vielleicht hilft dies schon ein wenig - vielleicht ist es aber auch Anlass für eine (hoffentlich fruchtbare) Disskusion.

Gruß
Patrick

Schade,denn genau das:

ist das was mich am meisten interessiert, warum so und nicht
anders ?

Antworten bekommen.

LG
d.

Hallo Patrick,

mit der These andere verantwortlich machen, die du nennst, würde sich meine Vermutung „mangelnde Anerkennung, jetzt aber“ bestätigen.
Was ich aber noch immer nicht so recht ausdrücken kann, ist wahrscheinlich, wo der Grund liegt, dass mich das Thema doch so beschäftigt. Du sagst makaber. Ja makaber ist es, wenn es heisst „Bitte steigen Sie nicht aus, es besteht Lebensgefahr. Wegen eines Personenschadens verzögert sich die Weiterfahrt aus unbestimmte Zeit“…Es ist ein merkwürdiges, fast ekelhaftes Gefühl zu wissen, da liegt jemand und das nicht mehr so, wie " es sich gehört in einem Stück".
Gestern im Zug selbst fand ich nichts zu erschreckendes daran, es passiert. Darüber muss man sich klar sein, man kann nicht die Welt retten. Aber heute fing ich an mich zu fragen, wie verkraftet der Lokführer dieses Bild was er aus sich zukommen sieht? Wie verkraften Fahrgäste (junge Bundeswehrsanitäter) diesen Anblick. Und wie bekommt man ein Bild aus dem Kopf, was man sich selber macht, …
Fragen über Fragen, auch dazu:

Bei dem Modell Zug nimmt einem die „Arbeit“, man erlebt sich
ggf. als eher unbeteiligt bzw. passiv.

Man muss aber auch hier den letzten Schritt selbst tun. Oder Sprung. Sicher es ist ein andrer „schuld“, aber passiv? nein nicht wirklich oder?

Und hinzu kommt, ich meine von Überlebenden solcher „Versuche“ gehört zu haben, es muss also auch so nicht 100% sicher sein.

Deine Hoffnung bezüglich einer fruchtbaren Diskussion teile ich, denn ich erhoffe mir daraus ein paar Denkansätze, die mir bisher noch entwischt sind…

Teufelchen

Ein paar Gedanken …
… im Umfeld deiner Frage, Teufelchen. Ob sie dir weiterhelfen, weiß ich nicht, aber wir wir können ja auch weiterreden :smile:

Auch wenn die Formen von Selbsttötungen die gleichen sein sollten, so sind doch die Gedankengänge, die Motive, die Befindlichkeiten in der Zeit vor der Handlung so individuell verschieden wie es auch unsere Gesichter sind. Aber auch die Weise, wie es jeweils gemacht wird, hängt mit der bisherigen Lebensform und allgemeinen psychischen Konstitution ebenso eng zusammen, wie auch mit der unmittelbaren Problem- oder Krisenstruktur, aus der der Entschluß als Ausweg vorgestellt wird/wurde.

Suizid ist in jedem Falle natürlich ein autoaggressiver Akt - eine Gewalttat - aber dies ist nur die äußere Erscheinungsform. Nicht immer ist nämlich die Person selbst auch wirklich das Objekt, gegen das sich die Aggression richtet: Sie kann auch Stellvertreter sein für andere Personen, gegen die die eigentliche Aggression zu richten nicht möglich war. Sie kann auch Stellvertreter sein für unausweichliche Situationen, die sonst mit keinem Mittel aus der Welt zu schaffen sind.

Wut, Enttäuschung (Rumpelstielzchen), Haß (Selbstmordattentäter), Schuldgefühle und Verletztheitsgefühle, gebrochener Stolz (der Schatten, der den extremen Narzißmus ständig begleitet), gebrochenes Herz (Ophelia, Werther), überwältigende Scham („ich möchte im Boden versinken“ ist die Form, in der wir alle den Anflug eines suizidalen Gedankens kennen) und überwältigender Schmerz, dem kein Ende vorausgesagt werden kann: dies sind nur Beispiele von Szenarien, aus denen ein Ausweg gesucht wird, und wenn er sich nicht bietet, weil der situative oder der personale Gegner allzumächtig oder unerreichbar ist (oder auch nur erscheint), dann gibt es immer noch einen, der als Opfer oft geeignet erscheint.

Der Suizidale spielt eigentlich eine Doppelrolle, welche ihm aber sehr selten bewußt ist. Darauf aufmerksam zu machen kann in Gesprächen mit Menschen, die Suizidgedanken hegen, manchmal einen erstaunlichen Switch in ihrem Gedankenweg auslösen: Vielen liegt es nahe zu sagen „ich will mich umbringen“, aber es gibt keinen Täter ohne Opfer. Warum sagt niemand „ich will von mir umgebracht werden“?

Auch diese feineren Unterscheidungen sind wichtig …
„Willst du jemanden töten - und zwar dich?“ („warum dich?“)
„Willst du getötet werden - und zwar von dir?“ („warum von dir?“)
„Oder willst du einfach sterben?“ („Warum dann mit Gewalt?“)
… die durch dieses wunderliche Medium der Sprache und des Gesprächs zum Vorschein gebracht werden können und dadurch manchmal in die dunkle, turbulente und labyrinthische Welt der Verzweiflung Erhellung und Transparenz bringen können. Es zeigt sich dann manchmal ein vormals nur schemenhaftes Objekt der Aggression klar und deutlich - woraus neue Handlungswege gefunden werden können. Oder es zeigt sich, daß eine unerträgliche Situation aus der Welt geschafft werden soll, und weil das nicht geht, will man den Teilnehmer und Beobachter dieser Situation aus der Welt schaffen - ein bekanntes, aber in seiner Tiefsinnigkeit oft nicht durchschautes Kinderspiel. So verwunderlich es sich anhören mag, aber sehr oft endete das Gespräch mit einem Suizidalen mit einem Lachen seinerseits … …

Das Problem des Lokführers ist jedoch ein ganz anderes Thema …

Grüße

Metapher

Hallo,

die Ironie läßt diese Frage von einem „Teufelchen“ kommen.

Es ist für die „anderen“ schlimm so etwas mitzuerleben. Die Lokführer brauchen oft längere Auszeiten und intensive psychologische Betreuung. Manchmal werden sie sogar dienstunfähig für den Führerstand.

Polizei, Ärzte und Feuerwehr versuchen meist durch „Sachlichkeit“ genügend Distanz zum Geschehen zu finden.

Aber nun zu der Frage:

Warum, denke ich, ist hier eher das falsche Wort. Ich würde fragen: Wie läuft diese Situation ab.

Es gibt Menschen, die sind so bedrängt von der Situation, in der sie leben, daß sie sich wünschen tot zu sein, und sie sprechen auch darüber. Dies ist meist der große Hilferuf.

In der Situation selbst ist die Bedrängnis derart groß, daß nicht von einer bewußten gestuerten Handlung gesprochen werden sollte. Es läuft seinen Weg.

Die Bedrängnis ist dermaßen groß, daß „Aktivität“ entsteht. Man muß gehen, fahren, irgendetwas tun. Dann kommt einem auf der Straße plötzlich ein Baum entgegen. Das Auto fährt wie von selbst auf der falschen Seite. Die Brücke kühlt mit dem Wind den heißen Kopf, das Wasser trägt die Sehnsucht nach Frieden, dem man nahe sein will. Der Weg in den Wald ist wie ein Eintauchen in Stille und Zufriedenheit. Der Bahnhof wird zum Leben das man spüren möchte, aber an dem man nciht teilhat. Der Bahndamm fordert einem eine Anstrngung ab, man fühlt sich plötzlich. Und der Zug der kommt soll einen mitnehmen, auf eine Reise, damit der Druck der Lebenssituation weit hinter einem bleibt.

Selten ist in diesen gefährlichen Situationen die Klarheit da zu denken und zu handeln wie: Ich tu es jetzt! eher entwickelt es sich aus der pschychischen Drucksituation und der plötzlich sich entwickelnden Möglichkeit.

Wenn die Chance da ist: Jetzt, schnell und sicher. Dann ist kein Überlegen mehr.

Wer lange überlegt, der versucht wahrlich viele Komponenten einzubinden: Ich will eine schöne Leiche sein. Wer soll mich finden? Wer nicht? Wie ist es am schmerzlosesten. Wie ist es am schnellsten? Gottseidank sind die optimalen Konstellationen schwer zu finden, so daß das Vorhaben, in diesem Fall geplant, eher verschoben werden kann.

Vielleicht findest du heir ein paar Gedankengänge, die dir helfen, Deine Gedanken zu ordnen. Die Gedanken der Person kann und wird keiner mehr ergründen können.

Diejenigen, die „überlebt“ haben, können meist nur die Momente weit vorher beschreiben, die eigentliche Tat wird oft mit den Worten beschrieben: Aber wieso ich dann …, das weiß ich nicht mehr.

gruss
winkel

Es ist sehr verschieden…
Und ich kann natürlich nur von mir reden…

Natürlich hast Du in gewisser Weise Recht, wenn Du sagst, daß sowas meistens keine echte Kurzschlußreaktion ist. Das liegt aber daran, daß man oft schon die Entscheidung getroffen hat, gerade diesen Weg zu gehen, ihn aber aus diversen Gründen nicht durchziehen kann.
Die sogenannten „suizidalen Hochphasen“ haben immer gewissen Auslöser - das können äußere Faktoren wie das Verrhalten eines anderen Menschen oder zusätlichem Streß im Job sein, oder eben innere Faktoren wie zum Beispiel die aktuelle Stimmungslage oder einfach Gedanken die einem in den Kopf schiessen und man sich mit ihnen auseinander setzt - manchmal haben diese Auslöser die Wirkung, daß man das letzte Hindernis überwindet und dann den Suizid vollziehen möchte. Wobei es meist wenn man in diesem Stadium ist, egal ist, ob man qualvoll erstickt oder sanft einschläft. Zumindest war es bei mir so.
Und wenn diese Situation eintritt und eben eine Gleisstrecke in der Nähe ist - warum nicht?

Das ist jetzt vielleicht eine sehr makabere Frage - aber mit Aufmerksamkeit haben wollen hat das meist wenig zu tun, im Gegenteil - ich wollte eigentlich einfach nur endgültig meine innere Ruhe haben und gerade deshalb war es mir auch egal, wie es passieren sollte…

Dabei habe ich dann festgestellt, daß in Beipackzetteln oft maßlos übertrieben wird… Bin am nächsten Morgen wieder aufgewacht und habe ein ziemlich dummes Gesicht gemacht…

Wie gesagt - das ist die Erklärung aus meiner Sicht - eigene Erfahrungen sozusagen und soll auch nicht für die Allgemeinheit gelten.

Hallo teufelchen,

warum Leute sich in der Öffentlichkeit töten weiß ich auch nicht, kann es ehrlich gesagt auch nicht nachvollziehen, ich finde das irgendwie einfach egoistisch. Man bringt sich doch nicht um, ohne vorher schonmal drüber nachgedacht zu haben, und das es für unbeteiligte nicht gerade schön ist einen toten Menschen vor sich zu haben muß doch wohl selbst dem verzweifelsten Menschen klar sein?! Ich wohne in einem Hochhaus (im Erdgeschoss), letzten Sommer ist eine Frau aus dem 12. Stock direkt vor unserem Balkon gesprungen. Ich mag zwar eh etwas „empfindlich“ sein in solchen Dingen, aber es war wirklich furchtbar. Ich hatte eine ganze Weile regelrechte Alpträume und bei jedem lauteren Knall hat man Angst das wieder einer vor’m Balkon liegt.

Naja, vielleicht sind diese Menschen die sowas tun, aber wirklich in dem Moment so „leer“ im Kopf das sie über andere Menschen garnicht mehr nachdenken können. Wahrscheinlich ist es auch ein wenig „einfacher“ vor einem Zug oder aus dem Fenster zu springen, denn da braucht man dann „nur“ die einmalige Überwindung zu springen, es gibt kein zurück mehr. Wenn man Tabletten oder ähnliches nimmt, könnte man unter Umständen immer noch rechtzeitig gefunden werden oder sogar selbst nochmal zum Arzt gehen.

Und vielleicht ist dort auch wirklich sowas wie „Welthass“ dabei, so in der Art „Wenn die Menschen mich schon in meinem Leben nie beachtet haben, dann werde ich wenigstens bei meinem Abschied „unübersehbar“ sein“ Aber naja, alles nur Vermutungen, wer weiß schon was in deren Köpfe vorgeht…

Gruß
Claudia

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Hi Metapher,

… b.z.w. könnte man sich fragen, wer, anderes als der Betroffene selbst, ein Interesse an dessen Tod gehabt haben könnte?

Es gibt die Idee, daß wenn jemand sich umbringt, es auch einen gibt, der sich das „gewünscht“ hat?

MfG Harald

Sorry…
Ich möchte Deine Zeilen da mal gerne übersetzen…

Klartext:

Wenn einer sich bewußt für das Ende der Existenz in seiner jetzigen Form entscheidet, dann gibt es auch immer jemanden, der sich gewünscht hat, daß er genau das tut…

Schlußfolgerung:

Wenn sich jemand das Leben nimmt, dann gibt es immer jemanden, der ihn am liebsten umgebracht hätte…


Ich wäre mit solchen „Dingen“ (anders will ich es nicht bezeichnen, weil ich sonst eine virtuelle Ohrfeige vom Mod bekommen würde) etwas vorsichtiger, zumal man nicht weiß, warum die ursprüngliche Frage gestellt wurde.

Hi Harald

ich kann aus deiner Formulierung nicht genau erkennen was du meinst, aber

… b.z.w. könnte man sich fragen, wer, anderes als der Betroffene selbst, ein Interesse an dessen Tod gehabt haben könnte?

in besagten Gesprächen fragte ich nie mich , sondern den jeweiligen Gesprächspartner: Er wurde dadurch zu seiner Überraschung darauf aufmerksam, daß er seine Absicht zwar so (oder analog) ausdrückt „ich will mich umbringen“, aber nicht so „ich will von mir umgebracht werden“. Dies aber müßte er eigentlich (da es ja dasselbe „ich“ ist) mit derselben Emphase sagen können, was aber nicht der Fall ist. Das ist dann der Ausgangspunkt für den weiteren Gesprächsverlauf …

Es gibt die Idee, daß wenn jemand sich umbringt, es auch einen gibt, der sich das „gewünscht“ hat?

Hier ebenso: Es wäre eine Frage an den Gesprächspartner, ob er eine solche Idee habe … die Antwort ist oft, aber keineswegs immer, vom Typ „nein“ …

Eigene Spekulationen, ohne im direkten Gespräch zu sein, sind dabei absolut sinnlos.

Grüße

Metapher

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Hallo Claudia,

ich verstehe durchaus, daß du aufgrund deines Erlebnisses als Abwehr eine Distanz zu solchen Menschen aufbaust.

Aber dieser abfällige Unterton in deinem Post, ist gegenüber Menschen in allergrößter existenzieller Not nicht angebracht.

gruss
winkel

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Hi,

wo liegt der Unterschied zwischen „i c h will mich umbringen“.
und „ich will von mir umgebracht werden“.?

Das ist wieder so ein Phänomen, wo ich bei psycholog. Fragestellungen einfach nicht durchblicke.

Ich bin doch ich und wenn ich sage „ich bring mich um“, dann
will „ich von mir getötet werden“. Ich will mich zum Ende
bringen.

Ganz oberflächlich gesagt, das ist das Selbe - für mich???

d.

Hallo,
in dem Gemütszustand vor dem Freitod ist die Person
vermutlich weder in der Lage, die Situation halbwegs
rational zu beurteilen, noch Willens/im Stande die
Auswirkungen auf die (un)mittelbar Betroffenen abzuschätzen.
Ich glaube auch kaum, daß sich sowas nachempfinden läßt,
ohne selbst knapp davor gewesen zu sein.

… aber diese Menschen hatten keine Wahl. Selbstmörder haben
sie. Was bringt sie dazu eine solche Wahl zu treffen?

Sie haben die Wahl aus Deiner Sicht. Für sie sieht die
Situation ausweglos aus und in diesem (letzten) Moment
zählt genau das.

Gruss
Enno

Abwegig?
Hi Dilarah,

ja, für Dich…aber was ist, wenn der Gefragte auf die erste Frage „Willst Du Dich töten?“ mit „ja“ und auf die zweite Frage „Willst Du von Dir getötet werden?“ mit „nein“ antwortet?

Dann beginnt’s spannend zu werden…

Viele Grüße
Diana

Hi Diana,

ja, für Dich…aber was ist, wenn der Gefragte auf die erste
Frage „Willst Du Dich töten?“ mit „ja“ und auf die zweite
Frage „Willst Du von Dir getötet werden?“ mit „nein“
antwortet?

Dann beginnt’s spannend zu werden…

Stimmt, das genau will ich ja verstehen, wo da der Unterschied liegt, vielleicht erklärts mir ja jemand.

Viele Grüße zurück

D.

Hallo winkel,

entschuldige, abfällig sollte mein Posting nun wirklich nicht rüber kommen. Ich finde aber trotzdem das man nunmal keine anderen Menschen unfreiwillig in seinem Tod mit „einbinden“ sollte. Was anderes wollte ich mit meinem Posting im Grunde nicht sagen, es geht mir halt nur um die „art“ des Selbstmordes.
Ansonsten werde ich mich hüten über Selbstmörder etwas abfälliges zu denken, hatte den Gedanken daran früher selbst allzu oft. Heute würde ich allerdings am liebsten niemals sterben, naja so wandelt sich das Leben :wink:

Gruß
Claudia

Vermutung…
Wieder nur meine eigene persönliche Auffassung…

Frage: Willst Du Dich töten? äquivalent mit Willst Du tot sein?

=> Wenn jemand ankommt und anbietet, daß ich tot umfalle, wenn er mit dem Finger schnipst, dann nehme ich das dankend an.

Frage: Willst Du von Dir getötet werden? äquivalent mit Springst Du vom Dach / Wirfst Du Dich vor den Zug / Machst Dir die Pulsadern auf…?

=> mehr oder minder „aktives“ Verhalten des Suizidenten, er selbst ist Initiiator des Suizid(versuch)es.