Hallo liebe www-ler,
ich muß erstmal gestehen, daß ich ein Weilchen gebraucht habe, um mich zu überwinden, hier mein - hm… Problem zu schildern, aber die vielen aufrichtigen, konstruktiven Postings in diesem Brett haben es dann doch bewirkt…
Bis vor etwa 4 Jahren würde ich sagen, mein Leben war zwar oft sehr aufregend, herausfordernd und auch stressig, aber ich habe alles gemeistert. War optimistisch, tatkräftig und habe trotz aller Widrigkeiten, die das Leben so einem persönlich und individuell bereitet, alles angepackt und irgendwie immer
geschafft und bewältigt.
1998 kam ich in eine extreme Lebenskrise, Beziehung, Job, Privatleben allg. - ich habe es nicht mehr gepackt, fühlte mich mit allem überfordert, kam privat und beruflich nicht mehr klar, habe mich abgekapselt, war permanent am Heulen,hatte jeden Morgen nach dem Aufwachen Magenschmerzen und mit dem Gedanken gespielt, mir „irgendwas“ anzutun, am besten irgendwie so einen Autounfall machen, der mich außer Gefecht setzt, nicht so sehr verletzt, daß es sehr weh tut oder irreparable Schäden verursacht, aber mich „zwingt“, für mehrere Wochen zu Hause zu bleiben, um mich zur Ruhe kommen zu lasssen, am liebsten wochenlang nur schlafen, um dann hoffentlich erfrischt, gesund und munter wieder aufzuwachen.
Ich bin dann auf Drängen von Bekannten zu einem Neurologen/Psychologen gegangen, Diagnose: Depressionen, er hat mir Anti-Depressiva verschrieben, mir geraten, den Job zu kündigen und mich für 9 Wochen krankgeschrieben. Prinzipiell hat das geholfen, es war irgendwann nach 3 Wochen, daß ich eines Morgens endlich mal wieder aufwachte mit dem Gedanken: „Hm, ich freue mich auf diesen Tag, mal sehen, was er mir so bringt.“
Was danach kam, in Stichworten:
- Job gekündigt
- in der Zeit zwischen Kündigung (Sept.) und Arbeitslosigkeit (Ende Dez.) eigentlich nichts getan, einfach nur den Tag auf mich zukommen lassen
- Ende Dez. Beziehungskrise, Trennung stand im Raum
- Januar erstes Aufraffen, mir war klar, daß ich etwas tun mußte, Bewerbungen und tatsächlich ab 17.02.99 einen neuen Job gefunden
- zeitgleich kam die Trennung, ziemlich übel, Trennung des Hausrates, viele schlimme Worte bis hin zu Prügel…
In dieser Zeit kam ich trotz dieser schlimmen Situation immer besser mit mir klar, hatte neuen Mut, habe wieder alle angepackt, mein Leben neu eingerichtet und konnte die Anti-Depressiva schließlich absetzen.
Das ging gut bis etwa Anfang/Mitte letzten Jahres. Auch in dieser Zeit (Anfang 1999 bis Mitte 2001) gab es unglaublich viele Hürden zu meistern, ich kann und möchte das hier jetzt erstmal so nicht alles erzählen, weil es den Rahmen sprengen würde, aber…
schlimm ist, daß es mir jetzt wieder so geht, wie vor vier Jahren. Ich habe das Gefühl, mein Leben wiederholt sich, ich könnte jeden Tag heulen, ich habe so einen Horror vor der Arbeit, Magenschmerzen, sonstige Schmerzen in Arm und Schultern, wieder diese Gedanken mit dem Autounfall. Einzige Ausnahme ist die Partnerschaft, ohne ihn weiß ich nicht, wie ich überhaupt noch alles durchhalten könnte. Aber er weiß einfach nicht, wie er mir helfen kann, damit ich aus diesem so unglaublich tiefen Loch wieder herauskomme.
Ich war heute wieder bei einem Neurologen/Psychologen, ein anderer als damals (bin zwischenzeitlich umgezogen), es war so schlimm, ich sitze da, kurz vorm Heulen, aber was für mich so ‚rüberkam, war, daß die Dinge, die mich persönlich so belasten, ja andere auch schaffen, so ist das nun mal, und vielleicht wäre
eine Therapie ganz nett, ich geb‘ Ihnen mal 'ne Liste, Wartezeiten sind halt lang, müssen sie halt mal anrufen und fragen, 14 Tage krankschreiben… ich sagte, das ist doch eines meiner Probleme, es geht jetzt nicht, daß ich fehle, einerseits will ich die Firma nicht im Stich lassen, andererseits weiß ich nicht, wie ich das schaffen soll, ich habe außerdam Angst, meinem Chef in der momentan so stressigen Situation meine Krankmeldung hinzulegen. Er meinte nur: ja, was soll ich da machen, ich kann bei Ihrem Chef nicht anrufen, dann schreibe ich sie eben nicht krank.
Ich brauche jetzt Hilfe, irgendeine, ich weiß nicht welche, ich dachte, der Arzt könnte mich in die richtige Richtung schubsen. Ich weiß, daß ich irgendwann wieder zu mir selbst finden muß, es kann niemand anders meine „Lebensprobleme“ lösen, ich muß meine eigene Stärke wiederfinden, aber genau
dazu brauche ich Unterstützung, aber wo finde ich sie? Ich habe eine lange Liste mit Psychotherapeuten mitbekommen, die müßte ich jetzt alle anrufen und fragen, ob ich schnell einen Termin bekomme. Ich sitze davor wie der Ochs vor’m Berg. Frage die kassenärztliche Vereinigung, wo ich hingehen kann, die waren
sehr nett und faxen mir auch Listen zu, fragen mich: eher Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologische Behandlung?
Ich weiß es doch nicht…
Ich möchte irgendwann… bald… wieder allein gehen können, ich möchte nur jemanden finden, der mir für die ersten Schritte die Hand gibt und mich ein bißchen führt und leitet.
Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll…
Eine mutlose Anja
