Werbung im Kindesalter

Kein Zweifel, seit es Fernsehen gibt kommen Kinder immer mehr mit Werbung im Kontakt. Kinder sind im allgemeinen weit weniger kritisch als Erwachsene. Während ich heute meist den Kanal wechsle, wenn Werbung kommt, habe ich sie mir in meiner noch nicht so fortgeschrittenen Jugend gerne angesehen. Heute hat sich das noch vermehrt. Während damals mir und den meisten meiner Alterskollegn ziemlich egal war, was wir anhatten (außer es war kratzig und oder hatte Bommeln oder Krokodile) sind heute Marken wichtig. Produkte von gleicher Qualität werden trotz geringerem Preis abgelehnt, wenn die Marke nicht stimmt. Dabei ist meist das Ansehen bei Schulkollegen wichtiger (ich geh doch nicht ohne Nickelschuhe in die Schule) als eigenes Wertbewußtsein.

Soweit so bekannt. Jetzt habe ich einen Bericht im österreichischen Fernsehen gesehen, wie Werbung bereits in den Kindergarten und die Schule Einzug hält. Z. B. tritt im Kindergarten ein Clown von Dreck-Donald auf. In Schulen wird in den Gängen Werbung aufgehängt. Ein Werbe-?psychologe? begründete das: Es wäre wichtig, daß Kinder so früh wie möglich von ‚ihren‘ Marken geprägt werden. Klar, für die Firmen die diese Marken erzeugen, ist das wichtig, aber was ist mit den Kindern? Was ist für sie wichtig? Zumindest Schule und Kindergarten waren bei uns noch werbefrei. (naja, wenn man von ‚Produktinformationen‘ auf Bundstiftbehälter udergl. absieht)

Wie sich das Markenbewußtsein auf Erwachsene auswirkt habe ich erst kürzlich erlebt. Da kauft sich jemand ein Auto (Schorsche Karriere) für das er sich in hohe Schulden stürzt und zudem für ihn als Familienvater äußerst unpraktisch ist. Da geben Frauen für Kosmetika ganze Monatsgehälter aus. Da haben Männer Anzüge in ihren Kästen die mehr kosten als mein Fernehapparat und mein Computer zusammen, nur weils von Scharmani sind. Ich denke, wir alle sind mehr oder weniger schon werbegeschädigt, wie wird das erst mit unseren Kindern sein? Man kann sicher nicht verhindern, daß Kinder mit Werbung in Kontakt kommen, aber kann man dagegenwirken? Ein Vater eines Schulkollegen von mir hat sich zu unserer Gaudi ständig über Werbung lustig gemacht. Zwar habe ich mir daraufhin noch lieber Werbung angesehen, war aber selber schon ganz gut in Werbesprüche und Markennamen verunglimpfen. Das hat sich allerdings nicht sehr auf mein schon geschädigtes Kaufverhalten ausgewirkt.

Servus
Herbert

Hallo Herbert,

gerade in Schulen Werbung zu betreiben, finde ich absolut verfehlt. Bisher habe ich immer geglaubt, dass die Schule eine Tabu-Zone für Werbemaßnahmen ist, was sich als Irrtum herausstellte.
Hier ist ein Link, der darüber Auskunft gibt, wie die verschiedenen Bundesländer Deutschlands zur Werbung in ihren Schule stehen:
http://www.schulleitung.de/sl/schulrecht/werbung.htm

Werbeprofis wissen, wieviel Taschengeld den Kindern zur Verfügung steht, dass sie eine leicht zu beeinflussenden Kaufkraft darstellen, deren Potential bisher noch nicht ausgeschöpft wurde, im Gegensatz zu dem etwas bewußterem Kaufverhalten der Erwachsenen.

Ich persönlich stehe Werbung, die sich an Kinder richtet, sehr ablehnend gegenüber. Das ist Beeinflussung von Konsumverhalten, die ihrem Erwachsenwerden mehr schadet als nutzt.
Klingt jetzt ein bisschen nach überbesorgter Mutter, darum hier ein paar Beispiele, um zu untermauern, dass ich mir nicht nur Sorgen, sondern auch Gedanken mache:

Wer sich Werbung in SuperRTL oder RTL2 anschaut, wird beobachten, dass meistens die gleichen Produkte angeboten werden, aber immer wieder in neuen Erscheinungsformen - egal, ob es sich um Food- oder Nonfood handelt: Ü-Eier (da geht es nicht um Schokolade), McDonalds (die Kinder wollen die Figuren, nicht die Pommes), Barbie-Puppe (nur weil sie wieder ein neues Kleid hat), Nintendo-Spiele (nach einem Monat guckt die keiner mehr an), Polly-Pocket-Puppe (immer wieder ein neues Wohnzimmer), und jeden Monat ein neues Video von W.Disney…
Der rote Faden ist schnell erkennbar, die Kinder sollen fürs Sammeln zahlen, für körperliche oder geistige Nahrung sind die Produkte nicht geschaffen worden. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn die Kinder mal das eine oder andere haben wollen. Aber die Kinder sind davon so beeindruckt, dass das Schnitzmesser im Hobbykeller und die Möhre in der Ernährung immer mehr eine Ausnahme darstellen, außer man kann als Elternteil noch Einfluß nehmen.

Werbung in der Schule? Ich kann mir kein Plakat vorstellen das einen neutralen lehrreichen Einfluß auf die Kinder hat. In Heimat- und Sachkunde wird von gesunder Ernährung erzählt, und gegenüber des Eingangs zur Sporthalle hängt die neueste Fastfood-Edition von McDonalds aus?
Die Kinder sollen sparen, und ihr Geld der xyz-Bank der Stadt anvertrauen, Konsumverzicht auf der einen Seite, aber zum Nutzen einer einflußreichen und finanzstarken Bank?
Wenn ich mir vorstelle, dass Esprit, Mustang oder Adidas ein Plakat in die Schule hängen dürften, bekäme ich einen dicken Hals.
Sollten die Kinder nicht besser erst ihre Unabhängigkeit erlernen, bevor sie vor lauter unbewußten Zwängen aus dem Strudel von Werbung-Bedarf-Kauf sich selbst als Erwachsene nicht mehr entziehen können? Hat das nicht bald eine Ähnlichkeit mit Drogenabhängigkeit „wenn ich dies oder das konsumiere, dann fühle ich mich besser“?

Es gibt Schulen, die Kunstdrucke von bekannten europäischen Künstlern über mehrere Epochen in den Fluren aufgehängt haben. Wenn Kinder diese Abbildungen samt Künstler sich merken, dann haben sie wirklich etwas fürs Leben gelernt. Kennen Teenager die Bilder von dem genialen Albrecht Dürer aus Nürnberg? Wahrscheinlich nicht all zuviele, weil dafür auch kein Interesse geweckt wird. Aber die Pokemon-Figuren des jap. Firmenmilliadärs Nintendo sind so bekannt, dass man damit sogar im Fernsehen auftreten kann.

Wenn Schulen wirklich die Werbung als angenehmen Finanzzuschuß für sich brauchen, dann sollten sie sehr sorgfältig die Firmen aussuchen. Aber meine Unterstützung hätten sie nicht, höchstens bekämen sie von mir eine Spende ohne Eigenwerbung :wink:))

viele Grüße
Claudia

Die Idee dazu kommt - wie sollte es auch anders sein - aus USA. Bereits in den 50-er Jahren hat Vance Packard in seinen Büchern „Die geheimen Verführer - Der Griff nach dem Unbewußten in jedermann“ und „Die große Versuchung - Der Eingriff in Leib und Seele“ diese Dinge (aus wissenschaftlicher und PR-Sicht) beschrieben. Leider sind beide Bücher im Handel nicht mehr zu beziehen (ggf. in sog. Antiquariaten). Was dort noch als Vision oder Option angedacht wurde, hat uns ebenso ein- bzw. überholt wie George Orwell …
Mein Fazit: Nur wer in seiner Persönlichkeit gefestigt ist/wird, kann sich vor diesem Konsum- und/oder Werbeterror retten.

Huhu Herbärt :wink:

also ich oute mich jetzt mal total: Ich hab in meiner Kindheit jedes Wort aus der Werbung geglaubt. Gut, fernsehen war für mich nur in kleinen Dosen erlaubt, aber meine Freundin war diesbezüglich bestens informiert. Und so haben wir eben vom Taschengeld die Schogetten gekauft, weil man die Werbemelodie „Schooooogeeeetteeeen - diiiiieeee schmeeeeeckeeeen sooooo guuuuuut“ so schön hat singen können. Und meine Mama hab ich auch mal gefragt, warum sie sich denn so doll plagt mit Putzen, anstatt das vom Meister Propper machen zu lassen. Zwar haben beim Einkauf-von-Mama’s-Geld solche Argumente wie „das kenn ich aus der Werbung, das ist prima“ nix genutzt, aber beim Einkauf-vom-Taschengeld hat man da schon danach geschaut. Allerdings weiß ich noch, daß das eine Phase war. Wie lange die gedauert hat? Ich schätze mal, daß das nicht länger als vielleicht ein halbes Jahr war und ich da so 4 oder 5 war. Irgendwann hab ich dann (wahrscheinlich nach ein paar Gesprächen mit meinen Eltern und der einen oder anderen negativen Erfahrung) eingesehen, daß „Erwachsene in der Werbung lügen“. Naja, und inzwischen bilde ich mir schon ein, daß ich gegen die Werbung in vielen Bereichen immun bin. Um ein Haar wäre ich zwar kürzlich bei diesem Putz-Zeug namens „Swiffer“ schwach geworden (weil ich immer für „putzt-von-alleine-Sachen“ zu haben bin *g*), aber das haben sie mir dann im Haushaltsbrett erfolgreich ausgeredet. Und bei Werbung für Süßigkeiten falle ich auch öfter rein! Mmmmh - so ein Mars jetzt, vielleicht macht’s mich ja wirklich mobil. Dafür kratzt mich Werbung für Autos, Getränke, Klamotten oder so, da wüßte ich nichtmal, was zur Zeit grad „in“ ist… Und wenn in meinem Haarschampoo mehr Vitamine sind als in der Tütensuppe komm ich schon ein bisserl ins Grübeln.

Liebe Grüße

Petzi

@Petzi, Claudia & Gunter
Servus Freunde,
Danke für die Antworten

also, bin ich froh, daß ich nicht der einzige bin der über so viel Werbung, gerichtet an unsere Kinder, beunruhigt ist. Jetzt hat Petzi so viel über Beeinflussung der Werbung auf sie selbst geschrieben, da denk ich darüber nach wie Werbung mich beinflußt.

Anfangs dachte ich, ich wäre inzwischen immun. Hmmm, aber warum trinke ich wenn ich Cola trinke, nur das von dieser einen Marke? Schmeckt mir das Zeug überhaupt? Warum esse ich Fettmanns, klebe mit Eule oder Fixo… Warum habe ich so viel unnützes Zeugs zu Hause, das ich selten bis nie brauche? Mir fallen für die meisten dieser Dinge Werbesprüche ein…

Nun, ich denke daß ich so halbwegs gute Strategien gegen Werbung entwickelt habe trotzdem falle ich immer wieder darauf rein… Wie ist das dann erst mit Kindern? Wie weit geht unser Extremkapitalismus noch? Neinnein, Kommunist bin ich sicher keiner, wir leben (fast) alle vom Kapitalismus. Aber alles sollte doch in fairen Bahnen laufen, so hoffe ich zumindest funktioniert/en unser(e) Staat(en). Oder bin ich da auch einer Werbung aufgesessen?

Seit ich darauf achte, fallen mir immer mehr Werbebotschaften auf, die an Kinder gerichtet sind. Dreht mal Samstag oder Sonntag früh den Fernseher auf…

Dabei ist ja das noch nicht mal das Schlimmste… Wie wirkt sich Gewalt auf unsere Kinder aus? Mir gruselts, wenn ich Sonntag morgens den Fernseher aufdrehe… Obwohl ich auch schon als Kind Sendungen mit Gewalt gesehen habe, hasse ich Gewalt. Aber schaut Euch mal die Spiele unserer Kinder an…
Und, wenn ich schon am Nachdenken bin… es sind meist Filme und Serien aus den USA die mehr Gewalt beinhalten – Steckt da Kalkül dahinter? Ist das schon wieder Werbung fürs Militär? Oder ist das schon paranoid?

Servus
Euer Herbert

Hallo Herbert,

Werbung die sich an Kinder richtet, kann schon verdammt raffiniert sein. Was da helfen kann?
Als Eltern kann man ebenfalls raffiniert sein und seine Kinder
beeinflussen. Je nach Kind kann es wunder wirken, wenn man zu ihm sagt: ‚Das ist noch nichts für Dich!‘ und damit erreichen will, dass das Kind protestiert und es doch probieren will.
Allerdings gegen Mc Donalds ist kaum ein Kraut gewachsen, weil es immer neue und meist attraktive Spielzeuge gibt. Man kann seinem Kind McDonalds aber trotzdem vermiesen. Gehen Sie doch mal mit ihren Kids 5-mal täglich zum Macdonalds, 6 Wochen lang. Und zwar mit Vorliebe dann, wenn etwas im TV läuft, das sie unbedingt sehen wollen. Damit kann man ihnen schon die Lust auf Mc Donalds nachhaltig vermiesen.
Man muss einfach genauso raffiniert und unerbittlich wie die Werbung sein, um diese zu neutralisieren.

Gruß

unimportant

Servus Unimportant,

naja, das wäre doch ein bißchen wie den Teufel mit dem Bezlebuben austreiben, oder?
Außerdem, genauso raffiniert und unerbittlich wie die
Werbung sein, da graut mir schon ein wenig davor :wink:

Servus
Herbert

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ganz kurz gesagt: Ich(23) bin fuer die Einfuehrung von Schuluniformen. Das wuerde meiner Meinung nach den Markenwahn zumindest was Klamotten angeht in seine Schranken weisen. In den Schulen gaebe es auch weniger Mobbing gegen Kinder, die sich Markenklamotten nicht leisten koennen.
Das Gemeinschaftsgefuehl wuerde gestaerkt.
Aber mit diesem Vorschlag beisst man wahrscheinlich in unserer Gesellschaft auf Granit.
jima

Naja, Jima,
das würde das Problem zwar vielleicht für die Schule lösen - aber die Unterschiede wären nach der Schule und in der Freizeit ja doch wieder die gleichen.
Dass Menschen sich unterscheiden - durch Herkunft, durch Sprache, durch sozialen Standard, dur Einkommen usw. usf. - wird sich auch mit Schuluniformen nicht ändern lassen. Wichtiger wäre es m.E. dafür zu sorgen und darauf hin zu erziehen, dass diese Unterschiede weniger gravierend sind und ihre Auswirkung zu mindern.
Im Übrigen würden Schuluniformen nur zu neuen Unterscheidungen führen. (a la „Bäh, Du gehörst zu den Doofen von der XYZ-Schule“)

Grüße
Eckard.

Werbung macht Spass
Hallo Herbert,

wie alles in unserem Alltag, hat auch die Werbung zwei Seiten, über die ich nachdachte, nachdem ich mein Posting schrieb:
Mir macht Werbung Spass, wenn sie witzig und einfallsreich ist, wenn die Werbebotschaft geschickt und mit einem Augenzwinkern verpackt ist.
Aber nach meinem Gefühl sind nicht viele Fernsehwerbespots gut, und eigentlich keine der Werbungen für Kinder.

Einkaufen, Geld ausgeben, sich was Schönes, Unsinniges kaufen macht Spass. Das darf man auch nicht vergessen. Und Kinder lieben es zu genießen, sind für Farben und gute Laune sehr empfänglich, die sie mittels Werbung erleben. Ich werde den Teufel tun, meinen Kinder jeglichen Spass vor lauter Ernsthaftigkeit und Lebensängste zu vermiesen.
Am letzten Schultag sind wir zu McDonalds gegangen, und haben uns dort mit Wonne die Karte rauf und runter vollgestopf. Und weil wir selten zu McDonalds gehen, ging es uns prima dabei.

Wenn meine Kinder für mich einkaufen gehen, dann nehmen sie sich meistens irgend einen Blödsinn vom Supermarkt mit, genau wie ihre Mama, die auch nicht immer an den Wühlkörben vorbei kommt.
Aber wie bei jeder Familie ist das Geld nicht unerschöpflich vorhanden, erst recht nicht das Taschengeld.
Manchmal binde ich den Meinen es schon auf die Nase, wenn der Plastikmist, den sie sich teuer erkauften, in ziemlich viel Verpackung steckte, und ihm ab der ersten Minute anzusehen ist, dass es höchstens einen Tag interessant ist.
Sie bekommen bei mir mit, dass ich beim Einkaufen meistens gewissenhaft auf Preis, Nutzen und Qualität achte, und manchmal sogar nichts kaufe, weil mich nichts überzeugt.

Damit will ich sagen:
Für mich sind die Kaufgewohnheiten der Eltern entscheidender bei den Kaufgewohnheiten der Kinder, als die Macht der Werbung. Wenn Erwachsene Spass hat am Geld ausgeben, dann wird es bei den Kindern nicht anders sein. Und wenn Eltern ihren Kinder beim Geldausgeben freie Hand lassen, dann hat die Werbung, egal wie häufig sie irgendwo vertreten, ihren Einfluß.

Anfangs dachte ich, ich wäre inzwischen immun. Hmmm, aber
warum trinke ich wenn ich Cola trinke, nur das von dieser
einen Marke? Schmeckt mir das Zeug überhaupt? Warum esse ich
Fettmanns, klebe mit Eule oder Fixo… Warum habe ich so viel
unnützes Zeugs zu Hause, das ich selten bis nie brauche? Mir
fallen für die meisten dieser Dinge Werbesprüche ein…

Marken wollen ausprobiert sein. Mir schmeckt Cola am besten, Uhu klebt genauso gut wie Pritt (ich kaufe Kleber bei Aldi auf Vorrat)… Es gilt durchzuprobieren, seine eigenen Ansprüche festzustellen, und so Markenunabhängigkeit zu entwickeln.

Nun, ich denke daß ich so halbwegs gute Strategien gegen
Werbung entwickelt habe trotzdem falle ich immer wieder darauf
rein…

Das geht jedem von uns so. Ich schreibe das unter Rubrik gezahltes Lehrgeld ab.

Wie ist das dann erst mit Kindern? Wie weit geht unser
Extremkapitalismus noch?

Materiell gesehen geht es unserer Gesellschaft so gut wie noch nie, ein wenig auf Kosten der Ideale. In meinem Umfeld komme ich mit den Menschen nicht zurecht, die mich abwerten, weil ich keine Levis trage, weil ich meinen Kuchen nicht in Tupperdosen verstaut habe, weil unser Auto zu jung für einen Oldtimer und zu alt für ein angemessenes Fahrzeug ist…
Wie ich es mit den Kinder machen soll, die ihre Gruppenzugehörigkeit in der Schule durch Marken-Pullover erkaufen müßten, weiss ich noch nicht. Aber man kann sich ja darüber mit anderen Eltern der Klasse unterhalten.

Dabei ist ja das noch nicht mal das Schlimmste… Wie wirkt
sich Gewalt auf unsere Kinder aus? Mir gruselts, wenn ich
Sonntag morgens den Fernseher aufdrehe… Obwohl ich auch
schon als Kind Sendungen mit Gewalt gesehen habe, hasse ich
Gewalt.

Als Kind habe ich leidenschaftlich gerne Comics, Lassie, Flipper, Bonanza, später xyz-ungelöst gesehen…gespickt voll mit Gewalt. Als es noch kein Fernseh gab, haben die Omas am Kamin ihren Enkeln Schauermärchen und Gruselgeschichten erzählt. Ich messe dem keine Bedeutung bei, solange Kinder in ihre Welt wieder zurückfinden und ein normales soziales Verhalten an den Tag legen. Die Menge der gesehenen Filme am Tag und gespielten Computerspiele sind entscheidend, nicht die Tatsache, dass es solche Freizeitangebote gibt.

viele Grüße
Claudia

1 „Gefällt mir“

Hallo,

Ganz kurz gesagt: Ich(23) bin fuer die Einfuehrung von
Schuluniformen.

zu diesem Thema gab es vor über einem Jahr hier in www schon mal einen überdimensionalen Thread, an dem ich auch mitgewirkt habe:

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Leider musste ich damals wegen Urlaub die Diskussion abbrechen, aber die meisten der einschlägigen Argumente wurden damals schon angesprochen.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo!

Deine Äußerung mit dem „Bähh, Du kommst ja von der Schule“ is sicher nicht verkehrt…aber wäre es nicht auch in gewisser Weise ein Vorteil…
Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, wenn nun der Druck auf Grund der Zugehörigkeit und deren Leistungsfähigkeit der Schule erhöht wird, wäre da nicht ein Umdenken in der Leistungsbereitschaft angebracht. Auch an die Lehrer und Schüler?
2 Unternehmen konkurrieren miteinander um bessere Leistungsstandarts um die besseren Abschlüsse, das höhere Niveau.
Es ist mir völlig klar, daß es da auch einige Schwachstellen gibt und man müßte ganz wo anders schon mit der Neustruckturierung beginnen, aber ansonsten könnte das das Schulsystem revolutionieren.

Mal abgesehen davon, daß mein Einwand OFF-Topic ist, aber ich bin auch für die Schuluniform, oder eigentlich noch besser, daß den Kindern klargemacht wird, das Markennamen Schall und Rauch sind, daß SONY, LEWIS und weiß der Geier wer noch nicht eines Tages bei dem Kind vorbei kommen und dessen Probleme löst und hilft eine gesicherte Zukunft zu haben. Denn wenn die Kinder und Jugendlichen nicht in der Lage sind das Zeug von denen zukaufen, werden sie für die Marken nicht mehr tragbar und es wird sich ein Dreck um sie geschehrt.
Und das sie letztlich Ihre Persönlichkeiten und Ihre Individualität entwickeln müssen, um vor den anderen zu bestehen.

Gruß
Frank

Stimmt…
Servus Claudia,

wie alles in unserem Alltag, hat auch die Werbung zwei Seiten,
über die ich nachdachte, nachdem ich mein Posting schrieb:
Mir macht Werbung Spass, wenn sie witzig und einfallsreich
ist, wenn die Werbebotschaft geschickt und mit einem
Augenzwinkern verpackt ist.

Oh ja… einer meiner Lieblinsspots: Ein junger Mann im Smoking und einer dicken Zigarre in der Hand ist im Begriff einen Ballsaal zu betreten. Er kommt an einem Schild vorbei, auf dem steht: ‚NO SMOKING‘ – Er legt die Zigarre aus der Hand – zieht den Smoking aus – nimmt die Zigarre wieder - und betritt den Ballsaal…

Dann eine Stimme und eine Schrift: ‚English lessons: Heavy English‘ :wink:

Das ist Werbung wie ich sie mag und es gibt noch andere. Ja natürlich, einkaufen macht Spaß und das ist gut so und hält außerdem die Wirtschaft in Gang, schafft neue Arbeitsplätze… Wir sind ja mündige Menschen… Aber sind wir das alle? Oft schlägt die Schuldenfalle zu, und das auch bei klugen gutverdienenden Menschen die sich ruinieren… Ich weiß nun wirklich nicht, wie und ob Werbung an diesen Miseren schuld ist. Es sollte ja Konsumlust und nicht Konsumzwang sein…

Auch wenn’s anders klingt. Ich war mit meinem Sohn oft beim Dreck Donalds. Ich muß zugeben, einiges schmeckt ja ganz gut und essen frei von den meisten Konventionen, einfach so mit den Fingern in den Mund stopfen macht auch Spaß. Spielzeug zu einem sonst halbwegs preiswerten Menü zu bekommen ist auch nicht schlecht. Selbstverständlich haben wir auch Werbung geschaut…
Aber in letzter Zeit kommt es mir vor, aber sie wird immer raffinierter und eindringlicher.
Ich schau mal in der Zeit zurück:
Ich bin schon mit Fernsehen aufgewachsen, damals in den 60ern gab es wenn ich mich recht erinnere im ORF gerade mal 3 mal 5 Minuten Werbung. Vor und nach der Zeit im Bild und nach dem Sport. FS2 war werbefrei. Abgesehen von einem tschechischen Sender – ohne Ton aber dafür mit Schneesturm - konnten wir sonst keinen Fernsehsender empfangen. Der Sonntag war lange Zeit werbefrei und ich kann mich noch an den Aufstand erinnern, als das geändert wurde.
In den 80ern, als mein Sohn aufwuchs gab es im Kabelfernsehen 7 Programme. Bald kamen Pro 6 usw. dazu… Ich kann mich noch erinnern, daß sich damals die Leute aufgeregt haben, wenn ein Spielfilm !ein! Mal von Werbung unterbrochen wurde. Serien wurden überhaupt nicht unterbrochen. Heute? Ich dreh den Fernseher auf und zappe Werbung- nächster Sender - Werbung- nächster Sender - Werbung- nächster Sender. Ist ein ganz lustiges Gesellschaftspiel, wer schafft die meisten Sender hintereinander durchzuzappen und dabei nur Werbung zu sehen :wink: Aber nicht nur die Quantität nimmt zu… Manche Werbespots kommen mir vor, als hätten sie Scientology Leute geschrieben… das ist etwas was mir erst in letzter Zeit auffällt, aber immer mehr zunimmt, leider auch Samstag und Sonntag vormittag, wenn unsere Kinder vor den Fernsehern sitzen…

Die meisten Menschen können damit umgehen, aber so viel kann ich gar nicht pinkeln wie Werbung kommt, und wenn ich mir jedes mal ein Bier holen würde hätte ich schon Alkoholvergiftung uhnd khnnde nichmr dippn§%… Besser ich schreibe das eine oder andere Posting im W-W-W :wink:

Klar, wir Eltern können viel bewirken. Verbote bringen nix. Auch den Mc abspenstig machen ist dumm. Aber Kinder ohne umsichtige Eltern die in unserer heutigen Zeit aufwachsen tun mir leid…
(heißt nicht, daß ich sehr umsichtig war, fragt mal meine Exfrau *g*)

So, muß jetzt schließen…

Servus
Herbert

Hallo Grilla!

Das ist wohl war, das es den besten Eindruck macht, wenn man den Kindern etwas positives Vorlebt!
Aber sind sie daher immun gegen den Druck der später auf sie einstürmt?
Wenn sie der Maßlosigkeit einiger Mitschüler ausgesetzt sind, die numla nur Lewis tragen? Weil sich die Eltern das Leisten können? Klar kannst Du sagen:„Es leigt an den Eltern, die so Maßlos sind“! Stimmt, aber wenn Du es dir leisten kannst, wirst Du es tun! Und sei es bloß das es mal eben nicht so wichtig ist, daß nur die preiswerte Schokolade im Korb landet. So fängt es doch an.
Und Du wirst nicht verhindern können, daß die Kinder mit solchen Menschen in Kontakt kommen.
Wer findet nicht den Sportwagen gut, auch wenn man ihn sich nie leisten kann. Wer trägt nicht gerne schöne KLeidung. KLar gibt es die auch No-Name Firmen. Aber das bisschen mehr, das kleine Extra darf es doch auch mal sein, nicht war.
Und schon fängt es an, daß ein Schüler damit ankommt und sei es, daß er einfach nur Stolz ist ein Markenprodukt zu haben, sofort ist er der King in der KLasse (war schon immer so!!!). Solange bis der Nächste das Gleiche hat und so weiter und so weiter.
Und wer liefert diese Ideen, warum das Bedürfniss nach der Marke? Woher wissen, daß es Marke ist. Wegen der Werbung, weil sie witzig, cool und frech ist. Weil man sich damit identifizieren soll! Welcher SChüler will nicht cool sein, ausgefallen rumlaufen, oder einfach nur beeindrucken. Und sei es nur um einer Person ähnlich zu sein.
Sofort hast Du wieder den Druck auf die Kinder und keiner will in der Ecke stehengelassen werden.

Gruß
Frank

Werbung ist aber kein Spass
Tjaja, wenn doch alles nur so einfach wäre…

Mag sein, daß manch einer die 20-30sec. Spots als Amusement betrachtet, die Konsequenzen auf sein Kaufverhalten nicht wahrhaben will und auch die eigene Lebenszufriedenheit nicht mit der Wirkung des Werbefernsehens in Verbindung bringt.

Nur ein Beispiel: Die privat finanzierte Anzahl an plastischen Operationen hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, ebenso die psychosomatischen Erkrankungen bezüglich von Essstörungen. Diese beiden Phänomene stehen in direktem Zusammenhang mit dem eigenen Aussehen und der Einschätzung desselben. Scheinbar sind die Leute immer unzufriedener. Tatsächlich ist es ja möglich, daß wir uns bei allem Fortschritt wieder unseren natürlichen Instinken annähern und der damit verbundenen eigentlichen Wahrnehmung von Schönheit.

Doch welches Ideal entspricht denn unserer Natur? Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, daß der Begriff „Attraktivität“ mit unserer eigentlichen Wahrnehmung nicht mehr viel gemein hat. Nehmen wir z.B. den Mann. Studien belegen, daß Männer eigentlich auf eher üppiger bestückte Damen stehen, und die Wissenschaft weiß, die Natur verlangt es sogar vom Mann.

In zwei Punkten irren die Menschen nämlich.

Erstens: Schönheit wird in Bezug auf Probleme wie Partnerschaftswahl und sexuelle Attraktivität völlig falsch eingeschätzt (man weiß mittlerweile, daß der Geruchssinn eine wesentlich größere Rolle bei der Partnerwahl spielt als alleine die optischen Reize, da der menschliche Organismus bedingt in der Lage ist, über den Geruchssinn wichtige das Imunsystem betreffende Informationen aufnehmen kann und eine Auswahl trifft dahingehend, daß solche Menschen, die dieses Spektrum besonders gut ergänzen würden, als attraktiv angesehen werden).

Zweitens: Das Schönheitsideal ist von einer gesellschaftlichen Entwicklung verklärt und hat nichts mehr mit unserer ureigenen instinktiven Wahrnehmung von Schönheit zu tun.

Aber wie kommt es dann zu einer solch dramatischen Fehleinschätzung?

Ich würde behaupten, daß gerade die Werbung, die in 20-30sec. Takten nicht etwa „unterhaltsame“ Episoden zum Wohle des Publikums zeigt, sondern welche vielmehr bemüht ist, unterschwellige Botschaften in diese Spots zu packen, um den Menschen „Visionen“ von einem Idealzustand zu geben (alles auf äußerst subtile Art) trägt an dieser Entwicklung einen nicht unmaßgeblichen Anteil.

Die vorangegangenen Beispiele bezogen sich nun konkret auf „Schönheit“, es dürfte aber kaum einen Lebensbereich geben, in dem die Werbung keine Rolle mehr spielen dürfte.

Werbung geht aber noch viel weiter als die mittlerweile aggressiven Taktiken der Kundenwerbung wie z.B. der Besuch des RonaldMacDonald in Schulen.

Gerade in den subtilen unterschwelligen Botschaften liegt doch die Gefahr: es werden Lebenszustände erschaffen fernab von jeglicher Realität und Neurosen geschürt durch das Vorgaukeln falscher Tatsachen.

Noch ein Beispiel: wir sehen und erleben in unserem Alltag vielleicht 4-5 verschiedene Wohnräume im Monat. Im Werbefernsehen erlebe ich „Lebensräume von Menschen“ im 20 Sekunden Takt - über den Abend je nach TV Konsum etwa eine halbe bis Stunde lang. Dabei erlebe ich ständig Wohnräume, die aufgeräumt, adrett und stilvoll sind. Eventuell verändert sich dadurch meine Einschätzung der Sachlage: ein Wohnraum ist also prinzipiell stets sauber zu halten.

Daß dies mit der Realität nichts zu tun hat, bemerkt man spätestens dann, wenn man sich auf die Realität besinnt. Doch wie viele tun das denn schon. Tatsächlich kriegen es doch viele Menschen gar nicht mehr hin, Ihren Haushalt vernünftzig zu führen (da sie Ihrer Idealvorstellung nicht mehr gerecht werden).

Dieses Beispiel lässt sich übrigens beliebig auf andere Bereiche wie Kleidung, Auto oder ähnliches Übertragen.

Wir kriegen vorgelebt, was eine ganze Crew von Spezialisten an mehreren Drehtagen schafft, und reflektieren dieses Bild in unsere Erwartungen.

Die Konsequenz ist, daß die Menschen mit Ihrer eigenen Leistung und Ihren Lebensumständen immer unzufriedener werden.

Aber auch das Verhalten in Bezug auf Zufriedenheit wird fehlgeleitet. Die wahren Werte unserer Instinkte gehen verloren. Wir Verknüpfen neurotischerweise das gezeigte Produkt mit den Idealzuständen - kann man den Zustand nicht erreichen, so kann man sich Ihm wenigstens annähern, wenn man das Produkt kauft. Man kann durch das Produkt zu dem werden, was uns die Werbung suggeriert. Wir wählen die Ersatzbefriedigung.

In dem Posting, welches ich hier beantworte, sthet geschrieben, daß das Kaufen von unnützen Gegenständen, der Besuch bei erwähntem „schöttischem Spezialitätenrestaurat“ und die ach so geliebte Cola (ich schätze einmal, daß sich der Begriff Cola in dem Zusammenhang tatsächlich auf eine spezielle Marke beziehen soll, man aber diese Firma mit Hauptsitz in Atlanta gar nicht mehr namentlich zitieren braucht, da sowieso jeder weiß, um welche Marke es sich handelt. Woran das wohl liegt…?) haben doch nichts mit Realitäten zu tun.

In einem FastfoddRestaurant mit vorverdautem ConvenienceFood ist doch das Erlebnis als solches in keinster Weise als positiv zu bezeichnen? Die Umgebung ist - gelinde gesagt gräßlich - da quetschen sich Menschen auf unbequeme Stühle, die am Boden festgeschraubt sind und welche man schon zu Schulzeiten gehasst hat. Da ist die Geräuschkulisse alles andere als angenehm: Lärm, Reizüberflutung etc. Man muss in den meisten Fällen für sein Essen anstehen, wobei man für das gleiche Geld evtl. schon in einem „richtigem“ Restaurant von vorne bis hinten bedient wird. Und zuletzt das Essen selber, das Ereignis, welches thoretisch im Mittelpunkt stehen sollte…

Tja - was die klassische Konditionierung doch nicht alles zu tun vermag - und daß nicht nur bei Pavlows Hunden…

Ich halet es für äußerst Kurzsichtig, die „Risiken und Nebenwirkungen“ von Werbung zu unterschätzen.

Es geht Deutschland nicht schlecht. Es geht den Deutschen nicht schlecht. Die Lebenserwartung, Gesundheit und Lebensqualität steigt stetig. Unser Standart erhöht sich, wir sind in der Lage, technische Erneuerungsprozesse in unseren Lebensalltag problemlos zu Integrieren (den technischen Standart kontinuierlich dem Zeitgeschehen anzupassen). Aber unsere Einschätzung und Wahrnehmung ist eine völlig andere.

Die Bedeutung von Glück hat sich gewandelt: nicht mehr ein Lebensziel, sondern unser Konsum bestimmt unsere Zufriedenheit.

Bereits Kinder haben nicht mehr den vermehrten Wunsch nach Geborgenheit, sondern vielmehr das Bedürfniss nach „Gameboy“.

Diese Entwicklung schönzureden ist bedenklich - wie gesagt, wenn doch alles so einfach wäre…

An alle, die meinem Erguss bis hierher folgen konnten, Respekt für Ihr Durchhaltevermögen!

Gruß
Patrick

2 „Gefällt mir“