Hallo Laura!
Nein, langweilig würde ich besagte Lebensweise ganz und gar
nicht nennen; mit Kreativität meine ich auch nicht den
Gegenstand der Handlung, als vielmehr die geistige oder
inspirierte Motivation dahinter; das, wovon ich rede, hat
nichts mit Lebensstil zu tun als mit motorischer
Lebenserledigung - mit der Form halber eingefügter
Abwechslung.
Die Beschreibung einer Kombination von Verhaltensweisen als „motorischer Lebenserledigung“ klingt bewertend (abwertend). Zudem kann eine solche Kombination IMHO als „Lebensstil“ klassifiziert werden.
sowohl die ursprüngliche identifikation des phänomens
depression mit dem begriff melancholie als auch dessen spätere
bedeutungsänderung sind mir nicht unbekannt; mich verwirrte
nur die trennung von der genetik, die du im vorhergehenden
posting vorgenommen hast und mir suggerierte, daß hier von
psychischen tendenzen die rede war 
Es wird in der Tat angenommen, daß manche Formen der Depression - wie im von mir angebrachten Zitat impliziert - eine stärkere genetische Komponente aufweisen als andere. In der älteren Klassifikation sprach man ja auch von endogener vs. neurotischer Depression. Insofern sind Fälle von Depression bekannt, bei denen eine „psychische“ Verursachung deutlich wahrscheinlicher ist als eine „biologische“.
Was Du damit meinst, daß „hier“ von „psychischen Tendenzen“ die Rede gewesen ist, ist mir gänzlich schleierhaft. Wenn von psychischen Störungen gesprochen wird, kann es kaum verwundern, wenn von Psychischem die Rede ist.
Tja, war ein Versuch…auch für den Autor der Ausgangsfrage
u.a. Betroffene hätte es ja ganz hilfreich sein können…
Tja, hätte hilfreich sein können. Daß es nicht auf die Art hilfreich war, wie vom Postenden und Dir erwartet, liegt nicht daran, daß ich mich dagegen sträubte, behilflich zu sein, sondern daß Zwangstherapierung mehr Nachteile als Vorteile hat.
ich
weiß nicht, ob es jedem gelingt, unbeteiligt danebenzustehen,
wenn man der einzige Mensch ist, der so etwas wie eine
„Vertrauensperson“ darstellt und zuzusehen, was da passiert in
Kenntnis der Risiken.
Das hat damit nichts zu tun. Natürlich fällt es schwer, sich nicht damit zu belasten. Es ist vielleicht sogar unmöglich, aber die Tatsache der emotionalen Beteiligung ändert nichts an der Tatsache, daß Zwangstherapierung in den meisten Fällen wenig hilfreich ist und der Gesetzgeber davor einen Riegel geschoben hat - mit wenigen Ausnahmen.
Die Urteilsfrage („sooo ein schlechter
Mensch“)hat sich allerdings nach langer Arbeit schon erledigt
und ich war auch erst bereit, von einer Depression auszugehen,
nachdem ich durch eigene Betroffenheit die ärztliche Notbremse
ziehen mußte und mich eingehend mit dem Thema
auseinandergesetzt hatte.
Offen gesprochen - das spricht nicht gerade für Dich.
Allerdings zielte meine Frage auch
ganz und gar nicht darauf ab, wie man den Betreffenden
möglichst raffiniert in eine verkappte Therapie einschleusen
könnte oder wie man ihm zu besseren Transportbedingungen eine
Zwangsjacke überzieht;
So habe ich das nicht ausgedrückt. Du scheinst mir ein seltsames Verständnis von psychotherapeutischem Handeln zu haben. Versetzt mit Klischees über eine Psychiatrie vergangener Zeiten!
wie weiter unten im thread auch nochmal
erwähnt, ist es eine große Schwierigkeit, mit ihm zusammen
erstmal überhaupt in Erwägung zu ziehen, daß es da ein Problem
zu bewältigen geben könnte - Irrtümer eingeschlossen.
Ja, sicherlich. Aber Einsicht, daß die von Dir gemeinte Person psychische Probleme hat, kannst Du nicht erzwingen. Du kannst Dich noch so sehr mit der Person hinsetzen, diskutieren, Beispiele bringen usw. - es bringt nichts, wenn die Person nicht bereit ist, die Möglichkeit, psychischer Probleme in Betracht zu ziehen. Wie Du selbst oben geschrieben hast, hast Du die Möglichkeit einer Depression ja auch erst dann eingeräumt, als Du selbst betroffen warst und „die ärztliche Notbremse“ ziehen mußtest.
Freundliche Grüße,
Oliver