Hallo Gunnar,
obwohl ich auch nur Leihe bin, möchte ich Dir trotzdem antworten.
Ich hoffe, dass Du mich nicht schon zu den Leuten zählst, die nicht auf den Inhalt eingehen, denn Du wünschst Dir ja eine Erfahrenen- Meinung.??
Da ich nicht von Erster Stunde an dabei bin, kann ich nicht beurteilen, wie die Entwicklung im Internet ist. Aber für mich ist im Allgemeinen eines auffällig: Die Menschen sehen die negativen Dinge, die negativen Entwicklungen in unserer Gesellschaft mit einer ganz besonderen Vorliebe.
Ich bin häufig längere Zeit in Spanien und in Griechenland. Im Gegensatz zu den Eindrücken, die ich dort bekomme, scheint der Deutsche es zu lieben, über jeden und alles zu motzen. Die teilweise primitive Ausdrucksweise einiger nicht sonderlich gebildeter Leute wird durch die Medien, wie BLÖD- Zeitung und RTL- Talkshows munter vorangetrieben.
Der Deutsche liebt es meinen Eindrücken nach auch, Positives zu unterschlagen, schwarz zu sehen, oder positive Entwicklungen schlecht zu reden. Ihm fehlt die Objektivität, der Blick für die Realität.
Ein schönes Beispiel ist eine Umfrage unter einer Großstadtbevölkerung zur Kriminalität.
Eine große Anzahl von Leuten fühlt sich auf der Strasse nicht mehr sicher. Sie beklagen sich über zunehmende Kriminalität und fordern hartes Durchgreifen der Polizei.
Die Kriminalität in dieser Stadt ist tatsächlich seit vier Jahren rückläufig. Die selbe Umfrage hat vor drei Jahren, also als die Kriminalität noch höher lag ergeben, dass die Leute sich in einer wesentlich geringeren Prozentzahl nicht sicher fühlten.
Die Umgangsformen in Deutschland sind mit Spanien, Griechenland und vielen anderen Nationen verglichen, einfach schlecht.
So wie wir uns in diesem Land täglich begegnen, dass ist für mich nahezu erschreckend. „Guten Tag, wie geht es? Mir geht es gut“
Ich glaube 90% der Roboterköpfe (ich meine uns Menschen) haben es so gespeichert.
Habe hier 2 Jahre in einem großen Unternehmen gearbeitet, von 10 Leuten, die morgens mein Büro betraten, wohlbemerkt mein Büro, halten es 8 für nicht nötig überhaupt zu grüßen. Intelligente Menschen, keineswegs Primitivlinge. Menschen aus gutem Hause, die doch Umgangsformen kennen sollten. Nein, es sind nicht nur die Prolls.
Hier wird gesiezt, um möglichst sofort einen gewissen Abstand zu halten. Bloß`nicht zu nah an andere herankommen. Die sollen ihr Ding gefälligst alleine machen. Jeder schaut nur bis zu seinem Gartenzaun. Grenzen werden genaustens eingehalten.
Wer nicht bereit ist, an dem Leben Andere teilzuhaben, wird auch wenig positives erfahren. Die eigene, einsame Welt hat ja auch nicht viel zu bieten.
Ich erlebe einen Großteil der Menschen in diesem Land als Kopfmaschinen, die unabhängig vom Rest ihres Körpers, agieren. Menschliche Gefühle werden nicht zugelassen, dazu hat man keine Zeit und wenn sie doch auftauchen, werden sie mit Medikamenten abgeschaltet. Gefühle werden nicht gebraucht, sie machen das Leben nur unnötig schwer.
Der Deutsche lebt nach den Regeln die sein Cheffe inne Fierma aufstellt: Sei pünktlich und fleißig und opfere Dein Leben für die Firma. So erlebe ich es. Er lebt mehr für den Chef, von Angst getrieben seinen Job verlieren zu können, als für den Ehepartner. Da ist ja auch wenig Zeit für Nettigkeiten, für Umgangsformen, für Zwischenmenschliches.
Die Sehnsucht danach, auch einmal gestreichelt zu werden, etwas positives zu erfahren, geliebt zu werden, besteht aber im Unterbewusstsein. Es ist das Grundbedürfnis des Menschen.
Dieses Grundbedürfnis wird in diesem Land imho nicht, oder nur in sehr geringem Maße, erfüllt. Wer es also nicht erfährt und kennenlernt, wird es selber auch nicht weitergeben können. So einfach ist meine Erklärung.
Eltern erziehen ihre Kinder nicht mehr. Sie haben keine Zeit. Sie müssen arbeiten. Der Staat sorgt dafür, dass die Mütter arbeiten gehen können. Wir geben unsere Kinder ab. Zur Betreuung. Keine Zeit für Kinder. Geld verdienen. Wie sollen Kinder ausreichend gestreichelt und geliebt werden, wenn keiner Zeit hat??
Die Deutschen haben eine ungewöhnliche Neigung in ihren Mitmenschen immer zuerst das zu sehen, was unangenehm auffällt. Sie sehen die guten Eigenschaften weder bei sich selbst, noch bei Ihren Mitmenschen. Das macht sie misstrauisch, ängstlich, verschlossen.
Daher befürworte ich die Stimmen, die hier sagen: Lebe es vor, in Vorbildfunktion, so wie man in den Wald reinruft…
Mein Fazit ist simpel: wer das Einfachste Grundbedürfnis nicht erfüllt bekommt, für den ist es kein Kunststück zu motzen, schwarz zu malen, runterzureden.
Wer die einfachsten Regeln menschlichen Zusammenkommens nicht erfährt und nicht erlernt, muss ganz einfach schlechte Umgangsformen haben.
Es ist sehr EINFACH alles, oder jeden schlecht zu machen, es ist eine KUNST andere Menschen zu loben, sie zu streicheln, sie zu respektieren und zu lieben.
Dort, wo viele Menschen zusammenkommen, sei es in einem großen Unternehmen, auf einer Versammlung, oder beispielsweise in irgendeiner Form im Internet, hält man sich mit Vorliebe an das, was man kennt, im täglichen Leben vorgelebt bekommt.
So einfach ist das. (Für mich)
Liebe Grüße!!
Frank