Gelassenheit lernen

Ich bekenne mich hiermit öffentlich dazu, ein kleiner Freizeitcholeriker zu sein. Es sind so die mittelgroßen Dinge und Anlässe (Stau auf dem Weg zum Bahnhof, der Zug droht ohne mich wegzufahren), welche mich auf die Palme bringen. Über derartiges kann man sich nun aufregen, man kann es aber eben so gut auch sein lassen, was die eigene Gesundheit und die Nerven der Mitmenschen schont. Nur ist, wie schon Erich Fromm sehr treffend erkannte, von der Praxis losgelöste Einsicht leider wirkungslos.

Daher frage ich hiermit, ob jemand einen Tipp zum „gelassen werden“ für mich hat?

Vielen Dank und ein schönes Wochenende
Ted

Wozu ? Jeder ist so, wie er ist. Alles ist zu was zu gebrauchen.

HM :smile:

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Hallo,

wichtig ist die (emotionale) Begründung der Wut.

Es gibt berechtigte „Wut“, die herauszulassen ist gesund, unterdrückt man sie, entsteht dagegen ein ungesunder „Aggressionsstau“.

Ist es unberechtigte Wut, so muss man an die Ursache gehen, d.h. evtl. falsches Verhalten, welches kausal sein könnte, ändern.

Ein Beispiel:

Ist man wütend, weil einem der Zug vor der Nase wegfährt, so ist dies sicherlich auch ein Anlass, wütend zu sein. Ist das vorangegangene eigene Verhalten (man hat den Zug zwar schon abfahrtbereit stehen sehen und hätte evtl. durch einen kleinen Spurt diesen noch erwischt - war aber zu faul etc. - oder man hat zu knapp zeitlich kalkuliert etc.) aber Ursache, so richtet sich ein Teil der Wut auch gegen einen selber - dies ist ungesund. Man sollte seine eigenen Fehler korrigieren lernen (z.B. 30min. früher aufstehen in bezug auf das Stau/Zug Beispiel etc.).

Wie man mit „berrechtigter“ Wut umgeht, ist - wie bereits beim Vorredner vermerkt - persönlichkeitsabhängig, Patentrezepte gibt es kaum.

Gegen angestaute Aggressionen hilft aber auf jeden Fall Sport.

Gruß
Patrick

Hallo Ted

Ich bekenne mich hiermit öffentlich dazu, ein kleiner
Freizeitcholeriker zu sein. Es sind so die mittelgroßen Dinge
und Anlässe (Stau auf dem Weg zum Bahnhof, der Zug droht ohne
mich wegzufahren), welche mich auf die Palme bringen.

Ich habe mich in solchen Situationen auch schon aufgeregt, bis zu jenem Tag, an dem ich wieder mal im Stau stand und eigentlich genug Zeit eingerechnet hatte, dieser Stau mir jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Da stand ich nun, erst total aufgeregt, nervös, fluchend im Auto sitzend, bis irgendwann die Gelassenheit von selbst kam. Ich habe mir dann gesagt, wer weiss, wozu das gut ist, dass ich im Stau stehe. Die Antwort darauf erhielt ich dann ein paar Kilometer weiter (nachdem sich der Stau aufgelöst hatte), als ich sah, dass an einer Kreuzung, an der ich auch vorbei musste, ein ziemlich schlimmer Unfall passiert war. Als ich dann so für mich überschlagsmässig ausgerechnet hatte, wann dieser Unfall zeitlich passiert sein musste, lief es mir kalt den Rücken runter, denn ich kam genau auf den Zeitpunkt, an dem ich an dieser Kreuzung vorbeigefahren wäre, wenn ich nicht im Stau gestanden hätte. Wäre also durchaus möglich gewesen, dass ich in diesen Unfall verwickelt worden wäre (und der sah, wie gesagt, nicht nur nach einem Blechschaden aus, denn es standen bereits Rettungswagen, Polizei und die Feuerwehr an der Unfallstelle). Tja, und seither sehe ich in solchen Situationen eigentlich das Positive und rege mich lange nicht mehr so auf, wie damals.

Daher frage ich hiermit, ob jemand einen Tipp zum „gelassen
werden“ für mich hat?

Ich hoffe, das Obige war ein solcher :wink:

Vielen Dank und ein schönes Wochenende
Ted

Danke gleichfalls
Liebe Grüsse
Moni :smile:

Hallo Ted :smile:

Ein Einzelfall bist du jedenfalls nicht, es wird ja mittlerweile grade bei dem Phänomem der „unnützen Wartezeit“ viel geforscht. Von mir aus kenne ich dieses Agressiv-Werden nicht, ich versuche mit Wartezeiten bewußt positiv umzugehen. Mir passiert es höchstens, daß ich in einer Supermarktkassenschlange ständig das Gefühl habe, an der langsamsten Schlange zu landen. Und auch dies ist mittlerweile ein bekanntes Phänomem. Mir hilft es dann am meisten, darüber nachzudenken, was mir Aufregung oder Wut helfen würde. Meistens komm ich zu dem Resultat, daß es mir nix nutzt. Und dann kann ich eigentlich auch nur wie Moni argumentieren: Ich wohn hier direkt an einer Straßenbahnstation, wo die Bahnen alle 3 Minuten fahren. Eines Morgens hat hier eine Frau unbedingt noch eine Bahn erwischen wollen und ist direkt davor gelaufen, das war für uns alle an der Station ein recht schlimmer Anblick. Spätestens danach bin ich lieber überall recht rechtzeitig hingegangen, so daß ich auch dann keinen Streß habe, wenn ich eine Bahn verpasse oder mal ein wenig im Stau warten muß.

Und als Resultat daraus: Versuch halt, Wartezeiten sinnvoll zu fühlen (man hat Zeit nachzudenken, man kann ein wenig verschnaufen, man hat eine legitime Auszeit), dann regt man sich auch nicht gleich so arg doll auf.

Das kann man üben.

Vielleicht war das ja hilfreich.

Gruß
Heidrun

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Hi Moni

rein rechnerisch haut das net hin… esseidenn du bist zu spät los :smile:

HH

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Hallo Ted,

Ich bekenne mich hiermit öffentlich dazu, ein kleiner
Freizeitcholeriker zu sein. Es sind so die mittelgroßen Dinge
und Anlässe (Stau auf dem Weg zum Bahnhof, der Zug droht ohne
mich wegzufahren), welche mich auf die Palme bringen. Über
derartiges kann man sich nun aufregen, man kann es aber eben
so gut auch sein lassen, was die eigene Gesundheit und die
Nerven der Mitmenschen schont.

Es kann genauso gut für die Gesundheit sein, wenn Du Deinen Frust rausschreist und auf die Palme kletterst.

Dein Wunsch aber ist Gelassenheit, daher gehe ich davon aus, dass es Dir nicht gut geht mit Deinen „Anfällen“
Gelassenheit steht für mich in engem Zusammenhang mit dem Zauberwort „Zeit“ Die scheint niemand mehr zu haben, egal wofür.

Die Großen fressen die Kleinen, die Schnellen fressen die Langsamen, immer mehr Tempo, Tempo. Wer nicht mithält, oder nicht noch schneller ist, bleibt auf der Strecke. Egal in welchen Bereichen. Im Bereich der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit ist „die Nasenlänge voraus“ entscheidend. Die Mitarbeiter eines jeden Unternehmens sind angehalten schneller und schneller zu machen.
Die Entwicklung im Bereich der Mikroelektronikindustrie, an der Börse, im Gesundheitswesen, im Freizeitbereich, egal wohin Du schaust. Für mich persönlich ist es beängstigend. Was ich mir heute zulege, ist morgen „out“
Tatsächlich, so hat ein Freizeitforschungsinstitut herrausgefunden, fühlen sich 50% der Deutschen Bevölkerung von der Beschleunigung des Lebens bedroht. Ist das nicht irrwitzig. Wir alle sorgen dafür, dass es immer schneller zugeht und fühlen uns gleichzeitig bedroht??
Die modernen Kommunikationstechniken stacheln uns an, immer schneller zu arbeiten.
Mit unserem immer schneller verdienten Geld, kaufen wir die allerneusten Dinge, um immer up to Date zu sein und sorgen so dafür, dass es noch schneller zugehen wird. Wir bringen uns selbst um. Wir fördern, was uns bedroht. So sehe ich es und darum ist Gelassenheit für mich persönlich wertvoll.

Ich habe absolut keinen Bock um die Wette zu leben und zu konsumieren. Ich kann etwas nur dann „genießen“ wenn ich Zeit dafür investiere. Ich kann nur dann etwas vernünftiges „erarbeiten“, wenn ich Zeit dafür investiere.
Ich bin nicht bereit an diesem irrsinnigen Treiben teilzunehmen.
Gelassenheit hat für mich einen besonderen WERT. Darum ist es einfach für mich „Gelassenheit zu leben“
In einigen Beispielen war hier zu lesen, dass das irrsinnige hin und her rasen zwischen den Zielen, rasch zum Tode führen kann, so ist es auch in dem Märchen mit dem Hasen und dem Igel.

Wer sich nicht die Zeit nimmt, die Dinge näher zu betrachten,
wer sich anstecken lässt und mit dem Strom schwimmt, dem entgehen leider die schönen Seiten des Lebens.

Jeder Mensch kann für sich entscheiden, wieviel Zeit er wofür investiert. Ich investiere viel Zeit in die angenehmen Dinge des Lebens und schaue mit einem Lächeln :smile: auf diejenigen, denen noch nicht einmal bewußt zu sein scheint, wie sie sich körperlich und seelisch zu Grunde richten.
Es geht imho darum, zu erkennen, dass Zeit etwas Kostbares ist.
Wie wäre es, wenn Du im Stau stehst und nutzt die Zeit, um Dir Gedanken zu machen, über einen sehr wertvollen Menschen, Dich selbst?? Oder den wertvollen Menschen, die Dir nahe stehen??
Wieviel Zeit investierst Du, um mit Dir ins „Reine zu kommen“

Viele Menschen beschäftigen sich deshalb lieber mit Arbeit und sorgen dafür, dass es schnell weitergeht, weil es unangenehm sein könnte, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Das ist nämlich etwas ganz Fremdes. Wir sind uns selbst fremd geworden, weil es für uns wichtiger zu sein scheint, den nächsten Zug zu bekommen, um schnell zu arbeiten und schnell Geld zu verdienen.

Eile, Hetze, Schnelle sind oberflächlich, verleiten zu Ungenauigkeit und Fehlern, die fatale Folgen haben können. Gelassenheit bedeutet Zeit für Überlegungen zu haben, gründlicher, genauer zu sein. Es dürfte also nicht schwer sein, sich mit Gelassenheit anzufreunden.

Wer den Wert der Zeit zu schätzen weiß, für den dürfte es nicht schwer sein, Gelassenheit zu üben!

Liebe Grüße

Frank

Hallo, Ted!

Es scheint bei Dir ja hauptsächlich um Zeitprobleme zu gehen, bei denen Du den Eindruck hast, Zeit zu verschwenden. Dazu ein bescheidener praktischer Vorschlag, der Dir vielleicht diesen Eindruck etwas nimmt:

Wie wäre es, wenn Du stets einen Discman mit Deiner Lieblings-CD und ein Buch, das Dich im Moment sehr interessiert, bei Dir hast? Wenn Du den Zug verpasst hast, kannst Du am Bahnhof Platz nehmen oder im Stau anfangen, zu lesen oder etwas Schönes zu hören. Vielleicht hast Du dann das Gefühl, die eigentlich „verlorene“ Zeit in etwas Sinnvolles oder Erfreuliches umgemünzt zu haben. Etwas früher loszufahren wäre natürlich auch eine Idee, aber das kann man ja nicht immer einrichten (Termine) …

Keep cool!
Christopher *auch manchmal cholerisch*

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Zwänge abbauen
Hallo,
so Probleme habe ich, wenn ich mir durch einen zu festgelegten
Tagesablauf „künstlichen Streß“ schaffe. Man ist in dem schema-
tisierten Ablauf immer schon einen Schritt weiter und ärgert
sich über jedes „bremsende“ Ereigniss.

Daher frage ich hiermit, ob jemand einen Tipp zum „gelassen
werden“ für mich hat?

Gruss
Enno

Hi,

ich versuche gerade auch, der Bescheunigung der Lebensweise einen Gegenpol gegenzusetzen.

Beim Stöbern in „empfehlenswerte Seiten“ bin ich auf folgendes gestoßen
http://zeitverein.com und
http://www.zeitbalance.de/my_time/my_time.htm

Die haben sogar einen Newsletter.

Viele Grüße
Cirwalda

Gleichmut
Hallo Ted,

Deine Erwartungshaltung ist die Ursache.

MfG

Herbert

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hallo Ted,

ich hab vor einigen Jahren bei sowas angefangen so eine Art Kosten-Nutzen-Rechnung zu machen. Ich hab mir einfach überlegt, was es mir bringt, mich aufzuregen. Oft (z.B. bei verpassten Zügen) kam da nicht viel zusammen, weil ich einfach an dieser Sache nichts ändern konnte. Ich hab die ganze Szene vor meinem inneren Auge ablaufen lassen: ich reg mich auf, schimpf, verärger viellecht noch andere,… und am Ende bin ich immer noch in der gleichen Situation, hab mich innerlich verausgabt und hab schlechte Laune.
Dann kam die Frage: Warum mach ich das, wenn es doch sowieso nichts bringt? Ich hab doch nichts davon.
Eines Tages hab ich einfach mal beschlossen, das Ganze sein zu lassen. Das überraschende daran war, es hat funktioniert. Ich hab mich nicht aufgeregt, das Resultat, was die Fakten anging war zwar das Glaiche (der Zug war weg), aber ich war nachher besserer Stimmung. Seitdem hab ich oft einfach keine Lust mehr mich aufzuregen, das ist so anstrengend.

Versuch einfach mal ganz bewußt auf’s aufregen zu verzichten. Wenn du’s einmal geschafft hast, dann wird’s immer leichter.

Viel Glück,
Grüßle,
Sandra

hallo Ted,

mir ist grad noch was eingefallen, was mir noch geholfen hat.
Immer wenn grad wieder so eine Situation war, hab ich innerlich kurz inne gehalten und mir gesagt:
Moment mal, du bist ein mündiger Mensch mit eigenem Willen. Wenn du dich nicht aufregen willst, mußt du es auch nicht. Du kannst dich frei entscheiden, es sein zu lassen. Sollen sie dir doch alle den Buckel runter rutschen. Sei einfach weiter guter Laune. Da hast du mehr davon.

Das ist besonders das erste Mal nicht leicht, aber mit der Zeit bekommt man Übung und der Sieg über sich selbst, über diesen Aufreg-Mechanismus, ist echt schön und gibt Selbstvertrauen.

Abgesehen davon zahlt es sich manchmal auch sehr direkt aus: Leute, die einen ärgern wollen, reagieren oft ziemlich hilflos, wenn man sich nicht aufregt und sie so ins Leere laufen (und sich dabei auch noch oft selbst zum Affen machen).

So, da bin ich jetzt etwas abgeschweift.
Nochmal als zusammenfassung: Das Wichtigste bei meiner Methode ist, daß du es schaffst, am Anfang eines Wutausbruchs kurz inne zu halten, innerlich einen Schritt zurück zu gehen und die ganze Sache nüchtern zu betrachten (siehe oben).

Ich wünsch dir viel Erfolg.
Grüßle,
Sandra

Hallo!!

Deine Erkenntnis ist genial…denn schon irgendein weiser Mensch hat mal gesagt „Einsicht ist der erste Weg zur besserung“…;O)…
Aber genug mit Klugscheißerei!!

natürlich ist der Tipp erstmal viel einfacher gesgat , als getan, aber wenn du dir zB in solchen Situationen, wie Stau oder so, einfach tief Luft holst und dir sagst, dass du es in diesem Moment eh nciht ändern kannst, und dann eventuell irgendein LIedchen pfeifst oder so, dann kannst du das alles schon viel gelassener hinnehmen!

Hinnehmen ist glaube ich auch noch ein Schlüsselwort, denn „gelassenheit lernen“ ist mit vielem Verbunden.

Warum durch die Zeit hetzen, wenn du die einzelnen Sekunden eh nicht festhalten kannst??
Warum schon jetzt im nächsten Moment sein, wenn das Jetzt noch gar nicht vorbei ist??
Wenn man pausenlos in der Vergangenheit lebt oder auch in der Zukunft, dann beraubt man sich doch der gegenwart und dem Jetzt!!

deshalb gibt es auch soviele typischen Krankheiten und Begleiterscheinungen, wie Kopfschmerzen, herzrasen, und dergleichen, weil viele Menschen sich einfach zu viel Stress zumuten, den ihr Körper meist gar nicht verarbeiten kann!

Versuche einfach an deiner Einstellung zum Leben etwas zu ändern!
Geht zwar nicht von jetzt auf morgen, aber das macht nichts!!

Viel Erfolg und nur die Ruhe bewaren…
zwinkernde Grüße
Pia

Vielen Dank an alle für die netten Antworten!(owT)

xxx

Wollte mich mit wenig konstruktiver Besserwisserei nur mal einschalten und sagen, dass ich in dem Buch „Lernfall Aggression“ (Autor weiß ich grad nicht) gelesen habe, dass ganz entgegen der landläufigen Meinung Sport überhaupt nicht gegen Aggressionen hilft, da die Art der Energie, da dafür benötigt und dadurch abgebaut wird, eine völlig andere ist.

Gruß
Mio

Gegen angestaute Aggressionen hilft aber auf jeden Fall Sport.

Gruß
Patrick