Generalisierte Angststörung + Behandlung

Liebe Experten,

ich versuche einmal kurz den Rahmen meiner Frage zu erzählen. Falls ich nicht ausführlich genug bin, kann ich weitere Fragen gerne beantworten.

Seit langer Zeit (2,5 Jahre) schlägt sich mein Mann mit undefinierbaren, permanenten (!) Kopfschmerzen rum. Nach vielen Untersuchungen konnten körperliche Ursachen ausgeschlossen werden, dann sprachen die Ärzte von Depressionen, manchmal auch Psychosen. Nach einer Odyssee über verschiedene Psychologen, der vollen Latte an Psychopharmaka und einer kurzen versehentlichen Zwischenstation auf der Geschlossenen hat er den Psychologen „ade“ gesagt und konnte so das letzte Jahr relativ ruhig und ohne Psychopharmaka, aber immer noch mit den Kopfschmerzen leben. Da sein Schlaf ziemlich schlecht ist nimmt er seit einem halben Jahr abends Johanniskraut und Baldrian.

Seine neue Psychologin und vor allem ein schwerer Autounfall seines Vaters hat der ganzen Geschichte eine starke Wendung gegeben und es dreht sich alles um eine generalisierte Angststörung. Seitdem wir von dieser „Diagnose“ wissen, klärt sich auch so manche Nebelwolke, in der wir bisher getappt sind. Angststörung passt einfach zu gut. Manchmal fragen wir uns, warum wir nicht schon vorher darauf gekommen sind. Er macht sich eigentlich permanent Sorgen und hat vor so vielem Angst: Wenn ich unterwegs bin, oder seine Mutter; wenn unsere Katzen sich komisch verhalten; er hat Angst, etwas irgendwo umzutauschen oder auch wo anzurufen; seinem Studium nachzugehen kostet unendlich viel Kraft. Aber alles ist nicht so stark, dass es gar nicht gehen würde. Am Samstag ist er zum Beispiel ohne dass ich was gesagt habe alleine in die Stadt gegangen, um was umzutauschen.
Aber manchmal geht es ihm dann wieder so schlecht und ist traurig, dass er so eingeschränkt ist.

Nun endlich meine Frage: Wie behandelt man eine generalisierte Angststörung? Kann man medikamentös was tun? Und vor allem, wie kann ich ihm helfen?`

Fragende Grüße,
Ti4n4

Hallo!

Nun endlich meine Frage: Wie behandelt man eine generalisierte
Angststörung? Kann man medikamentös was tun? Und vor allem,
wie kann ich ihm helfen?`

Diese Fragen sind sehr schwierig zu beantworten. Generalisierte Angststörung ist eine Störung, von der nicht klar ist, ob sich hinter diesem Namen nicht anderes verbirgt, z.B. eine etwas andere Form einer depressiven Störung. Außerdem gibt es noch keine wirklich guten Erklärungsansätze für diese Störung und auch noch keine guten Therapien.

Die Behandlung erfolgt heute sowohl psychotherapeutisch als auch medikamentös. An psychotherapeutischen Methoden wird natürlich alles ausprobiert, was der Markt hergibt. Am erfolgversprechendsten scheinen allerdings kognitive Therapien wie die Rational-Emotive Therapie von Ellis und die Kognitive Therapie nach Beck zu sein. Bei diesen Therapieformen geht es darum, die dysfunktionalen Annahmen der Patienten zu identifizieren und sie zu ändern. Die Änderung soll durch Hilfe beim Erkennen sogenannter automatischer Gedanken (die ständigen Sorgen), durch Beobachtung und durch Überprüfung „fehlerhafter“ Denkweisen zustande kommen. Je klarer der Patient erkennt, daß seine automatischen Gedanken und zugrundeliegenden Annahmen unzutreffend sind, desto weniger soll er dazu neigen, Gefahr zu sehen, wo keine ist, so daß die Angst nicht oder abgeschwächt auftritt. Therapiestudien zeigten, daß es mit Hilfe von kognitiven Therapien gelingen kann, die Angst von Patienten mit Generalisierter Angststörung auf ein erträgliches Maß zu reduzieren und daß dieser Ansatz unter den verschiedenen Therapieansätzen der wirksamste zu sein scheint.

Die medikamentöse Behandlung setzt heute v.a. auf Antidepressiva, v.a. auf Venlafaxin (Markenname: Trevilor) und selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRIs). Aufgrund des hohen Suchtpotentials sollte Benzodiazepine (z.B. Valium) nur vorübergehend eingesetzt werden.

Was Du tun kannst? Ich denke, daß Du - wenn Du die Kraft hast - Deinen Mann darin bestärken kannst, eine Therapie zu versuchen, die sich seiner speziellen Problematik annimmt. Du kannst auch versuchen, jeden kleinen Schritt der Besserung der Situation positiv zu sehen und ihm damit Mut zu machen, weiter zu gehen.

Freundliche Grüße,

Oliver Walter

Selbstbehandlung
Lieber Oliver,

wenn ich erkannt habe, dass ich so was habe, kann ich dann selbst was machen oder muss ich zum Therapeuten??

Gruß

Norbert

Hallo Norbert!

wenn ich erkannt habe, dass ich so was habe, kann ich dann
selbst was machen oder muss ich zum Therapeuten??

Um sicher zu sein, ob Deine „Erkenntnis“ richtig ist, solltest Du auf jeden Fall zum Arzt (Psychiater) gehen. Beim Therapeuten kannst Du dann lernen, was Du selbst machen kannst, um mit Deinem Problem besser umgehen zu können. Bei diagnostizierten psychischen Störungen halte ich generell eine Konsultation eines Therapeuten für angemessen.

Freundliche Grüße,

Oliver Walter

Dankeschön!!!

Fragen zu Kognitive Therapie/Biodynamische Massage
Hallo Oliver,

danke für Deine ausführliche Antwort.

Ich überlege mir, einen Termin mit seiner Psychologin zu vereinbaren und sie mal nach Ihrer Meinung zu fragen. Sie behandelt ihn glaube ich verhaltensterapeutisch. Kannst Du uns vielleicht noch ein paar Informationen zu den kognitiven Therapieformen geben?

Und hast Du schon mal von biodynamischer Therapie bzw. Massage gehört? Oder hat sogar jemand damit Erfahrungen gemacht? Ich habe davon in letzter Zeit immer mal wieder gehört.

Danke schon mal.

Gruß Ti4n4

Hallo!

danke für Deine ausführliche Antwort.

Gern geschehen.

Ich überlege mir, einen Termin mit seiner Psychologin zu
vereinbaren und sie mal nach Ihrer Meinung zu fragen. Sie
behandelt ihn glaube ich verhaltensterapeutisch. Kannst Du uns
vielleicht noch ein paar Informationen zu den kognitiven
Therapieformen geben?

Die kognitiven Therapieformen werden heutzutage mit den klassischen Verhaltenstherapiemethoden kombiniert und bilden die Gruppe der sogenannten kognitiven Verhaltenstherapien. Diese Therapien werden sehr erfolgreich bei der Behandlung von Angststörungen und Depressionen eingesetzt. Wahrscheinlich verwendet seine Therapeutin bereits kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden. Sie sind halt „state of the art“.

Und hast Du schon mal von biodynamischer Therapie bzw. Massage
gehört?

Nein, diese Therapieform kenne ich nicht. Wenn es sich dabei um ein Entspannungsverfahren handelt, dann kann man es vielleicht gewinnbringend zusätzlich zu einer anderen Therapieform einsetzen.

Freundliche Grüße,

Oliver Walter

Und hast Du schon mal von biodynamischer Therapie bzw. Massage
gehört?

Nein, diese Therapieform kenne ich nicht. Wenn es sich dabei
um ein Entspannungsverfahren handelt, dann kann man es
vielleicht gewinnbringend zusätzlich zu einer anderen
Therapieform einsetzen.

Ich glaube in die Richtung dürfte das gehen und an genau das - d.h. zusätzlich zur bisherigen Behandlung - dacht ich auch :smile:

Danke nochmal,
Ti4n4