Leer

Hallo liebe wer-weiß-was-ler,

seit ich weiß, dass mein lieber Freund nicht mehr lebt und ich auch noch weiß wie er gestorben ist finde ich nachts keine Ruhe mehr. Ich male mir aus wie er wohl gelitten hat. Ich fühle mich so leer und müde…Gruß Heike

Ort der Leere
Heike!

und ich auch noch weiß wie er gestorben ist finde ich nachts keine Ruhe mehr. Ich male mir aus wie er wohl gelitten hat.

Du sagtest vor ein paar Tagen:

„ich kann mich daran erinnern, dass wenn wir uns das aussuchen könnten, er im Wald sterben wollte, in der freien Natur, einfach hinlegen und sterben“

So könntest du dich doch auch glücklich schätzen, zu wissen, daß er genau so gestorben ist, wie er es wollte… Welche Weise des Sterbens sollte denn schöner sein, als die, die man sich wünscht?

(Nebenbei: Es gibt Berichte, daß Unterkühlung einen sehr euphorischen Zustand erzeugt, bevor man das Bewußtsein verliert).

Ich finde es so gut, durch das Beispiel deines Freundes zu wissen, daß ein Mensch selbst in der überaus elenden körperlichen Verfassung, in der der dein Freund war, bevor er „ausbrach“ - oder vielmehr aufbrach - um sich auf diesen letzten Weg zu machen, dennoch derartig viel geistige Kraft und Autonomie besitzt, eine solche Leistung zu vollbringen, wie es diese Wanderung von der Hospiz zum Ort seines Wunsches ist - Triumph des Geistes über den Körper.

Alle Hochachtung vor deinem Freund!

Reich dir eine Hand

Metapher

[Wolfgang Weihrauch: „Einmaleins“ 1956]:

Eins.
Zieh die Schuhe aus,
zieh das älteste Hemd
und die älteste Hose an.

Zwei.
Schenk alles weg,
was du hast,
oder laß es einfach liegen.

Drei.
Geh am frühsten Morgen
von zuhaus fort,
in den Wald,
der am weitesten
von dir entfernt ist.

Vier.
Aber groß muß er sein,
dunkel und dicht,
keiner darf darin wohnen.

Fünf.
Geh dorthin,
wo du glaubst,
daß die Mitte ist.

Sechs.
In der Mitte bleib stehn,
setz dich,
leg dich,
deck dich mit Blättern zu.

Sieben.
Wart,
bis die Tiere kommen,
dann atme ein,
atme aus,
atme ein,
hör auf zu atmen.

Acht.
Dann werden die Tiere singen,
und du wirst auch singen,
obwohl du nicht atmest.

Neun.
Schließlich hörst du nichts mehr,
und du wirst Farn sein,
Pilz oder Beere.

Zehn.
Schweigendstes Schweigen.

Hallo

und meine unsensiblen Worte: „es geht vorbei“, es dauert nur.
Dein lieber Freund hat gezeigt, daß er trotz seiner Krankheit
eine gewisse Stärke besaß und viell. tröstet Dich der Gedanke,
daß sein letzter vielleicht Dir galt.

LG
d.
(ich bin heut n i c h t zur Beerdigung meines Freundes gegangen, weil seine Eltern meinetwegen darüber nicht froh gewesen wären, und irgendwo werd ich auch dies verstehen,
aber ich bin die ganze Zeit dabei…und das tröstet mich ein
wenig, wenn im Moment auch die Traurigkeit überwiegt).

Deshalb nochmal Heike, es wird vorbeigehen, langsam aber ganz
bestimmt.
Nimm Dir Zeit für Deine Trauer.

@ Metapher,

Hallo Metapher,

ja, ich habe mich erinnert ich weiß wie er doch sterben wollte, trotzdem gehen mir Gedanken durch den Kopf, ich hatte angst, dass er leiden musste. Die Angst verschwindet jetzt langsam, ich danke Dir für Dein liebes Posting, ich danke Dir für das Gedicht, ich möchte das gerne auf der Beerdigung vortragen. An meinen lieben Freund zu denken tut weh, aber ich weiß, dass es er es jetzt besser hat - Alles liebe Heike

@ Dilarah

Liebste Dilarah,

ich danke Dir für den Beistand den Du mir bisher geleistet hast und die lieben Worte für mich. Ich wünsche mir, dass es Dir eines Tages gut geht und Du glücklich bist. - Alles Liebe Heike

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

@ Dilarah

Liebe Heike,

ich danke Dir für den Beistand den Du mir bisher geleistet
hast und die lieben Worte für mich. Ich wünsche mir, dass es
Dir eines Tages gut geht und Du glücklich bist. - Alles Liebe
Heike

Das eigentlich Schlimme ist doch, dass es mir, die immer davon geredet hat, die kleinen Dinge des Lebens zu sehen, eigentl. gut geht…aber manchmal überrennen einen solche Sachen und man ver-
gisst es einfach.
Ich werde mich aber wieder bemühen und zukünftig nicht alles so negativ zu sehen.
Wir sollten einfach denken, es m u s s alles einen Sinn haben und wir werden es vielleicht nie oder vielleicht doch verstehen.

Achtung! jetzt kommt ein blöder Satz:
Ich danke nämlich auch Dir, wir haben uns irgendwie beidseitig
geholfen.

LG
d.

Heike!

und ich auch noch weiß wie er gestorben ist finde ich nachts keine Ruhe mehr. Ich male mir aus wie er wohl gelitten hat.

Du sagtest vor ein paar Tagen:

„ich kann mich daran erinnern, dass wenn wir uns das aussuchen könnten, er im Wald sterben wollte, in der freien Natur, einfach hinlegen und sterben“

So könntest du dich doch auch glücklich schätzen, zu wissen,
daß er genau so gestorben ist, wie er es wollte…
Welche Weise des Sterbens sollte denn schöner sein, als die,
die man sich wünscht?

(Nebenbei: Es gibt Berichte, daß Unterkühlung einen sehr
euphorischen Zustand erzeugt, bevor man das Bewußtsein
verliert).

Ich finde es so gut, durch das Beispiel deines Freundes zu
wissen, daß ein Mensch selbst in der überaus elenden
körperlichen Verfassung, in der der dein Freund war, bevor er
„ausbrach“ - oder vielmehr aufbrach - um sich auf
diesen letzten Weg zu machen, dennoch derartig viel geistige
Kraft und Autonomie besitzt, eine solche Leistung zu
vollbringen, wie es diese Wanderung von der Hospiz zum Ort
seines Wunsches ist - Triumph des Geistes über den Körper.

Alle Hochachtung vor deinem Freund!

Reich dir eine Hand

Metapher

[Wolfgang Weihrauch: „Einmaleins“ 1956]:

Eins.
Zieh die Schuhe aus,
zieh das älteste Hemd
und die älteste Hose an.

Zwei.
Schenk alles weg,
was du hast,
oder laß es einfach liegen.

Drei.
Geh am frühsten Morgen
von zuhaus fort,
in den Wald,
der am weitesten
von dir entfernt ist.

Vier.
Aber groß muß er sein,
dunkel und dicht,
keiner darf darin wohnen.

Fünf.
Geh dorthin,
wo du glaubst,
daß die Mitte ist.

Sechs.
In der Mitte bleib stehn,
setz dich,
leg dich,
deck dich mit Blättern zu.

Sieben.
Wart,
bis die Tiere kommen,
dann atme ein,
atme aus,
atme ein,
hör auf zu atmen.

Acht.
Dann werden die Tiere singen,
und du wirst auch singen,
obwohl du nicht atmest.

Neun.
Schließlich hörst du nichts mehr,
und du wirst Farn sein,
Pilz oder Beere.

Zehn.
Schweigendstes Schweigen.

Liebe Dilarah,

in Gedanken nehme ich Dich in den Arm und drücke Dich - alles Liebe Heike

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]