Ist Höhenangst 'erlernbar' ?

Hallo Experten,

vor Jahren konnte ich auf Dächern arbeiten, wenngleich nicht mit der Sorglosigkeit einer Katze, aber es ging.

Heute ist Schluss. Das einzige was ich noch fertigbringe, ist, die Nase aus dem Dachfenster zu halten.

Für die Höhenangst liegt kein triftiger Grund vor, also ich bin nicht etwa einmal verunfallt o.ä. Also erscheint sie mir „erlernt“ - ist so etwas eventuell reversibel ?

Vielen Dank - HM

Hallo HerrMeyer.
Auch wenn ich kein Experte bin… mir geht es immer mal ähnlich.
Konnte früher hoch klettern, am liebsten in die höchsten Bäume. Heute kann ich kaum auf einer raumhohe Leiter stehen, ohne weiche Knie zu bekommen. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man das wieder wegtrainieren kann, wenigstens ein bisschen. Ich kann im Gebirge klettern, kann 100 m weit hinuntersehen, ohne dass es mir was ausmacht. In diesem Sommer bin ich zum erstenmal versicherte Klettersteige gegangen, mit wachsender Begeisterung. Aber mir wird ganz komisch, wenn ich in Cuxhaven an der Englandfähre auf dem Besucherbalkon in der zweiten Etage stehe.
Ich weiß, dass ist keine Erklärung, aber man kann diese ‚Höhenangst‘ mit ein bisschen Training in Schach halten, damits sie nicht überhand nimmt und lästig wird.
Grüße
R.

P.S. Ich glaube, das liegt am Alter. Alte Leute sollen eben nicht mehr so hoch hinaus *fg*

Hi
ich mag es auch gar nicht mehr…

vor 2 Jahren hab ich nem Bekannten geholfen ne stahlhalle aufzubauen, erst wab ich mich auf der 550 cm hohen Rollrüstung äusserst unwohl gefühlt… nach dem ich das gute stück selber von unten nach oben aufgebaut hatte, hatte ich null problem mehr damit da rauf und runter zu turnen… auf das Dach der Halle dagegen (50 cm höher als die Rüstung) haben mich keine 10 Pferde gebracht. Allerdings gabs da auch noch kein dach sondern nur alle 2 meter Stahlträger… 1 Bier hat auch sehr geholfen :smile:

HH

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Danke Euch allen !
Sollte vielleicht am eigenen Hausdach fleißig üben :smile:

HM :smile:

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*nachschieb*
Tach der Herr,

ja, Höhenangst kann man auch wieder ‚entlernen‘. Ängste sind - ich weiß nicht, wie ich es am besten ausdrücken soll… Beispiel: ein Baby schmeißst Du ins Wasser, es taucht unter und dann wieder auf, ohne groß zu plärren. Ich bin mal als Teppichratte über’s Balkongeländer balanciert, meine Mom hat beinahe einen Herzinfarkt bekommen, weil wir im 4. OG (Altbau) wohnten. Gelesen habe ich mal, daß man Kindern Ängste regelrecht ‚einimpfen‘ kann, wenn man ihnen ständig Sprüche à la ‚Um Himmels willen‘ anbietet oder ‚Beweg dich bloooooooß nicht‘ flüstert, wenn das kleine Monster auf dem Balkon-Geländer balanciert.

Wenn es allzu arg wird, ist die Chrstoph-Dornier-Stiftung eine prima Adresse.

Beste Grüße

Tessa

Hallo Herr Meyer!

Also erscheint sie mir
„erlernt“ - ist so etwas eventuell reversibel ?

Schon bei Goethe findet sich ein Beispiel von Höhenangst. Der Dichterfürst schrieb auch, wie er seiner Angst Herr wurde - indem er häufiger auf den Turm einer großen Kirche stieg.

Egal, ob es sich bei Goethes Bericht um „Dichtung“ oder „Wahrheit“ handelt, so belegt doch - im Einklang mit Goethe - eine Vielzahl von Studien die Erlernbarkeit von Ängsten, auch von Höhenangst. Weitere Studien zeigen - wiederum im Einklang mit Goethe - , daß Ängste, darunter Höhenangst, auch wieder verlernbar sind. Auf diesen Erkenntnissen wurden bis in die heutige Zeit erfolgreiche Therapieansätze entwickelt. Diese Ansätze bilden die klassischen Formen der Verhaltenstherapie, so z.B. die Systematische Desensibilisierung oder das Flooding. Was da gemacht wird, ist im Grunde dasjenige, was bereits Goethe tat (und was Freud ebenfalls als notwendig empfahl, damit eine Behandlung von Phobien erfolgreich sein kann): die Konfrontation des Phobikers mit dem Objekt, das die Angst auslöst.

Freundliche Grüße,

Oliver Walter

Schon bei Goethe findet sich ein Beispiel von Höhenangst. Der
Dichterfürst schrieb auch, wie er seiner Angst Herr wurde -
indem er häufiger auf den Turm einer großen Kirche stieg.

Hi Oliver - das nun wiederum macht mir gar nichts aus. Ich habe keine Probleme, solange ich eine Brüstung oder ein Geländer vor mir habe. Wenn ich im Urlaub bin, wird grundsätzlich auf jeden begehbaren Kirchturm gestiegen. Auch Arbeiten auf Leitern sind kein Problem. Nur eben, wenn ich frei auf einem ( Spitz- ) Dach arbeiten soll. Flachdächer wiederum sind ebenfalls unproblematisch.

Egal, ob es sich bei Goethes Bericht um „Dichtung“ oder
„Wahrheit“ handelt, so belegt doch - im Einklang mit Goethe -
eine Vielzahl von Studien die Erlernbarkeit von Ängsten, auch
von Höhenangst. Weitere Studien zeigen - wiederum im Einklang
mit Goethe - , daß Ängste, darunter Höhenangst, auch wieder
verlernbar sind. Auf diesen Erkenntnissen wurden bis in die
heutige Zeit erfolgreiche Therapieansätze entwickelt. Diese
Ansätze bilden die klassischen Formen der Verhaltenstherapie,
so z.B. die Systematische Desensibilisierung oder das
Flooding. Was da gemacht wird, ist im Grunde dasjenige, was
bereits Goethe tat (und was Freud ebenfalls als notwendig
empfahl, damit eine Behandlung von Phobien erfolgreich sein
kann): die Konfrontation des Phobikers mit dem Objekt, das die
Angst auslöst.

Also doch üben auf dem eig´nen Dach ?

Gruß
HM

Freundliche Grüße,

Oliver Walter

Hallo Herr Meyer!

das nun wiederum macht mir gar nichts aus. Ich
habe keine Probleme, solange ich eine Brüstung oder ein
Geländer vor mir habe. Wenn ich im Urlaub bin, wird
grundsätzlich auf jeden begehbaren Kirchturm gestiegen. Auch
Arbeiten auf Leitern sind kein Problem. Nur eben, wenn ich
frei auf einem ( Spitz- ) Dach arbeiten soll. Flachdächer
wiederum sind ebenfalls unproblematisch.

Da bist Du Herrn Goethe im Vorteil.

Aber abgesehen davon, kann man an dem Goetheschen Beispiel und daran, daß es auf Dich nicht zutrifft, sehen, daß jedes Angst-Problem individuell ist und einer individuellen Diagnostik bedarf, um zu einer Lösung zu kommen.

Also doch üben auf dem eig´nen Dach ?

Ja, die bisherige Erfahrung geht dahin, daß man - wenn man die Angst eindämmen will - sich den Situationen aussetzen muß, die einem Angst machen. Man muß die Angst aushalten, also nicht kurz 5 Minuten in der Situation sein und dann flüchten (was nämlich dazu führt, daß die Angst beim nächsten Mal wiederkommt), sondern über eine lange Zeit (ca. 1 Stunde) sich der Angst stellen. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, dann hat die Angst wenig Chancen.

In Deiner Situation wäre ich vorsichtig, weil ja eine objektive Gefahr besteht. Deshalb ist es schon aus diesem Grund nicht gut, wenn man die Angst vollständig zum Verschwinden bringen will. Wir sind uns einig, daß Du nicht vom Dach fallen sollst.

Freundliche Grüße,

Oliver Walter

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Herr Meyer!
flieg mal nach kopenhagen, fahr oder lauf nach christianshaun, im Hafengebiet, da steht eine uralte aus holz OHNE metall gebaute Kirche, so mit holznägeln zusammengebaut, da kannst du auf den Kirchturm steigen (genaue Höhe weiss ich nicht, glabe so ium 70 m)… das ding arbeitet die ganze zeit… die krönung ist: die spitze hat ne umlaufende art hühnerleiter ohne geländer über die du auf die spitze der spitze gelangst (ich hab mich mit dem Rücken an die wand gepresst und die Augen zu gemacht bis meine damalige perle wieder von da oben runterkam…) - ist echt ne klasse erfahrung, und christiania ist gleich um die ecke.
HH

Hallo Du,

vor Jahren konnte ich auf Dächern arbeiten, wenngleich nicht
mit der Sorglosigkeit einer Katze, aber es ging.

Ein ausreichend hoher Blutzucker und genug Flüssigkeitsvolumen sind wichtig: Nach einem reichlichen Frühstück kannst du dich noch besser entspannen.

:smile:
Biggi