Hallo Michaela,
Deine Antwort auf mein letztes Posting unter der selben Überschrift " Sinn des Lebens" hatte bei mir den Eindruck hinterlassen, dass Du ein wenig böse mit mir bist. Es ist nicht meine Absicht Dich zu verärgern. Nochmal, mein Eindruck war, dass Du nach den Erwartungen Anderer lebst und ich habe heute auch wieder den Eindruck, dass Du etwas erwartest, so als wenn doch noch irgend etwas in Deinem Leben passieren müsste. Das kann es ja sonst nicht gewesen sein??
Du schreibst, dass es dir wirklich!! gut!! geht.
Du hast starke Bauchschmerzen, Dein Vater ist krank, Kontakt zur Freundin weg, das Leben ist hart, Du bist schwach und das Wetter ist sche…
Wie, um alles in der Welt, kann es Dir dabei gut gehen??
Wie, um alles in der Welt, kann es Dir wirklich mit Ausrufzeichen gut gehen??
Wie schaffst Du es: „echt, wirklich glücklich“ zu sein, unter solchen Bedingungen??
Ich würde mich sehr saumäßig bescheiden fühlen.
Das mit der Erwartungshaltung hat sich heute für mich nochmal bestätigt. Ich habe den Eindruck weiterhin, dass Du nicht den realistischen Blick für Dein Leben hast und wieder suchst Du Orientierung bei Anderen. Nach dem Motto: Sagt mir doch wie es mit Eurem Sinn im Leben ist.
Es wird Dich frustrieren, wenn Dir andere sagen wie glücklich sie sind und es wird Dich auch frustrieren, wenn Dir andere sagen, wie traurig sie sind. Also, was soll das? Du bist Du. Was für andere gut ist, muss doch nicht für Dich gelten. Jeder Mensch ist (Gott sei dank!!) anders.
Du wirst Dir nichts „abgucken“ können. Glück, Zufriedenheit kannst Du nur bei DIR SELBST finden, dazu musst Du auch bei DIR SELBST SUCHEN!
Viele Menschen die ich kenne, behaupten von sich, dass sie ein „gutes Leben“ führen. Zu einem „guten Leben“ gehört in dieser Gesellschaftsform: Glücklich verheiratet, schnuckelige Kinder, eine schöne Wohnung, Auto, Urlaub.
Das ist das, was die Gesellschaft für gut befindet.
Viele von uns haben es so für sich verinnerlicht, dass sie ihren eigenen Unmut, Groll, Ärger, Wut, Unzufriedenheit und was sonst noch, nicht mehr realistisch „wahrnehmen“
Mir darf es doch nicht schlecht gehen, woch ich doch glücklich verheiratet bin, Kinder, Auto, Urlaub…
Mir darf es doch nicht schlecht gehen, Andere sind doch noch schlechter dran. Und wieder richtet sich unser Blick auf die Anderen, vielleicht auf Menschen, die eine schwere Krankheit haben, denen es sichtlich schlecht geht und wir schämen uns beinahe, dass wir uns erlauben auch schlecht drauf zu sein.
Welch eine verlogene, betrügerische, selbstbetrügerische Ansicht!
Ich sage Dir etwas von mir: Wenn es mir schlecht geht, dann interessiert mich nicht im Geringsten, ob es anderen noch schlechter geht.
Wenn es mir gut geht, dann weiß ich, dass ich für mein Glück und meine Zufriedenheit selbst gesorgt habe. Darum kann ich es auch so genießen!
Liebe Michaela, komm mir bitte nicht mit den „wir müssen Kompromisse machen“ und „wir sind nicht alleine auf der Welt“- Sprüchen und all diesen (ich sag es mal ganz hart!) AUSREDEN!
Eine Partnerschaft funktioniert ME nur dann, wenn ich NICHT für meinen Partner lebe, d.h. wenn ich NICHT nach seinen Erwartungen lebe. Ich habe Bedürfnisse und Wünsche, die kann ich äußern und mein Partner kann sie mir erfüllen, aber doch nur, wenn er es auch wirklich möchte. WÜNSCHEN nicht FORDERN.
Es ist einfach ehrlicher und natürlicher, wenn ich mit meinem Leben bei mir bin. Mein Gesicht bekommt eine Maske, wenn ich die Erwartungen Anderer befriedige, obwohl ich eigentlich gar keinen Bock habe. Wie oft essen wir das Gericht was unsere Liebste gekocht hat, obwohl es uns nicht schmeckt? Wenn wir ehrlich wären, würden wir es riskieren, den Partner zu verletzen, er könnte ja beleidigt sein, wo er sich doch so viel Mühe mit dem Kochen gegeben hat!
Und wieder sage ich: Verlogen und betrügerisch.
Der Kunde in der Firma, in der wir arbeiten, ist unsymphatisch, unhöflich, ein widerlicher Kerl, aber ich muß ihn anlächeln, ich muß ihn bedienen. Ich habe wieder meine Maske und wieder entferne ich mich ein Stück von mir selbst.
Verlogen, Betrug, Selbstbetrug
Auf diese Art und Weise entfernen wir uns täglich in den verschiedensten Situationen zu Hause, am Arbeitsplatz, bei Freunden, immer mehr von uns selbst.
Wo bin ich angelangt wenn ich 70 Jahre alt bin??
Es ist dann natürlich klar, dass wir Schwierigkeiten haben, unser Befinden zu analysieren, unsere Gefühle festzustellen. Geht es mir gut, oder doch eher schlecht??
Kein Wunder, wenn ich nicht bei mir bin.
Mein ganz persönliches Glück, liebe Michaela, habe ich nur bei mir gefunden, daher wünsche ich Dir, dass Du auch bei Dir suchst.
Mit den Fragen: Wer bin ICH, was tue ICH, wie verhalte ICH mich. Nicht: Was machen die Anderen?
Ob Du mir den Wunsch erfüllst, liegt ganz bei Dir.
Vielleicht verwundert es Dich, wenn ich Dir sage, dass ich NICHTS, gar NICHTS erwarte?
Liebe Grüße
Frank