Voraussetzung erfolgreicher Therapie

sei das Verständnis für das Leiden.
Las ich neulich in wissenschaftlicher Lektüre.
„Verständnis“ natürlich nicht im Sinne von Akzeptanz, sondern im Sinne von Kenntnis der Ursachen.

Und wie ist das, wenn das Leiden des „Patienten“ gerade oder hauptsächlich darin besteht, kein Leid empfinden zu können?

Muß man ihn/sie dann erstmal zum Leiden(sempfinden) bringen?

Und was ist dann aber mit dem Eid des Hippokrates, „Leid vom Patienten in jedem Falle unbedingt abwenden zu wollen“?

Ich bitte um (wohlbedachte) kompetente Antwort!

Moin, Manni

Hallo Manni,

Und was ist dann aber mit dem Eid des Hippokrates, „Leid vom
Patienten in jedem Falle unbedingt abwenden zu wollen“?

Bei einer Psychotherapie aber auch bei vielen anderen Therapien muss der Patient zunächst (noch mal) Leid erdulden, bis zu Heilung einsetzt. Das kann in einer Psychotherapie die Erinnerung ein schmerzhafte Ereignisse sein, bei einer anderen Therapie eine vielleicht sehr unangenehme OP, nach der es dem Patienten aber besser geht. Oder denk an den Zahnarzt!

Ich denke, der Eid des Hippokrates soll sagen „kein Leid, das noch mehr Leid erzeugt“, sondern Leid kann unvermeidlich sein, um Menschen zu kurieren. Ein Schultergelenk einrenken tut ziemlich weh - aber dann ist es eingerenkt.

Gruss
Anna

Und wie ist das, wenn das Leiden des „Patienten“ gerade oder
hauptsächlich darin besteht, kein Leid empfinden zu können?

Wie ist das denn mit dem Hippokratischen Eid bei einer Leukämie-Behandlung, wenn die Patienten zur Tötung ihrer omnipotenten Stammzellen im Knochenmark in den Isolator kommen und so dermaßen mit Chemikalien vergiftet werden, daß sie die Behandlung manchmal nicht überleben?

Viel, was Therapie leisten kann, kann sie nur leisten, wenn es auch das Risiko des Scheiterns und damit der Unheils gibt! Die Medizin, die Heilung ohne (temporäre) Nachteile verspricht, ist nicht von dieser Welt.

Gruß,

Oliver Walter