Narzistische Störung

Von: , Frage gestellt am Mi, 11. Dez 2002

Liebes Expertenforum
Kann mir bitte jemand mit möglichst einfachen Worten erklären,
worum es sich bei einer narzistischen Störung der Persönlichkeit
handelt, was sind die 'Symptome' und wie manifestiert sie sich??
Die Erklärungen der grossen Psychologie-Gurus sind für einen
Laien schwer verständlich. Vielen Dank im voraus!!

29 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 38 Minuten 0 hilfreich
    Re: Narzistische Störung

    Hallo Corinne, Kann mir bitte jemand mit möglichst einfachen Worten erklären,
    worum es sich bei einer narzistischen Störung der
    Persönlichkeit
    handelt, was sind die 'Symptome' und wie manifestiert sie
    sich??
    Ganz einfach beschrieben: Krankhafte Selbstliebe!

    (nach Narziß, dem Jüngling aus der griechischen Sage, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte).

    Viele Grüße
    Jana

    • Antwort von nach 4 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: Narzistische Störung

      Hi Corinne,

      leider kann ich es Dir nur laienhaft versuchsweise erklären.

      "Narzißmus" geht auf die griechische Sage von Ovid zurück: Narziss ist ein wunderschöner Knabe. Ihm wurde weisgesagt, dass er ein langes Leben haben werde, wenn er sich nicht selbst erkennt. Alle, Frauen wie Männer, lieben ihn. Doch er verschmäht sie alle. Auch Echo, die ihre eigenständige Stimme verloren hat, verliebt sich in ihn. Nach kurzem Gespräch weist Narziss jedoch auch sie ab. Echo wird von ihrem Liebeskummer aber so sehr gequält, dass sie stirbt. Schließlich fleht einer der Verschmähten Nemesis an, Narziss möge das gleiche erleiden, was er anderen angetan hat, nämlich unerfüllte Liebe."

      Stichworte die auf Narzissten zutreffen können: selbstverliebt, egoistisch, egozentrisch, abhängig von der Bewunderung und Anerkennung anderer Menschen bei gleichzeitiger Abwertung derselben, Selbstwertproblematik, beziehungsgestört, „Schauspieler“, Idealisierung des Partners, sehen sich mehr wie sie gerne wären als dass sie tatsächlich sind, verliebt in ein Bild von sich, doch mögen / lieben sich selbst nicht wirklich........

      Deine Frage finde ich nicht einfach zu beantworten, da es verschiedene Grade von Narzissmus gibt und nicht jeder Narzissmus ist pathologisch. Schließlich sind wir alle etwas narzisstisch und ein gesunder Narzissmus (Eigenliebe, positive Einstellung zu sich selbst, sich so zu anzunehmen wie man ist...) ist etwas Elementares um ein glückliches und zufriedenes Leben führen zu können.

      Interessant finde ich folgenden Link: http://irrer.online-in.de/narz/narz1.html, der Parallelen und Unterschiede zu einer Borderline-Störung aufzeigt bzw. auch zum ICD-10 und zum
      http://www.selbsthass.com/narziss.htm

      Ciao,
      Romana

  2. Antwort von nach 4 Stunden 5 hilfreich
    Narzißtisch gestörte Persönlichkeit


    Hi Corinne

    Wenn du mit den großen Gurus (bzgl. narzißtischer Persönlichkeitsstörung) Kernberg, Kohut oder auch z.B. Alice Miller usw. meinst: Das ist natürlich schwer, selbst wenn du dich durch diese Werke durchwühlen würdest, sich ein Bild zu machen, worum es geht.

    Wie alle sogenannten Persönlichkeitsstörungen zeigt sich auch die narzißtische hauptsächlich im zwischenmenschlichen Verhalten. Sie sind alle weniger ein Problem für die Betroffenen als vielmehr für deren Umgebung. Eine Person mit diesen Eigenschaften wird selten aus einem eigenen (inneren) Leidensdruck therapeutische Hilfe suchen, vielmehr höchstens dann, wenn die Heftigkeit und Häufigkeit der Konflikte mit den Mitmenschen unerträglich geworden ist.

    Bei der Beschreibung (die hier natürlich nur in kurzen Andeutungen bestehen kann), muß man berücksichtigen, daß die Ausprägung der Merkmale sehr unterschiedlich stark sein kann ... Ich beschreibe hier mal extreme Erscheinungen:

    Narzißtisch gestörte Persönlichkeiten leben in einem Großartigkeitswahn. Sie nehmen sich selbst enorm wichtig, was sich meist in einem großspurigen, arroganten Verhalten anderen gegenüber zeigt. Sie stellen ihre Leistungen, ihr Wissen und Können, ihre Bedeutsamkeit nicht nur besonders heraus (sie bemerken aber nicht, daß sie sich dadurch auch der Lächerlichkeit preisgeben), sondern werten auch andere gleichzeitg herab, z.B. "klar, daß du das nicht wissen kannst, das können ja auch nur Leute wie ich".

    Alles, was sie tun oder erleben, ist von einer unvergleichlichen Großartigkeit: Wenn sie lieben, ist ihre Liebe ideal und grandios. Ihrem Wissen gegenüber ist das von anderen minderwertig. Sie prahlen mit der Bekanntschaft von berühmten Persönlichkeiten, um ihren eigenen Wert dadurch zu untermauern. Sich mit unbedeutenden Menschen zusammenzutun ist ein Gnadenakt ihrerseits. Natürlich sind ihre Lehrer, ihre Ärzte, ihre Therapeuten, aber auch alles andere Hab und Gut, unvergleichlich bedeutend.

    Das Feedback und die Bewunderung durch andere empfinden sie nie als angemessen genug, was natürlich an dem allzugeringen Einschätzungsvermögen der anderen liegt. Ihre Antworten begeben sich immer auf dein - natürlich niedrigeres - Niveau, nicht ohne deutliche Signale, daß du dir dumm, zumindest inkompetent, vorkommen solltest.

    Ein unerschöpfliches Bedürfnis danach, daß das Bild, das andere von ihnen haben, ihnen angemessen ist. Sie leiden heftig, wenn es an Bewunderung, an Komplimenten, an positiver Beachtung und Aufmerksamkeit fehlt. Andere Menschen verdienen die Achtung solcher Persönlichkeiten nur dadurch, daß sie der Steigerung des Selbstwertes dienlich sind. Andere werden verachtet und abgewertet.

    Immer wieder wird behauptet, daß es diesen Persönlichkeiten an Empathie (grob gesagt: Einfühlungsvermögen) fehle, daß es ihnen an Fähigkeit fehle, die Gefühle, Wünsche anderer zu erfassen. Ich bestreite das: Sie haben - ähnlich wie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung - im Gegenteil oft eine überragende Empathiefähigkeit, allerdings weigern sie sich, diese zu zeigen oder gar darauf einzugehen. Eigene Probleme (falls überhaupt vorhanden) stehen im Vordergrund des Gesprächs, natürlich mit dem Tenor: Entweder versteht sie niemand oder niemand kann ihnen helfen (Hilfe haben sie auch nicht nötig), die Probleme von anderen dagegen lohnen der Erwähnung nicht, sie sind vielmehr Zeichen der Schwäche und daher Anlaß der Geringschätzung oder sogar der Verachtung.

    Selbst die geringste kritische Bemerkung anderer ihnen gegenüber ist Anlaß quälender Gefühle der Wertlosigkeit und Erniedrigung. Entsprechend heftig fällt die Reaktion aus, die nie lange auf sich warten läßt: Sie reagieren arrogant aggressiv und verachtend. Aus Furcht vor Herabwürdigung oder zumindest unangemessener Würdigung vermeiden sie häufig überhaupt menschlichen Kontakt, weil sie dann ungefährdet ihre Großartigkeit hegen können. Die Folge ist dann im späteren Leben eine Unfähigkeit, Unbeholfenheit, Ungelenkheit und Naivität im zwischenmenschlichen Umgang.

    Das wären ein paar Stichworte zu den deutlichsten und heftigsten Erscheinungsformen der narzißtisch gestörten Persönlichkeit. Sie ist sich selbst oft dieser Eigenschaften nicht bewußt und hat dementsprechend auch keine Einschätzung darüber, was sie ihrer Umwelt zumutet und wie schwierig der Umgang mit ihr ist.

    Gruß

    Metapher

    • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
      Die Bezeichnung ...


      ... leitet sich natürlich von der griechischen Sage des Narzissos her. Wichtig ist aber vielleicht noch zu wissen, daß man in der Psychologie unter "Narzißmus" eine wichtige und notwendige(!) Phase der frühkindlichen Persönlichkeitsentwicklung versteht.

      Wenn es in dieser narzißtischen Phase eine Entwicklungs-Störung gibt (meist ein Konflikt mit dem elterlichen Verhalten und Reagieren), dann kann das eben zu diesen beschriebenen späteren Erscheinungen führen, die man deshalb narzißtische Störung nennt.

    • Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
      Re: Narzißtisch gestörte Persönlichkeit

      Wieder mal super erklärt in einer Nußschale, Metapher.
      Danke und *
      Vielleicht kann man noch hinzufügen, dass so einen kleinen narzißtischen Komplex fast jeder von uns mit sich herumträgt, wer möchte nicht gern bewundert werden :)
      Diejenigen, bei denen dieses Merkmal etwas ausgeprägter ist, begeben sich dann gern in die Politik, den Journalismus oder werden Schauspieler.
      Grüße
      Eckard.

      • Antwort von nach einem Tag 5 hilfreich
        Bewunderung, Exhibitionismus and all that

        Hi Eckard Vielleicht kann man noch hinzufügen, dass so einen kleinen
        narzißtischen Komplex fast jeder von uns mit sich herumträgt,
        wer möchte nicht gern bewundert werden :)
        Das ist richtig, ja. Zumindest genießt es wohl jeder, hinundwieder mal auch Objekt einer Bewunderung zu sein. Das ist die (sicher auch lebensnotwendige) sich-selbst-genießende "narzißtische" Komponente in jedem gesunden Selbstgefühl (ich nehme hier absichtlich keine psychologischen Fachwörter).

        Da es zum ungestörten Selbstgefühl gehört, wird es sicher auch als Mangel empfunden, wenn soetwas allzulange fehlt.

        Umgekehrt würde es aber unter die "narzißtische Gestörtheit" zu zählen sein, wenn jemand an sich hinreichend oder sogar im Übermaß Bewunderung bekommt, sich aber innerlich in Qualen windet, wenn sie einmal ausbleibt, oder auch nur ein geringstes Wörtchen negativer Kritik gegen ihn gerichtet wird.

        Das ist von der Struktur her ganz ähnlich wie bei Süchten: Alkoholiker z.B. ist nicht unbedingt jemand der viel Alk konsumiert - kritisch ist vielmehr, was in ihm abgeht, wenn er mal einen Tag, eine Woche lang keinen Alk bekommt ... Diejenigen, bei denen dieses Merkmal etwas ausgeprägter ist,
        begeben sich dann gern in die Politik, den Journalismus oder
        werden Schauspieler.
        Natürlich würde niemand ohne die (narzißtische) Lust am Exhibitionismus (der eigentlich die Begierde danach ist, heftiges persönlichbezogenes feedback zu bekommen) den Antrieb haben, sich in die anonyme Öffentlichkeit zu begeben - sei es im Kontext von Macht, Ruhm, Schönheit, Kunst ... oder als Amokläufer.

        "gestört" im Sinne des Themas wäre aber sicher ein Politiker, der bei einer verlorenen Wahl zusammenbricht und alles aufgibt, oder ein Autor bei einem negativen Leserbrief, oder ein Schauspieler bei einer gefloppten Aufführung, oderein Wissenschaftler bei einer Widerlegung seiner Resultate ...

        Gruß

        Metapher ... der dir fürs feedback dankt :-)

    • Antwort von nach 6 Stunden 3 hilfreich
      Re: Sehr gut, Metapher! (+ kleine Ergänzung)

      Hallo Metapher!

      Auch ich finde Deine Beschreibung der Narzißtischen Persönlichkeitsstörung ganz hervorragend. Sie ist ähnlich gut wie Dein sehr gutes Posting zur Borderline-Störung.

      Als kleine Ergänzung möchte ich noch anmerken, daß die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Narzißtischer Persönlichkeitsstörung sehr gering sein kann und die mangelnde Risikobereitschaft in Leistungssituationen (Angst vor Mißerfolg) widerspiegelt. Daher können solche Menschen sich auch überdauernd schämen und Demütigung empfinden, was mit sozialem Rückzug einhergehen kann. Depressive Stimmung, Dysthymie und Depression sind Störungen, die häufiger mit Narzißtischer Persönlichkeitsstörung einhergehen.

      Wie bei allen Persönlichkeitsstörungen liegen auch bei der Narzißtischen Persönlichkeitsstörung die Ursachen weitgehend im Dunkeln. Die tiefenpsychologischen Erklärungsansätze, wie Du sie angedeutet hast, sind mehr Spekulation als gesicherte Erkenntnis.

      Grüße,

      Oliver Walter

    • Antwort von nach 23 Stunden 0 hilfreich
      Ich assoziiere damit: Dieter Bohlen! :-))) (owT)

      Darf ich noch ein paar Grüße sagen? Also ich grüße meine Mama, meinen Papa, meine Oma, und die Klasse 6a aus dem Aldi-Gymnasium.



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