Sich fallenlassen

Liebe Experten,

was ist das? Ich kann mich nicht fallenlassen, physisch. Sobald mein Körper in leisen Ansätzen beginnt sich zu entspannen, werde ich (mein Bewußtsein?) hellwach, so hellwach wie in akuter Gefahr. Ich empfinde das Gefühl der Entspannung so bedrohlich, als würde ich dadurch in einen dunklen Sog gerissen, in einen lichtlosen Abgrund. Es ist schwer, dieses Gefühl zu beschreiben, es ist ziemlich stark und sehr unangenehm. Warum empfinde ich das so? Und gibt es andere Menschen, die dieses Gefühl kennen? Es wäre schon hilfreich zu wissen, daß ich damit nicht allein bin.

Madelone

unerkannte Tiefen
Hi Madelone

du hast es ja schon einmal vor exakt einem halben Jahr beschrieben, wenn auch mit etwas anderen Worten.

Was hast du in der Zwischenzeit unternommen?

Ich kann dir auch auf das hier Beschriebene nichts anderes sagen als damals:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Warum empfinde ich das so?

Um das Warum aufzuhellen, Gründe also zu finden, mußt du Wege gehen, die dir das ermöglichen (über die haben wir damals gesprochen). Kein Mensch kann dir die Gründe von sich aus nennen.

Und gibt es andere Menschen, die dieses Gefühl kennen? Es wäre schon hilfreich zu wissen, daß ich damit nicht allein bin.

Die Form solcher Gefühle, ja, die haben auch manche anderen Menschen. Die Inhalte aber, die Hintergründe, werden gewiß in deiner persönlichen Lebensgeschichte liegen.

Grüße

Metapher

Hallo Madelone,

ja, das Gefühl kenne ich. Heute weiß ich, warum es bei mir so war.
Ich möchte mich aber Metapher anschließen, jede Lebensgeschichte ist anders und andere Menschen haben sicherlich auch andere Ursachen.
Vielleicht erkennst Du aber Parallelen zu meiner Geschichte:

Bei mir war eine Ursache Angst. Angst vor dem Verlust der Kontrolle. Wenn ich z.B. einschlafen wollte, musste ich zunächst sicher sein, dass meine Lebensgefährtin auch schon schläft. Erst dann konnte ich mich beruhigt „aufgeben“ Ich habe den Schlaf immer so als einen „kleinen Tod“ gesehen. Du gibst Deinen Körper auf, Du hast keine Kontrolle mehr über ihn und Du bist in dieser Situation „angreifbar“ Die ständige Kontrolle haben zu müssen, auf alles reagieren zu können, immer bereit zu sein, war für mich sehr Kräftezehrend, anstrengend. Zunehmend verspannt sich die Muskulatur. Auf die Gründe warum ich Kontrolle haben wollte (musste) möchte ich nicht näher eingehen, wie gesagt das kann bei jedem andere Ursachen haben.
Ich habe es dann mit Entspannung versucht, da stand ich aber wieder vor dem Problem mich zumindest teilweise „aufgeben zu müssen“ Alle Techniken, bei denen ich liegen und die Augen schließen sollte, waren für mich nicht geeignet, weil ich wieder die Angst bekam „angreifbar zu sein“ Nach einer Therapie, bei der meine Angst behandelt wurde, habe ich später mit Thai-Chi angefangen. Fließende ineinander übergehende Bewegungen, damit kam ich klar.
Mir fällt dazu noch ein, dass viele Menschen das Gefühl wohl auch kennen, wenn man so kurz vor dem Einschlafen noch mal zusammenzuckt. Der Zustand zwischen wach und Schlaf. Der Zustand zwischen Kontrolle und Aufgabe. Ich empfinde DIESES GEFÜHL, als eine natürliche Reaktion des Körpers.

Hilfreich für mich war ganz sicher, dass ich mich einem Therapeuten anvertraut habe, (Angst war für mich in vielen anderen Lebenssituationen zu einem großen Problem geworden) die Gründe für meine Kontrolle erkannt habe und mir anfangs die notwendige Entspannung durch Übungen holen konnte, die für mich geeignet waren. Für mich eigentlich der wichtigste Punkt, denn wenn wir nicht mehr in der Lage sind zu entspannen, sind eine ganze Reihe von Folgeerkrankungen nicht auszuschließen.
Ich habe die ganze Palette an Entspannungstechniken ausprobiert, bei mir ging es nur über experimentieren, um herauszufinden, was für mich geeignet war.

Liebe Grüße

Frank

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Hallo Frank,

vielen Dank für Deine Antwort, es hat mir sehr gutgetan, sie zu lesen.
Angst vor Kontrollverlust trifft es sehr gut. Den Schlaf hat mir dieses Gefühl bisher noch nicht geraubt, ich schlafe leicht ein. Neuerdings plagen mich Alpträume, die mich hochschrecken lassen, leider. Fällt es Dir jetzt leichter, in Schlaf zu fallen? Ich hoffe es, auch, daß es Dir gutgeht.
Eine Therapie habe ich bisher noch nicht versucht, in der Antwort an Metapher erkläre ich das genauer. Entspannungstechniken helfen mir nicht, weil ich eben nicht entspannen kann, so wie Du es beschrieben hast.
Mal sehen, wie es weitergeht. Deine Antwort hat mir auf jeden Fall gezeigt, daß ich nicht ganz allein damit bin, das ist schon sehr hilfreich, wenn man sonst nur verwunderte bis verständnislose Blicke erntet. Danke.

Madelone

Hallo Metapher,

inzwischen ist nicht viel passiert, professionelle Hilfe, wie Du mir geraten hast, habe ich nicht in Anspruch genommen. Mir fehlt das Geld und ich bin in keinem akuten Notzustand, ich bin mit meinem Leben zufrieden. Dann habe ich die Befürchtung, an Therapeuten zu geraten, die als Ursache für meine Verkrampfung ein Modethema aus der Schublade zaubern, ohne andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.

Die Form solcher Gefühle, ja, die haben auch manche anderen
Menschen. Die Inhalte aber, die Hintergründe, werden gewiß in
deiner persönlichen Lebensgeschichte liegen.

Dieser Satz ist der hilfreichste in Deiner Antwort, mir ist wichtig zu wissen, ob ich mich allein mit dieser unheimlichem Frage herumquäle. Danke dafür.

Madelone

Hallo Madelone,

die Therapie hat natürlich einiges bewegt, oder besser ICH habe dadurch einiges bewegen können, aber deshalb bin ich nicht zu einem anderen Menschen geworden. Ein unsicherer, manchmal ängstlicher Mensch, der auch heute noch schlecht einschlafen kann, bin ich geblieben, aber ich kann sehr gut damit leben. Es ist erträglich geworden, komme sehr gut damit klar.
Ich kann heute einiges viel intensiver genießen, als ich bei anderen Menschen den Eindruck habe, weil ich weiß wie es ist, wenn du dich nicht mehr aus dem Haus traust, mit niemandem mehr sprichst…

Mal sehen, wie es weitergeht. Deine Antwort hat mir auf jeden
Fall gezeigt, daß ich nicht ganz allein damit bin, das ist
schon sehr hilfreich, wenn man sonst nur verwunderte bis
verständnislose Blicke erntet.

Das kenne ich sehr gut, so ging es mir mit meiner Angst. Ich habe mich dann immer mehr zurückgezogen, weil ich ständig das Gefühl hatte, dass mich niemand versteht. Verständnislose Blicke waren noch das Harmloseste. Es gab auch so Sprüche wie: „Du bist doch ein Mann, das wird schon wieder, stell Dich nicht so an, Du wirst doch wohl noch, blabla.“

Eines wollte ich gerne noch los werden. Es hat mir zwar gut getan irgendwann zu erfahren, dass es noch ne ganze Menge Menschen mit eben solchen Problemen gibt, die habe ich dann während meiner Therapie kennengelernt, aber dass es anderen auch so geht ÄNDERT NICHTS an meinem Zustand.
Es birgt leider die Gefahr, dass ich den eigenen, unerträglichen Zustand in die Nähe von etwas rücke, dass ja doch ertragen werden kann: Es geht anderen ja auch so, andere müssen ja auch damit klar kommen…letztendlich hindere ich mich selbst, endlich etwas für mich zu tun…

Liebe Grüße

Frank

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