Angstzustände

Hallo liebe Mitwirkenden,

ich habe eine Frage. Und zwar geht es um einen Freund von mir der fast ständig Angstzustände hat.

Folgendes: Markus glaubt oft, dass er seine eigene Zunge verschlucken müsste, oder er hat arge Schluckbeschwerden (Wie wenn Fremdkörper in ihm wären). Wenn er auf offener Strasse geht, denkt er, er hebt ab. Also die Erdanziehungskraft verweigert. und und und …

Am Anfang glaubte er, die Augen würden ihm herausfallen. Danach war es das Herz, danach konnte er nicht mehr richtig schlucken und nun ist es das Verschlucken der eigenen Zunge.

Was kann das für einen Hintergrund haben? Er wurde geschlagen als Kind, ok. Er hat Angst vor dem Fliegen. Die Zustände sind schon seit 8 Jahren vorhanden, einmal ärger, einmal weniger arg.

Seit 1-2 Jahren kann er diese Probleme und Zustände mit Alkohol runterschlucken. Er meint, durch den Alkohol würde er wesentlich ruhiger und er kann sich auf diverse Sachen wieder konzentrieren.

Was macht man da??? Er selbst weiss keinen sonderlichen Grund für den Ausbruch dieser psychischen Krankheit.

Kann uns jemand helfen oder Ratschläge geben. Vielleicht gibt es auch jemanden dem es ähnlich geht.

Danke recht herzlich für etwaige Antworten, Michi

hallo michi,

sicher ist hier dringend eine gesprächstherapie bei einem guten psychologen anzuraten.
alleine wird markus kaum die chance haben, da heraus zu kommen. sicherlich wird es ihm von zeit zu zeit selbst gelingen können, doch auf dauer gesehen, sollte markus professionelle hilfe in anspruch nehmen, um dem problem auf den grund zu gehen und wirksam etwas dagegen unternehmen zu können.

grüße
claudia

FAQ 238 ist hilfreich
Hallo Michael,

hast Du diese FAQ:238 schon gesehen?

Viele Grüße
Gitte

Hallo Michael!

Die von Dir geschilderten Symptome können tatsächlich im Rahmen von Panikattacken auftreten. Sie sind zwar nicht die typischen für eine Panikattacke, aber oft berichten die Betroffenen eben nicht von den typischen, wenn man sie nicht gezielt danach fragt. Panikähnliche Zustände kommen bei vielen Störungen vor, so daß ohne genauere Untersuchung (somatomedizinisch / psychiatrisch) nicht gesagt werden kann, welches Problem die Ursache für die Zustände ist.

Die von Dir geschilderten Symptome wirken recht merkwürdig auf mich. Bei einer genauen Untersuchung würde ich darauf achten, ob Dein Freund irgend etwas verlautbaren läßt, was in Verbindung mit Wahn oder Halluzinationen steht. Das ist nur eine Hypothese, die ich abklären würde, aber die darauf hinweist, daß ich eine psychiatrische Untersuchung für notwendig halte. Ich empfehle dringend, diese Untersuchung durchführen zu lassen.

Zu Deiner Frage nach dem Grund der Symptome: Diese kann nur eine medizinische Untersuchung beantworten, wenn sie überhaupt zu beantworten ist. Einen Grund hat der Ausbruch solcher Symptome gewiß, aber ob man ihn findet, ist fraglich. Jedenfalls muß es kein offensichtlicher Grund sein wie z.B. körperlicher Mißbrauch in der Kindheit etc.

Hinsichtlich der Gesprächstherapie, die meine verehrte Vorrednerin erwähnte: Ich empfehle erst eine genaue Untersuchung, um zu klären, um welches Problem es sich bei Deinem Freund handelt, und dann die Auswahl einer angemessenen Therapie. Andernfalls ist nicht sichergestellt, ob Dein Freund angemessen behandelt wird.

Hinsichtlich des Alkoholkonsum: Dieser scheint mir ein typischer Fall von Selbsttherapieversuch zu sein und birgt die Gefahr der Suchtentwicklung. Bei psychiatrischen Erkrankungen kommt es häufig vor, daß die ursprüngliche Erkrankung eine Alkoholabhängigkeit oder sonstige Drogenabhängigkeit nach sich zieht, weil die Betroffenen versuchen, durch die Einnahme von Alkohol und / oder Drogen mit ihren Problemen klar zu kommen. Wie Dein Freund machen sie damit kurz- und mittelfristig positive Erfahrungen, langfristig jedoch verkompliziert es ihre Situation, weil zu der psychiatrischen Grunderkrankung noch eine sekundäre Abhängigkeit dazu kommt.

Freundliche Grüße und ein schönes Weihnachten!

Oliver Walter
Diplom-Psychologe

Hi Michi,

den Ausführungen von Oliver,als EXPERTE möchte ich beipflichten.
Als BETROFFENER noch etwas von mir:

Die von Dir geschilderten Symptome (Zunge verschlucken, Schluckbeschwerden) kenne ich von Mitpatienten aus einer Angsttherapie die ich 1996 gemacht habe. Bei mir war es etwas anders.
Wenn sich meine Angst zur Panik steigerte, hatte ich oft das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, so als wenn sich der Hals zuschnürt, als wenn es immer enger wird, dadurch habe ich auch immer schneller geatmet, ich hatte das Gefühl, dass mir das Herz aus der Brust springt. Ich hatte Angst zu ersticken, oder einen Infarkt zu bekommen. Menschen, die es nicht selbst erlebt haben, können sich das manchmal schlecht vorstellen.
Die Folgen: starkes Herzrasen, hoher Blutdruck, manchmal bis zur Ohnmacht.
Oft ist diese Panik urplötzlich gekommen, aus heiterem Himmel. Es ist dann natürlich nicht gerade günstig, wenn Du im tiefsten Wald spazieren gehst. Meine Angst konnte ich nicht festmachen, wusste nicht warum.
Später hat mir auch ein Tagebuch geholfen. Ich wollte wissen in welchen Situationen die Angst kommt und in welchen Situationen ich mich sicher fühle.

Die von Dir geschilderten Symptome passen zu den Schilderungen von Patienten, die Panikattacken haben. Aber Vorsicht: Es muss nicht so sein
Während meiner Therapie, auf die ich nun nicht näher eingehen möchte, habe ich eine ganze Reihe von Leuten kennengelernt, bei denen ähnliche Symptome auftraten wie bei mir, die aber eine völlig andere Ursache hatten. Es gibt viele verschiedene Formen von Angst und bei jedem Menschen kann es verschiedene Ursachen geben. Oliver hat es ja bereits gesagt, letztendlich sollte eine genaue Untersuchung Aufschluss geben, vor allen Dingen auch darüber, welche Behandlungsmöglichkeit geeignet ist.

Was meinen Part betrifft, möchte ich noch hinzufügen, dass
ich die Doppeldiagnose Sucht/Angst hatte. Ich habe Alkohol und Drogen konsumiert, um die Angst zu bekämpfen. Besonders gut geeignet erschien mir Alkohol, der eine angsthemmende, entspannende Wirkung hatte. Ich kann aber nur ausdrücklich davor warnen, im Laufe der Jahre haben Alkohol und Drogen die ursprüngliche Angst VERSTÄRKT!!
In Phasen in denen ich zeitweise versuchte, ohne Alkohol und Drogen auszukommen, wurde die Angst für mich unerträglich.

Für mich noch wichtig zu erwähnen, ist die Tatsache, dass es trotz unterschiedlicher Ursachen, gute Behandlungsmöglichkeiten gibt. In einer relativ kurzen Zeit habe ich nicht nur bei mir, sondern bei vielen meiner Mitpatienten (die unterschiedliche Formen von Angst hatten) eine posive Veränderung wahrgenommen. Das sollte Deinem Freund ein wenig Mut machen.
Ich schreibe deshalb nicht mehr über „meine Angst“ weil ich eventuelle Vergleiche und Vermutungen gerne vermeiden möchte. Nicht nur Angstpatienten „empfinden“ unterschiedlich. Empfinden ist nicht „messbar“ Was für den einen furchtbar ist, kann für den anderen weniger schlimm sein.
Vermutungen bringen nur Verwirrung und verleiten zu Irrwegen, deshalb wichtig: Untersuchung beim Spezialisten!

Eine schöne Weihnachtszeit

Frank

Hallo Oiliver,

Wie Dein Freund machen sie damit kurz- und mittelfristig
positive Erfahrungen, langfristig jedoch verkompliziert es
ihre Situation, weil zu der psychiatrischen Grunderkrankung
noch eine sekundäre Abhängigkeit dazu kommt.

Nicht zuletzt „verschleiert“ der Alkoholkonsum. Er erschwert und behindert erheblich die Ursachenforschung, hinzukommt die Unglaubwürdigkeit eines Betrunkenen, der Angst und Panik schildert und in die Nähe eines Menschen, der sich um den Verstand trinkt, gerückt wird. Leider musste ich es selbst so erfahren.

Schöne Weihnachten

Frank