Hi Michi,
den Ausführungen von Oliver,als EXPERTE möchte ich beipflichten.
Als BETROFFENER noch etwas von mir:
Die von Dir geschilderten Symptome (Zunge verschlucken, Schluckbeschwerden) kenne ich von Mitpatienten aus einer Angsttherapie die ich 1996 gemacht habe. Bei mir war es etwas anders.
Wenn sich meine Angst zur Panik steigerte, hatte ich oft das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, so als wenn sich der Hals zuschnürt, als wenn es immer enger wird, dadurch habe ich auch immer schneller geatmet, ich hatte das Gefühl, dass mir das Herz aus der Brust springt. Ich hatte Angst zu ersticken, oder einen Infarkt zu bekommen. Menschen, die es nicht selbst erlebt haben, können sich das manchmal schlecht vorstellen.
Die Folgen: starkes Herzrasen, hoher Blutdruck, manchmal bis zur Ohnmacht.
Oft ist diese Panik urplötzlich gekommen, aus heiterem Himmel. Es ist dann natürlich nicht gerade günstig, wenn Du im tiefsten Wald spazieren gehst. Meine Angst konnte ich nicht festmachen, wusste nicht warum.
Später hat mir auch ein Tagebuch geholfen. Ich wollte wissen in welchen Situationen die Angst kommt und in welchen Situationen ich mich sicher fühle.
Die von Dir geschilderten Symptome passen zu den Schilderungen von Patienten, die Panikattacken haben. Aber Vorsicht: Es muss nicht so sein
Während meiner Therapie, auf die ich nun nicht näher eingehen möchte, habe ich eine ganze Reihe von Leuten kennengelernt, bei denen ähnliche Symptome auftraten wie bei mir, die aber eine völlig andere Ursache hatten. Es gibt viele verschiedene Formen von Angst und bei jedem Menschen kann es verschiedene Ursachen geben. Oliver hat es ja bereits gesagt, letztendlich sollte eine genaue Untersuchung Aufschluss geben, vor allen Dingen auch darüber, welche Behandlungsmöglichkeit geeignet ist.
Was meinen Part betrifft, möchte ich noch hinzufügen, dass
ich die Doppeldiagnose Sucht/Angst hatte. Ich habe Alkohol und Drogen konsumiert, um die Angst zu bekämpfen. Besonders gut geeignet erschien mir Alkohol, der eine angsthemmende, entspannende Wirkung hatte. Ich kann aber nur ausdrücklich davor warnen, im Laufe der Jahre haben Alkohol und Drogen die ursprüngliche Angst VERSTÄRKT!!
In Phasen in denen ich zeitweise versuchte, ohne Alkohol und Drogen auszukommen, wurde die Angst für mich unerträglich.
Für mich noch wichtig zu erwähnen, ist die Tatsache, dass es trotz unterschiedlicher Ursachen, gute Behandlungsmöglichkeiten gibt. In einer relativ kurzen Zeit habe ich nicht nur bei mir, sondern bei vielen meiner Mitpatienten (die unterschiedliche Formen von Angst hatten) eine posive Veränderung wahrgenommen. Das sollte Deinem Freund ein wenig Mut machen.
Ich schreibe deshalb nicht mehr über „meine Angst“ weil ich eventuelle Vergleiche und Vermutungen gerne vermeiden möchte. Nicht nur Angstpatienten „empfinden“ unterschiedlich. Empfinden ist nicht „messbar“ Was für den einen furchtbar ist, kann für den anderen weniger schlimm sein.
Vermutungen bringen nur Verwirrung und verleiten zu Irrwegen, deshalb wichtig: Untersuchung beim Spezialisten!
Eine schöne Weihnachtszeit
Frank