Kind haut nach seiner Mutter

Meine kleine Nichte -5 Jahre- schlägt seit einiger Zeit laufend nach ihrer Mutter. Die Mutter wurde während der Ehe andauernd vom Ehemann drangsaliert, gedemütigt und geschlagen.
Die Ehe ist jetzt geschieden, trotzdem haben sich diese Verhaltensweisen des Kindes noch nicht gelegt.

Was kann ich ihr raten? Bislang ist sie noch auf dem Standpunkt, dass sie nicht zurückschlagen möchte.

Hallo Waltraud,

das Problem kann man nicht mit Autorität oder gar durch zu Rück schlagen Lösen.
Die Beiden müssen da durch, und das Kind hat am Wenigsten Schuld. Die Sollen nicht das Problem in den vorder-Grund stellen, sondern das Positive was sie haben. Wird dann schon Besser mit der Zeit aber nicht Ganz.

Mfg

Ernst Maria Massinger

Hallo Waltraud,

ich nehme an, das Kind imitiert die brutale Verhaltensweise seines Vaters. Das macht es nicht absichtlich oder aus Bosheit, sondern weil es das eben so gesehen hat. Es hat in seiner Familie gelernt, das Konflikte eben mit Schlägen zu lösen sind. Und wenn einem was nicht paßt, man eben draufhauen muß.

Traurig.

Was kann ich ihr raten? Bislang ist sie noch auf dem
Standpunkt, dass sie nicht zurückschlagen möchte.

Na, gottseidank! Denn wenn sie es täte, würde sie den Teufelskreis nur noch weiterführen. Und dem Kind zeigen, daß es Recht hat, und man eben zuschlägt, um einen Konflikt zu lösen.

Ich kann Dir keinen konkreten Rat geben, außer Mutter und Kind Zeit zu geben, die Trennung zu verarbeiten. Mit Liebe und Geduld läßt sich die Verhaltensweise des Kindes möglicherweise regulieren. Wenn nicht, müßte vielleicht der Gang zu einem Psychotherapeuten in Erwägung gezogen werden.

Liebe Grüße,
Nike

Hallo Waltraud,

Meine kleine Nichte -5 Jahre- schlägt seit einiger Zeit
laufend nach ihrer Mutter.

Das halte ich für nicht ungewöhnlich, und würde auf die Schnelle sagen, dass das nichts mit dem Verhalten des Vaters zu tun haben muß.
Ich vermute auch, dass die Mutter immer noch viel mit sich selbst zu tun hat, und vielleicht mit ihrer Tochter ein wenig zu umsichtig umgeht. Wenn ich mich in das Kind versetze, stelle ich mir vor, dass sie die Situationen mit Mutter und Vater als sehr bedrohlich und vom Verstand nicht erfaßbar wahrgenommen hat. Jetzt ist der Vater weg, eine neue Lebensituation ist eingetreten mit der die Mutter auch erst zurechtkommen muss.
So würde ich sagen, dass das Kind schlägt, weil es eine Mischung aus unverarbeiteter Aggression und Angst verspürt, weil es Grenzen wahrnehmen möchte „Mama, wenn Du mich nicht siehst, dann sollst Du mich wenigstens spüren“, weil es Stress abbaut, der durch das neue Familiengefüge entstanden ist.

Ich würde zum einen der Suche nach körperlicher Nähe gerecht werden, in dem ich mit ihr schwimmen gehen (Nacktheit lieben Kinder), Schlittschuh laufen - Eis ist kalt, hart, rutschig, ermöglicht müheloses Laufen, um die Wette laufen bis keiner mehr Luft bekommt, und immer wieder Kuscheln und Schmusen - viel Zärtlichkeit und Körperwärme.
Zum anderen würde ich als Mutter sehr deutlich machen, dass sie das Hauen sein lassen soll, weil das die Mutter niemanden erlaubt, egal wie nahe ihr die Person steht. Und sie haut auch nicht das Kind, weil es eine Frage des Prinzips ist. Und wenn das Kind mit den Schlägen doch nicht aufhört, dann wird sie in ihr Zimmer gebracht, bis sie sich beruhigt hat. Man kann dann noch einmal über den Auslöser ihres Wutausbruches sprechen, um ihr zu vermitteln, dass sie mit ihrem Kummer wahrgenommen wird, es aber andere Möglichkeiten gibt mit Frust fertig zu werden.

viele Grüße
Claudia

Hi,

gefühlsmäßig würde ich die Festhaltetherapie nach Irina Prekop empfehlen. Ich habe die Therapeutin in einem Vortrag kennengelernt und ihr Stil hat mich sehr angesprochen.
Für mich ist dabei wichtig, dem Kind zu zeigen, dass es geborgen ist, dass es nicht die Führung in der Beziehung übernehmen muss.
Ein Buch (Hättest du mich festgehalten) gibt es, besser ist aber ein Vortrag. Es gibt auch speziell ausgebildete Therapeuten.

Viele Grüße
Cirwalda

Festhaltetherapie nicht unumstritten!
http://www.autismus-online.de/forum/messages/599.html

Hi,

Hi,

ist mir bekannt.
Ich habe auch die Reaktionen von Müttern in Vorträgen erlebt.

Andererseits habe ich bei meiner Tochter festhalten angewendet, da sie Hospitalismus hatte - sie war ein ganzes Jahr ab Geburt nur im Krankenhaus und hat einen kleinen Teddybär umarmt, aber nicht uns als Eltern. Es war ein langer Weg und ich bin sicher, dass es ihr jetzt gut geht und sie die normale Geborgenheit bei mir doch noch kennengelernt hat.
Ich habe ja angedeutet, dass ich Wert lege auf Geborgenheitsvermittlung, dann ist das Schlagen nicht mehr notwendig.

Viele Grüße
Cirwalda

Hallo,

ich denke nicht, daß diese Reaktion primär auf die zum Teil eskalierte Elternsituation zu münzen ist.

Das Schlagen nach der Mutter kann, muß aber nicht das Resultat aus Erlerntem sein.

Vielmehr ist das Schlagen nach der geliebten Person eine Form um Aufmerksamkeit zu bekommen…
Es ist schwer zu verstehen…Kinder, (gerade solche deren Eltern Probleme haben) , stehen gerne im Mittelpunkt und wollen Aufmerksamkeit haben, und zwar alleine für sich.
Dabei ist ihnen egal in welcher Form, sei es positive, oder negative Kritik. Bei negativer Kritik reagieren sie augenscheinlich überzogen, möchten aber dennoch „nur“ beachtet werden.
Positive Kritik, in Zeiten wie zB Scheidung, Trennung oder ähnlichem, wird für gewöhnlich nicht so stark bewertet.
(Das Kind ist lieb und macht das schon)
Aber wehe es fällt negativ auf…da ist die Schimpfe groß, es wird gemaßregelt, getadelt…aber es passiert weitaus mehr, als hätte das Kind etwas GUT gemacht.
Was heissen soll, wenn ein Kind lieb ist, fällt es nicht auf…und es (be)merkt auch keiner…und irgendwann geniert es sich sogar, wenn es gelobt wird…

Wenn es aber Dinge tut, die es nicht soll, dann ist ihm Aufmerksamkeit gewiß, und in unserer Gesellschaft hagelt es mehr Tadel als Lob…also, was soll das Kind tun?

Auch etwaige Schuldgefühle der Mutter dem Kind gegenüber, könnten sie dazu veranlassen, dass sie zuviel durchgehen lässt,
und nicht im Stande ist Grenzen zu zeigen, oder zu stecken.

Die Mutter hat sich für eine Scheidung entschieden, und hat damit, auch wenn es lange gedauert hat, Grenzen gesteckt.

Diese Eigenschaft, eine Grenze zu stecken, wenn es nicht mehr weiter geht, sollte sie auch bei ihrer Tochter beherzigen.

Dazu muß sie sich selbst prüfen…„Was gestatte ich, wo kann es Kompromisse geben, und wo sage ich nein“

Und diese Punkte (Kämpfe) gilt es durchzufechten, und das ist bei jeder Mama so. (behaupte ich jetzt mal)

Im Zweifelsfall würde ich mich an die Eltern/Kinderberatungsstelle in meiner Stadt wenden. Das ist nicht schlimm und tut nicht weh, und das Kind bekommt man auch nich weggenommen, sondern man kriegt wirklich Hilfe.

Gruß und gutes neues Jahr!
Maja

Grenze setzen
Hallo Waltraud,

ich finde es vor allem erstmal ganz wichtig, dass die Mutter sich das nicht bieten läßt. Das Kind testet seine Grenzen aus, begibt sich in einen Machtkampf wie jedes Kind. Läßt man das zu, geht es immer weiter, denn das Kind möchte sich geschützt und geborgen fühlen, und wie kann es das, wenn die Mutter ihm vermittelt dass sie (die Mutter) die Schwächere ist?
Ganz unabhängig von der Geschichte mit dem Ehemann ist total unabdingbar, dass die Mutter das Schlagen nicht zuläßt. Ich würde mich zum Kind runterhocken, die Hände des Kindes festhalten, ihm ins Gesicht sehen und ganz klar sagen: Wir schlagen nicht. Ich lasse das nicht zu. Und das JEDES Mal wenn das Kind schlägt. Irgendwann genügt dann ein strenger Blick, wenn die Mutter merkt, das Kind ist wieder so weit.
Dem Kind hilft es zu wissen, dass es mit seiner Mutter nicht alles machen kann. Die Mutter muss die Stärkere sein und das auch zeigen.
Man kann auch mal in einem ruhigen Gespräch darüber sprechen dass es das zwischen den Eltern gab, aber dass das auch falsch war und es das nicht mehr geben wird. Aber ich würde das nicht in der jeweiligen Situation machen, denn das Kind selber wird den Zusammenhang gar nicht herstellen können.
Wichtig ist dass du deiner Freundin klar machst dass sie ihrer Tochter gegenüber nicht in die gleiche machtlose, gedemütigte Rolle hineinrutschen darf wie ihrem Mann gegenüber.

Viel Erfolg!

Andrea