Nochmal zum Posting von Lunatics Wife

Hallo Tanja
O.K., dann war ich mit meiner (manhmal 9x-klugen Weisheit) auf dem Holzweg. Das mit der Ehrlichkeit bezog sich auch darauf, dass Du hättest sagen sollen, wenn es sich dabei um Dich gehandelt hätte. Also - Entschuldigung!

Ich würde mal sagen, dass sie sich auf jeden professionelle Hilfe holen soll - alleine bekommt man solche Ängste kaum in den Griff.
Ich habe mir die ganzen Postings nicht durchgelesen, deshalb sage ich Dir einfach, was ich darüber denke.
Ich bin, leider, Psychiatrieerfahren (ja, so nennt man das) und kennne mich mit Angstzuständen, Depressionen, akuten und nicht-akuten Klinikaufenthalten (zwangseingewiesen wurde ich bisher aber noch nie - alles kam immer von mir aus), Therapien usw. aus. Schon so viele Jahre, dass es mir inzwischen schon aus den Ohren herauskommt und bei mir auch keine Therapien mehr anschlagen :wink: Allerdings geht es mir inzwischen so gut, dass ich auch darauf verzichten kann.
Also, dass es psychiatrische Ambulanzen gibt, weisst Du ja inzwischen. Am besten man sucht sich für den Ernstfall schon vorher eine heraus. Die Angst, „weggeschlossen und vollgepumpt“ zu werden ist unbegründet. Eine Zwangseinweisung ist nur auf richterliche Anordnung möglich (PsychKg) und geschieht gegen den Willen des Patienten (sonst würde es ja nicht Zwangseinweisung heissen). So etwas passiert aber nur in Ausnahmefällen, wenn die Person sich selber (z.B. Suizid begehen will oder orientierungslos auf der Strasse umherirrt und vor ein Auto läuft) oder andere (auf jemanden mit einer Waffe losgeht o.ä.) gefährdet.
Solange alles auf freiwilliger Basis geschieht, also wenn man auch Hilfe möchte usw., kann man zu nichts gezwungen werden! Auch nicht dazu, Medikamente zu nehmen!! Zwar versuchen, insbesondere Psychiater, immer wieder, einem ihre „Wundermittelchen“ anzudrehen - aber das letzte Wort hat der Patient. Immer! Ein Nein, heisst auch Nein! Das solltest Du deiner Bekannten klarmachen.
Was Klinikaufenthalte angeht - wenn man freiwillig kommt, kann man auch freiwillig wieder gehen - auch nachts (das habe ich auch schon bei Leuten erlebt). Dabei ist es egal, ob die Station geschlossen oder offen ist. Also nix mit wegsperren!

Sie sollte sich ein wenig mit ihren Angstzuständen auseinandersetzen (im Internet gibt es dutzende Seiten), es gibt auch alternative Heilmethoden, Selbsthilfegruppen (die oft auch telefonische Notfalldienste haben).

Wenn sie nicht zu einem Psychiater gehen will, kann einen Psychologen (ein Psychiater ist ja kein Psychologe - der eine ist Mediziner, der andere Therapeut) aufsuchen.
Seit dem 1.1.2000, glaube ich, gibt es das neue Psychotherapiegesetz, das besagt, dass kann man auch eine Psychotherapie praktisch „auf eigene Faust“ machen kann.
Früher musste man immer zum Psychiater, wenn man eine Therapie machen wolte, um sich eine Überweisung und auch den „Segen“ zu holen. Jetzt kann man direkt zum Psychologen (oder Therapeuten) gehen und eine Therapie beantragen.
Man kann sogenannte probatorische Sitzungen machen. Das sind Sitzungen oder Gespräche, in denen erst mal geklärt wird, worum es geht, was man genau möchte und ob einem der Therapeut oder die Therapeutin sympathisch ist (das spielt ja auch eine grosse Rolle) usw. Diese Sitzungen zahlt auch die Kasse, genauso wie auch die Therapie. Gefällt einem irgendetwas nicht oder fühlt man sich nicht gut aufgehoben, dann kann man zum nächsten gehen und „testen“. (Es gibt auch Psychotherapeuten-Suchmaschinen im Internet)
Es gibt Leute, die testen 20x und können sich immer noch nicht entscheiden - die sollten mal überlegen, ob sie wirklich Hilfe wollen. Aber das nur am Rande.
Ansonsten kann man auch eine Therapie jederzeit ab -oder unterbrechen.
Man wird auch nicht dazu gezwungen, etwas zu erzählen. Diese Angst habe ich auch schon öfters von Leuten gehört.
Tja , ansonsten kann ich nur sagen - gib’ Deiner Bekannten das Gefühl für sie da zu sein und ermuntere sie dazu, sich selber zu informieren. Dadurch wird die Angst, allem hilflos ausgeliefert zu sein, verringert. Denn manche Vorstellungen von Therapien usw. sind echt vorsinflutlich…
Ciao
Andrea

Hallo Andrea!

Dein Posting ist insgesamt o.k. Du kennst Dich wirklich ganz gut aus. Nur in einer Sache muß ich ´was anmerken:

(ein Psychiater ist ja kein Psychologe - der eine
ist Mediziner, der andere Therapeut)

Ein Psychiater ist Mediziner und kann Psychotherapeut i.e.S. sein, ein Psychologe muß aber kein Psychotherapeut sein. Ich bin z.B. Psychologe, aber kein Psychotherapeut.

Genauer nachlesen kannst Du die Unterschiede in [FAQ:239].

Grüße,

Oliver Walter

Guten Morgen Andrea…

vielen dank für deine erklärungen.
ich hab dein posting ausdrucken lassen und werd es ihr geben, bzw. vorlesen. vielleicht schaffts ja ein bißchen vertrauen:smile:

viele liebe grüße
lunatics-wife