Unwohlsein immer im falschen Augenblick

Liebe Experten,

ich hoffe, mir kann jemand einen Rat geben: Ich (w, 28) habe das Problem, dass ich meist dann, wenn ich irgendetwas Besonderes vorhabe, irgendwelche leichten körperlichen Beschwerden bekomme.

Ich muss dazu sagen, dass ich seit fünf Jahren an Panikattacken leide, wobei ich allerdings glaube, dass hier nur ein indirekter Zusammenhang besteht. Meine Panikattacken äußern sich in ganz spezifischen Symptomen wie Schwindel, Übelkeit und einem Gefühl als wäre mein Hals zugeschnürt - während die Probleme, die meist dann auftreten, wenn ich etwas Schönes vorhabe, doch mehr oder weniger körperlich zu sein scheinen. So bekomme ich oft kurz vor bestimmten Terminen leichte Magen-Darnm-Beschwerden, die sich von denen, die ich bei einer Panikattacke erlebe, doch unterscheiden.

Was kann ich dagegen tun? Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich meist trotzdem irgendwie klarkomme, aber dennoch musste ich schon so manches Vorhaben sausen lassen, weil ich mich einfach nicht wohlgefühlt habe.

Ich glaube, dass psychische Ursachen dahinter stecken, aber mit den Panikattacken scheint mir das Ganze nicht richtig zusammenzuhängen.

Was meint Ihr dazu? Was kann ich tun?

Liebe Grüße,
Gaensebluemchen

Hallo, Gänseblümchen,
das sind doch nur die berühmten „Schmetterlinge im Bauch“, die Du da spürst. Dass sie Dir aber solchen Ärger machen, verstehe ich nicht. Gönnst Du Dir etwa selbst die Freude nicht. Meinst Du vielleicht, Du hättest nicht ein bissel Glück und Glücklichsein verdient?
Ich denke schon! Solange man sich vom Glück nicht völlig beduseln läßt, sollte man es annehmen, wenn es sich einem bietet.
Also nur Mut zur Freude!
Lieben Gruß
Eckard.

Hallo Gaenseblümchen,

beides ist mir bekannt. Panikattacken, habe ich erfolgreich therapieren lassen. Das Unwohlsein vor bestimmten Terminen hat sich gewandelt. Ein wichtiges Gespräch, eine Prüfung, eine Präsentation, ein Arzttermin, oder aber auch ein Rendevouz, ein Treffen mit Freunden. Ich gehe mal davon aus, das dies Deine „bestimmten Termine“ sind.
Früher habe ich mein Unwohlsein so empfunden, dass ich die Termine abgesagt habe, weil ich einfach glaubte, ihnen nicht „gewachsen“ zu sein. Angst spielte auch eine Rolle.

So ein wichtiger Termin, zwei Wochen im Voraus vereinbart, hatte die Wirkung, das ich zwei Wochen täglich öfter daran denken musste. „In zwei Wochen musst Du das und das“ Je näher der Termin kam, um so mehr habe ich mich da rein gesteigert.
Übrigens ganz ähnlich wie bei der von mir erlebten Panik. Das „hineinsteigern“ ist bei mir entscheidend gewesen für einen empfundenen lebensbedrohlichen Zustand und nicht der eigentliche Auslöser. Der kleine Hund wird zum Monster.

Je mehr Bedeutung ich einer harmlosen Geschichte zukommen lasse, um so wichtiger, entscheidender, bedrohlicher wurde sie für mich.
Oft haben Menschen eine große Rolle dabei gespielt. Es war nicht die Frage: bin ich der Situation gewachsen, sondern kann ich die Erwartungen erfüllen, die an mich gestellt werden. Ich hatte den Glauben, dass Menschen etwas von mir erwarten (auch bei etwas schönem, Rendevouz)
Das ich mich bei den „bestimmten Terminen“ so und so verhalte. Ich habe mich konzentriert darauf, diese Erwartungen zu erfüllen. Es entstand ein gewisser Druck, den ich mir selbst auferlegt habe.

Du benutzt in dem Zusammenhang die Worte „bei etwas Besonderem“ Das macht mir deutlich wieviel Bedeutung Du der Angelegenheit gibst und damit auch wieviel Druck entstehen kann.

Letzte Woche habe ich einen Vortrag vor über dreißig Leuten gehalten, überwiegend frei sprechend, 30 Minuten. Ich war vorher aufgeregt, nervös. Lampenfieber.
Ich nenne es „gesundes Lampenfieber“ Es läßt mich noch mal alles vorher überdenken. Das frühere Unwohlsein erlebe ich heute, als eine natürliche Reaktion des Körpers auf eine Anforderung, die an ihn gestellt wird. Ob es zum Erfolg wird liegt daran, wie hoch ich meine eigene Messlatte lege.

Ich bin in der wunderbaren Rolle desjenigen, der bestimmt. Ich halte den Vortrag. Die müssen zuhören. Ich sage was ich will. Ich habe es in der Hand. Ich gebe den Ton an.
Das gibt mir ein gutes Gefühl.
Wenn ich die Einstellung habe, dass ich die Erwartungen der Zuhörer erfüllen muss, (die ich ja gar nicht bei jedem einzelnen kennen kann) wird es schwierig.

Meine Zuhörer übrigens haben ein völlig anderes Bild von mir, als ich selbst habe. Was ich sagen will:

Wir glauben oft wenn wir uns so und so verhalten, dann denken die Menschen das und das. Wir handeln danach, wovon wir glauben, das andere denken könnten.
?? Alles klar??

Meine Botschaft: Bei allen wichtigen Terminen, bin ich die wichtigste Person und ich bestimme wo der Hase her läuft, niemand anders. Das ist ein schönes Gefühl.

LG

Frank

Dafür ein *chen
Hallo Frank,
dafür ein Sternchen.
Dein Kommentar hilft nicht nur bei Panik, sondern auch bei „gesundem Lampenfieber“.
Er bringt Gelassenheit!
Danke! Ullrich Sander

Mir half dies (sogar gegen echte Prüfungsangst):
Hallo Gänseblümchen,

das ist mir sehr gut bekannt, auch mir ging es lange Zeit so. Und zwar verstärkt erst nach meinem 20. Lebensjahr, mit genau den gleichen Erlebnissen in gleichen Situationen - egal, ob „angenehm“ oder „bedrohlich“ - die verflixten Körperreaktionen waren die gleichen. Bis Mitte 20 hab ich mir das mit angesehen, dann kam auch eine immer stärkere echte Prüfungsangst dazu (ich studierte damals), und wenn ich die nicht in den Griff bekommen hätte, dann hätte ich das Studium schmeißen müssen.

Habe mich also erst recht verzweifelt an den Uni-Psychologen gewandt, und dieser riet mir, einen Entspannungskurs zu machen: Progressive Relaxation, auch Jacobsohn-Methode genannt. Dieser dauerte 10 Wochen (also ein Kurs mit 2 Stunden pro Woche, z.B. bei der Krankenkasse), in dem ich die Methode gelernt habe. Die musste sich dann noch setzen lassen (habe aber nicht besonders trainiert oder so, einfach noch „nachhallen“ lassen das Ganze), und nach weiteren 3 Monaten war dann die entscheidende Prüfung, die ich OHNE physische/psychische Störungen hinter mich bringen konnte. Ich war cool hoch drei!!!

Und als Nebeneffekt dieser ganzen Sache kam dann auch raus, dass ich seitdem weder bei „positiver“ Vorfreude (z.B. ein Date), „negativer“ Erwartung (Prüfungs-/Abfragesituation) oder „neutraler“ Erwartung (z.B. Arztbesuch) jemals Schwierigkeiten hatte außer dem ganz normalen Gespanntsein oder Lampenfieber, was jeder hat, also nix Dolles.

Kann ich Dir nur raten, mittel- und langfristig ist es eine super Lösung.

Bei Fragen kannst Du mich gern auch anmailen.
M. :smile: