Schlafen- und doch wach?

Mir passiert immer öfter folgendes:

Ich schlafe auf dem Sofa ein, mein Mann weckt mich daß wir ins Bett gehen, und wir gehen ins Bett! Aber ich bekomme davon nichts mit. Ich laufe selbstständig ins Schlafzimmer! Warum kann ich mich am nächsten Morgen nicht daran erinnern wie ich in mein Bett gekommen bin? Wäre nett, wenn mir jemand diese Frage beantworten kann. liebe Grüße,Bettina

Hi Bettina,

das klingt ein wenig so, als würdest Du Dich in dieser Situation in einem Bewußtseinszustand befinden, der dem von Schlafwandlern ähnelt. Wenn Du nur dann „wandelst“, wenn Dich Dein Mann vorher geweckt hat (jetzt mal unabhängig davon, ob man das wirklich als „wach sein“ auffassen kann), erscheint mit das völlig unbedenklich. Frag mal Deinen Mann, ob Du Dich in dieser Situation tatsächlich so verhältst, wie tagsüber, also genau so ansprechbar und reaktionsfähig bist.

Unter Umständen ist das Sich-nicht-erinnern-können eine fast zwangsläufige Folge des Bewußtseinszustands, in dem Du Dich dann befindest. Wenn Du das Gefühl hast, bei Deinem Mann „in guten Händen“ zu sein und immer gut ins Bett kommst, dann solltest Du Dir darüber aber wahrscheinlich keine Sorgen machen :wink:
Etwas problematischer ist es vielleicht, wenn Du auch sonst zum Schlafwandeln neigst - dann solltest Du einen (Fach-) Arzt um Rat fragen.

Gruß
Michael

Hallo Bettina,

ich habe eine Freundin gefragt, die Psychologie studiert, und die sagte Folgendes (das ich nun versuche, laienhaft weiterzugeben):

Diese Erlebnisse sind relativ normal und passieren vielen Menschen. Man muß sich die Erinnerungsfunktionen (Verarbeitungsfunktionen von Eindrücken) des Gehirns in drei Stufen vorstellen: In der ersten wird erst mal alles aufgenommen, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen. Das ist die oberflächlichste. Was da reinkommt, diese Flut von Informationen, wird gefiltert, erst dann dringt sie überhaupt ins Bewußtsein vor - sonst würden wir wahnsinning über all den Eindrücken. Die dortigen Informationen behalten wir nur ca. 15 bis 30 Sekunden (da gehen die Meinungen auseinander).

Die zweite ist das Kurzzeitgedächtnis. Dort kommt immer noch eine ganze Menge rein. Und von dort geht’s weiter ins Langzeitgedächtnis. Hier wird nur noch gespeichert, was unser Gehirn als wichtig einsortiert.

Wenn wir schlafen, sind die Verbindungen zwischen diesen Stufen nicht ganz funktionstüchtig. Deswegen brauchen wir auch manchmal so lange, bis wir realisieren, daß z. B. das Telefon klingelt, und bauen es erst mal in unseren Traum ein, bis wir dann wach werden.

Wenn Dein Freund Dich also aus dem Schlaf reißt, kann es sein, daß diese Informationen in die erste Stufe vordringen, vielleicht sogar ins Kurzzeitgedächtnis, aber die Verbindung durch den Schlaf noch nicht so reibungslos funktioniert. Das heißt, Du kannst Dich am nächsten Morgen nicht erinnern.

Nichts, was Dich beunruhigen müßte.
Das menschliche Gehirn ist die unerforschteste Region unserer Welt. :smile:

Gruß, Nike

Hallo Nike,

Dankeschön für Deine Antwort. Du hast das wirklich plausibel und verständlich erklärt! Auf grund diesen Tatsachen kann ich mir jetzt auch erklären, warum manchen Menschen zur Hilfe z.B. für die Polizei in Hypnose gesetzt werden, damit das im Unterbewußtsein gespeicherte besser zum Vorschein kommt. Alles logo!

Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.

liebe Grüße
Bettina