Nochmal nein, diesmal ausfuehrlicher
Hi Torsten,
Ja,
es gibt deutliche Anhaltspunkte, dass
eine solche Technik zumindest in einer
Vorstufe vorhanden ist und bereits
eingesetzt wird.
Das kommt jetzt ganz drauf an, was man als Vorstufe bezeichnet. Wenn dazu jegliche Messung der Hirnaktivität und ihre bildhafte Darstellung gehört, dann hast Du sicher Recht - danach war ja aber nicht gefragt.
Ob dabei Gedankenströme
bereits in Form eines farbigen Ton-Films
dargestellt werden können, ist mir nicht
bekannt.
Das ist, wie gesagt, nicht möglich. Meine Auskunft bezieht sich auf meine (zugegebenermaßen nicht sooo tolle Kenntnis) Literatur aus den Neurowissenschaften, in die ich als Experimentalpsychologe zumindest gelegentlich mal hineinsehen muß.
Da aber viele Gedanken auch
verbal gedacht werden und dabei
entsprechende Erregungen im Sprachzentrum
entstehen, ist zu vermuten, dass hier ein
Ansatzpunkt bei der Konstruktion einer
solchen Technologie liegt bzw. gelegen
hat.
Das ist eine sehr richtige Überlegung, insbesondere wenn wir an die Areale der Hirnrinde denken, die für die Sprechmotorik zuständig sind. Wenn man unterstellt, das Denken (zumindest teilweise) eine Art stilles Sprechen ist, dann könnte man versuchen, bestimmten (nicht ausgesprochenen) Worten entsprechende Aktivierungsmuster zu isolieren. Daß es auf diese Weise eines Tages möglich sein könnte, mit relativ guter Sicherheit zu unterscheiden, ob eine Person „rot“ oder „Maschendrahtzaun“ gedacht hat, will ich nicht ausschließen. Allerdings nicht bei einem einzigen „Gedanken“ sondern gemittelt über viele hundert Durchgänge, in der sie dies gedacht hat.
Dies wirft selbstverständlich sehr
grundsätzliche ethische, philosophische,
und rechtliche Fragen auf (Eingriff ins
Persönlichkeitsrecht, politische Folgen
usw.).
Sicher, aber da wir uns hier im Bereich der Utopie befinden, erscheinen mir diese Frage zunächst nicht wirklich dringlich.
Im Internet kann man unter dem Schlagwort
„Mindcontrol“ einiges dazu finden, wobei
sich bei den Darstellungen naturgemäss
auch Phantasie und Fakten mischen.
Unglücklicherweise häufig in einem sehr ungünstigen Mischungsverhältnis.
In der BILD-Zeitung gab es vor einiger
Zeit einen Bericht, wonach es bereits
möglich sei, mit Gedanken Befehle an
Computer zu übertragen. Das war bestimmt
NICHT erfunden. Sicherlich war der
Bericht aber auch nicht umfassend.
Nein, der zugrunde liegende Sachverhalt ist sicher nicht erfunden. Wenn man über den motorischen Rinden eine beidseitige EEG-Ableitung vornimmt, und eine Differenz der auf beiden Seiten gemessenen elektrischen Potentiale bildet, dann stellt man folgendes fest: Kurz vor der Ausführung einer Bewegung mit der linken Hand, sind die Potentiale an der rechten motorischen Rinde „negativer“, vor der Ausführung einer Bewegung mit der rechten Hand umgekehrt (das „lateralisierte Bereitschaftspotential“, LRP). Dies ist unabhängig davon, ob die Bewegung tatsächlich ausgeführt werden kann, oder nicht. Ein Hinderungsgrund kann z.B. eine Lähmung der zur Ausführung notwendigen Muskulatur sein. Es gibt Personen mit so vollständigen Lähmungen, daß sie fast nicht mehr kommunikationsfähig sind. In solchen Fällen versucht man in der Neuropsychologie mit betroffenen Patienten irgendwelche Codes zu vereinbaren (Augen nach links bedeutet „nein“, Augen nach rechts bedeutet „ja“). Die Kommunikation kann durch die Nutzung des LRP wesentlich erleichtert werden. Der Proband (oder Patient) hat einen Monitor vor der Nase und Elektroden am Schädel. Ein Computer wertet das LRP aus und unterstützt den P. bei der Zusammenstellung von Äußerungen. Im Prinzip geht das so: Zunächst werden alle Buchstaben des Alphabets auf dem Monitor gezeigt, der P. versucht nun eine Bewegung der linken Hand (kann er natürlich nicht wirklich bewegen), das LRP zeigt an, daß es ein Buchstabe der ersten Hälfte des Alphabets sein soll. Dann wird nur die erste Hälfte zur Auswahl angeboten, der P. wählt wieder aus, usw., usw., bis der richtige Buchstabe gefunden wurde. Dann geht es mit dem nächsten Buchstaben weiter. Das ist nur in einem sehr, sehr eingeschränkten Sinne so etwas wie „Gedanken lesen“.
Meines Wissens wurde die Technologie -
mitten in der Demokratie - bereits für
Schikane eingesetzt (!!!).Diese
Behauptung kann ich nicht beweisen. Im
vollen Bewusstsein des juristischen und
sonstigen Risikos halte ich es aber für
vertretbar und für eine Pflicht, dies
hier „auszusagen“.
Es stimmt nicht, Torsten, jedenfalls ganz sicher nicht mit einem der Verfahren, von denen wir hier reden. Du gehst aber auch ganz sicher kein Risiko ein, wenn Du dies hier sagst, und ich verstehe sehr wohl Deine Sorge und Deinen Wunsch, hier diese Warnung auszusprechen. Das ist an sich sicher anerkennenswert, entbehrt aber in diesem Fall jeglicher sachlicher Grundlage.
Gruß
Michael