Alle Männer wollen kämpfen? (bisle länger)

Guten Abend.
Mir geht seit ein paar Tagen ein Gedanke im Kopf herum, den ich hier einfach mal einbringen will. Ich dachte im Psychologie-Brett passt er am besten.
Ich habe diese Woche in meiner Tageszeitung ein Bild gesehen aus dem Irak-Krieg. Zwei britische Soldaten während eines Häuserkampfes. Der eine liegt auf dem Boden und zielt hinter einer Säule hervor, der andere kniet hinter ihm. Im Hintergrund viel Staub, Soldaten in Tarnung, was eben so alles dazugehört.
Das Bild hat mich fasziniert. Nicht das Bild selber sondern die Vorstellung ein solcher Soldat zu sein. Zuerst muß ich aber noch etwas klarstellen: ich bin grundsätzlich gegen Krieg, gegen Gewalt überhaupt. Ich hab Zivildienst gemacht statt Bund. Und jetzt bin ich ganz normaler Student. Und ich würde mich in jedem Fall nicht als militant, kämpferisch oder kriegerisch bezeichnen. Aber trotzdem: die Vorstellung, ein Soldat zu sein der Tarnanzug durch feindliches Gebiet robbt, der aus dem Hinterhalt feindliche Stellungen angreift, ein kleiner, stiller „Held“ zu sein, das fasziniert mich. Und dann schweiften meine Gedanken weiter: zu der Zeit als ich noch jünger war (13-15?), als ich mich mit Freunden abends an die Gartenfeste unserer Nachbarn angeschlichen hab oder die „Lager“ der anderen Kinder in der Stadt ausspioniert hab. Oder als CVJM-Mitarbeiter wenn es drum ging anderen Zeltlagern den Wimpel zu klauen (ist so’n Brauch). Auch da hatte fast jeder alte Bundeswehr- oder Amiklamotten, man hat sich abends in nahegelegene Wälder gelegt um dann in der Nacht langsam vorzukriechen und seine „Beute“ zu holen.
Das alles und viele andere Situationen gehen mir seitdem im Kopf herum, und ich frage mich: ist das eigentlich normal? Ehrlich gesagt kenne ich fast keinen Mann/Jungen, den es nicht fasziniert sich als kleinen „Einzelkämpfer“ vorzustellen und der als Junge nicht ähnlich Spiele gemacht hat. Und ich glaube fast das die große Mehrheit der männlichen Menschen wenn sie wirklich gaaaaanz ehrlich zu sich selbst sind, auch fasziniert davon sind ein kleiner Kämpfer zu sein, der unter Lebensgefahr und ohne entdeckt zu werden einen gefährlichen Plan ausführt, der dann zurückkehrt obwohl es keiner geglaubt hat, der in einem kleinen Kommandozelt das Lob seines Vorgesetzten erhält, ohne Zuschauer und Lobfeier, und der dann wieder in seine nächste geheime Mission aufbricht…
Ist es nicht so? Wollen wir Männer wirklich heiraten, ins Büro gehen, abends am Esstisch sitzen und am Samstag rasenmähen? Oder wären wir nicht tief in uns drin viel lieber der einsame, tapfere und unbekannte Kämpfer?
Seltsame Gedanken, was? Aber so denk ich eben gerade. Vielleicht will sich ja jemand von euch einmischen. Bin gespannt.

Janosch

hi

Seltsame Gedanken, was? Aber so denk ich eben gerade.

überhaupt nicht… was meinst du warum (auch ich) so gerne Counterstrike oder BF 1942 spiele… wegen diesem Gefühl.

Was nicht heisst das ich reaöles Hirn spritzen sehen möchte, egal ob britisch oder irakisch.
Helge

Ich glaube, dass das kein Männerphänomen ist. Anschleichen und anderen Sachen wegnehmen und wieder wegschleichen, den Thrill kriegen, dass Dich jemand entdecken könnte, totfreuen, wenn Du glücklich zu Hause gelandet bist, mit der Trophäe, Dich feiern lassen, einander in solchen spannenden Situationen helfen, geschärfte Sinne haben: die Gedanken gefallen mir als pazifitischem Mädchen auch gut…

Schade ist nur, dass es die meisten wohl nur kickt, wenn es dabei gleichzeitig um Gewalt geht. Das wiederum ist ein eher männliches Phänomen, vielleicht nicht bei Dir und schon garnicht bei allen Männern, aber tendenziell eher.

Mich persönlich reizt es garnicht, anderen Gewalt anzutun, höchstens in einem Ringkampf im Schlamm. Am liebsten austoben gegen meine Brüder.

Wir können ja einen Anschleichverein gründen.

:wink: Mira