Identitätsspiele
Hallo,
Hallo
… sich danach erkundigt, ob ich denn wissen wolle, wer von diesen Spinnen/Dinosauriern/Blütenblättern/Besteckteilen/etc./etc. er sei.
Ich bin neugierig darauf, wie du auf diese Fragen antwortest? Darauf kommt es nämlich dann an. Und weiter: Ist das, was dich nervt, die Frage, wer er sei, oder die Frage, ob du wissen willst, wer er sei?
Zur Persönlichkeitsentwicklung gehört genauso wie die Lust am Versteckspiel die Lust am Sichverstellen und am Spiel mit Maskeraden. Es sind Spiele mit der Identität, von der psychisch gesunde Kinder ebenso wie solche Erwachsene keine Angst haben, sie durch Transposition auf andere (oder auf gegenständliches anderes) zu verlieren. Es sind Rollenspiele, wie sie z.B. im Psychodrama nach Moreno (Therapiemethode) auch angewendet werden. Eine „Störung“ liegt eher vor, wenn sich einer nicht mehr mit seiner Identität zu spielen traut.
Für dich als Philosoph: Im Gegenteil und im Gegensatz zur Fichteschen Dialektik findet sich das „Ich = Ich“ durch die Freiheit des „Ich = Nicht-Ich“. Die Negation des Ich ist „Moment“ des Ich selbst.
Das ist das eine. Das andere ist, daß dein Filius sich offenbar unbefriedigt danach erkundigt, ob sein Vater an diesem aufregenden Abenteuer der Selbstfindung und des Selbstversuchs Interesse zeigt.
Welchen Sinn hat - nach heutiger Erkenntnis der Entwicklungspsychologe - ein solches permanentes Fragen?
Blind vermutet, könnten einige dringende Fragen darin liegen:
„Wann läßt du dich endlich mal auf meine Spielerei ein?“ oder
„Kannst du das auch, was ich kann?“ oder
„Warum machst du nicht mit bei diesem Spiel?“
Ist es eine Versicherung, das man überhaupt jemand ist, also Bedeutung hat?
Nach meiner eigenen Erfahrung ist es eine Signatur des Vorgangs, jemand zu werden. Meine hat das (wie ihre Mutter) auch jahrelang gemacht und ist heute (13) ganz sicher, daß sie Schauspielerin wird (woran ich bei dem, was sie so bietet, kaum zweifle *g*). Unerträglicher Frust entsteht übrigens immer noch, wenn andere nicht mitspielen, oder zu steif sind, es zu können!
Ist es ein Zeichen für eine unverarbeitete Problematik?
So wie Entwicklungsprozesse immer eine noch nicht zuendegebrachte Problematik sind.
Oder ist es einfach „ganz normal“ - und man muss als Vater da durch?
Ich würde empfehlen: Nicht „durch“, sondern „rein“.
Animaly