Entwicklungspsychologie: Identifikation

Hallo,

ich bin in letzter Zeit ziemlich genervt von meinem Sohn (5), der seit etwa einem Jahr bei jeder Gelegenheit sich danach erkundigt, ob ich denn wissen wolle, wer von diesen Spinnen/Dinosauriern/Blütenblättern/Besteckteilen/etc./etc. er sei.

Welchen Sinn hat - nach heutiger Erkenntnis der Entwicklungspsychologe - ein solches permanentes Fragen? Ist es eine Versicherung, das man überhaupt jemand ist, also Bedeutung hat? Ist es ein Zeichen für eine unverarbeitete Problematik? Oder ist es einfach „ganz normal“ - und man muss als Vater da durch?

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Aaaaaalso…
hallo Thomas;O)

Ich habe zwar keine Kinder, aber ich war ja auch mal eines.
Und so kann ich mich sehr gut daran erinnern, dass ich auch solche Fragen gestellt habe…immer und immer wieder!
Teils, weil ich Aufmerksamkeit haben wollte, und teils, weilich wollte, dass meine Eltern bemerken( oder auch andere Menschen ), dass ich ganz viel weiß!!

Frag doch deinen Sohn einfach mal, warum er dich ständig fragt;o)…vielleicht sagt er es dir ja;O)
Ansonsten schätze ich, dass du da einfach durch mußt;O)

Starke Nerven wünsch ich dir!*kicher*

Viele Grüße
Berlind

Fragen und Wissen
Hi Berlind,

Ich habe zwar keine Kinder, aber ich war ja auch mal eines.
Und so kann ich mich sehr gut daran erinnern, dass ich auch
solche Fragen gestellt habe…immer und immer wieder!

ich denke, es gibt verschiedene Arten von Fragen. Ich habe keine Probleme, wenn mein Sohn Wissensfragen stellt („Warum ist der Himmel blau?“, „Wo ist man, wenn man stirbt?“ usw.), auch, wenn er sie mehrfach stellt. Probleme habe ich nur mit den Fragen der beschriebenen Art. Es ist auch so, dass sich meine beiden großen Kinder (5 und 3) immer gegenseitig versichern, wer von ihnen denn nun welcher Dinosaurier auf dem Bild da sei („Ich bin der hier!“, „Und ich bin dieser hier!“). Dinosaurier sind gerade ihr Favorit, es könnten aber auch ganz andere Dinge sein.

Teils, weil ich Aufmerksamkeit haben wollte, und teils,
weilich wollte, dass meine Eltern bemerken( oder auch andere
Menschen ), dass ich ganz viel weiß!!

Wie gesagt: Wissensfragen sind es nicht. Und ich denke auch im Prinzip nicht, dass es sich um ein Aufmerksamkeitsdefizit handelt. Aber darüber kann ich ja noch einmal nachdenken.

Frag doch deinen Sohn einfach mal, warum er dich ständig
fragt;o)…vielleicht sagt er es dir ja;O)

Das möchte ich nicht tun, weil das ja eine Überlegung bei ihm voraussetzen würde, die möglicherweise unbewusst verläuft. Ich sehe die Gefahr, ihn mit dieser Frage zu überfordern.

Ansonsten schätze ich, dass du da einfach durch mußt;O)

Ja, das fürchte ich auch (aber wir haben inzwischen 3 Kinder)!

Starke Nerven wünsch ich dir!*kicher*

Danke!

Herzliche Grüße

Thomas Miller

noch was…
huhu Thomas.

Mir ist gerade nochwas eingefallen!
Frag sie dochmal, warum sie gerade DIESEN Saurier, die sie sich ausgesucht haben, so toll finden!
Vielleicht haben diese Saurier ja Merkmale, die sich deine Kinder zu haben wünschen.
Ich kann mich erinnern, ich war auch total wild auf Dinos!
Und mein Favorit war der Triceratops, weil er schnell rennen konnte, und weil er sich selbst gegen den bösen Tyrannosaurus wehren konnte.
Und er war lieb;O))
Frag sie einfach!

Viele Grüße und schreib dann mal, was sie gesagt haben, das interessiert mich sehr!

Ich glaube, du bist ein glücklicher Mensch, mit 3 KIndern *zwinker*

Berlind

Hi Thomas,

das ist eigentlich völlig, aber völlig normal. Jedes Kind tut das. Meine Mutter hat z.B. immer mitgespielt: Milchbrei auf dem
Teller, den „Fraß“ konnte ich nicht ab. Dann hat sie Kleckse
gemacht, der eine Klecks war ich, der andere jemand anders etc.
Auch beim richtigen Spielen später war immer einer der König oder die Prinzessin soundso…
Spielt man mit Spielsachen, ist auch immer eine Identifikation mit der bestimmten Figur zu beobachten.
Freu Dich, daß Deine Kinder diese Phantasie noch haben, die
meisten können es nämlich gar nicht mehr richtig.
Und vor allem freu Dich, daß sie Dich einbeziehen (auch wenns
nervt, manchmal bis zur Reizschwelle), sehen sie doch Dich als
„Verbündeten“.

Herzl. Grüße
dilarah

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Identitätsspiele

Hallo,

Hallo

… sich danach erkundigt, ob ich denn wissen wolle, wer von diesen Spinnen/Dinosauriern/Blütenblättern/Besteckteilen/etc./etc. er sei.

Ich bin neugierig darauf, wie du auf diese Fragen antwortest? Darauf kommt es nämlich dann an. Und weiter: Ist das, was dich nervt, die Frage, wer er sei, oder die Frage, ob du wissen willst, wer er sei?

Zur Persönlichkeitsentwicklung gehört genauso wie die Lust am Versteckspiel die Lust am Sichverstellen und am Spiel mit Maskeraden. Es sind Spiele mit der Identität, von der psychisch gesunde Kinder ebenso wie solche Erwachsene keine Angst haben, sie durch Transposition auf andere (oder auf gegenständliches anderes) zu verlieren. Es sind Rollenspiele, wie sie z.B. im Psychodrama nach Moreno (Therapiemethode) auch angewendet werden. Eine „Störung“ liegt eher vor, wenn sich einer nicht mehr mit seiner Identität zu spielen traut.

Für dich als Philosoph: Im Gegenteil und im Gegensatz zur Fichteschen Dialektik findet sich das „Ich = Ich“ durch die Freiheit des „Ich = Nicht-Ich“. Die Negation des Ich ist „Moment“ des Ich selbst.

Das ist das eine. Das andere ist, daß dein Filius sich offenbar unbefriedigt danach erkundigt, ob sein Vater an diesem aufregenden Abenteuer der Selbstfindung und des Selbstversuchs Interesse zeigt.

Welchen Sinn hat - nach heutiger Erkenntnis der Entwicklungspsychologe - ein solches permanentes Fragen?

Blind vermutet, könnten einige dringende Fragen darin liegen:
„Wann läßt du dich endlich mal auf meine Spielerei ein?“ oder
„Kannst du das auch, was ich kann?“ oder
„Warum machst du nicht mit bei diesem Spiel?“

Ist es eine Versicherung, das man überhaupt jemand ist, also Bedeutung hat?

Nach meiner eigenen Erfahrung ist es eine Signatur des Vorgangs, jemand zu werden. Meine hat das (wie ihre Mutter) auch jahrelang gemacht und ist heute (13) ganz sicher, daß sie Schauspielerin wird (woran ich bei dem, was sie so bietet, kaum zweifle *g*). Unerträglicher Frust entsteht übrigens immer noch, wenn andere nicht mitspielen, oder zu steif sind, es zu können!

Ist es ein Zeichen für eine unverarbeitete Problematik?

So wie Entwicklungsprozesse immer eine noch nicht zuendegebrachte Problematik sind.

Oder ist es einfach „ganz normal“ - und man muss als Vater da durch?

Ich würde empfehlen: Nicht „durch“, sondern „rein“.

Animaly

Nochwas:

Er soll den Bub mal fragen, welchem Dinosaurier o.ä. die Rolle des vaters zugeordnet wird, vielleicht liegt die Antwort auf das Rätsel darin verborgen :smiley:

HM

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sorry, wenn ich mich einmische

Du schreibst:

Ich habe keine Probleme, wenn mein Sohn Wissensfragen stellt

Probleme habe ich nur mit den Fragen der beschriebenen Art.

Ich verstehe nicht, daß du mit Fragen, welcher Dinosaurier oder welche Kaffeetasse dein Sohn gerade mal ist, Probleme hast.

Wie gesagt: Wissensfragen sind es nicht.

D.h. es irritiert dich, wenn jemand andere als Wissensfragen stellt?

Ist alles geistige Leben eine Sache des Wissens bei dir?

Und ich denke auch im Prinzip nicht, dass es sich um ein Aufmerksamkeitsdefizit handelt.

Da du dich ja über die Permanenz dieses Fragens mokierst: Könnte es doch immerhin ein Defizit an deiner Aufmerksamkeit für sein Problem sein, ob er grad jetzt dieser oder jener Saurier sein soll. Wie wäre es, wenn du dich auf seine Frage mal einfach einläßt und ihre Antwort mit ihm per brainstorming abklärst?

Frag doch deinen Sohn einfach mal, warum er dich ständig
fragt;o)…vielleicht sagt er es dir ja;O)

Das möchte ich nicht tun, weil das ja eine Überlegung bei ihm
voraussetzen würde, die möglicherweise unbewusst verläuft. Ich
sehe die Gefahr, ihn mit dieser Frage zu überfordern.

Eigentlich drückst du hier aus, daß du deinerseits mit seiner Frage überfordert bist, oder? Woher willst du denn, ohne zurückzufragen, wissen, welche Frage und warum für einen anderen wichtig ist?

Nebenbei: Das sogenannte Unbewußte ist weniger gefährlich, als manche Schulweisheit sich träumen mag. Es schadet niemandem, geistige Bewegungen zu befragen, die man bei ihm als noch nicht bewußt vermutet. Du hilfst ihm dadurch, die große Tragweite dieser seiner Überlegungen zu erkennen (wie die Mäeutik des Sokrates). Vorausgesetzt natürlich, daß du die Tragweite erkannt hast.

Allerdings kommt es umständehalber vor, daß jemandem sein eigenes Unbewußtes als gefährlich erscheint.

Animaly

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Da tiefenpsychologische Gedanken in Deinem „Geist“ dominieren, warum guckst Du nicht ´mal in den Theorien zu den einschlägigen tiefenpsychologisch orientierten Tests wie z.B. Familie in Tieren u.ä. nach, wenn es Dich interessiert, warum Deine Kinder dieses oder jenes Objekt / Tier sein wollen?

Hallo Dilarah,

danke für das konkrete Beispiel.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo,

sorry, wenn ich mich einmische

no problem, deine beiden Postings sind doch hilfreich.
Mehr in der Antwort auf die andere Mail. Hier wollte ich mich nur explizit für das Fichte-Beispiel, das ich treffend finde, bedanken.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo nochmal,

Ich bin neugierig darauf, wie du auf diese Fragen antwortest?
Darauf kommt es nämlich dann an. Und weiter: Ist das, was dich
nervt, die Frage, wer er sei, oder die Frage, ob du wissen
willst, wer er sei?

also die Geschichte verläuft nicht so, wie ihr euch das vorstellt, dass er irgendwelche Lieblingstiere hätte oder so. Sondern es ist eher so, dass er, wenn er z. B. ein Buch „liest“, auf der einen Seite Dinosaurier hat und auf der nächsten Seite Blumen (beispielsweise). Dann kommt er zu mir und fragt mich, ob ich wisse, welcher Dinosaurier er sei, zehn Minuten später kommt er und fragt, welche Blume er denn meiner Meinung nach (auf der nächsten Seite) sei. Jedesmal muss ich dann raten: Bist du der? - Nein. - Dieser? - Nein. - Dieser? - Ja. - Schön, gefällt dir der/die/das besonders? - Ja. - Aha, warum. - Der hat so schöne Stacheln/Blüten/Farbe … Und das geht so zu allen Zeiten, zwar nicht rund um die Uhr, aber doch relativ häufig am Tag, etwa auf dem Spielplatz: „Welche Ameise / welcher Käfer / welche Wolke bist du? Welche bin ich? …“ Wir antworten immer ganz gelassen und interessiert, kennen auch dieses Phänomen von Nachbarskindern, aber da ist es dann auch irgendwann wieder vorbei gewesen. Und weil ich mich in der Entwicklungspsychologie nicht gut auskenne, wollte ich hier im Brett mal fragen, wie so die Erfahrungen bzw. die Erkenntnisse diesbezüglich sind. Dass es grundsätzlich normal ist, weiß ich wohl, nur habe ich nicht mit dieser Permanenz der Fragen gerechnet - und der Dauer.

Moreno

Habe ich im Moment nicht präsent, werde ich mir aber mal ansehen.

Das ist das eine. Das andere ist, daß dein Filius sich
offenbar unbefriedigt danach erkundigt, ob sein Vater an
diesem aufregenden Abenteuer der Selbstfindung und des
Selbstversuchs Interesse zeigt.

Das hatte ich auch vermutet, weshalb ich an ein Aufmerksamkeitsdefizit gedacht hatte, aber eigentlich kann das nicht der Fall sein, wenn ich unseren Tagesablauf betrachte - auch selbstkritisch.

„Wann läßt du dich endlich mal auf meine Spielerei ein?“

Immer.

„Kannst du das auch, was ich kann?“

Was hat das mit Können zu tun?

„Warum machst du nicht mit bei diesem Spiel?“

Mache ich doch.

Meine hat das … auch jahrelang gemacht und ist heute (13)

So lange? Au weia. Da brauch ich dann ja wohl wirklich stahlharte Nerven! :smile:

Ich würde empfehlen: Nicht „durch“, sondern „rein“.

Klingt gut, ich meine zwar, schon ziemlich drin zu sein, aber vielleicht lässt sich das ja noch steigern. :smile:

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Oliver,

warum guckst Du nicht ´mal in den Theorien zu den
einschlägigen tiefenpsychologisch orientierten Tests wie z.B.
Familie in Tieren u.ä. nach, wenn es Dich interessiert, warum
Deine Kinder dieses oder jenes Objekt / Tier sein wollen?

weil es nicht um immer dasselbe Tier geht, sondern immer um ein bzw. etwas anderes, also auch Gegenstände etc. Außerdem bin ich nicht der Überzeugung, dass die Tiefenpsychologie so einfach funktioniert.

Schönen Dank aber für den Versuch. Ich habe mich vermutlich nicht klar ausgedrückt.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Rückfragen

also die Geschichte verläuft nicht so, wie ihr euch das vorstellt

das hört sich anders an als deine Andeutungen in deinem ersten Posting, Thomas.

Es können hier natürlich nur Eindrücke gewonnen werden, aber mir scheint dabei eher das Fragen selbst, und weniger jeweils die Frage von Bedeutung zu sein.

Vielleicht machst du dir mal die Mühe zu beschreiben, was er denn tut, wenn er sich einmal für eine solche „Identifizierung“ entschieden hat. Ist es wirklich eine Rolle, die er dann übernimmt? Oder bleibt es bei der bloßen Zuordnung von Attributen, wie du sie erwähnst? Also ich meine damit, ob du den Eindruck hast, daß es ein bloßes Spielchen mit Worten sein könnte.

Kann es deiner Wahrnehmung nach sein, daß für ihn im Vordergrund steht, daß ihr euch genervt fühlt? Hat es Ähnlichkeit mit dem Typus der nervigen (weil automatisierten) „Warum“-Fragen?

Wie sieht es mit seinem Spielen sonst aus? Bleibt er bei einer Sache längere Zeit? Oder wendet er sich gerne schnell immer wieder einem anderen Spielzeug zu? Macht er dieses Fragespielchen nur mit dir und deiner Frau?

„Wann läßt du dich endlich mal auf meine Spielerei ein?“

Immer.

Was passiert, wenn blockierst und zeigst, daß dich das Spielchen nervt?

Meine hat das … auch jahrelang gemacht und ist heute (13)

So lange? Au weia. Da brauch ich dann ja wohl wirklich
stahlharte Nerven! :smile:

Bei ihr waren es wirklich Verstellungen und Vorstellungen, so wie sie auch von anderen hier beschrieben wurden. Aus denen wurden dann auch komplette Szenen gemacht. Also es waren richtige Rollenspiele, das scheint ja bei deinem Kleinen nicht der Fall zu sein, oder?

Animaly

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Hallo, Thomas,
ich denke das in dieser Antwort von Animaly schon eine Menge Wahres steckt.
Auch Deine weiteren Erläuterungen unterstützen meine Ansicht, dass Dein Filius in einer Phase der Selbstfindung steckt.
Er will von seiner Umgebung wissen, wie er auf sie wirkt. Dazu nimmt er sich Vorbilder, die er in seiner unmittelbaren Umwelt, seinen Büchern, seinen Plüschtieren usw vorfindet.
Er möchte einfach von Dir wissen: „Bibn ich für Dich eher eine Nelke oder ein Veilchen?“
Deine Antwort könnte beispielsweise dann sein: „Wenn Du frisch gebadet bist duftest Du wie eine Nelke. aber wnn du Dich unter dem Tsch verstckst, kommtst Du mir eher wie ein Veilchen vor.“
Denn gleichzeitig möchte er natürlich auch herausfinden, welche besonderen Merkmale die Dinge haben.

Das ganze wird natürlich nicht mit dem Tiefgang eines Erwachsenen praktiziert. Es ist außerdem ja auch ein Spiel, bei dem man miteinander ins Gespräch kommen kann. Ich habe damals bei unserem festgestellt, dass dieser Gesprächsbedarf ganz immens ist - je intelligenter und lernbereiter ein Kind ist.

Wir nannten ein ähnliches Spiel damals „Erkläre mir die Welt“. Dazu setzten wir uns vor die Türe und plauderten über alles, was sich da ereignete oder auch nicht stattfand. Dazu wurde gesungen und Geschichten erfunden und Gedichte gemacht.

Genieße diese Zeit mit dem Jungen! Du wirst Dich später an gerade diesen Erinnerungen wärmen können!

Grüße
Eckard.

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Hallo Thomas,

mal ganz salopp aus Beobachtungen heraus.
Entwicklung heißt nicht nur sich selbst erkennen und begreifen, sondern auch andere. Wir begreifen indem wir etwas berühren. Ein Kind fast etwas anderes an, nimmt seine Identität an und versucht über das Spiel dieses andere zu begreifen. Ein Erwachsener hat durch diese Spielarten (Vater, Mutter, Kind usw.) gelernt, sich in den anderen (Menschen ) hineinzudenken. Das kann Dein Kind noch nicht, es ist dabei, diese Fähigkeit zu entwicken.
Dein Kind scheint mir wissen zu wollen, wie es dem Dinosaurier, der Blume, der Wolke wohl gehen mag, wie lebt es usw. Es möchte das andere, diese Andersartigkeit, begreifen. Und das kann es nur, indem es in dessen Rolle schlüpft, um zu verstehen, eben anfassen.
Ich denke, Du kannst Dich glücklich schätzen, daß Dein Kind so viel vertrauen in Dich setzt. Zum Dank beschenkt es Dich, indem es Dich an seiner Entwicklung teilhaben läßt.
Vielleicht, irgendwann einmal, stellst Du fest, daß Dein Kind ein sehr gutes Einfühlungsvermögen hat. Vielleicht fragst Du Dich dann, woher es es wohl haben mag, vielleicht wirst Du dann zu dem Schluß kommen, das es ja Dein Kind ist. Vielleicht bist Du dann ja ganz stolz, auf Dein Kind und auf Dich.

Ich wünsche Dir noch ganz viel Spaß und Zeit auf den Entwicklungspfaden Deines Kindes,

lieb gegrüßt,
fionny

Thomas Miller

Hallo,

Es können hier natürlich nur Eindrücke gewonnen werden, aber
mir scheint dabei eher das Fragen selbst, und weniger
jeweils die Frage von Bedeutung zu sein.

wie gesagt macht er das nicht nur mit mir, sondern die beiden Brüder spielen das auch miteinander. Dann allerdings fragt der Große den Kleinen in der Regel: Du sag mal, wer von denen hier bist du denn? - Diese. - Und ich bin die hier.

Vielleicht machst du dir mal die Mühe zu beschreiben, was er
denn tut, wenn er sich einmal für eine solche
„Identifizierung“ entschieden hat. Ist es wirklich eine Rolle,
die er dann übernimmt? Oder bleibt es bei der bloßen Zuordnung
von Attributen, wie du sie erwähnst? Also ich meine damit, ob
du den Eindruck hast, daß es ein bloßes Spielchen mit Worten
sein könnte.

Ein Wortspiel kommt eigentlich nicht in Frage, weil Bezeichnungen als solche keine Rolle spielen, sondern wechselnde Identifikationen, die auch gelegentlich (aber selten) länger beibehalten werden. Heute habe ich ihn gefragt, warum er denn gerade dieser Dino ist (es war ein schwimmender). Antwort: weil er schwimmt (er kam gerade vom Schwimmkurs), vorher war ich der (zeigt auf einen anderen).

Kann es deiner Wahrnehmung nach sein, daß für ihn im
Vordergrund steht, daß ihr euch genervt fühlt? Hat es
Ähnlichkeit mit dem Typus der nervigen (weil automatisierten)
„Warum“-Fragen?

Ich meine, dass es Ähnlichkeiten mit diesem Typus hat. Das Nerven zeigen wir ihm natürlich nicht, sondern wir gehen auf seine Spiele schon ein. Meine Frage ist ja eigentlich auch keiner wirklichen Sorge verpflichtet, er könne gestört sein, sondern es ist eher eine Frage danach, welchen Sinn die dauerhafte (1 Jahr ca. inzwischen) Wiederholung haben kann - und worauf ich mich womöglich bei den beiden jüngeren Kindern diesbezüglich noch gefasst machen muss :smile: .

Wie sieht es mit seinem Spielen sonst aus? Bleibt er bei einer
Sache längere Zeit? Oder wendet er sich gerne schnell immer
wieder einem anderen Spielzeug zu? Macht er dieses
Fragespielchen nur mit dir und deiner Frau?

Er ist sehr konzentriert und bleibt in der Regel bei einer Sache, bis er sie bewältigt hat (z. B. 100-Teile-Puzzles). Die Spiele macht er mit meiner Frau, seinem Bruder und mit mir, ob mit den Kindergärtnerinnen, weiß ich nicht.

Was passiert, wenn blockierst und zeigst, daß dich das
Spielchen nervt?

Dann ist er ein bisschen beleidigt, aber nicht wirklich ernsthaft. Später fragt er einfach nochmal.

richtige Rollenspiele, das scheint ja bei deinem Kleinen nicht
der Fall zu sein, oder?

Sie spielen schon miteinander Kaufmannsladen und solche Spiele.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Schönen Dank an euch alle!
Hallo,

schönen Dank an euch alle, natürlich auch an Fionny!

Das klingt alles sehr einleuchtend und positiv. Ich bin nur gelegentlich halt etwas mürbe, weil mir eben gewisse Dinge auf den ersten Blick nicht interessant erscheinen.

Ich werde die Sache ab jetzt positiver betrachten.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Wer bin ich?
Hi Thomas

hast du schon mal daran gedacht, daß diese Verhaltensweise vor dem Hintergrund des Problems zu sehen, mit der Existenz zweier jüngerer Geschwister fertig zu werden?

Grüße

Metapher

Hi,

hab die gleichen Spiele gespielt und war/bin Einzelkind.
Meine beiden Kinder (Junge und Mädchen) spielten und die Kleine immer noch die selben Spielchen.
Es ist einfach „ganz normal“. Sie finden sich auf diese Art und Weise.

Grüße

d.