Hallo Christiane,
es scheint keiner antworten zu wollen, dann mach ich mal, obwohl ich so gut wie keine Ahnung davon habe. Verlass dich also nicht auf das, was ich äußere:
Die Leute, die da auf ihre Plätze gestellt werden, wissen, wen sie verkörpern. Nicht in dem Sinne, dass sie den Menschen kennen, aber sie kennen die „Funktion“ bzw. die Stellung des Menschen innerhalb der Familie. Also Tante, Mutter Onkel, jüngerer Bruder, Stiefschwester, oder so.
Du hast beschrieben, dass sich bei den Leuten unmittelbare Reaktionen eingestellt haben, wenn sie die ihnen zugewiesenen Plätze eingenommen haben. Sie haben sich wohl, oder unwohl gefühlt, waren mit ihrem Platz nicht zufrieden, wollten weg, oder sowas…
Wie das genau funktioniert kann ich dir nicht sagen, das wirkt auf den ersten Blick sicher etwas esoterisch, ich vermute aber, du brauchst keine Gedankenübertragung, um die Wirkungsweise plausibel zu finden.
Was ich mir als Erklärung zurecht gebastelt habe:
Wir sind alle in sehr verschiedene Familien hineingeboren worden und müssen uns dort von Geburt an zurechtfinden. Das einigermaßen fehlerfrei hinzubekommen in diesem sehr komplexen sozialen Geflecht, ist auch heute noch oft im wahrsten Sinne überlebensnotwendig. Ich nehme an, wir sind deswegen allesamt von Natur aus in sozialer Hinsicht extrem gut ausgestattet, sowohl was Wahrnehmung als auch was Handlungskompetenz angeht. (Ich hör schon die Proteste: gut ausgestattet? Wieso gibts dann immer Streit? Die meisten sind doch komplett asozial! Aber bedenke, auf welch hohem Niveau geklagt wird… und gestritten
) Und zwar stelle ich mir vor, wir sind mit einer Art „Sozialinstinkt“ ausgestattet, der uns befähigt komplexe soziale Situationen zu erkennen, zu beurteilen und darauf (angemessen) zu reagieren, ohne dass wir dieses Bild in seinen Einzelheiten durchdenken müssten.
Durch das Stellen gibst du eine Menge Information. Wo im Raum, Entfernung, Blickrichtung, wer steht dicht zusammen, wer weit voneinander entfernt. Dann kommt dazu, dass der Steller sich die Protagonisten aus dem Teilnehmerpool frei auswählt, auch damit trägt er Informationen weiter. Warum wählt er diesen speziellen Mann als seinen Onkel und nicht den Mann neben ihm? Da spielt dann wieder die komplexe soziale Wahrnehmungsfähigkeit des Stellers eine großen Einfluss nehmende Rolle.
Probier einmal aus, deine Familie aufzustellen. Das kannst du auch mit irgendwelchen Gegenständen machen, egal was für welche das sind: groß, klein, billig wertvoll, sie müssen nur eine „Nase“ haben, damit du eine Blickrichtung festlegen kannst. Wenn du es ernsthaft versuchst, durch das Stellen die soziale Struktur innerhalb eurer Familie abzubilden (wie nah steht dein Vater deiner Mutter?), dann wirst du merken, das schon das Aussuchen der Repräsentanten manche Information offenlegen kann. (Ist dein Vater eher eine Coladose, oder eine Bierflasche? Voll oder leer?) *grins.
Und wenn du dich dann in die einzelnen Repräsentanten an ihren Plätzen hineinzufühlen versuchst, merkst du, wieviel du in der Lage bist, selbst aus der Perspektive einer Coladose heraus wahrzunehmen.
Viel Spaß beim Probieren!
Gruß
Burkh