Überwindung Fremdsprachen

Hallo,

sorry für den komischen Titel, aber mir ist nichts passenderes eingefallen.

Nun erstmal die Vorgeschichte:
Ich hatte in der Schule von der 7. Klasse ab insgesamt 5 Jahre Französisch-Unterricht, davon waren 2 Jahre wirtschaftsfranz…
Ich war nicht besonders gut, aber auch nicht besonders schlecht. Der letzte Unterricht ist nun ungef. 3,5 Jahre her.

Und hier mein Problem:
Wenn jemand franz. spricht, verstehe ich fast alles, aber mich kostet es ungemeine Überwindung (warum weiß ich nicht wirklich) selbst franz. zu sprechen.
Mir fallen dann (z.B. am Telefon, wenn´s total überraschend ist) die einfachsten Wörter nicht mehr ein und ich bete immer, dass der am anderen Ende der Leitung englisch sprechen kann.
Hinzu kommt noch, dass meine Chefin immer sagt „ich bin in franz. auch ne absolute null“, sie dann aber stundenlang im besten (von meiner sicht aus) französisch mit den Kunden spricht. Da wird meine „Versagensangst“ noch größer… (war das jetzt verständlich?!?)

Ich finde französisch toll (wenn man´s kann), würde es auch gerne wieder lernen. Ich habe auch schon ein paar mal meine Franz.-Bücher von der Schule aufgeschlagen, aber es bringt nix (wenn ich die dummen Bemerkungen von meinen Ex-Lehrern lese, vergeht mir wieder die Lust).
Einen Volkshochschulkurs will ich nicht machen, weil ich das doch anders gehen MUSS, da ich so lange franz. in der Schule hatte.

Ich muss einfach nur die „Angst“ verlieren (mit Englisch hab ich z.B. keine Probleme).
Kann mir jemand Tipps geben, wie ich das am besten anstelle?

Oder hilft hier wirklich nur Schulbücher/Volkshochschule = DA MUSS ICH DURCH?!

Danke für Tipps
Liebe Grüße
anke

Hi Anke,

also erstmal: ich spreche noch schlechter französisch als Du.
Ich hatte auf der Schule 2 Jahre (von denen eines sinnlos, weil bei einer Referendarin, bei der wir nur Scheiß gemacht haben).
Ich habe dann einem Freund zuliebe an der UNI noch so eine Art VHS-Kurs mitgemascht, wo ich zumindest etwas von Satzbau etc. gelernt habe (2 Semester).
Auch mir fällt nicht viel ein, wenn ich was sagen soll, aber ich verstehe auch nicht soviel von dem Gehörten.
Aber bei Deinem Wohnort ist es meiner Ansicht nach empfehlenswert, wenn Du ab und zu mal nach Frankreich fährst - das dauert je nachdem wie oft Du Dich verfährst weniger als eine Stunde, um da einzukaufen und vielleicht mal ne Tasse Kaffee zu trinken.
In Weißenburg verstehen die Leute auch Deutsch (oder noch besser Tiefpfälzisch), wenn ich mit meinem „Französisch“ nimmer weiterkomme.
Nebenbei gibt es dort auch sehr preiswert Lebensmittel zu kaufen, die meist von sehr guter Qualität sind.
Es lohnt sich also nicht nur „sprachmäßig“.
Geh aber da nicht nur in den Supermarkt mit Selbstbedienung!

Grüße
HylTox
*mußauchmalwiederhincremefraicheundkaffeekaufen*

Tipps
Hallo Anke,

ich hatte dasselbe Problem wie Du, nur mit Englisch. Telefonieren war der Horror! Wie bei Dir sind mir auch bestimmte Wörter nicht eingefallen etc. Gelöst habe ich das Problem dann damit, dass ich jedem Native Speaker erst mal gesagt habe, sorry, aber ich spreche nicht so gut Englisch, vor allem am Telefon, und ich habe darum gebeten (bei Telefonkonferenzen), dass alle Teilnehmer bitte etwas lauter, deutlicher udn langsamer sprechen. Und siehe da: es klappte. Ich wurde selbstsicherer. Traute mich auch mal was zu sagen. Und die anderne hatten totales Verständnis dafür. Nie fiel eine blöde Bemerkung. Und eines Tages hab ich dann geplappert wie ein Wasserfall. Ich kann Dir nur raten: Trau Dich einfach udn sag es den anderen, dass Du einfach noch nicht so fit bist wie sie.

Viele Grüsse
Anna

Hallo!

Ich hab´ das Problem ein wenig mit Englisch, weil ich Vokabelnlernen hasse. Also habe ich immer Bammel, wenn ich Muttersprachler treffe. Tja, im Job (Nachwuchs-Wissenschaftler) treffe ich aber häufiger auf Briten oder US-Amerikaner. Was tun? Ich war kürzlich in Prag. Die Tschechen verstehen nicht immer Deutsch. Also mußte ich manchmal Englisch sprechen. Na, und da ich auch nicht schlechter Englisch spreche als sie, brauchte ich mich mit meinem Englisch nicht vor ihnen zu verstecken und so habe ich angefangen, Englisch zu sprechen. Zum Schluß hat mir das Englischsprechen so viel Spaß gemacht, daß ich hauptsächlich Englisch gesprochen habe. :wink:

Lange Rede, kurzer Sinn: Versuch doch auch mit Nichtmuttersprachlern französisch zu sprechen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Gruß,

Oliver Walter

Hallo,

ich sage mir das immer so:
wenn sich ein Franzose über mein wirklich nicht gutes Französisch lustig macht (warum sollte er eigentlich?) dann muss er mir zeigen, dass er besser Deutsch spricht als ich Französisch. Wenn er das kann, können wir sowieso gleich in Deutsch weitereden.

Warum musst du denn Französisch reden? Doch nur, weil dein Gegenüber schlecht oder gar nicht Deutsch spricht. Ich habe noch niemanden erlebt, der nicht dankbar gewesen wäre, wenn er zumindest ein paar Wörter in seiner Muttersprache gehört hätte. Oder machst du dich lustig, wenn ein Ausländer dich in gebrochenem Deutsch anspricht?

Das wäre der logische Ansatz. Der ist natürlich schwierig mit den Gefühlen in Einklang zu bringen. Das Problem liegt auch woanders:

Lerne über dich selbst zu lachen. Du musst nicht perfekt sein. Das verdirbt den Spass am Leben. Ab und an eine rote Birne hat noch niemandem geschadet.
Geschichten, bei denen man ins Fettnäpfchen getreten ist sind klasse, wenn man sie unter Freunden erzählt, um mal wieder richtig gemeinsam zu lachen. Wenn dir schon beim Gedanken daran, sowas zu erzählen, schlecht wird, dann stimmt was mit deinem Selbstwertgefühl nicht.

Gruss, Niels

Hi Anke!

Ich unterrichte zwar Englisch, aber immens viele haben das gleiche Problem wie du.

Ich kann nur meine Vorredner unterstützen. Eine Sprache *lebt*
Ist es bei vielen der deutsche Perfektionismus?
*bevor ich etwas falsches sage- sage ich lieber nichts…*

Viel Erfolg!

Siân

Annäherung Fremdwelt
Hallo, Anke,
es ist auch hier immer noch etwas „Fremdwelt“ für mich.
Ich habe die bisherigen Antworten kurz überfolgen, möchte auch meine Erlebnisse „anhängen“, aber an niemand spezielles außer an deiner Frage, und wo lande ich? Ganz oben! In anderen Foren ist das manchmal anders, da wird man immer unten „angehängt“.
Meine Erlebnisse: ich habe immer am wenigsten gelernt (gehabt), wenn ich mir der Sprachbeherrschung am sichersten war (kann man auch hier verfolgen, leider), und am meisten gelernt, wenn ich im „Ausland“ abends das Gefühle hatte: „Scheiße, ich kann garnix, hab heute wieder mal nix verstanden!“.
Am nächsten Morgen sah´s dann immer schon ganz anders aus.
Meine Gefühl für heute und mein Gefühle über gestern.
Auch die Unterrichtsmethode der direkten Konfrontation mit Muttersprachlern (zB bei Inlingua) finde ich (im nachhinein) als die produktivste.
Immer wieder „ins kalte Wasser springen“ (natürlich wenn möglich anner Leine, und damit meine ich nicht Hannover´s), wenn immer wenn ich es schaffte, so ins Leben zu gehen, dann „kam am meisten dabei raus“ und blieb auch am meisten dabei hängen.
Das „Rätsel“ liegt im Aushaltenkönnen des eigenen „Minderwertigkeitsgefühls“ (und damit dann erst auch dessen der anderen).
Mein Prinzip:
Nicht „Früh übt sich, wer ein Meister werden will“, sondern:
Immer „ein Meister, der übt“.
Dabei aber nie den Mund- und Kopfschutz (für die regelmäßigen Abstürze) vergessen!"

Moin, bonjour, salut

Poisson sans boisson est poison!
Pourquoi, de nouveau, je ne m´étais pas tais??!!!

hallo Anke,

falls es dich beruhigt: mir geht es mit jeder Sprache so, die ich neu lerne. Ich kann Übungen machen, Texte schreiben, aber wenn ich dann mit jemandem sprechen soll, dann kostet mich das unheimlich Überwindung, ich krieg beinahe nichts raus. Ich hab immer das Gefühl, daß sich das, was ich sage lächerlich anhört. Am schlimmsten ist es, wenn Leute dabei sind, die selber keine Muttersprachler sind, aber die Sprache besser sprechen als ich.

Das erste Mal (bei englisch) hat sich das irgendwie mit der Zeit gelegt. Vielleicht bin ich durch’s viele englisch lesen sicherer geworden. Auf jeden Fall hilft es aber, wenn man reden muß, d.h., wenn in deinem Fall Französisch die einzige Sprache ist, mit der man sich verständigen kann.
Ich hab vor einem Jahr angefangen in Frankreich meine Doktorarbeit zu machen und bin dann ins kalte Wasser geworfen worden. Und da ging es auf einmal, weil ich mußte (es wäre zur Not auch in Englisch gegangen, aber die meisten Franzosen haben im Englishen so einen starken Akzent, daß ich frz. noch besser verstanden habe).
Generell habe ich die Erfahrung gemacht, daß es leichter ist, wenn ich den Gegenüber nicht so gut kenne. Dann kann ich mir sagen: „ist doch egal, was er/sie denkt, soll er/sie doch über mich lachen, was soll’s.“
Obwohl ich inzwischen fließend rede, fühl ich mich immer noch nicht so richtig wohl, wenn mein Frenud dabei ist (er spricht fließend fehlerfrei, im Gegensatz zu mir). Ich möchte dann immer besonders wenig Fehler machen.

Mein Rat also: such dir am besten einen Franzosen /eine Französin, den / die du nicht kennst. Den Vorschlag mit dem einkaufen und Kaffeetrinken in Frankreich find ich gut. Nimm doch einfach eine Freundin mit, die kein Französich kann. Deren Bewunderung, wenn du die Bestellung aufgegben hast, baut dich auf. Und dann einfach weiter machen. Sobald du ein Gefühl für die Sprache bekommst, ist’s geschafft.

Bon courage,
Sandra

Hallo Anke,

mir hilft Kassette hören. Am besten ist ein Text, in dem mit normaler Geschwindigkeit Dialoge zu hören sind. Und solche Texte höre ich gerne nebenbei, wenn ich mich gerade nicht auf etwas anderes konzentrieren muss(Hausarbeit, Hobby, Joggen). Dann kann ich mich am besten auf diesen sprachlichen Singsang einlassen, fange plötzlich irgendwelche Textfetzen nachzuplappern.

Sprachkurse sind als Ergänzung nicht schlecht, wenn man dazu aufgefordert wird in einer Fremdsprache etwas zu erzählen (wie war Ostern, der Urlaub o.s.ä.).
Manchmal werden Kurse angeboten, in denen das miteinander Diskutieren in der Fremdsprache das Hauptthema ist. Die Lehrkraft nimmt zu jeder Stunde einen Zeitungsausschnitt mit, und die Kursteilnehmer sollen in Französisch ihre Meinung dazu abgeben.

viele Grüße
grilla

kenn ich…
Hallo Anke,

das Problem kenne ich.

Ich hatte in der schule 7 Jahre Englisch und war eigentlich immer sehr gut. dann habe ich angefangen zu studieren, sehr sehr selten wirklich gesprochen, eigentlich nur gelesen, das aber auch wirklich verstanden.

dann bin ich nach 2 Jahren für 2 Semester nach England gegangen, um dort zu studieren. und was ist passiert: ich hatte enorme Hemmungen zu sprechen, und das mir, die doch in der Schule immer so gut war.

also, es hat etwa einen Monat gedauert, dann ging es auf einmal wieder. es war wirklich die Gewohnheit, dass ich gemerkt habe, es geht ja doch. heute telefoniere ich sogar leidenschaftlich gern auf englisch. nur englische memos oder Berichte schreiben ist immer noch hart…

aber nun mal zum Tip, den ich Dir geben möchte. versuche, an französische Literatur zu kommen. Zeitungen, Bücher, wenn zu schwierig fange vielleicht mit Kinderbüchern an. und dann lese Dir die laut vor. jeden Tag vielleicht eine halbe Stunden. so gewöhnst Du Dich wieder an den Klang der Sprache und gleichzeitig holst Du Dir die Vokabeln wieder ins Gedächtnis. Du wirst sehen, bald hast Du es wieder drauf

Viel Glück
Queedin

Oder hilft hier wirklich nur Schulbücher/Volkshochschule

hi,

bücher werden nichts nutzen. volkshochschule auch nicht.

ich habe in meiner kindheit eine stottererkarriere durchgelebt und konnte bis ich ~zwanzig war überhaupt nicht telefonieren. auch auf deutsch nicht. irgendwann klappte das dann doch. man hat ja keine wahl.

dann war ich ein paar monate in amerika und derselbe HORROR ging von vorne los. unsicherheit am telefon, konnte nicht telefonieren, diesmal auf englisch nicht. bis ich probleme wegen mißverständnissen mit dem visum und einem flugticket bekam und mit behörden und botschaften telefonieren MUSSTE, ansonsten hätte mir eine strafe gedroht…

seit 2000 lebe ich in israel und derselbe HORROR fing auch da wieder an, diesmal in hebräisch. nix war mit telefonieren, ich hatte schweißausbrüche und betete der andere würde *englisch* können… durch zwang und desensibilisierung ging auch das weg. inzwischen plappere ich so halbwegs hebräisch mit deutschem akzent und quatsche englisch mit hebräischem akzent (wegen schlechtem einfluß LOL), was alle besonders lustig finden. naja NA UND?! und wenn ich mal hängenbleibe bei einem schweren wort, na und. es ist mir EGAL. ich rufe präsident bush an wenns sein muß. es nutzen keine sprachkurse oder bücher, sondern nur KEINE WAHL zu haben. entweder du redest oder du kriegst nicht was du willst.

wird zeit daß ich mein französisch aufpoliere.
arabisch möchte ich auch lernen in den nächsten jahren.

viel erfolg und nicht lockerlassen
datafox