Hallo Experten!
Hallo!
Vorab: Ich bin Psychologe und arbeite als Test- und Fragebogenkonstrukteur.
Ich kann Dir hier kein komplette Erklärung dafür geben, warum psychologische Fragebogen so aussehen, wie sie aussehen. Eine solche Erklärung würde ein kleines Buch füllen und notwendigerweise sehr ins Detail gehen. Von denen, die hier bisher geantwortet haben, hat winkel am ehesten Recht. Bei der Art von Fragebogen, aus dem die von Dir zitierten Fragen stammen, ist die Antwort auf eine einzelne Frage nicht so entscheidend - hinsichtlich der AUSWERTUNG! Wieso das so ist, hat mit komplexen statistischen Methoden zu tun, die zu beschreiben jeden Rahmen sprengen würden. Hinsichtlich der psychologischen Prozesse, die eigentlich interessieren, ist es dagegen außerordentlich wichtig, wie der / die Befragte einen solchen Fragebogen beantwortet. Daher sollte man Fragebögen so beantworten, wie der Testleiter oder die Anweisung es möchten. In dem Fall steigt die Wahrscheinlichkeit, daß das Ergebnis, das am Ende des Prozesses steht, eine gültige Aussage über das macht, was der Fragebogen messen soll.
Es ist nicht richtig, wenn behauptet wird, daß Du bei bestimmten Fragen immer schlecht abschneidest. Bei den Fragen, die Du zitiert hast, kannst Du gar nicht schlecht abschneiden, weil es sich um Fragen aus einem Persönlichkeitsfragebogen handelt. Bei solchen Fragebögen „fällt“ man nicht „durch“. Wie sollte das auch gehen?
Natürlich haben meine Frage einen Grund. Ich möchte eine
führende Stelle annehmen, muss aber zuvor einen
psychologischen Test ablegen, in dem meine Fähigkeiten geprüft
werden sollen. Da mir diese Stelle sehr viel bedeutet, möchte
ich vorbereitet sein. Wie sind solche Fragen also zu bewerten
und worauf sollte man in meinem Fall besonders Acht geben?
Auf gar nichts. Beantworte den Fragebogen so, wie die Anweisung es vorschreibt. Es ist für Laien unmöglich, das Ergebnis in einem Persönlichkeitsfragebogen hinzu"schummeln", das sie gerne hätten.
Persönlichkeitsfragebogen werden manchmal für die Personalauswahl benutzt. In Deutschland ist es vor allem das Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI), das verwendet wird. Von der Verwendung von Persönlichkeitsfragebogen zur Personalauswahl halte ich nicht viel, u.a. weil der statistische Zusammenhang zwischen den Ergebnissen in solchen Fragebogen und der beruflichen Leistung nicht sehr hoch ist. Die Fragebogen sind für die Zwecke der Personalauswahl in den allermeisten Fällen auch gar nicht konstruiert worden. Für den FPI in der Fassung von 1987 (in den letzten Jahren kam eine neue Auflage heraus) haben die Fragebogenkonstrukteure selbst davor gewarnt. Auch das Testkuratorium der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen „rät dringend“ davon ab, solche Fragebogen für die Personalauswahl einzusetzen.
Wofür die Fragen, die Du genannt hast, im einzelnen stehen, sollte Dir kein verantwortungsbewußter Psychologe sagen. Wenn es sich nämlich ´rumspricht, dann kann man die Fragebogen, die mit viel Aufwand und für viel Geld konstruiert wurden, wegwerfen. Für diese „Geheimniskrämerei“ gibt es gute Gründe. Keiner davon ist unethisch.
Freundliche Grüße,
Oliver Walter