Vielleicht passt meine Anfrage nicht so ganz in dieses Forum… aber hier glaub ich ist meine Frage noch am ehesten unterzubringen.
Ich habe eine sehr gute Freundin, sie ist 38 Jahre alt und zur Zeit in einem sehr großen Tief. Sie redet sich ständig ein, die letzten zehn Jahre, welche sie als ihren „besten“ Jahre bezeichet, einfach verpasst/vorbeigelebt/vergoldet zu haben. Diese Zeit war für sie auch nicht besonders leicht. Sie verlor Ihren Mann durch einen tragischen Unfall und hatte dann später eine Beziehung zu einem Mann, der ihr die Hölle heiss machte und noch heute ständig von ihm belästigt wird.
Sie wohnt jetzt seit einem Jahr in einer wunderschönen Wohnung, aber sie sieht die Wände an, als wären es die Wände eines Gefängnisses…
Sie spricht immer davon, wie schön es doch gewesen sein hätte können. Sie hätte so gerne eine kleine Familie. Einen Mann, Kinder einen Hund & Co…
Ich hab schon öfters versucht mit ihr darüber zu reden und ihr zu sagen, dass das Leben und vorallem auch ihre Zukunft schon noch einen Sinn hat… Aber sie blockt immer wieder ab, egal was ich auch versuche. Ich würde mir so wünschen, dass es ihr ein bisschen besser geht. Dass sie Freude am Leben findet. Oder zumindest versucht sie wieder zu finden.
Ich würde ihr ganz gerne einen Brief schreiben. Ihr schreiben, dass auch die letzten 10 Jahre nicht umsonst gewesen sind, wie sie immer sagt… dass alles irgendwie seinen Sinn hat - auch wenn wir ihn nicht verstehen können…
nun sitze ich vor einem weißen Blatt Papier und mir fällt nur immer wieder das ein, was ich ihr schon gesagt habe… Kann mir jemand helfen, diesen Brief zu formulieren?
Ich hab wirklich auch etwas Angst um sie, immer wieder spricht sie das Thema Selbstmord an. Zwar jetzt nicht auf sie bezogen sondern eher allgemein… aber trotzdem… es macht mir sehr große Angst.
Hallo,
ein Brief wird absolut nichts ändern - gemeinsame Unternehmungen schon eher, da es sie evtl. davon ablenkt zuviel über sich nachzudenken. Sie scheint sich völlig auf die negative Sicht ihres Lebens fixiert zu haben. Ich würde insbesondere in Anbetracht der evtl. Suizidgefahr auf sie einwirken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, neben Deinen Bemühungen ihr Leben in einen besseren Licht zu sehen. Die aktuelle Situation ist insofern problematisch, da ihr Verhalten und ihre Ausstrahlung soziale Kontakte einfrieren läßt und es ihr kaum ermöglicht neue aufzubauen. Ein klassischer Teufelskreis.
Gruss
Enno
PS: Wenn Du eine Partnerin hast, sollten die Unternehmungen eher im Rahmen einer kleinen Gruppe stattfinden (mit Singles), um das Gefühl der Einsamkeit nicht noch zu verstärken.
Das ist eine sehr schwierige Situation, denn sie ist eventuell nicht bereit, Hilfe anzunehmen!
Ich würde mit ihr einfach mal offen reden.
Ich glaube, deine Freundin sollte lernen richtig zu trauern, und die Vergangenheit loszulassen!
Allerdings kann man das nur, wenn man bereit ist Hilfe anzunehmen und sich anderen zu öffnen.
Natürlich kann ich sie nicht beurteilen, denn ich kenne sie nicht, aber so, wie du es beschreibst, klingt es, als ob sie verschlossen wäre!
Wichtig wäre für sie, denke ich, einen Psychologen aufzusuchen, denn wenn man in einer solch depresiven Phase ist, wo man sogar schon von Selbstmord redet, oder daran denkt, da sollte man immer vorsichtig sein.
Von außem kann man oftmals nicht richtig einschätzen, wie ernst diese Gedanken sind, und wieviel Mut derjenigebesitzt, es auch wirklich zu tun, verstehst du?
Du kannst ihr deine Hilfe und deinen Beistand anbieten, aber wenn sie ihn nicht annimmt, dann hast du leider keine andere Möglichkeit.
Versuche mit ihr zu reden!!! Das ist ganz wichtig!
das Gefühl von Lebensmüdigkeit kennt jeder, der mit vielen unangenehmen Erlebnissen konfrontiert wurde, die einem dann noch in den Knochen stecken - sozusagen unverdaut einen quälen. Vielleicht kommt bei deiner Freundin Midlifecrises hinzu - ein abgegriffenes Wort, aber mir fällt jetzt nichts anderes ein - sie hat eine gewisse Lebensstrecke hinter sich, mit vielen verpaßten Chancen und mit einigen Pechsträhnen, und die gleiche Lebensstrecke vor sich, mit dem Gefühl nicht mehr alles machen zu können wie mit 20.
Nun hat Lebensfreude auch immer etwas mit persönlicher Wertung zu tun. Biggi hat´s im FF-Brett gut beschrieben (hoffentlich habe ich es richtig verstanden). Du siehst für sie durchaus noch schöne Lebensmomente, und gleichzeitig ist sie es dir wert, dass sie ihr Leben pflegt. Aber wie sieht sie es für sich?
Offensichtlich bekommt ihre Vergangenheit mehr Gewicht, als das Vertrauen zu sich selbst eine schöne Zukunft gestalten zu können.
Es hilft ihr nichts, wenn du ihr deine „Brille“ gibst.
Aber eventuell hilft es ihr, wenn du ihr ein Gefühl von „ich bin da“ gibst, so dass sie wenigstens eine Möglichkeit vor Augen hat, aus ihrer Einsamkeit eine Zweisamkeit machen zu können - das könnte der Rettungsanker aus Selbstmordgedanken sein (so schätze ich das ein).
Was nach meiner Erfahrung helfen kann, ist ein „neutraler Moderator“, also ein Psychologe, der aufgrund seiner Profession (im Sinne von Erfahrung und menschlischer Distanz) die richtigen Fragen stellt. Er bemüht sich darum ihre Sichtweise zu verbessern, ihr zu neuen Lebenswerten zu verhelfen, Eigenliebe zu entwickeln, Position für sich selbst zu beziehen…usw.
Psychotherapeuten und Psychologen gibt es viele. Was du ihr abnehmen kannst dich ein wenig umzuhorchen, und versuchen einen zu finden, der Zeit hat und der zu empfehlen ist. Wer depressiv ist, rafft sich schwer auf sich Hilfe zu suchen. Und die Suche nach einem geeigneten Arzt kann im Vorfeld zermürbend sein.
Sag ihr, was du vor hast (ihr einen Arzt suchen), und wenn sie einverstanden ist, dann drück sie oder ihre Hand. Das ist nach meiner Erfahrung hilfreicher, als ein Brief, und sei er noch so liebevoll formuliert.