Promotion und Englisch

Hallo Ihr Lieben,

ich habe 1996 meinen Abschluß als Diplom-Psychologe gemacht und arbeite seitdem recht erfolgreich im Klinischen Bereich. Seit längerem ging ich mit dem Gedanken schwanger, wegen einer neuen Herausforderung, die man ja immer mal wieder braucht, mich wieder etwas mehr auf die wissenschaftliche Strecke zu verlegen und berufsbegleitend, also extern meinen Doktor zu machen. Nun habe ich bei mir in der Nähe einen Professor gefunden, der mich promovieren möchte, und jetzt sind wir gemeinsam auf Themensuche. Um mich einigermaßen wieder auf den gegenwärtigen Forschungsstand in verschiedenen Themenbereichen zu bewegen, versorgte er mich mit Literatur, durch die ich mich gerade hindurchwühle. Und hier beginnt mein Problem: Fast alles sind englische Fachtexte, aber meine englischen Sprachkenntnisse sind nicht berühmt (trotz Englisch-Zwei auf dem Diplom-Zeugnis), und ich quäle mich Satz für Satz durch die Literatur, und ich habe das Gefühl, das Tempo, welches ich dabei vorlege, ist eine ziemliche Katastrophe. Im Moment bin ich sehr ratlos, weil ich glaube, meine Doktorarbeit muß nicht gerade an meinem mangelnden Sprachtalent scheitern, aber ich denke, so wird das nichts. Hat jemand ähnliche Erfahrungen, und wie hat er sich beholfen? Ein längerer Auslandsaufenthalt ist für mich z. Zt. eher nicht einzurichten, und ich will meine Arbeit auch nicht unbedingt an externe Hilfen (Übersetzungsbüros u. dgl.) delegieren … Kann mir jemand einen Tip geben oder wenigstens etwas Mut machen? Danke Euch allen - Psycho-Alf

Hallo Psycho-Alf,

Du gestattest, dass ich Dein Posting auf das wesentliche Problem reduziere.

Fast alles sind englische Fachtexte, aber meine englischen
Sprachkenntnisse sind nicht berühmt (trotz Englisch-Zwei auf
dem Diplom-Zeugnis), und ich quäle mich Satz für Satz durch
die Literatur, […]
gerade an meinem mangelnden Sprachtalent scheitern, aber ich
denke, so wird das nichts. Hat jemand ähnliche Erfahrungen,
und wie hat er sich beholfen? Ein längerer Auslandsaufenthalt
ist für mich z. Zt. eher nicht einzurichten, und ich will
meine Arbeit auch nicht unbedingt an externe Hilfen […]

Tipp von der Fachfrau (Bibliothekarin):
Du hast doch ohnehin immer mal wieder Kontakt mit Deinem Prof. Besuche doch bei dieser Gelegenheit die Fachbereichbibliothek und mache Dich dort schlau, ob Du dort als Externer einen Leseausweis kriegst, oder wenigstens die Bib. benutzen darfst.

Allein im Katalog „meiner“ Universitätsbibliothek fand ich beim ersten Versuch 17 verschiedene Wörterbücher zur Psychologie Englisch. Das sind freilich nicht alles Übersetzungs-Wörterbücher im Sinn von English/Deutsch, viele sind „nur“ Encyclopedia, aber selbst das sollte Dir zumindest mittelfristig mit Begriffsdefinitionen weiter helfen.

Suchstrategie im Bibliothekskatalog (Schlagwortkatalog):
Wörterbuch - Psychologie - Englisch

viel Erfolg
Angelika

Hallo,
Fachtexte haben doch den Vorteil, daß das Vokabular ziemlich eingeschränkt ist. Deine Qual wird daher nicht lange dauern. An engl. sprachlicher Literatur wirst Du auch nach der Promotion nicht vorbeikommen. Übersetzungen bergen die Gefahr den Inhalt zu enstellen bzw. sind kostspielig, wenn Übersetzer verwendet werden, die zudem über Fachkenntnis verfügen.

Gruss
Enno

Hi Alf,

„Satz für Satz“ scheint mir schon die Wurzel Deines Übels zu sein. In der Fachliteratur, insbesondere dann, wenn Du gerade dabei bist, Dir einen Überblick zu verschaffen, braucht Dich ja nicht wirklich jeder Satz oder gar jedes Wort interessieren. Du willst ja zunächst mal nur wissen, welches die untersuchte Fragestellung ist, wie die Methodik aussieht, „was dabei raus kam“ und was der Autor zu der Frage meint, was wir denn jetzt wohl über die Welt gelernt haben. Um das herauszufinden, reicht Dir - in besonders günstigen Fällen - das Abstract, oder - in nicht ganz so günstigen Fällen - je eine Seite aus
Introduction, Methods, Results und Discussion. Okay, mir ist schon klar, dass man vieles auch ganz, ganz sorgfältig lesen muss. Aber nachdem man vier Seiten gelesen hat, weiss man in der Regel schon sehr, sehr viel. Und man sollte tatsächlich nicht den Anspruch haben, jedes Wort zu verstehen - ganz tödlich finde ich das zwanghafte Nachschlagen jeder Vokabel in einem Wörterbuch.

Aber eines ist Dir ja ohnehin klar, nehme ich an: so „nebenbei“ promovieren ist nicht. Da sitzen auch Leute, die nicht gerade ganz fürchterlich auf den Kopf gefallen sind, einige Jährchen dran, auch wenn sie auf ausgewiesenen Promotionsstellen sitzen. Wenn Du sozusagen „nach Feierabend“ an das Lesen der Fachliteratur gehst, dann dauert eben auch alles ein bißchen länger (soviel zur „quälenden Langsamkeit“).

Und was „fremde Hilfen“ angeht: wenn Du über genügend finanzielle Mittel verfügst (so ganz billig dürfte das nicht werden), dann findest Du bestimmt einen Psychologen mit wissenschaftlichem Hintergrund, der Dir deutsche Zusammenfassungen zu Deiner Fachliteratur schreibt.

So oder so: viel Erfolg!

Gruß
MN

Heißen Dank an Angelika, Enno und Michael für die freundlichen Zeilen. Ihr habt mir sehr geholfen, und ich hoffe, daß ich mich irgendwie, irgendwo und irgendwann revanchieren kann. Freundliche Grüße und alles Gute, Psycho-Alf