Toleranz/Akzeptanz Definition? lang

Hallo liebe Experten,

ich schlage mich seit Wochen/Monaten/Jahren immer wieder mit dem gleichen Problem rum und komme auf keinen grünen Zweig. :frowning: Wer mich kennt, der weiß, dass meine Postings meistens lang ausfallen. :wink:

Ich versuche mal zu beschreiben, wo das Problem liegt und möchte von vorneherein dazu sagen, dass ich seit Februar in Psychotherapie (Gesprächstherapie) bin, wegen heftiger Minderwertigkeitskomplexe und dementsprechend fehlendes Selbstbewusstsein, kein Selbstwertgefühl, Verlustängste, usw. Ich weiß also, dass ich Probleme habe und diese nicht alleine bewältigen kann.

Nun ist es so, dass ich vor allem die letzten Wochen stärker als früher meine eigene Meinung zu verschiedenen Dingen akzeptiere, zumindest habe ich das Gefühl. Ich habe im Freundeskreis einige Male meine eigene Meinung, die oftmals nicht unbedingt der „Cliquen-Ausrichtung“ entspricht, offen ausgesprochen und dafür einige Male mehr oder weniger verbal auf den Deckel geschlagen worden. Seitdem halte ich wieder meistens die Klappe und behalte meine Meinung für mich, weil ich keine Lust habe, mich rechtfertigen zu müssen, warum ich eine andere Meinung habe, wie die anderen.

Durch die Blume wird mir mitgeteilt, dass meine Meinung zu „political correct“ ist und ich außerdem die Meinung der anderen nicht akzeptieren/tolerieren würde. Auch Fingerspitzengefühl habe ich lt. anderer nicht viel, was ich eigentlich anders sehe.

Nun weiß ich ja auch, dass der Ton die musik macht und es kann schon sein, dass mein Auftreten recht dominant wirkt (vielleicht muss ich mich auch selber noch mehr in meiner eigenen Meinung bestärken und vertrete sie deswegen sehr dominant?) Ich selber kann mich schlecht beobachten und beurteilen - aber wie seht ihr die „Definition“ von Toleranz/Akzeptanz anderer Meinungen?

Kleines Beispiel: Ein Bekannter (schwul) sieht zufällig ein Foto von irgendeinem Typen (Werbe-anzeige in einem Heft) und meint, dass er den Typen süß findet. Ich sage: „Ihh, nein, das ist doch ein Milchbubi, gefällt mir nicht.“ Für diesen Satz ernte ich von einer Freundin einen Anschiss, dass ich ja wohl nicht den Geschmack des anderen so schlecht machen kann und ich halt andere Geschmäcker akzeptieren muss.

Ich habe kein Problem damit, wenn der Bekannte den Typen süß findet - warum auch? Aber akzeptiere ich seinen Geschmack, wenn ich meine eigene, wenn auch negative Meinung über den Typen äußere? Ich möchte an mir arbeiten und mich ggf. ändern, aber ich möchte vor allem auch eines vermeiden: Grundsätzlich jeden Fehler ausschließlich bei mir selber suchen - das habe ich jahrelang getan und muss jetzt halt auch lernen und verstehen, dass andere in meinem Freundeskreis genauso Fehler machen und mich damit verletzen. Nur, wie erkenne ich das?

Also blöd gesagt, kann man eine Meinung tolerieren, die man selbst für sich als schlecht empfindet?

Wie definiert ihr Toleranz und wie Akzeptanz?

Ich denke, ein Gespräch im Freundeskreis wäre zwar evtl. sinnvoll, nachdem aber anscheinend nicht viel Interesse daran besteht, sich mal wieder mit mir und meinen Problemen zu beschäftigen und ich außerdem viel zu verunsichert bin, als dass ich konstruktiv diskutieren könnte, habe ich da viel zu viel Angst vor.

Freue mich auf verschiedene Meinung zu Thema
liebe Grüße
Alexa

Kommunikation
Hallo Alexa,

nach meiner Erfahrung ist niemand immer tolerant, sondern da gleichmütig-weitsichtig-geduldig-einfühlsam, wo er für sich keinen Handlungsbedarf sieht.
Im Freundeskreis ist Einigkeit schon auch wichtig, aber nicht das was wirklich Vorhaben voranbringt. Erkenntnisse entstehen oft aus Irrtümern. Schön, wenn es gute Freunde gibt, die einen darauf hinweisen.
So ist für mich Toleranz nicht das Allheilmittel für Verbundenheit, sondern mir ist das Drumherum dafür (für die Verbundheit) wichtig, wie man miteinander umgeht. Also, es ist nicht so wichtig, ob du die in deiner Clique bist, die als Einzigste ein bestimmte Meinung vertritt, sondern ob du dabei sein darfst trotz der Meinung - und noch besser gerade wegen der Meinung, die eventuell eine Bereicherung sein könnte. Eine miese Meinung ist nicht gleichzusetzen mit einem miesen Menschen.

Ich habe im
Freundeskreis einige Male meine eigene Meinung, die oftmals
nicht unbedingt der „Cliquen-Ausrichtung“ entspricht, offen
ausgesprochen und dafür einige Male mehr oder weniger verbal
auf den Deckel geschlagen worden.

Wie hat denn „das Deckel schlagen“ ausgesehen? So etwas wie „damit kann ich/wir nichts anfangen“ oder „diese Meinung ist typisch für dich…wieder mal eine Extrameinung…“?

Seitdem halte ich wieder
meistens die Klappe und behalte meine Meinung für mich, weil
ich keine Lust habe, mich rechtfertigen zu müssen, warum ich
eine andere Meinung habe, wie die anderen.

Wie siehst du dich in der Clique? Wen oder was mußt du rechtfertigen, deine Person oder deine Einstellung? Für wen willst du Toleranz? Für dich oder für deine Einstellung?
Klappe halten ist Resignation, Gefühlsstau - weder Zorn noch Euphorie. Das ist mit Sicherheit nicht die Lösung.

Durch die Blume wird mir mitgeteilt, dass meine Meinung zu
„political correct“ ist und ich außerdem die Meinung der
anderen nicht akzeptieren/tolerieren würde. Auch
Fingerspitzengefühl habe ich lt. anderer nicht viel, was ich
eigentlich anders sehe.

Sprich mal das mit deinem Therapeuten durch. Er wird dazu einiges fragen, was dir hilft verschiedene Sichtweisen zu erlangen, so dass du einen besseren Überblick über deine Position in der Clique bekommst.

Kleines Beispiel: Ein Bekannter (schwul) sieht zufällig ein
Foto von irgendeinem Typen (Werbe-anzeige in einem Heft) und
meint, dass er den Typen süß findet. Ich sage: „Ihh, nein, das
ist doch ein Milchbubi, gefällt mir nicht.“ Für diesen Satz
ernte ich von einer Freundin einen Anschiss, dass ich ja wohl
nicht den Geschmack des anderen so schlecht machen kann und
ich halt andere Geschmäcker akzeptieren muss.

Hmm, er ist nur ein Bekannter, nicht wahr? Dir vielleicht ein wenig unsympathisch, kann das sein?
Wäre er mein Freund, hätte ich interessiert nachgefragt „was macht´s aus, die Augen, die Körperformen…?“ Deine Meinung ist in dem Moment irrelevant gewesen. Wärest du seiner Meinung, wäre es kein Problem gewesen. Aber so kam die Botschaft bei ihm und der Freundin an „der Typ, den du toll findest, ist doof - komischer Geschmack“ Dass es eine nämlich deine Meinung ist, zu dieser Relation sind nur abgeklärte Menschen fähig. Jeder anderer filtert da Abwertung heraus, und sieht sie gegen sich gerichtet.

aber ich möchte vor allem auch eines vermeiden: Grundsätzlich
jeden Fehler ausschließlich bei mir selber suchen - das habe
ich jahrelang getan und muss jetzt halt auch lernen und
verstehen, dass andere in meinem Freundeskreis genauso Fehler
machen und mich damit verletzen. Nur, wie erkenne ich das?

Ne, das geht nicht um falsch oder richtig, sondern darum, wie Ihr miteinander kommuniziert. Halte auf keinen Fall deine Meinungen zurück, damit tust du dir selbst keinen Gefallen. Aber vielleicht hilft es dir, wenn du deinen Mitteilungshunger ein wenig mehr zügelst. Manchmal muss man abwarten. Im Fall deines schwulen Bekannten kann es sein, dass er auf Beziehungssuche ist und einen Tagtraum hatte. Da wäre vielleicht deine Anteilnahme wichtig gewesen. Geht es um Meinungsaustausch, dann leg los. Wenn du dich angegriffen fühlst, dann frag doch nach „hey, wie meinst du das, wenn du jetzt gegen mich schießt…“
Gekonnt zu kommunizieren, können die wenigsten von, das ist eine Kunst für sich. Wenn du aufgrund von mangeldem Selbstbewußtsein in Therapie bist, dann sind das genau die Wunden, die momentan schmerzen, wenn es um Durchsetzungsvermögen, Machtkämpfe, Selbstdarstellung und Anerkennung geht. Beiß dich vielleicht nicht so sehr an Worte wie Toleranz und Akzeptanz fest, sondern verbessere dein Beobachtungsvermögen, was so zwischen dir und den anderen passiert, wenn ihr miteinander redet. Da steckt oft noch viel mehr dahinter, als es das Gesprächsthema oberflächlich gesehen zuläßt.

viele Grüße
grilla

Es gibt viele Facetten
Hallo Alexa!

Ich glaube, dass deine eigentliches Thema nicht Toleranz oder Akzeptanz ist.

Dein eigentliches Thema ist die Art, wie du etwas bei einem Gespräch rüberbringst.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung; aus meiner Unsicherheit (ebenfalls mangelndes Selbstwertgeühl) habe ich oft in meiner Vergangenheit meine Meinung sehr vehement, teilweise aggressiv und oft mit einer negativen Brise (wie es meiner Grundeinstelllung entsprach) rübergebracht.

Ich bin dann auch oft im Freundeskreis auf Nicht-Verständnis gestoßen. Die Menschen sind halt so, dass sie sich ungern mit „Gewalt“ oder Pessimismus kontrontieren lassen, wenn es sich eben vermeiden lässt. Man reagiert trotzig, wenn irgendwer versucht, einem seine Meinung aufzudrücken oder alles schlecht zu machen, was es auf der Welt gibt.

Ich denke, dass es dir - so wie mir damals - nicht so bewusst ist, wie deine Sätze auf andere wirken.

Vielleicht suchst du mal in deinen Gedankengängen nach negativen Denkweisen und Formulierungen. Ich wette, dass du davon mehr als genug hast.

Ein Beispiel: Die Sonne scheint. Du könntest denken: „Phantastisches Wetter heute!“ oder aber auch „So schlecht ist das Wetter ja heute zum Glück nicht.“

Bei der AUseinandersetzung mit deinem Bekannten ist es ähnlich. Du hättest deine Meinung, dass du den Typen nicht so prickelnd findest, auch anders ausdrücken können. Du hast dich für den Weg entschieden, deine Sichtweise rigoros und negativ rüberzubringen und ihn außerdem noch vor anderen lächerlich (Milchbubi) zu machen. Kein Wunder, dass die anderen da eingeschritten sind.

Ich will dich hier nicht schlecht machen (schöner negativ ausgedrückter Satz). Deine Beweggründe, dein Selbst vor den anderen zu schützen, indem du dich so artikulierst, wie du dich artikulierst, kann ich nachvollziehen!!!

Aber so lange du dich hinter deinem schlechten Selbstwertgefühl und deinem Schweigen oder deinen negatigven Aussagen versteckst, wird es dir in weiteren Dialogen nicht besser gehen!

Ich denke, dass der erste richtige Schritt war, eine Therapie aufzunehmen.

Ich habe dieses Thema auch schon durchexerziert.
Mir hat eine Psychotherapie geholfen, mehr ich selbst zu sein, zu mir zu stehen und meine Meinung nicht mit der Brechstange durchsetzen zu müssen.

Ich habe erkannt, dass meine Vehemenz und das Beharren auf meinem Standpunkt der Ausdruck meiner Selbstzweifel waren.

Danielle

Wortstamm
Hallo Alexa,

Toleranz/Akzeptanz anderer Meinungen?

vielleicht bietet dir der Wortstamm Hilfe bei der Definition.

Toleranz kommt von „tolere“ und heißt „ertragen“ bzw. „aushalten“;
Akzeptanz kommt von accipere und heißt „empfangen“ bzw. „annehmen“ oder auch „sich gefallen lassen“.

Aber akzeptiere ich seinen Geschmack, wenn ich meine eigene, wenn auch
negative Meinung über den Typen äußere?

Ich denke nicht, du tolerierst seinen Geschmack.

Also blöd gesagt, kann man eine Meinung tolerieren, die man
selbst für sich als schlecht empfindet?

Klar, „akzeptieren“ ist wesentlich näher an dir selbst als „tolerieren“. Nur in der Umgangssprache ist es häufig so, dass sich die Bedeutungen vermischen.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo,
Toleranz bedeutet auch ggf. zu der eigenen Einstellung sehr gegensätzliche Ansichten kampflos koexistieren zu lassen, Akzeptanz dagegen setzt eine gewisse Übereinstimmung dieser Ansichten mit Deiner eigenen Einstellung vorraus. Akzeptanz ist daher stärker als Toleranz, d.h. Akzeptanz impliziert Toleranz aber nicht umgekehrt.

Gruss
Enno

Hallo Alexa,

Nun ist es so, dass ich vor allem die letzten Wochen stärker als früher meine eigene Meinung zu verschiedenen Dingen akzeptiere, zumindest habe ich das Gefühl. Ich habe im Freundeskreis einige Male meine eigene Meinung, die oftmals nicht unbedingt der „Cliquen-Ausrichtung“ entspricht, offen ausgesprochen und dafür einige Male mehr oder weniger verbal auf den Deckel geschlagen worden.

Das ist ganz normal, du hast dich verändert und sie möchten, daß du dich wie vorher verhältst. Entweder hältst du noch ein wenig durch, in der Hoffnung, daß deine Veränderung akzeptiert wird, oder du suchst dir eine neue Clique.

Seitdem halte ich wieder meistens die Klappe und behalte meine Meinung für mich, weil ich keine Lust habe, mich rechtfertigen zu müssen, warum ich eine andere Meinung habe, wie die anderen.

Damit wirst du dich weiter auseinandersetzen müssen. Es ist ganz normal eine eigene Meinung zu haben und dazu zu stehen. Es ist aber auch normal, daß du mit Menschen zu tun hast, die überprüfen wollen, wie ernst du deine eigene Meinung nimmst, oder ob du ein Mitläufer ist.

Durch die Blume wird mir mitgeteilt, dass meine Meinung zu „political correct“ ist und ich außerdem die Meinung der anderen nicht akzeptieren/tolerieren würde.

Was ist mit deiner Meinung. Diese wird von ihnen nicht toleriert und sie versuchen dir die Schuld dazu zu zuschieben, in der Hoffnung, daß du resegnierst und wie früher bist.

Auch Fingerspitzengefühl habe ich lt. anderer nicht viel, was ich eigentlich anders sehe.

Schuldzuweisung, willst du sie annehmen und wie früher sein?

Nun weiß ich ja auch, dass der Ton die musik macht und es kann schon sein, dass mein Auftreten recht dominant wirkt vielleicht muss ich mich auch selber noch mehr in meiner eigenen Meinung bestärken und vertrete sie deswegen sehr dominant?) Ich selber kann mich schlecht beobachten und beurteilen - aber wie seht ihr die „Definition“ von Toleranz/Akzeptanz anderer Meinungen?

Solange du die Meinung der anderen achtest, ist das OK. Aber auch deine eigene Meinung sollte akzeptiert werden. Toleranz/Akzeptanz muß immer von beiden Seiten erfolgen.

Kleines Beispiel: Ein Bekannter (schwul) sieht zufällig ein Foto von irgendeinem Typen (Werbe-anzeige in einem Heft) und meint, dass er den Typen süß findet. Ich sage: „Ihh, nein, das ist doch ein Milchbubi, gefällt mir nicht.“ Für diesen Satz ernte ich von einer Freundin einen Anschiss, dass ich ja wohl nicht den Geschmack des anderen so schlecht machen kann und ich halt andere Geschmäcker akzeptieren muss.

Dein Bekannter hat seine Meinung abgegeben und du die deine. Nichts anderes ist passiert. Du hast nicht den Geschmack eines anderen schlecht gemacht. Aber deine Freundin wollte dir ein schlechtes Gewissen einreden.

Ich möchte an mir arbeiten und mich ggf. ändern,

Du bist gerade mitten drin, darum hast du deine Probleme mit der Clique und die mit dir. In einer Clique ist der Status quo gefragt, Änderungen werden nicht oder nur sehr schwer akzeptiert.

aber ich möchte vor allem auch eines vermeiden: Grundsätzlich jeden Fehler ausschließlich bei mir selber suchen - das habe ich jahrelang getan und muss jetzt halt auch lernen und verstehen, dass andere in meinem Freundeskreis genauso Fehler machen und mich damit verletzen. Nur, wie erkenne ich das?

Lehne eine Schuldzuweisung, die unberechtigt ist, ab.

Also blöd gesagt, kann man eine Meinung tolerieren, die man selbst für sich als schlecht empfindet?

Sagen, daß man eine andere Meinung hat, aber die Meinung des anderen akzeptiert. Wohlgemerkt: akzeptiert, aber nicht übernimmt.

Halte durch, du schaffst es. Der Anfang ist schon gemacht.

Liebe Grüße
Monika

Hallo,

Kleines Beispiel: Ein Bekannter (schwul) sieht zufällig ein
Foto von irgendeinem Typen (Werbe-anzeige in einem Heft) und
meint, dass er den Typen süß findet. Ich sage: „Ihh, nein, das
ist doch ein Milchbubi, gefällt mir nicht.“ Für diesen Satz
ernte ich von einer Freundin einen Anschiss, dass ich ja wohl
nicht den Geschmack des anderen so schlecht machen kann und
ich halt andere Geschmäcker akzeptieren muss.

Normalerweise, wenn jemand sagt, daß ihm etwas gefällt, dann äußert er damit alleine nicht schon einen Wunsch nach kritischer Beurteilung seines Geschmackes. Höflichweise enthält man sich da eines Urteils.

Wenn aber Dein Geschmacksurteil gefragt ist, dann kannst Du sagen, daß für Dich etwas anderes schön ist, aber die Geschmäcker sind halt verschieden. Diesen Satz darfst Du sogar mit „Nein“ beginnen.
Mit dem Schmähruf „igitt!“ wirst Du unhöflich, weil Du nicht nur sagst, daß Dir etwas anderes besser gefällt, sondern daß der andere ein minderwertiges Geschmacksempfinden habe.
Es gibt da einen Unterschied zwischen selbstbewußten Auftreten und Zuwiderheit, der dem einen oder anderen Psychotherapeuten nicht ganz klar, für die Leute in Deiner Umgebung aber wohl bedeutsam zu sein scheint.

Wenn ein Schwuler einem Normalen von einem Männerbild vorschwärmt, dann meint der Schwule damit zumeist auch, daß er stolz auf seinen hohen Grad von Schwulheit ist. Wenn das zutrifft, dann darf man ausdrücken, daß man mit derlei nicht belästigt werden möchte.

Gruß,

Wolfgang Berger

ist zwar nicht die antwort auf deine frage,…
hi alexa,

aus eigener erfahrung möchte ich folgendes sagen:
wenn du gerade dabei bist, eine analyse oder therapie zu machen, dann ist der spruch: „reden ist silber, schweigen ist gold“ einer, den man sich vielleicht zu herzen nehmen sollte.
man befindet sich in einer umbruchphase und alles was man sagt, kann sich einige tage/wochen/monate später schon wieder ganz anders anhören.
wenn deine freunde wissen, daß du eine therapie machst, kann es ganz schnell sein, daß sich in deren hinterstübchen festsetzt: die macht ja ne therapie, die weiß nicht wovon sie spricht…
wenn es die freunde nicht wissen, dann kann es trotzdem sein, daß sie abgeneigt dir gegenüber reagieren, weil sie spüren, daß sich bei dir was tut.
ich hab mir das so erklärt: meine gedanken seit meiner therapie (15 monate) sind (für meinen geschmack) recht radikal. mal in die eine, mal in die andere richtung. und das pendelt sich für jedes thema irgendwann alles ein. und zwar genau dort, wo DU stehst.
ich habe mir angewöhnt (wenn ich nicht gerade unter SEHR GUTEN freunden bin) ein bißl meine klappe zu halten. denn ich habe nicht den eindruck, daß ich mich selbst schon für voll nehmen kann. bin ja noch eine suchende. wie sollten es also die anderen tun? wie sollen sie dich einordnen können?

verstehst du, worauf ich hinaus will?

gruß trinity

Danke euch und kurze Ergänzung
Hallo ihr Lieben,

danke euch allen für die Antworten - jede einzelne war hilfreich für mich und jeder einzelne von euch hat mit einigen Punkten ins schwarze getroffen.

Bei einem Punkt habe ich mich leider missverständlich ausgedrückt:

Kleines Beispiel: Ein Bekannter (schwul) sieht zufällig ein
Foto von irgendeinem Typen (Werbe-anzeige in einem Heft) und
meint, dass er den Typen süß findet. Ich sage: „Ihh, nein, das
ist doch ein Milchbubi, gefällt mir nicht.“ Für diesen Satz
ernte ich von einer Freundin einen Anschiss, dass ich ja wohl
nicht den Geschmack des anderen so schlecht machen kann und
ich halt andere Geschmäcker akzeptieren muss.

Der Bekannte hat auf meine Antwort völlig „normal“ reagiert, weil wir gerade sowieso immer wieder über die verschiedenen Männergeschmäcker geredet haben und während diesem Gespräch eben oben genannte Situation kam. Er hat auf meine Reaktion hin gelächelt und gemeint „naja, mir gefallen solche Typen eben“. Nur die an dem Gespräch nicht beteiligte Freundin (war nur in der Nähe und hat mitgehört) hat mich für meine Aussage gerügt, nicht er.

Nun ja, es stimmt schon, dass ich meine Art zu antworten oder meine Meinung auszudrücken überdenken und ggf. anpassen sollte. Was mir aber auch sehr geholfen hat ist der Wortstamm der Begriffe Toleranz und Akzeptanz. Hier ist mir doch ein Licht aufgegangen, dass die Begriffe öfter mal verwechselt werden (siehe schon alleine die Tatsache, dass ich danach frage).

Akzeptanz bedeutet zwangsweise auch gleichzeitig Toleranz, aber nicht umgekehrt. Den Satz finde ich für mich grade sehr wichtig.

Herzlichen Dank nochmal
liebe Grüße
alexa